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    Startseite » Septic
    Filme

    Septic

    Tobias Theißvon Tobias Theiß14. Juli 2022Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Mit Septic, seinem ersten Film nach längerer Auszeit, kehrt Amateurfilmer Brian Paulin zurück auf die heimischen Bildschirme.

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    Die Handlung von Septic

    Ein Paar (Morgan Desautel, Steve Savage) versucht bereits seit geraumer Zeit, ein Kind zu bekommen. Doch alle bisherigen Bemühungen erwiesen sich als fruchtlos. Über den ominösen Forsberg (Brian Paulin) erhalten sie die Möglichkeit, ihren Traum vom leiblichen Kind in Erfüllung gehen zu lassen. Der Clou: der alles andere als alltägliche und nicht ungefährliche Eingriff soll für zahlendes Publikum im Dark Web live gestreamt werden…

    Der Name ist Programm

    Wenn der US-Independent-Filmer Brian Paulin einen Film ankündigt, wetzt die Gemeinde der Gorehounds bereits begierig die Messer. Und sollten sich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten doch weniger blutrünstige Filmfans in Paulins neuestes Werk verirren, so dienen die Opening Credits gleichermaßen als Warnung und Frohlockung. Denn diese lassen unmissverständlich verlauten, dass man im Folgenden Zeuge eines „Gore film by Brian Paulin“ sein wird.

    Vor mehr als 10 Jahren hat Paulin in seinem Underground-Meisterwerk Fetus bereits gezeigt, dass nichts und niemand vor seinen fiktiven Gewalteskapaden sicher ist. Auch bei seinen Folgefilmen wie Cryptic Plasm oder Blood Pigs hat er weiterhin bewiesen, dass er seiner drastischen Effektarbeit treu bleibt.

    Wenig verwunderlich also, dass Septic ganz in paulinscher Tradition entstand und seinem Filmtitel alle Ehre bereitet. Zerschundene Geschlechtsteile, ausgeweidete Körper, zertrümmerte (Baby)Schädel – in puncto Grenzüberschreitung traut sich Paulin hier wieder einiges zu und liefert definitiv genau das ab, was sich Fans vom Film erwartet haben. Wie bei Paulins anderen Arbeiten gilt aber auch hier: so unvorstellbar blutrünstig hier zur Tat geschritten wird, so deutlich lassen sich die Effekte auch klar als solche erkennen. Die Gewaltakte mögen teils extrem abstoßend sein, geht von ihrer kreativen Umsetzung und handwerklichen Kunstfertigkeit doch immer auch eine gewisse morbide Faszination aus.

    In einer Szene scheint sich Paulin allerdings Inspiration vom Undergroundkollegen Lucifer Valentine geholt zu haben: in seiner Rolle als Thomas Forsberg lässt sich Paulin von Darstellerin Ashley Valentine nicht nur mit einer Rasierklinge anritzen, sondern diese auch auf sich erbrechen. Beides unsimuliert. Ob das dann nur der Befriedigung individueller Fetische dient oder wirklich relevanter Teil des Films ist, sei dahingestellt.

    Brutal aber atmosphärisch

    Aller Gewalt zum Trotz gelingt es Septic aber dennoch, Atmosphäre zu erzeugen. Unterstützt von düsteren Noise-Sounds, den schummerigen Sets und der generell menschenverachtenden Thematik, entsteht von Beginn an eine Atmosphäre unterschwelliger Bedrohung und aufkeimender Grausamkeit.

    Waren es in Bone Sickness noch Zombies, in Fetus okkult-nekromantische Rituale oder in Cryptic Plasm paranormal-kosmischer Horror, sorgt hier einzig und allein die Barbarei des Menschen für die Pein der Protagonisten. Echter Horror oder Grusel stellt sich aber selten bis gar nicht ein. Dafür lässt sich Septic für einen „Gorefilm“ überraschend viel Zeit, ehe der Gekrösereigen beginnt.

