Ein Bridgerton-Star bekommt es mit Haien zu tun. Schräge Mischung mit Augenzwinkern oder ein weiterer überflüßiger Goldfisch im Haibecken? Unsere Meinung zu Thrash.
Darum geht’s in Thrash
Als ein verheerender Hurrikan eine Küstenstadt dem Erdboden gleichmacht, bringt die Sturmflut noch etwas Schlimmeres als Chaos und Verzweiflung mit sich: hungrige Haie.

Mal wieder was Bissfestes.
Der norwegische Regisseur Tommy Wirkola hat sich bislang noch nie zu ernst genommen. Von Trash-Festen wie den Dead Snow-Filmen oder Hänsel und Gretel – Hexenjäger über den High Concept-Thriller What happened to Monday? zu herrlich sinnfreien, aber ungemein bissigen Ehe-Blutorgie The Trip garantierten die Werke bislang immer eine gute Zeit, keine oktroyierten tieferen Sinnbotschaften – und vor allem schnelle, gut geschnittene Action für ein erwachsenes, blutdurstiges Publikum. Wenn nun also dieser Regisseur in die Trash-Film-Champions-League „eintaucht“, also: einen Hai-Horror-Actionfilm macht, dann sollte man analog zum Anschalten des Films direkt das Hirn ausschalten. Alles andere wäre wirklich eine Überraschung, aber wenn Netflix einen Regisseur mit dieser Filmografie für eine Mischung aus Katastrophenfilm und Creature-Feature engagiert, dann will Netflix in der Regel keine Überraschung.
Und Thrash hat von Sekunde eins an alles, was einen solchen stumpfen, geradlinigen Streifen auszeichnet: Schon mit der jeweiligen Einführung der Figuren wird klargestellt, dass man von keinem hier irgendwie reallogisches Verhalten erwarten sollten. Nein, hier verhalten sich alle so Drehbuch-doof, dass man jeden Satz mit einer Triggerwarnung „Foreshadowing“ markieren kann. Dann gibt es natürlich eingestreute Wetterprognosen und Tierexpertenstimmen, die den „Ernst der Lage“ nochmal betonen sollen, aber selbstredend nur dazu dienen, das Publikum peu à peu auf alles einzustimmen, worauf man dann nach einem viertelstündigen Aufgalopp warten kann.
Klar ist dann eine der Protagonistinnen im Auge des Sturms hochschwanger, klar nimmt eine andere die Zeichen weder ernst noch überhaupt richtig wahr und klar geben sämtliche Sicherheitsvorkehrungen und der Katastrophenschutz auf einen Schlag nach, sodass man die ersten Wehen der Katastrophen getrost überspringen und direkt in den Nahender-Weltuntergang-Modus übergehen kann, der dann mit einer Prise filmtypischer Klischee-Haie so gewürzt wird, dass es dem geneigten Publikum eigentlich nur schmecken kann.
Handgemacht, knackig und atmosphärisch
Jetzt muss ich allerdings direkt mal dazusagen, dass ich selten Zugang zu dieser B- oder C-Filmkategorie habe und es schon das ein oder andere gewisse Etwas braucht, damit ich zumindest auch meiner eigenen Empfehlung folgen, das Hirn ausschalten und 80 Minuten lang Spaß haben kann. Beispiele, denen dies in den letzten Jahren gelungen ist, sind dann der doch erstaunlich ähnlich anmutenden Crawl, aber auch dem Netflix-Vorgänger im Geiste, Im Wasser der Seine konnte ich mehr abgewinnen, als vorab gedacht.
Tatsächlich hat Thrash nun auch zu einem Großteil genau diese Geschmacksrichtung, sodass er auch mein kleines Trash-Herz gut erreichen konnte. Das ist zum einen, schon eingangs erwähnt, der unmittelbare Einstieg bzw. die extreme Kompaktheit und der Fokus auf das, was das Publikum eben sehen will. Zum anderen sieht der Film aber im Vergleich zu den richtigen Trash-Perlen à la Sharknado ziemlich gut aus, was mutmaßlich an einem enormen Aufwand und praktischer Effektarbeit liegt. Und dann kommt noch hinzu, dass man hier aus eigentlich nicht für B-Film-Niveau bekannten Stars Performances entlocken kann, die einfach nur Spaß machen, allen voran natürlich Phoebe Dynevor, deren Stern mit dem größtmöglichen Kontrastprogramm hierzu, nämlich Bridgerton, aufging.

Aber leider dann nicht ganz konsequent genug dumm
Leider aber traut sich Wirkola nicht in letzter Konsequenz mit der Gaga-Prämisse einfach nur auf die Kacke zu hauen, sondern legt im Verlauf dann doch die Bremse ein, um der Schwangerschaft seiner Hauptfigur eine ziemlich absehbare, emotional aber alles andere als anklingende Ebene anzuheften und damit doch so etwas wie Anspruch an Menschlichkeit und Realismus vorzuschwindeln. In ähnlichen Fahrwassern war, wie geschrieben, auch ein Crawl im Verlauf dann unterwegs, aber dort hat die ganze Backgroundstory durch eine sensiblere Einführung deutlich besser funktioniert, sodass einem wirklich zumindest genug an den Figuren lag, um sich nicht doch insgeheim einen möglichst makabren Abgang ihrer zu wünschen.
Ja, die Kids hier wären als entsprechendes Herzstück der menschlichen Sphäre eigentlich besser geeignet gewesen, nur sind sie eben nicht die Namen, die man sich im Marketing rauspickt. Und ganz an einem vorbei gehen dann die entsprechenden Szenen mit Dynevor (Fair Play) und Whitney Peak (Chilling Adventures of Sabrina) doch nicht an einem, weil das Element einer quasi herunterlaufen Uhr auch anno 2026 noch zu verfangen weiß.
© Netflix
Unser Fazit zu Thrash
Bis auf vereinzelte CGI-Aufnahmen der Haie hebt sich Thrash angenehm von Billigproduktionen durch seine Wertigkeit ab. Das sorgt für Atmosphäre und Nervenkitzel, der exakt für die kompakte Laufzeit genügt. Alle Beteiligten wissen, wo sie hier dabei sind und damit liefert die gesamte Produktion genau das, was die Packungsbeilage verspricht - ohne Nebenwirkungen.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

