Nach über zehn Jahren findet die beliebte Comedyserie Stromberg eine zweite Kino-Fortsetzung. Kann es der Papa allen recht machen oder droht er mal wieder mit Kündigungen?
Davon handelt die Fortsetzung vom Papa
Zwanzig Jahre nach ihrem ersten Auftritt kehrt das legendäre Team der CAPITOL-Schadensregulierung zurück. Einst prägten Strombergs (Christoph Maria Herbst) flapsige Sprüche und grenzwertige Umgangsformen den Büroalltag. Nun soll eine groß inszenierte Reunion vor laufenden Kameras zeigen, ob sich Stromberg, Ernie (Bjarne Mädel), Tanja und Ulf (Diana Staehly und Oliver Wnuk) sowie Jennifer (Milena Dreissig) weiterentwickelt haben. Natürlich verwandelt sich das nostalgische Wiedersehen rasch in ein vertrautes Minenfeld aus längst begrabenen Konflikten, peinlichen Enthüllungen und Bewegungen der Cancel Culture. Am Ende bleibt von der Harmonievision nur ein chaotisches Trümmerfeld.

Neuer Anstrich im Büro
Schon damals, als die Stromberg-Serie gerade ausgelaufen war, erfreute sich der deutsche „The Office“-Ableger ungebrochener Beliebtheit. Trotz miserabler Anfangsquoten setzte sich das Format durch und brachte es zwischen 2004 und 2014 auf 46 Folgen in fünf Staffeln. Doch die Fans wollten mehr vom problematischen Kahlkopf mit den saloppen Sprüchen.
Dass Stromberg – Der Film überhaupt entstehen konnte, lag einzig an der Crowd-Finanzierung. Zwar wurden alle Einzahler später entschädigt, doch das wusste vorab niemand. Skepsis war groß: Würde die schrullige Angestellten-Posse auch auf der Kinoleinwand funktionieren? Am Ende war der Film ein achtbarer Erfolg, und die Fangemeinde hält ihm bis heute die Treue. Längst ist Stromberg seiner Vorlage, vielleicht sogar seiner eigenen Interpretation, entwachsen.
„Ne Frau ist ja nicht automatisch clever, nur weil sie scheiße aussieht.“ – Sprüche, die auch in heute als Memes noch erstaunlich vital sind. Neu aufgeladen wurde die Figur, als Friedrich Merz Kanzler wurde: Plötzlich sahen viele Parallelen zwischen dem CDU-Politiker und Ralf Husmanns Kreation.
Bekanntes Problem von Fortsetzungen: Selbstreferenzialität
Auf der Weltpremiere in Berlin bekannte Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst, dass der Cast sofort strammstehe, sobald Husmann mit einer neuen Idee aufwarte. Doch beim neuen Kinofilm stellt sich die zentrale Frage: Ist Strombergs Humor noch zeitgemäß? Das Wiedersehen der Capitol-Belegschaft erfolgt metatextuell: Die „Stars“ kehren für eine Reunion-Show zurück und stoßen dabei nicht nur auf Wohlwollen.
Vor der Produktionsstätte campieren sowohl Stromberg-Fans, die ihn als Witzfigur imitieren, sowie wütende Protestler, die sich von den Aussagen provoziert fühlen. Filmisch macht man Anleihen an die neuen Joker Verfilmungen, wenn zahlreiche Imitatoren die Gestik und flapsige Wortwahl von Stromberg nachahmen. Genau hier liegt eines der großen Probleme des zweiten Kinoabenteuers: Die Fortsetzung wird zu selbstreferenziell. Kulturkämpfe, Cancel Culture, der übliche Meta-Diskurs. Ob Stromberg noch zeitgemäß ist, das wurde oftmals diskutiert. Viele Sprüche sind chauvinistisch, rassistisch und menschenverachtend – doch werden sie eben in der Fiktion ausgesprochen und von einer durchweg armseligen Figur, die nicht mal den Kopierer bedienen kann.
Man hat sich voneinander entfremdet
Bei der Serie und dem ersten Kinofilm ging es stets um die Hybris der bürgerlichen Mitte und das problematische System des hiesigen Patriacharts. Stromberg war ein unfähiger Chef, kleinlaut bei Vorgesetzten und tyrannisch bei Mitarbeitern, Egozentrik noch die charmanteste seiner Untugenden. Der Humor funktionierte, weil er mit Klischees spielte und den Zuschauer in seinen eigenen Verhaltensmustern erwischte. In Stromberg – Wieder alles wie immer ist eben nicht alles wie immer, wenn der Film den Zeitgeist kommentieren will, und dabei in die eigene Engstirnigkeit fällt.

