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    Startseite » The Price We Pay
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    The Price We Pay

    Tobias Theißvon Tobias Theiß6. Februar 2023Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Alex (Emile Hirsch) liegt mit einem Ball Gag im Mund auf einer Pritsche gefesselt. | © Tiberius Film
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    Ryûhei Kitamura, der Mann aus Japan mit einem Faible fürs grobe Genrekino, meldet sich mit The Price We Pay zurück. Bekannte Gesichter im Cast und eine Freigabeverweigerung seitens der FSK: was soll da schon schief gehen, oder? Oder!

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    Ein Plakatmotiv zum Film. | © Tiberius Film

    Die Handlung von The Price We Pay

    Grace (Gigi Zumbado) will eigentlich nur bei einem schmierigen Pfandleiher Zeitaufschub erbeten, gerät dabei jedoch unvermittelt in einen schießwütigen Raubüberfall. Der Fluchtfahrer sucht beim ersten Anzeichen von Ärger das Weite, weshalb das übriggebliebene Gangstertrio (Stephen Dorff, Emile Hirsch, Tanner Zagarino) kurzerhand Grace und ihr Auto als Geisel nehmen. Kurze Zeit später erliegt die Gruppe einer Panne und findet Zuflucht auf einer abgelegenen Farm – keine gute Idee für die Verbrecher…

    Ein maskierter Mann hält eine Frau an den Haaren und bedroht sie mit einer Waffe. The Price We Pay
    Alles beginnt mit einem „handelsüblichen“ Raubüberfall… | © Tiberius Film

    Lieber gut geklaut als schlecht selbst gemacht?

    Der Plot weckt sanfte Erinnerungen an From Dusk Till Dawn, schließlich befinden sich auch dort Gangster mitsamt Geisel auf der Flucht vor der Staatsgewalt, nur um sich dann vom zynischen Roadmovie zum spritzigen Vampirsplatter, inklusive gelungenem Augenzwinkern, zu wandeln. Auf diesem und weiteren ausgetretenen Pfaden des Horrorgenres wandelt Kitamura in seinem jüngsten Werk The Price We Pay. Was als handelsüblicher Überfall inklusive Geiselnahme beginnt, endet in Terror und Tortur für die Beteiligten. Die 180°-Wende des Plots kennt man so natürlich aus bereits erwähntem From Dusk Till Dawn. Auf einer abgelegenen Farm mitten im Nirgendwo hat bereits Leatherface anno 1974 mitsamt Sippschaft gewütet und die Torture-Porn-Einschübe kennt man Hostel & Co.

    Nichts gegen aufbereitete Kost, Zitate und Reminiszenzen – ein Film muss das Rad nicht neu erfinden, um unterhalten zu können. Aber dass nun gerade Kitamura hier ebenso seelen- wie belanglos abliefert, ist schlichtweg enttäuschend. Denn eigentlich weiß der Japaner, wie man einen Film denkwürdig in Szene setzt.

    In The Price We Pay wirkt aber beinahe alles uninspiriert. Die Handlung ist nicht nur altbekannt, sondern auch alles andere als spannend inszeniert, die Figuren sind blass und bar jeder Sympathie. Fragwürdige Kameraschwenks und stakkatoartige Zooms sollen vermutlich so etwas wie Dynamik ins Geschehen bringen, sorgen aber eher für Stirnrunzeln. Zusätzlicher Sargnagel: die lieblose und teils unpassend gewählte Synchronisation.

    Es wirkt fast so, als würde Kitamura den Plot einfach nur lustlos abarbeiten, um seinem eigentlichen Steckenpferd Tribut zu zollen: der Freude am filmischen Gewaltexzess.

    Emile Hirsch als Alex zielt im Film The Price We Pay mit seinem Revolver in der linken Hand in einen rötlich ausgeleuchteten Raum
    …doch endet für die Beteiligten schnell als Gejagte! | © Tiberius Film

    Terror oder Funsplatter?

    Dass Kitamura in puncto Gewalt kein Kind von Traurigkeit ist und dabei inszenatorisch gern in die Vollen geht, sollte jedem der beispielsweise Midnight Meat Train oder Downrange gesehen hat, geläufig sein. The Price We Pay reiht sich dann auch munter bei jenen Titeln des Regisseurs ein, die ihre Problemchen mit der FSK haben.

    Während sich Kitamura sonst fast schon verschwenderisch in blutigen Bildern suhlt, gerät sein Vorhaben, hier besonders garstig oder gehässig zu sein, gehörig ins Schlingern. Einerseits spürt man förmlich, wie zum Schneiden dicht die Atmosphäre im letzten Drittel gerne wäre. Andererseits driften viel zu viele Szenen in (hoffentlich ungewollte) Lächerlichkeit ab.

    Ein Beispiel: jemandem wird mittels Gasflasche der Schädel zertrümmert. In seiner Darstellung enorm grafisch und blutig, aber in letzter Instanz dabei so dermaßen überzeichnet und comichaft, dass sich kein Schrecken oder Terror einstellen möchte. Das diese Unausgeglichenheit zwischen Terror und Funsplatter beabsichtigt ist, wagt man lieber nicht zu wünschen. Dennoch zählen die letzten 15-20 Minuten zu den klaren Highlights des Films. Insbesondere der abschließende Kill erinnert an die frühen Glanzzeiten Kitamuras – im Rahmen der Möglichkeiten wäre da aber sicherlich noch mehr möglich gewesen als „nur“ eine Enthauptung.

    Generell wirkt er bis auf das Finale überraschend handzahm (diese Review basiert auf dem unzensierten Presse-Screener) und weit weg von brachialen Splatterspitzen eines Midnight Meat Trains oder den genussvoll ausgekosteten Scharfschützenkills aus Downrange.

    Stephen Dorff als Cody im Film The Price We Pay schaut mit skeptischem Blick auf seinen Gesprächspartner
    Cody (Stephen Dorff) ist ungläubig, worein er hier geraten ist – wir auch. | © Tiberius Film

    Unser Fazit zu The Price We Pay

    Ryûhei Kitamura huldigt Genreklassikern und Kultfilmen, kommt inszenatorisch aber weder an die zitierten Werke noch an frühere Glanzleistungen seiner selbst heran. Uninspiriert dümpelt der Plot vor sich hin, der sein Überraschungsmoment direkt im Prolog vorwegnimmt oder zumindest zu sehr andeutet. Immerhin im Finale gibt es den ein oder anderen Kitamura’schen Gewaltexzess zu bestaunen, aber der Weg dahin ist sicherlich selbst für Hardcore-Fans zu steinig. Ärgerlich ist insbesondere auch, dass hier scheinbar keiner nachvollziehbaren Tonalität gefolgt wurde: trotz deftigem Inhalt, kommt man nicht umhin, wegen unfreiwillig komischer Momente aus dem Setting gezogen zu werden.

    Immerhin ist die Sounduntermalung meist stimmig und auch die ein oder andere nette Kamerafahrt lockert das vorhersehbare Geschehen etwas auf. Doch auch diese Aspekte werten den Film kaum ausreichend auf, um eine echte Empfehlung auszusprechen.

    The Price We Pay ist seit dem 02.02.2023 als VOD zum Kauf und ab dem 09.02.2023 zur Leihe verfügbar. Der Stream bietet die ungekürzte Fassung, über eine möglicherweise kommende physische Veröffentlichung (cut und/oder uncut) ist Stand heute noch nichts Genaueres bekannt.


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    © Tiberius Film

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

    • Tobias Theiß
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