    Punktuell lässt Paulin kurze Gewalteruptionen in den ersten Minuten durchblitzen, setzt aber erst einmal daran, den Rahmen abzustecken, ehe er in die Vollen geht. So gelingt es ihm spielend, den relativ sanften Einstieg stetig weiter eskalieren zu lassen, um selbst bei fortgeschrittener Laufzeit noch Szenen abzuliefern, die die vorherigen Gräuel in ihrer Unbarmherzigkeit noch übertreffen. Septic nimmt also genau jenen unbarmherzigen und gnadenlos fortwährenden Verlauf, der von einer Sepsis anzunehmen ist.

    Purer Underground

    Septic kann seine Herkunft nicht verleugnen. All den weniger Amateurfilm affinen Interessierten sollte klar sein, dass hier kein auf Hochglanz poliertes Produkt wartet. Die mit schwarzen Planen verhangene Garage des Regisseurs wird so kurzerhand zum OP-Saal – generell fallen die Sets einfach und wenig abwechslungsreich aus. Schauspielerisch finden sich neben neuen auch einige Gesichter aus Paulins Stammbesetzung vor der Kamera wieder. Diese zeigen zwar keine übermäßigen Meisterleistungen, die Rollen werden vom Cast aber annehmbar verkörpert.

    Privat finanziert und veröffentlicht, muss Paulin einerseits natürlich kleinere Brötchen backen als AAA-Studios aus Hollywood, ist dafür aber auch keinem Produzenten klingelnde Kinokassen schuldig. Getreu dem Credo „von Fans, für Fans“, dreht Paulin seine Filme in der Freizeit, was auch einen Grund für die enorme Zeitspanne bis zur Fertigstellung Septics darstellt. Denn das Werk ist während seines Entstehungsprozesses stetig gewachsen und aus einem ursprünglich geplanten Kurzfilm namens Birth Canal wurde erst im Laufe der Zeit der nun vorliegende Spielfilm. Der günstige Digitallook mag für das mainstreamgestählte Publikum pures Gift sein, passt hier aber sehr gut zum Setting rund um Snuff und Red Rooms. Brian Paulin widmet sich in seinem neuesten Film also einem Themengebiet zwischen Urban Myth und trauriger Realität.

    Leider lässt er aufgrund der geerdeten Thematik, so viel Spoiler sei erlaubt, Paulins Quasi-Markenzeichen vermissen: im Finale erhebt sich zumeist eine monströse Kreatur und straft die bis dahin Überlebenden gnadenlos ab. In Septic hingegen bleibt alles auf humanoider Basis. Dies als tatsächlichen Kritikpunkt anzuführen, wäre allerdings übertrieben, stellt es doch eher eine subjektive Erwartungshaltung dar.

    Unser Fazit zu Septic 

    Paulin hat es verstanden, seine Fans mit spärlichen Infohäppchen und Szenebildern von Effektarbeiten zum Film trotz langer Produktionszeit bei Laune zu halten und entsprechend anzuteasen. Septic steht im Endeffekt ganz in der Tradition eines Brain Paulin-Films. Aus minimalen finanziellen Mitteln mit Herzblut, Kreativität und Hingabe das Maximum herzuholen.

    Dabei stellt sich Septic als bislang düsterstes Kapitel in der Filmographie des Regisseurs dar. Das liegt am völligen Verzicht des sonst so typischen Übernatürlichen und Fantastischen. Einerseits ist es zwar schade, dass hier keine furchterregende Kreatur wartet, andererseits unterstützt das Fernbleiben jeglicher Fantastik die nihilistische Atmosphäre.

    Bildtechnisch und auditiv sollte man von der codefreien US-Scheibe (ein europäisches Release durch Blacklava Entertainment wird noch folgen) logischerweise keine Big Budget-Ausstattung erwarten. Mit der groben Bildqualität kann man sich durchaus anfreunden, der teils aber doch sehr leise Ton fällt da schon negativer ins Gewicht. Wer zur angepeilten Zielgruppe gehört, wird sich damit aber sicherlich arrangieren können. Alle anderen machen mit hoher Wahrscheinlichkeit eh einen großen Bogen um den Film.

    Septic kann seit Freitag dem 13.05.2022 direkt über das Label bezogen werden.


    © Morbid Vision Films

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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