Besonders misslingt die neue große Figur: Schirmchens Influencer-Freund Julian (László Branko Breiding), der für seinen Instagram-Kanal alles mitfilmt und Stromberg canceln möchte. Mit klischeebehafteter Jugendsprache zugeschmiert, wirkt er wie eine nervtötende Karikatur. Strombergs Charaktere waren immer übertrieben, aber sie schöpfte ihre Überzeichnungen aus wiedererkennbaren Mustern des Spießbürgertums. Der neue Ansatz, sich vollständig vom Büroalltag zu lösen, lässt genau diese Grundlage vermissen.
Zwar bemüht sich der Film, die alte Figuren-Dynamik wiederzubeleben — Ulf, Tanja, Ernie & Co. fühlen sich in Konzeption und Schauspiel durchaus vertraut an —, doch die Begegnungen wirken nur selten organisch. Ihre Wege haben sich getrennt, die Routinen fehlen, und gerade diese alltägliche Reibung war einst das Herz des Stromberg-Universums. Es spricht nichts dagegen, neue Wege zu gehen und seinen filmischen Anspruch weiterzudenken, doch die Ansätze fühlen sich nie bündig an.
Irgendwas mit Cancel Culture
Schnell wird klar, dass es um Vermarktung und Selbstoptimierung geht: Influencer und Kulturkämpfer präsentieren ihre Weltanschauungen wie Produkte. Ernie hat ein Anti-Mobbing-Buch geschrieben und erwähnt dies ununterbrochen. Stromberg wird von wütenden Mobs und Cancel Culture gejagt und ringt darum, die bröckelnde Fassade zu retten. Die Produktion gerät zur medienkritischen Selbstbespiegelung, während Christoph Maria Herbst im Kostüm für McDonald’s Monopoly wirbt – Ääähh dings ne.. Kapitalismus.

Dass im neuen Film nun gleich mehrere Politiker und Influencer selbst auftreten, wirkt dagegen eher wie ein Widerspruch im System. Als in Stromberg – Der Film Franz Walter Steinmeier kurz ins Bild marschierte, hatte das etwas verschmitzt Kritisches – ein Seitenhieb, der gerade deshalb funktionierte, weil die Serie sich nie vereinnahmen ließ. Stromberg stand damals – trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner Kompromisslosigkeit – spürbar auf der „richtigen Seite“ der Satire.
Heute erinnert das eher an die Entwicklung der heute-show, wenn Komiker mittlerweile auf Kumpel-Ebene mit Karl Lauterbach herumscherzen, wodurch die Schärfe der Satire verloren geht. Wenn also im neuen Stromberg-Film Politiker und Influencer auftreten, wirkt es weniger wie Kritik und mehr wie ein merkwürdiger Schulterschluss, wodurch der subversive Boden entzogen wird.
Das bedeutet nicht, dass Stromberg sich völlig dem Zeitgeist beugt: Einige Sprüche sitzen noch, doch stammen sie erkennbar aus Ideen vergangener Tage. Es fehlt der leichtfüßige Biss; die satirische Energie wird vom ständigen Kommentar über Medien, Öffentlichkeit und Selbstvermarktung erstickt. Eine Abhandlung hätte auch aus den Figuren stammen können, doch Drehbuchautor und Schöpfer Husmann liefert einen filmischen Beipackzettel, der trotzdem noch den Kanon mit frechen Sprüchen bedienen möchte und dadurch völlig harmlos verläuft. Und für einen Stromberg-Film ist das eine ernüchternde Erkenntnis.
© MadeFor Film
Unser Fazit zu Stromberg - Wieder alles wie immer
Stromberg – Alles wie immer ist weder tippi noch toppi: Mühsam pendelt die Fortsetzung zwischen wohliger Reunion, erzwungener Selbstdemontage und medialer Bestandsaufnahme. Und scheitert damit trotz gewohnter Sprüche und vereinzelter gelungener Szenen.