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Florida Man

Florida ist hierzulande als Sunshine-State bekannt. Nun kommt eine neue Miniserie zu Netflix, die den Titel Florida Man trägt. Hat der Neustart auch Strahlkraft oder herrscht trotz namhaftem Casts Sonnenfinsternis?

TitelFlorida Man
Jahr2023
LandUSA
RegieHaifaa Al-Mansour, Miguel Arteta, Julian Farino, Kevin Bray, Clark Gregg
DrehbuchDonald Todd
GenreSerien (Thriller, Mystery)
DarstellerEdgar Ramírez, Abbey Lee, Anthony LaPaglia, Otmara Marrero, Lex Scott Davis, Emory Cohen, Clark Gregg, Isaiah Johnson, Paul Schneider, Lauren Buglioli
Länge8 Folgen mit je ca. 50-60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Edgar Ramírez als Mike Valentine in Florida Man.
Edgar Ramírez als Mike Valentine in Florida Man © Netflix

Florida Man – Die offizielle Handlungsangabe

Ein Ex-Cop (Edgar Ramírez) in einer Abwärtsspirale ist gezwungen, in seinen Heimatstaat Florida zurückzukehren, um die weggelaufene Freundin eines Gangsters aus Philadelphia aufzufinden. Was eine schnelle Aktion sein sollte, entpuppt sich als ein wildes und verzwicktes Abenteuer, bei dem er in lange begrabene Familiengeheimnisse eintaucht, und ein immer vergeblicherer Versuch, an einem Ort das Richtige zu tun, an dem so viel falsch läuft.

Abgefuckte Typen im nicht-ganz-so-sunshine-State

Zugegeben: Das Image des Südstaates Florida war schon mal besser. Golf-Paradies der Alt-rights, Rückzugsort Trumps, Senioren-Überhang, Rechtsruck mit Ron DeSantis, und und und. Allein der Titel Florida Man hat dadurch schon einen gewissen Beigeschmack. Und er soll eine Vorwarnung sein, dass diese Miniserie sich dem Status Quo widmen soll. Doch auf welche Weise? Die Netflix-Produktion verpackt Gesellschaftskritik, teils plakativ, teils aber auch subtil, in eine anachronistisch anmutende Thriller-Story mit Macho-Charme der 90er- und früher 00er-Jahre. Allein schon die Wahl der Erzählform ist eigentlich ein Geniestreich, da darin schon der Kern der Argumentation steckt: Irgendwie ist dieser Staat im Süden der USA in der eigenen Vergangenheit gefangen. Wen es dorthin verschlägt, der gerät unweigerlich in einen Strudel aus antiquierten Strukturen und wird gezwungen mit selben Mitteln zu agieren, um nicht vom Moloch verschlungen zu werden.

Es war alles gut – und dann ist sie mit ihm abgehauen.

Genauso archetypisch ist demnach die Figur von Ramirez zu lesen: Ein Haudegen jenseits aktueller political correctness. Die leicht modernisierte Version von Ermittler-Personas à la Magnum. Lockere Sprüche, Provokationen aus der Hüfte geschossen und latent geneigt auch mal die Impulskontrolle zu verlieren. Das Problem ist jedoch ein Stück weit, dass diese fast karikatureske Reminiszenz von vielen Zuschauenden gar nicht als solche erkannte werden wird. Die Serie nimmt sich nämlich viel zu ernst, um als der Kommentar klar verständlich zu sein, der sie sein könnte.

Als Thriller-Serie nur Mittelmaß, aber mit soliden Gags

Der Krimi-Plot, der dann vordergründig erzählt wird, ist zwar nicht komplett uninteressant, aber am Ende doch eine Geschichte, wie sie schon zigfach durchgekaut wurde. Die Figuren sind eher eindimensionale Schablonen von Klischees, die Dialoge unfreiwillig holprig und die intendierten Überraschungen werden niemanden vom Hocker hauen. Zwischen den abgedroschenen Krimi-Tropes stecken immer wieder gesellschaftskritische Kommentar, beispielsweise auf die Waffen-Politik der USA oder das soziale Gefälle. Diese Szenen sind mitunter zu stark, dass es  sich dafür über die den 08/15-Thriller hinwegzusehen. Ein Redneck, der wahllos ins Wasser schießt – darin steckt so viel mehr an Botschaft als in der Geschichte eines Ex-Cops, der uns als Frauenheld verkauft werden soll.

Wann fahren wir nach Disney Land?  – Wenn Daddy seine Waffe geholt halt.

Über die sieben Folgen hinweg verfolgt das Publikum dann die Entwicklungen an einem Ort, der seine Abgefucktheit mit Neonlicht zu kaschieren versucht. Dabei ergibt sich nebenbei ein „Katz und Maus“-Spiel mit Gangsterfilm-Momenten, das viel zu spät aus den Puschen kommt und leider wohl einige ungeduldige Zuschauenden vorab verliert. Zutage gefördert werden trotzdem auch bis zum guten Abschluss keine wirklich originellen Krimi-Twists, aber schonungslose Einblicke in den Zustand der USA nach (und womöglich vor) Trumps Präsidentschaft. Zur etwas inkonsequenten Tonalität passt dann auch, dass einige Gags ins Schwarze treffen und genauso viele eher zu Augenrollen führen. Der satirische Aspekt ist jedoch insgesamt noch auf der Seite der Pro-Argumente zu sehen.

Abbey Lee als Delly West mit pinkem Top und Hose mit Blumenmuster auf einer Treppe.
Abbey Lee als Delly West © Netflix

Wer sollte sich Florida Man nicht entgehen lassen?

Ein bisschen was von Tom-Wolfe-Romanen lässt sich in Florida Man definitiv finden. Als Abgesang auf einen Mythos funktioniert die Serie wirklich gut, wenn man bereit ist, sie mit voller Aufmerksamkeit zu schauen und nicht nur der profanen Unterhaltung wegen. Damit könnte die Serie vor allem Fans von David E. Kelley Formaten abholen, wie beispielsweise Goliath oder The Lincoln Lawyer. Diesen Geschichten ist allesamt gemein, dass sie einerseits als kurzweilige Krimis mit starken Persönlichkeiten in den wichtigen Rollen funktionieren und andererseits immer einen kritischen Blick auf Aspekte der US-Gesellschaft provozieren, ohne dies jedoch zu sehr zu forcieren. Die Hauptfigur hier ist zwar nicht annähernd so vielschichtig wie Billy Bob Thornton in Goliath, aber innerhalb von Ramirez‘ Œuvre ist es doch ein positiver Eintrag.

Unser Fazit zu Florida Man

Mit etwas mehr Mut, den Finger in die Wunde der sozialen Zustände zu legen, wäre diese Serie wesentlich sehenswerter geworden. Als solider Krimi mit recht austauschbaren Figuren kann man Florida Man dennoch Genre-Fans empfehlen, wenngleich auch diese hier nicht allzu viel Hochs erleben werden. Aber eben auch kaum Tiefs. Kurzum eine durchschnittliche Serie, die Potenzial liegen lässt und daher wohl kaum in wenigen Wochen noch Gesprächsstoff sein wird.

Florida Man ist ab dem 13. April 2023 bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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