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    Souleymans Geschichte

    Luca Mattysvon Luca Mattys24. November 2025Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Fast zwei Jahre hat es gedauert, doch nun radelt Boris Lojkines Indie-Perle Souleymans Geschichte auch in die deutschen Kinos. Diverse gewonnene Preise hat sie bereits im Gepäck. In unserer Review erfahrt ihr, ob sie die hohen Erwartungen erfüllt!

    Darum geht’s in Souleymans Geschichte

    Souleyman (Abou Sangare), ein guineischer Fahrradkurier, liefert in Paris Essen aus, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Da er als Einwanderer selber keine Arbeitserlaubnis besitzt, nutzt er das Profil eines Freundes. Die Arbeit ist hart und lang; abends erwischt er oft mit Mühe und Not noch den letzten Bus, der ihn zur Notunterkunft fährt. Die ausstehende Anhörung beim Amt, nach der sein Aufenthaltsstatus entschieden werden soll, verspricht Besserung. Souleyman hat 48 Stunden Zeit, um sich die Geschichte einzuprägen, die er beim Vorsprechen präsentieren möchte. Schnell wird klar, dass diese nicht der Wahrheit entspricht, die er selbst erlebt hat. Neben dem Studium der ausgedachten Erzählung schlägt sich der Lieferant außerdem durch einen Alltag, in dem eine einzige falsche Entscheidung Probleme mit der Polizei, den Verlust der Arbeit oder eine Nacht auf der Straße bedeuten könnte. Kann Souleyman sich durch alle Rückschläge hindurchkämpfen und bei seiner Anhörung eine lückenlose Geschichte präsentieren?

    Key-Art © 2025 Film Kino Text

    Wie ein Kochtopf

    Um eines vorwegzunehmen: Souleymans Geschichte ist ein absolutes Kunststück filmischer Inszenierung. Die minutiös genaue Abstimmung der audiovisuellen Präsentation auf das Drehbuch muss sich hinter wenigen in den letzten Jahren erschienen Werken verstecken. Boris Lojkine fängt die nächtlichen Straßen von Paris wie einen kaltblau bestrahlten Hexenkessel ein, durch den sich Protagonist Souleyman hindurchschlängelt. Die Aufnahmen überzeugen nicht nur ästhetisch durch den geschmackvollen Einsatz von Farbe und Beleuchtung, sondern untermauern erstklassig die dramaturgische Dringlichkeit der Handlung. Der Rücken des fahrradfahrenden jungen Mannes, der von der Kamera verfolgt zu werden scheint, wird in einem engen 1.50:1-Seitenverhältnis eingepfercht. Gesichter nehmen oft einen Großteil des Bildes ein; jede emotionale Nuance zeichnet sich leserlich ab. Kameramann Tristan Galand fotografiert Souleymans pausenlose Zerreißprobe ohne jedwede Zurückhaltung und zeichnet ein Starporträt von Nachwuchsdarsteller Abou Sangare, dessen Charisma und schiere Ehrlichkeit vermutlich auch einen Film im Alleingang tragen können, der nicht so rundum gelungen ist wie dieser.

    Hervorzuheben sind dabei auch die subtileren Kamerakniffe, derer sich Souleymans Geschichte bedient. Durch eine makellose Symbiose von Bild- und Ton-Ebene gelingt Regisseur Lojkine der Blick in die Gedankenwelt seiner Hauptfigur. Oft nur durch schleichende Fokuswechsel und nach und nach ausblendende Hintergrundgeräusche signalisiert er die Isolation des hochkonzentrierten Souleyman, der sich seine titelgebende Geschichte haargenau einprägen muss. Der konstante Druck, welcher auf der Figur lastet wie auf einem Topf Wasser, der überzukochen droht, wird durch intelligente Regiearbeit kommuniziert. Dabei rutscht Lojkine nie in den Abgrund des Kitschigen ab. Auf den Einsatz von Musik, die faul Emotionen diktiert, verzichtet er etwa gänzlich. Der Soundtrack besteht zumeist aus wild durcheinanderrufenden Menschen, dem Hupen von Autos oder den Pedalen eines Fahrrads. Somit zeichnet sich die sozialrealistische Geschichte, die auf dem Papier womöglich an die Filmografie der Gebrüder Dardenne erinnern könnte, auch durch einen noch höheren Standard inszenatorischer Brillanz aus.

