Joe Begos strikes again: nach Bliss lässt er mit VFW – Veterans of Foreign Wars den nächsten Genrefilm auf Fans und Kritiker los!
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Die Handlung von VFW – Veterans of Foreign Wars
Dass die US-Amerikaner ihren altgedienten Kriegsveteranen einen hohen Stellenwert einräumen, sollte unlängst bekannt sein. So ist es wenig verwunderlich, dass entsprechende Vereine Sorge dafür tragen, Soldaten oder deren Hinterbliebenen wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Die VFW (Veterans of Foreign Wars) ist eine solche Organisation, die sich der Rehabilitation entsprechend bedürftiger Veteranen verschrieben hat. Joe Begos gleichnamiger Film VFW – Veterans of Foreign Wars stellt jedoch kein authentisches Heimkehrerdrama oder gar eine Dokumentation über die VFW dar.
Wem der Name Joe Begos ein Begriff ist, der wird bereits erahnen, dass es sich hier eher um einen waschechten Genrefilm als eine sensible Auseinandersetzung mit dem Thema handelt. Entsprechend knackig fällt der inhaltliche Umfang aus:
In einer nicht näher definierten Zukunft beherrscht die Designer-Droge Hype die Straßen. Die Abhängigen sind bereit, alles zu tun, um ihren Kick zu bekommen, was die Städte zu wahren Kriegszonen hat verkommen lassen. Die Ordnungshüter haben schon lange kapituliert, und es zählt das Gesetz des Stärkeren. In dieser prekären Situation betreibt Fred Parras (Stephen Lang) eine kleine Spelunke namens VFW.
In eben jener Bar kommen seine ehemalige Wegbegleiter (William Sadler, Fred Williamson, Martin Kove, David Patrick Kelly, George Wendt) zusammen, um in kameradschaftlichen Erinnerungen zu schwelgen und Anekdoten aus ihren Einsätzen in Vietnam & Co zu auszutauschen. Am heutigen Abend wollte Fred mit seinen alten Kameraden außerdem auf seinen Geburtstag anstoßen, aber eine marodierende Meute von Hype-Junkies macht den alten Männern gehörig einen Strich durch die Rechnung…

Die Strippenzieher
Entsprechend der Figuren hat sich Begos einige liebgewonnene Recken aus der zweiten B-Movie-Reihe an Bord geholt, um die militärischen Haudegen verkörpern zu lassen. Allen voran überzeugt Stephen Lang (Don’t Breathe, Avatar, Into The Badlands, Hostiles) als abgeklärter Kriegsveteran, der sich von jugendlichen Punks nicht die Butter vom Brot nehmen und schon gar nicht seinen Geburtstag vermiesen lässt. Generell strahlt Lang von allen Veteranen die beeindruckendste Physis aus, was seine Kameraden zwar tatsächlich etwas behäbiger erscheinen, diese aber nicht weniger schlagfertig sein lässt.
William Sadler (The Grudge, Der Nebel, Bill und Ted’s verrückte Reise in die Zukunft, Die Verurteilten) und Martin Kove (Karate Kid-Reihe, Rambo 2 – Der Auftrag) geben die kauzigen Sprücheklopfer, während David Patrick Kelly (Twin Peaks, John Wick 1 & 2, The Crow) lange Zeit nur verwundet auf dem Tresen ausharren darf. Nach Bliss hat der Regisseur nun das zweite Mal mit George Wendt (House, King of the Ants, Cheers) zusammengearbeitet.
In einer kleineren Rolle darf sich der Hüne und Stammdarsteller Begos‘, Josh Ethier (Almost Human, The Mind’s Eye, Bliss), entsprechend wuchtig ins Zeug legen. Dora Madison (8. Staffel von Dexter), Hauptdarstellerin aus Werk Bliss, und Travis Hammer präsentieren sich hier als durchgeknalltes Antagonistenpärchen. Heimlicher Star ist aber Fred Williamson (Mash, diverse Blaxpoitationfilme wie Boss Nigger oder Godfather of Harlem), dem man nach From Dusk Till Dawn endlich wieder dabei zusehen kann, wie er aufdringliches Kroppzeug aus einer Bar prügelt – auch wenn dies nunmehr etwas hüftsteifer geschieht als noch 1996.

Der Look
Williamson und Co, eine auf den Siedepunkt angelegte Story und der Carpenter-Gedächtnis-Score: Begos verbeugt sich mehr als deutlich vor Action- und Horrorvehikeln der 80er Jahre. Neben offensichtlichen Parallelen zu From Dusk Till Dawn oder Assault on Precinct 13 finden sich auch Anleihen an Neo-Grindhouser wie Hobo with a Shotgun. Wie dort spiegeln sich neongrelle Farben auch in VFW – Veterans of Foreign Wars auf regennassen Straßen, und Leuchtreklamen tauchen die Umgebung in bedrohliches Rot.
Dass die musikalische Untermalung so gelungen ist, verwundert kaum. Komponist Steven Moore hat schon beim 2014er Thriller The Guest einen hypnotischen Synthesizer-Score kreiert und davor unter anderem einige der geschmacklosen Sleaze-Kracher von Ryan Nicholson mit passendem 80s-Feeling bereichert. Zeitweise werden auch Erinnerungen an Zombiefilme wach, wenn die Junkies in schier endloser Anzahl aus ihren Schlupflöchern sprudeln.
Stichwort sprudeln: der rote Lebenssaft tut dies hier durchaus grafisch und oft. In den ersten Minuten versenkt sich da direkt eine Machete im Kopf eines Opfers. Danach nimmt sich der Film Zeit, um Figuren und Situation vorzustellen. Nach knapp 25 Minuten folgt mit hoher Dichte ein morbider Gewaltakt auf den nächsten. Schrotkugeln zerfetzen Schädel, Stiefel vergraben sich in Kiefern und Äxte schneiden tief ins Fleisch. Dem Freund oben erwähnter Werke sagt hierbei natürlich die handgemachte Effektarbeit zu. Umso erfreulicher, dass die FSK im Gegensatz zu den Veteranen Gnade zeigte und dem Film in ungeschnittener Form ihren Segen erteilte.

VFW – Veterans of Foreign Wars im Heimkino
Joe Begos Retro-Kracher zieht vielleicht in Sachen Prominenz vor Stallones The Expendables den Kürzeren, die Herren aus der zweiten Reihe beweisen aber, dass auch sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Stattdessen behaupten sie sich ganz ohne technischen Schnickschnack gegen Punks im Drogenwahn. Der Überlebenskampf wird dabei aufs Äußerste ausgetragen und geizt nicht mit splattrigen Gewaltspitzen. Schade, dass VFW – Veterans of Foreign Wars teilweise sehr dunkel ausfällt und arg schnelle Schnitte etwas an der Übersicht zehren.
Capelight Pictures hat es sich nicht nehmen lassen, dem fiesen Reißer eine ansprechende Veröffentlichung zu spendieren. Neben den normalen Editionen überzeugt technikaffine Sammler das Mediabook mit Blu-ray und UHD-Disc. Zusammen mit dem Booklet findet sich hier die größte Dichte an Extras (Audiokommentar, Making Of, Featurettes, Trailer). Während die Blu-ray nur auf das Booklet verzichtet, hält die DVD leider nur das Making Of, die Featurettes und die Trailershow parat.
It’s Q&A time kid!
VFW erschien am 10. Juli 2020 als DVD & Blu-ray im Amaray, als VOD und im Mediabook mit UHD- & normaler Blu-ray!
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© Capelight Pictures
Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

