Jack Quaid hat nicht nur berühmte Eltern, er hat auch ein Faible dafür, was auf die Fr… zu bekommen. Das hat er als Everyday-Guy, der ins Superhelden-Milieu abdriftet in The Boys bewiesen und auch in Mr. No Pain. geht er ähnliche Wege – nur diesmal, ohne Schmerzempfinden. Wäre das auch für das Publikum des Films von Vorteil?

Mr. No Pain – Darum geht’s
Nathan Caine (Jack Quaid) ist ein ruhiger und zurückhaltender Mann, der mit einer seltenen genetischen Störung namens kongenitale Schmerzunempfindlichkeit (CIP) geboren wurde. Dieses ungewöhnliche Leiden macht ihn immun gegen jegliche Form von physischem Schmerz. Als jedoch seine neue Freundin Sherry (Amber Midthunder) bei einem Bankraub als Geisel genommen wird, entwickelt sich seine vermeintliche Schwäche zu einer einzigartigen Superkraft. Entschlossen, sie zu retten, muss Nathan seine inneren Ängste überwinden und seine Schmerzunempfindlichkeit geschickt einsetzen, um sich den bewaffneten Räubern zu stellen. „Mr. No Pain“ nimmt die Verfolgung auf und zieht seinem Körper einer harten Tortur durch – ohne dabei mit der Wimper zu zucken.
No Pain, no Gain
Mr. No Pain verfolgt eine durchaus spannende wie spaßige Prämisse: Ein langweiliger Allerweltsgesicht wird vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt – in die Öffentlichkeit gehen und ausgerechnet seine große Liebe retten, die bei einem Bankraub als Geisel genommen wurde. Rund 30 Minuten werden investiert, um die Liebesgeschichte und die Beziehung der beiden charismatischen Hauptdarsteller zu etablieren. In seinem ersten Akt ist der Film sehr nah bei den Figuren und dadurch sympathisch. Der netten Chemie zwischen einer unterforderten Amber Midthunder und einem stets charismatischen Jack Quaid steht dadurch quasi nichts im Weg. Doch der Film macht nichts daraus.
Während Quaids nächster Kinotitel erneut weit hinter den Erwartungen zurückbleibt und wie Companion als lauer Genrebeitrag lediglich auf Sparflamme köchelt, verpufft die Spielfreude in einem müden Action-Machwerk, das recht ereignislos an den Zuschauern vorbeifließt – und die netten Figuren einer Rahmenhandlung unterordnet, die generischer nicht sein könnte.
Mr. No Pain ist zwar nie nervig, aber auch nie wirklich mitreißend – und damit auch nie sonderlich ekelhaft oder brutal. Die Genre-Regisseure Dan Berk und Robert Olsen haben durch Filme wie Villains oder Significant Other zwar ihren eigenen Ansatz gefunden, um an Genrefilme heranzutreten, die Wagnisse einzugehen scheinen. Docj spürbar wird das hier nicht. Stattdessen wirkt der Film wie die Deadpool-Version von Kevin Allein zu Haus – und ist damit in Sachen Stimmung und Humor zum Vergessen.
Ohne Scherz, viel Schmerz
Ab und zu landet mal eine Hand in kochendem Fett einer Fritteuse oder an glühend heißen Pfannen, Nathan Caine selbst wird von Pfeilen und Messern getroffen, ihm werden Fingernägel gezogen, er tötet aus Versehen Menschen oder schlägt in einen Scherbenhaufen, um sich mit den Glasresten zu bewaffnen – aber bis auf das Finale wird diese Form der Härte niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Man hat alles schon gesehen, alles schon „gespürt“ – auch wenn der Höhepunkt in Sachen Knochenbruch zugegeben durchaus Klasse und Härte besitzt. Und dennoch überrascht davon wenig, weil es die Hauptfigur nicht überrascht – und auch gar nicht interessiert. Man spürt so viel Schmerz wie Nathan Caine. Wenn unsere Hauptfigur so tun müsste, als würde sie Schmerzen empfinden, ist das grundsätzlich ganz charmant, am Ende aber genauso qualvoll wie die Härte in einem Deadpool-Teil – nämlich gar nicht. Das Geschehen ist dabei zwar nett anzusehen, ab und zu ganz schrullig-unterhaltsam und fast malerisch comic’esk. Doch Mr. No Pain kommt schlich einige Jahre zu spät und ist dadurch lediglich noch „einer von vielen“.
