Spellbound ist ein Animationsfilm mit wahnsinnigem Sprechercast – aber auch einer besorgniserregenden Entwicklungsgeschichte. Heißt es in diesem Fall „Ende gut, alles gut“ oder war die lange Wartezeit vergebens?

Spellbound – Die Story
Im magischen Reich Lumbria hat Teenager-Prinzessin Ellian (Originalstimme: Rachel Zegler) ein ernstes Problem: Ihre Eltern König Solon (Javier Bardem) und Königin Ellsmere (Nicole Kidman) sind bei einem Ausflug in den dunklen Wald in zwar liebenswerte und ihrer Lage bewusste, aber durchaus gefräßige Ungeheuer verwandelt worden und können das Land nun nicht mehr regieren. Ellian lässt zwei Forscher kommen, die sich des Phänomens annehmen sollen, doch auch diese wissen nicht weiter, glauben allerdings, dass eine schnelle Rückverwandlung nötig ist, wenn Solon und Ellsmere nicht für immer als Monster ihr Dasein fristen wollen. Als die Palastwache skeptisch wird und die Ungetüme gefangen nimmt, um sie weit fortzuschaffen, flüchtet Ellian mit ihnen, in der Hoffnung, irgendwo und irgendwie ein Gegenmittel zu finden. Bei ihrer Suche erlebt die Familie viele Abenteuer und es wird klar, dass die dunklen Mächte, die für die Verwandlung verantwortlich sind, finstere Pläne für Lumbria im Sinn haben.
Bunter, kindgerechter, visuell altbackener Animationsspaß
2017, also vor inzwischen sieben Jahren ging Spellbound, damals noch unter dem Titel Split, bei Paramount in Produktion. Für das Animationsabenteuer verantwortlich „zeichnen“ sollte dabei die Madrider Division von Skydance. Doch dann kamen einige kreative Neuausrichtungen, eine globale Pandemie und zig Verschiebungen zwischen den verschiedenen Diensten, ehe das Projekt final von Apple TV+ an Netflix verkauft wurde. Dort ist der Film nun reichlich verspätet erschienen, aber gleichzeitig zum richtigen Zeitpunkt, denn typischerweise laufen Animationsfilme in der Vorweihnachtszeit – egal ob im Kino oder Streamingbereich – ziemlich gut. Und genau diese Art von Feiertags-Familienprogramm ist nämlich dieser animierte Musicalfilm auch: Man wandelt hier auf eigentlich ausgetretenen Pfaden, aber da mit neuen Kindern wächst auch immer wieder eine neue Generation von Zuschauerinnen und Zuschauern heran, die man mit einer schon dutzendfach erzählten Geschichte in zeitgemäßer Variation auf fruchtbaren Boden trifft.
Spellbound ist im Endeffekt ein ziemlich zeitloses Werk, das mit den typischen Familienfilm-Tropes gekonnt jongliert und viel Herz und Kreativität mit sich bringt. Body-Switching, eine Prinzessin on a Mission, Monster mit Kulleraugen – neu ist hier zwar kaum etwas, aber, wie gesagt, das muss es ja nicht gezwungenermaßen sein, wenn die Kernzielgruppe noch kaum Referenzen zum Vergleichen hat. Im Kern ist dieses Abenteuer verglichen mit den in den letzten Jahren im Kino erfolgreichen Konkurrenztiteln wesentlich konzentrierter auf die inhaltlichen Aspekte als auf eine neue Form von Animationstechnik. Das stört höchstens die anspruchsvollen erwachsenen Begleiter der Hauptzielgruppe, denn mit den visuellen Überfliegern à la Elemental oder Soul – und erst recht nicht The Wild Robot – hält die Optik hier nicht mit. Spötter würden gar sagen, dass Spellbound visuell „billig“ oder „antiquiert“ rüberkommt.
Musical mit Herz und Botschaft für Kids und Eltern
Ja, dass man in den Animationsfilmen immer positive, aufbauende Messages einwebt, ist so alt wie Walt Disneys erste Gehversuche. Aber manchmal wirken die Aussagen aufgezwungen, die Appelle abgedroschen und redundant. Und ja auch in Spellbound geht es wieder einmal um eine Identitäts- und Zugehörigkeitssuche, um familiären Zusammenhalt, um Freundschaft und Akzeptieren von Makel und Außenseitertum. Aber hier wirkt es verglichen mit vielen anderen Vertretern wesentlich ehrlicher implementiert und weniger mit der Brechstange erzwungen. Das Figurendesign ist zwar vielleicht nicht auf dem aktuellen Stand des technisch Machbaren, aber die Charaktere sind hübsch, haben Wiedererkennungswert und funktionieren schlicht als Persönlichkeiten. Egal ob die verniedlichten Menschen, die bonbonbunten Monster und die flauschigen Sidekicks, man könnte den Machern sicherlich unterstellen, hier auch Merchandise-Verkäufe im Hinterkopf gehabt zu haben, aber Wirtschaftlichkeit gehört zum Filmgeschäft, wie das Herz zum Animationsfilm.
Das was aber fast noch mehr als die Bilder in Erinnerung bleiben wird, sind die wirklich eingänglichen Musical-Songs, die ganz in der Tradition der 80er- und 90er-Disney-Zeichentrickfilme daherkommen und einfach gute Laune verbreiten. Eine wirklich dramatische Abenteuergeschichte mit Fallhöhe und Spannung hat Spellbound nicht, aber die Figurenentwicklung ist dafür wesentlich ausgefeilter als in den manchen flachen Disney-Projekten der letzten Dekade, wie zuletzt Wish. Ein klassischer Märchenfilm mit schönen Augenblicken – vor allem für die Kinder unter 10 Jahren. Eine zweite Ebene für das erwachsene Publikum, wie es Pixar über Jahre perfektioniert hat, hat dieser Film jedoch nicht.

© Netflix
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

