Kaum geschieden heißt es für Grace (Samara Weaving) in Ready or Not 2 zum wiederholten Male: „Ene, mene, Eckstein – die Braut muss versteckt sein.“ Kann sich die neueste Regiearbeit vom Radio Silence Team sehen lassen oder bleibt auch sie besser im Verborgenen?
Darum geht es in Ready or Not 2
Nur Momente nach dem brutalen Angriff der Familie Le Domas erkennt Grace (Samara Weaving), dass ihr Überleben sie in die nächste Stufe des albtraumhaften Spiels katapultiert hat – diesmal jedoch mit ihrer entfremdeten Schwester Faith (Kathryn Newton) an ihrer Seite. Grace hat nur eine Chance: selbst zu überleben, ihre Schwester zu beschützen und den Hohen Rat zu stürzen, der im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkt. Vier rivalisierende Familien jagen sie gnadenlos, um den Thron zu erobern. Und am Ende gilt: wer gewinnt, kontrolliert alles.

Einfache Ideen müssen sich nicht verstecken
Sieben Jahre ist es her, dass das Regieduo Radio Silence mit Ready or Not einen veritablen Hit hinlegten, der allein im Kino das Zehnfache seines Budgets wieder einspielte. Die Idee war simpel, aber effektiv: Samara Weaving muss sich ausgerechnet in ihrer Hochzeitsnacht vor einer Horde mordlüsterner Teufelsanbeter verstecken. Die Geschichte lebt von ihrer Schlichtheit, dem schrägen Humor und gut dosierten Splatter. 2024 passten sie die Parameter des tödlichen Versteckspiels nur leicht an und lieferten mit Abigail abermals ein launiges Spektakel ab – auch wenn es hinter den finanziellen Erwartungen zurückblieb. Weiß der Teufel, warum sie ausgerechnet bei Ready or Not 2 von ihrem bewährten Konzept abweichen und der Fortsetzung damit einen großen Teil ihres Unterhaltungswerts berauben.
Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan
Die Welt von Ready or Not wird nun im Sequel grundlos erweitert und das Narrativ unnötig aufgebläht. Positiv wirkt sich die damit einhergehende Budgetsteigerung allenfalls auf die Kameraarbeit und das Produktionsdesign aus. Die Einführung neuer Figuren, Handlungsstränge und Schauplätze geht – wie so oft – mit dem Verlust einer kompakten Erzählweise einher.
Ein Großteil der Laufzeit wird darauf verwendet, die neuen Regeln zu erklären, anzupassen oder zu verändern. Da diese zudem völlig wahllos eingeführt und unnötig komplex vermittelt werden, verliert man nicht nur schnell die Übersicht, sondern auch das Interesse, dem Ganzen aufmerksam zu folgen. Das wäre nur halb so schlimm, wenn man nicht auch für den Rest einen gewieften Anwalt bräuchte, um die Lücken im komplizierten Konstrukt zu finden. Doch die Logiklöcher sind so offensichtlich, dass sie selbst Laien sofort ins Auge fallen.
Die Braut, die sich nicht traut
Damit das Überleben der Hauptfiguren gewährleistet wird, dürfen die Jäger – trotz des stets bekannten Aufenthaltsortes von Grace und ihrer Schwester Faith – nur vereinzelt auftreten, permanent danebenschießen oder blind in der Gegend umherstolpern. Oft sind sie auch mehr am Dialog mit der Braut als an ihrem Ableben interessiert.

Der Gag, sie als komplett inkompetente Idioten darzustellen, nutzt sich schnell ab und passt weder zu ihrer Charakterisierung noch zur Weiterentwicklung der Lore. Um wenigstens ein bisschen Gefahr für die Protagonistinnen zu vermitteln, werden diese zur Passivität gezwungen, obwohl sie eigentlich als Kampfamazonen etabliert wurden. Die Autoren finden zudem auffällig viel Gefallen daran, sie zu quälen und ihren Fluchtinstinkt zu minimieren.
Doch auch ihre zugezogenen Verletzungen haben keinerlei Auswirkungen auf das Geschehen, da viele der Handlungsentscheidungen ausschließlich der Verlängerung der Laufzeit dienen. Gegen Ende werden zudem die zeitliche Dringlichkeit und der Jagdaspekt völlig über den Haufen geworfen, was sich sehr negativ auf den restlichen Unterhaltungswert und das Pacing auswirkt.
Wenigstens gibt es zwischendurch wieder einige Gewaltspitzen und reichlich Blut zu sehen, doch es fehlt die für eine Fortsetzung eigentlich typische Steigerung der Eskalation. Statt neuer Ideen präsentieren Radio Silence ein etwas zahmeres Best-of ihres bisherigen Könnens.
Zu viele Mitspieler
Ein Großteil der neu eingeführten Figuren ist für die Handlung völlig irrelevant. Sie stehen oder sitzen meist nur untätig in einem Raum herum und kommentieren das Geschehen. So sehr man sich über Kurzauftritte von David Cronenberg oder Kevin Durand (Die Nackte Kanone) freut, den Erzählfluss stört es trotzdem. Sarah Michelle Gellar (Dexter: Original Sin) und und Shawn Hatosy (The Pitt) als Hauptantagonisten verändern ihre Motivationen und Charakterisierung nach Lust und Laune, und wenn es um die Besetzung eines schrägen Vogels geht, ist die Wahl von Elijah Wood (Yellowjackets) inzwischen wohl Pflicht in Hollywood.

Deutlich problematischer erweist sich jedoch die Entscheidung, Samara Weaving (Scream VI) mit Kathryn Newton (Freaky) zu paaren. Statt zu fliehen oder zu kämpfen, arbeiten sie lieber fluchend ihre Familiengeschichte auf. Die andauernden Diskussionen zwischen den beiden sind repetitiv, langwierig und auf Dauer ausgesprochen nervig.
Wer dennoch sehen möchte, wie sich zwei Schwestern gegen einen Satanskult behaupten, sucht sich besser einen Kinosaal, in dem der deutlich bessere They Will Kill You läuft. Radio Silence Productions versteckt sich vielleicht nicht vor der direkten Konkurrenz, doch ihre erneute Umsetzung der Thematik bleibt trotzdem lieber ungesehen.
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Unser Fazit zu Ready or Not 2
Das Motto der zweiten Hochzeitsnacht lautet „Ready or Not 2: Here I Come“. Gleichzeitig offenbart es die Mentalität hinter dem gesamten Projekt. Ready or Not 2 – wie er in Deutschland heißt – reiht sich mühelos in die Riege der unnötigen Fortsetzungen von Überraschungshits ein. Die optischen Vorzüge gegenüber dem Vorgänger sind nicht zu übersehen. Doch was nützt die schönste Fassade, wenn es dem Endprodukt an Stringenz und vor allem an Tempo fehlt? Wer M3GAN 2.0, Nobody 2 oder Five Nights at Freddy's 2 mochte, findet auch an diesem lauen Aufguss Gefallen. Die anderen bleiben besser in ihren Verstecken.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