Bereits zum Release ist das Konzept überholt, vielerorts schlichtweg besser umgesetzt und brutaler, unterhaltsamer sowie kürzer. Eine überzeugende Begründung, sich diesen Film anzusehen, wenn es Werke wie Crank und Guns Akimbo, bleibt fraglich. Und dennoch ist der Streifen bei weitem kein kompletter Schiffbruch. Die Regisseure haben sichtlich Spaß daran, Ray Nicholson als psychopathischen Gegenspieler aufdrehen zu lassen. Seine Szenen sind zwar zu kurz, aber dennoch die besten, weil ihm gleichermaßen auch ein richtig guter Showdown mit brutaler Action serviert wird. Hier macht es beim Zuschauer endlich „Klick“ – und Caine bekommt eine Aufgabe, die ihn herausfordert. Die Action im letzten Akt ist dabei durchaus hart und wuchtig, kompetent inszeniert, steht dabei aber im klaren Kontrast zu den vorherigen Kämpfen, die auf typische Situationskomik setzten und dadurch kaum bleibenden Eindruck hinterlassen.
Konsequenzloses Regelwerk
Besonders in der Dramaturgie zeigen sich einige Probleme. Ein per se humoristisches Konzept wird mit einem klaren und gelungenen Regelwerk versehen – nur um im späteren Verlauf nicht mehr darauf einzugehen. Nathan Caine darf zum Beispiel nichts Festes essen, weil er sich sonst versehentlich die Zunge abbeißen würde. Er stellt sich alle drei Stunden einen Wecker, um rechtzeitig auf die Toilette zu gehen und seine Blase vor dem Platzen zu schützen. Sozial isoliert er sich nahezu komplett, weil er nicht gerne unter Leute geht – und er hat einen virtuellen Freund, der ihm beim Zocken beisteht. In Mr. No Pain finden sich Aspekte wieder, die durchaus lustig den Weg in die Handlung ebnen. Nur verkommen diese lediglich als Mittel zum Zweck. Denn diese Elemente erscheinen regelrecht irrelevant, weil sie ohnehin nur als kurzer Aufhänger herhalten. Ob der von Jacob Batalon solide gespielte Roscoe nun im Film ist oder nicht, ist eigentlich auch egal – für den „Jason Momoa“ und „Spider-Man-Mann-im-Stuhl“-Gag hat es zwar gereicht, mehr als ein müdes Lächeln wurde es jedoch nicht. Und ob Amber Midthunters Sherry eine Wendung im Verlauf der Handlung erfährt oder nicht, bleibt ebenso bedeutungslos. So verzettelt sich Mr. No Pain auf ganzer Linie in seiner tonalen Unausgeglichenheit.

Unser Fazit zu Mr. No Pain
Mit gewissen Abstrichen geht Mr. No Pain als ansehnliches und halbwegs unterhaltsames Actionprogramm durch. Mit besserem Pacing, längerer Action und einer stärkeren Vertiefung der Schurkenseite wäre jedoch deutlich Luft nach oben gewesen. In dieser Form plätschert er vor sich hin – denn mal passiert im Geschehen mehr, mal weniger, mal überraschen Höhepunkte und mal dominiert Langeweile. Das Konzept schwankt dabei unentschlossen zwischen Witz und Ernsthaftigkeit, während die 109 Minuten mit einigen zähen Passagen und unnötiger Überlänge zu kämpfen haben. Jedoch retten Jack Quaid, Amber Midthunder und Ray Nicholson den Film gerade so ins untere Mittelmaß – und der gelungene, durchaus harte Showdown bewahrt ihn vor dem Vergessen.
Mr. No Pain ist aktuell in Deutschland im Kino zu sehen.
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Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“