    Plötzlich ganz reduziert

    Seinen Höhepunkt findet Lojkines neuer Streich in einer lang ausgebreiteten Dialogszene zwischen Souleyman und der Beamtin der Einwanderungsbehörde. Statt verzweigter Straßen voller Lücken und Fluchtwege bleibt dem verzweifelten Fahrradlieferanten hier nur der Weg geradeaus. Der Regisseur greift auch diesen Zustand angemessen auf und filmt die Szene deutlich simpler als alles Vorangegangene. Über ihre volle Länge schneidet er lediglich zwischen zwei eindrücklichen, aber unkomplizierten Einstellungen hin und her. Nie fliegt die Kamera über die Köpfe der Darsteller:innen, vollführt Kunststücke oder kompensiert fehlende Emotionen durch Taschenspielertricks. Die Zuschauenden werden alleingelassen mit einer kombinierten Wucht aus Drehbuch und Schauspiel. Lojkine hat alle möglichen Fallstricke bis zu diesem Punkt wunderbar etabliert und verlässt sich gekonnt auf die Wirkungskraft seines Skripts. Der Erfolg gibt ihm Recht; Abou Sangare und Co-Star Nina Meurisse nehmen jede Passage dankend an und liefern eine Darbietung, die im Entstehungsland des Filmes wohl als „tour de force“ bezeichnet werden könnte.

    Souleymans Geschichte in Souleymans Geschichte

    Neben der starken Dialogformulierung überzeugt das Buch, das Lojkine gemeinsam mit Delphine Agut verfasst hat, zudem durch starke nonverbale Charakterisierungen. Der Protagonist ist bereits nach wenigen Szenen, die ihn bei der Auslieferung von Essen zeigen, umfassend gezeichnet. Das Publikum weiß um seine Sorgen, Nöte und die Hebel, die es bei ihm zu ziehen gilt. Es versteht, was Souleyman wütend macht und was ihn mitfühlen lässt. Dies geschieht größtenteils ohne den Nutzen eines einzigen Adjektivs. Der Film spricht nicht über seine Hauptfigur, er lässt vielmehr ihre Taten sprechen.

    Nachts schläft Souleyman in einer Notunterkunft. © 2025 Film Kino Text

    Auch das Milieu der Geschichte kann sich selbst etablieren, anstatt etabliert zu werden. Die Kamera darf den Beobachter mehrerer unbeschreiblich authentischer Szenen spielen, in denen die Figuren frei und natürlich untereinander interagieren. Dazu trägt neben der hervorragenden Dialogregie, die den Schauspieler:innen erlaubt, sich gegenseitig zu unterbrechen oder gleichzeitig zu sprechen, statt brav auf ihre Einsätze zu warten, auch die klare Zeichnung der Dynamiken bei. Ob Spitznamen, die beiläufig ausgetauscht werden, oder Hobbys, über die diskutiert wird – die gemeinsame Historie, die die Sprechrollen teilen, bleibt greifbar. Es fühlt sich niemals an, als hätte Souleyman mit der ersten Minute der Laufzeit zu existieren begonnen. Seine Biografie, Wurzeln und Community reichen Jahre zurück, und jedes von ihnen ist in 92 Minuten zu spüren.

    Selbst der Titel des Films unterstreicht sein Spiel mit Authentizität durch die geschickte Mehrdeutigkeit des Begriffes „Geschichte“. Fakt ist: Die einstudierte Erzählung des Protagonisten entspricht nicht der Wahrheit. Doch sein fiktiver Tatsachenbericht bleibt lange alles, was wir über ihn wissen. Nur Stück für Stück pellt das Skript die Schichten ab und offenbart die Erlebnisse der Figur. Souleymans Geschichte erzählt Souleymans Geschichte, in der wir dadurch Souleymans Geschichte erfahren, dass wir beobachten, wie Souleymans Geschichte eingeübt wird.

    © 2025 Film Kino Text

    Unser Fazit zu Souleymans Geschichte

    4.0 Stark

    Immer wieder begegnen dem experimentierfreudigen Kinopublikum Perlen, die es zu entdecken lohnt - besondere Filme, deren Bekanntheitsgrad in keinem Verhältnis zu ihrer Qualität steht. Souleymans Geschichte ist ein solcher Film. Dieses fantastische Werk dürfte wenigen, die ihm eine Chance geben, nicht gefallen. Seine diversen Stärken sind unbestreitbar. Neben dem begnadet ausformulierten und dargestellten Protagonisten überzeugt es durch hochprofessionelle Präsentation und geschickte technische Untermalung, die allen Filmfans ein Lächeln auf die Lippen zaubern sollte. Die formidabel abgesteckte Welt ist realistisch und nachvollziehbar, wodurch auch die ständige Abwärtsspirale der Hauptfigur nie gekünstelt oder unauthentisch wirkt. Der Plot zielt nicht auf atemberaubende Wendungen oder aus dem Hut gezauberte Überraschungen ab, sondern auf die Darstellung einer ausweglosen Situation, aus der sich auch der geschickteste Überlebenskünstler irgendwann nicht mehr herausbeißen kann. All dies geschieht in nicht einmal 100 Minuten, die knackig und temporeich abgespielt werden. Klarer könnte eine Empfehlung kaum sein; wer das Kino für das liebt, was es in Bestform zu bieten hat, muss Souleymans Geschichte zuhören.

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    Luca Mattys

    Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.

    • Luca Mattys
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