In Sleep dreht sich für eine junge Mutter alles um die Frage: Hat mein Ehemann „nur“ eine Schlafstörung oder ist er von einem bösartigen Geist besessen, der mich und das Baby umbringen will?
Wie gut der südkoreanische Horrorfilm diese spannende Prämisse durchspielt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

© Plaion Pictures
Die Handlung von Sleep
Soo-jin und ihr Mann Hyun-su sind frisch verheiratet und genießen das Leben in der gemeinsamen Wohnung. Doch eines Nachts beginnt Hyun-su zu schlafwandeln und im Schlaf zu reden. Was erstmal harmlos klingt, entwickelt sich zu einer echten Bedrohung. Denn der Ehemann verhält sich des Nachts zunehmend aggressiver. Er verletzt auch sich selbst, indem er sich tiefe Wunden ins Gesicht kratzt.
Das Paar versucht mit Hilfe der Ärzte alles, um die Nächte sicherer zu machen: Fest anliegende Schlafsäcke, doppelte Türschlösser und Nachtwache. Doch als die beiden ein Kind empfangen, wird die Lage so ernst wie noch nie. Soo-jin ist sich sicher, dass hier andere Mächte am Werke sind.

Let’s talk about: Südkorea
Wer hierzulande in den 2000er-Jahren vom großartigen Filmland Südkorea schwärmte, dürfte mehr oder weniger nur ratlose Blicke geerntet haben. Heutige Thriller-Klassiker wie Park Chan-Wooks Oldboy oder Bong Joon-Hos Memories of Murder waren damals absolute Geheimtipps.
Mittlerweile finden zum Glück regelmäßig südkoreanische Filme ihren Weg nach Deutschland. Das Land aus Südostasien steht in unserer Wahrnehmung auch nicht mehr nur als Garant für packende Thriller da, sondern allgemein für interessante Genrefilme. Auch Horror-Fans dürfen sich freuen, dass altbekannte Stoffe noch mal aus anderer kultureller Perspektive erzählt werden. Als Beispiel sei hier der zwar wenig überraschende, aber durchweg mitreißende Train to Busan genannt.
So landet eben auch ein so kleines Horrordrama wie Sleep, das Regie-Debüt von Jason Yu, nicht nur mehr auf dem Fantasy Filmfest (2024), sondern auch über Plaion im Heimkino. Dabei darf sich Yu über zwei Zugpferde für seinen Film freuen. Sein Mentor Bong Joon-Ho protegiert diesen Film mit großem Nachdruck, davon kann sich jeder auch im Bonusmaterial der Veröffentlichung überzeugen. Zum anderen spielt der leider verstorbene Lee Sun-kyun wie auch in Bong Joon-Hos Gesellschaftsparabel Parasite die Hauptrolle.
In guten wie in schlechten Zeiten
„Gemeinsam schaffen wir alles“ sagt eine Holztafel, die im Wohnzimmer von Soo-jin und Hyun-su hängt und im Laufe der Geschichte immer wieder referenziert wird. Dieses, nennen wir es, Ehe-Motto des Paares klingt erstmal reichlich abgedroschen, soll den Figuren aber noch mal etwas mehr Motivation für die anstehenden Ereignisse geben.
Denn gerade im Horrorfilm stellt sich im Angesicht der Bedrohung immer die Frage, warum hier eigentlich niemand die Flucht ergreift. Antwort: Das Ehepaar hat sich verschworen, alles gemeinsam zu lösen – gedanklicher Zusatz: Egal wie schlimm und bedrohlich es für alle Beteiligten wird.
Die Bedrohlichkeit des Szenarios ist dabei durchaus zwiespältig zu sehen, weshalb die Genre-Zuordnung definitiv eine Erwähnung verdient. Auf verschiedenen Plattformen findet sich neben Horror (klar) auch die Einordnung Comedy oder Black Comedy. Als Horrorkomödie im herkömmlichen Sinne geht Sleep für mich aber keinesfalls durch, bestenfalls können absurde Momente komisch im doppelten Sinne wirken. Letzten Endes kann ich nicht sagen, ob durch die Synchronisation und den culture gap etwas verloren geht, was bewusste Komik sein soll.
Wer also mit Horrorkomödien wegen des Humorgehalts oft nichts anfangen kann, kann hier trotzdem bedenkenlos reinschauen.

Ein Film für Mitdenker und Mitleider
Wer einen reinrassigen Horrorfilm mit deftigen Schockmomenten und prickelnden Gruseleinlagen sucht, ist mit Sleep auch falsch beraten. Jason Yu inszeniert zwar klassische Spannungssequenzen, wenn Hyun-su mal wieder schlafwandelt und Soo-jin ihn mit steigender Angst und Verunsicherung suchen muss.
Diese Sequenzen werden genüsslich in gefühlter Zeitlupe ausgekostet, mit dramatischer Musik garniert und durch gezielte Zooms in den Schrecken hinein zum Höhepunkt gebracht. Häufig verharrt Sleep jedoch im Drama, was Vorteile wie Nachteile hat.
Nachteile vor allem für Vielgucker, die hier schnell merken, wie die Prämisse sich entfalten wird. Das Mysterium hinter dem Problem ist schnell aufgedeckt und verdient nur eine kurze Erklärung, auch wenn das Promomaterial von einem rätselhaften Szenario spricht, was uns lange im Dunkeln hält.
Jason Yus Debüt ist alles andere als ein reiner Unterhaltungshorrorfilm, der einem mit übersprudelnden Effekten jede Aktivität auf der Couch („Was soll ich jetzt fühlen? Was soll ich denken?“) abnimmt. Es bleibt viel Raum für Kopfkino und die Frage, wie ich selbst handeln würde, wenn mein Partner sich immer seltsamer verhält und die Schwelle zur Aggression überschritten wird.
Sleep zieht das Tempo nie wirklich an, läuft auf kein pompöses Finale hinaus, aber bleibt seinen Figuren und dem durchweg geerdeten Ehedrama bis zum Ende treu. Das Publikum darf hier für sich bis zum Schluss eine gedankliche Pro-Contra-Liste erstellen zu der Frage: Ist das nun eine Schlafstörung oder eine Besessenheit?
© Plaion Pictures
Unser Fazit zu Sleep
Jason Yus Regiedebüt ist ein klein angelegtes Horrordrama in 4 Wänden, das relativ überzeugend mit der peinigenden Ungewissheit zwischen Schlafstörung und Besessenheit spielt. Für Horrorfans bleibt Sleep allerdings deutlich zu lasch und harmlos. Es fehlen die wirklich packenden Schockmomente und Gruseleinlagen, um dem Film die richtige Würze zu verleihen und die doch recht erwart- und überschaubare Handlung inszenatorisch aufzupeppen.
