Mit Weakness Of A Sick Mind legt Dominik Heit einen Kurzfilm vor, der mit der Tradition bricht, dass deutsche Amateurfilme immer Wald- und Wiesensplatter sein müssen.
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Weakness Of A Sick Mind ist…
Der namenlose Sick Mind (Dominik Heit) befindet sich in einer wenig beneidenswerten Lage. Von Frau und Kind verlassen und auf Arbeit gekündigt, fällt die heile Welt zusammen. Die Diagnose seines Arztes, in etwa einem Monat sterben zu müssen, stellt seine Psyche zusätzlich vor eine harte Probe. Auf der Suche nach Erlösung verschwimmen Einbildung und Realität zunehmend…
Vom Fan zum Fanmagneten: Dominik Heit ist vom einfachen Filmenthusiasten über den freizeitlichen Filmkritiker doch tatsächlich zum nebenberuflichen Filmregisseur aufgestiegen. Nach seinen ersten Gehversuchen mit Schatten über Franken wagt er sich mit Weakness Of A Sick Mind an das erste größere Projekt.

…zwar Underground, aber…
Jedem, der mit einer Sichtung spekuliert, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er es hier mit einer waschechten Low-Budget-Inszenierung zu tun hat. Der Kurzfilm umschifft zwar gängige Qualitätsmaßstäbe des Underground (derber, kränker, brutaler), zeigt sich aber dennoch als echtes Kind des Underground. Das heißt im Detail: verhältnismäßig kostengünstig inszeniert, aber voller Liebe und Überzeugung gearbeitet. Mit Patzern und Schönheitsfehlern ist also zu rechnen – ob diese jedoch als unverzeihlich störend und negativ aufgefasst werden, muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.
So gibt es abgeschnittene Köpfe durch zu tiefe Kamerawinkel. Teils wackelt das Bild auch in ruhigen Passagen erheblich oder der Fokus sitzt mal zwischen zwei Charakteren. Das mögen objektiv unverzeihliche Kritikpunkte sein, aber ich kann über solche Dinge großzügig hinwegsehen. Schließlich haben wir es noch immer mit einem Amateurfilm zu tun. Handwerkliche und technische Steigerung gehören meiner Meinung nach maßgeblich in den Schaffensprozess. Learning by doing in Reinkultur.
Ebenso verhält es sich bei den Schauspielern. Darstellerisch überzeugt Heit, der restliche Cast macht seine Sache ebenfalls überzeugend, kann durch relativ geringe Screentime aber nicht nennenswert im Gedächtnis bleiben. Überraschend jedoch: Heit konnte den im Low-Budget-Sektor bekannten Günther Brandl für die kurzen Arztsequenzen gewinnen.

…erfrischend anders
Denn wo Weakness Of A Sick Mind auf technischer Ebene noch Verbesserungsbedarf aufweist, überzeugt er auf inhaltlicher bereits vollends. Heits Werk geht den, für einen Underground-Erstling, eher unkonventionellen Weg: Psychodrama anstatt Hardcore-Splatter.
Der Film beginnt entsprechend atmosphärisch. Urbane Szenarien werden mit ausgewaschenen Farben versehen und vom verträumt-melancholischen Score getragen. Komponiert wurde der überraschend stark ausfallende Soundtrack von Jürgen Winterstein. Der Main-Theme erinnert in seinem Minimalismus und seiner Melodie stark an das von mir geliebte Thema aus 28 Days Later von John Murphy. Die Musikstücke passen zu den gezeigten Szenen und gestalten sich abwechslungsreich. Einer Verfolgungsjagd wird so die durch die Kamera nicht ganz vermittelte Dynamik verliehen. Im gesichteten Screener war der Ton leider noch nicht final, Dialoge waren nur schwer verständlich – die DVD-Veröffentlichung ist an dieser Stelle aber ausgebessert.
Doch zurück zum eigentlichen Film. Auch wenn Weakness Of A Sick Mind ganz klar als Drama zu definieren ist, lässt sich Heits Vorliebe für Horrorfilme nicht leugnen. Der Sick Mind begeht einige Gewalttaten und dem Publikum werden einige kleinere Special Effects präsentiert. Auch wenn ich durchaus der blutigen Unterhaltung nicht abgeneigt bin, muss ich hier sagen: Ich hätte die Morde nicht unbedingt gebraucht, denn der Film würde auch ohne ganz wunderbar funktionieren. Andererseits steckt in besagten Szenen ein tieferer Sinn, sodass die Doppeldeutigkeit vom Regisseur beabsichtigt ist.

© Dirt n Dust Films
Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

