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Freaks – Du bist eine von uns

Schon zigfach hatte man in den vergangenen Jahren beschworen, dass das Superheldenthema doch langsam auserzählt sein muss. Trotzdem finden jährlich weiterhin gleichbleibend viele Filme des Genres ihren Weg ins Kino oder zu den Streaminganbietern. Der neueste Beitrag zum Thema kommt nun aus Deutschland und kann bei Netflix abgerufen werden. Erfahrt hier, ob Freaks – Du bist eine von uns nochmals neue Wege geht.

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TitelFreaks – Du bist eine von uns
Jahr2020
LandDeutschland
RegieTim Binder
DrehbuchMark O. Seng
GenreDrama, Sci-Fi/Fantasy
DarstellerCornelia Gröschel, Tim Oliver Schultz, Wotan Wilke Möhring, Nina Kunzendorf, Ralph Herforth, Frederic Lindemann
Länge94 Minuten
FSKab 12 Jahren
VerleihNetflix
Das Poster des Films Freaks - Du bist eine von uns zeigt die drei Protagonisten vor Blitzen im Hintergrund
Das Hauptplakat des Films © Netflix

Darum geht’s in Freaks – Du bist eine von uns

Service-Job, Ehemann, Sohn und unterfinanzierte Doppelhaushälfte: Eigentlich führt Wendy (Cornelia Gröschel) ein ganz normales Leben in der Vorstadt.

Als sie auf Außenseiter Marek (Wotan Wilke Möhring) trifft, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: In ihr schlummern übernatürliche Kräfte. Aber die scheinen mehr Fluch als Segen. Dann lernt Wendy Stück für Stück mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen und kann so einen ganzen Berg bisher unüberwindbarer Probleme mit links aus dem Weg schaffen. Als Wendy erkennt, dass sie nicht die Einzige ist und auch ihr Kollege Elmar (Tim Oliver Schultz) ohne seine Medikamente Erstaunliches vollbringen kann, reift in ihr eine Ahnung: Was, wenn sie zu etwas Größerem bestimmt sind? Aber als bei einer gescheiterten Heldentat Unschuldige verletzt werden, glaubt Wendy, dass die größte Gefahr von ihr selbst ausgeht. Erliegt sie endgültig dem Wahnsinn? Oder ist sie tatsächlich eine Superheldin?

Es muss nicht immer originell sein, um zu funktionieren

Erst kürzlich versuchte Netflix, mit Project Power im selbigen Gefilde, aber mit vollständig anderer Herangehensweise zu punkten. Im Actionthriller rund um eine kräfteverleihende Superdroge wollte man durch mittelmäßige Effekte und große Namen über die dünne Story und Schwächen im Skript hinwegtäuschen. Nun besinnt man sich mit Freaks – Du bist eine von uns auf die einfachen Tugenden. Zwar ist die Geschichte alles andere als originell, aber grundsolide inszeniert. In diesem deutschen Genrebeitrag wird auf allzu viel Schnickschnack verzichtet, und die eigentlich abgedroschene Handlung kurzweilig und mit viel Elan vorgetragen. Überraschungen darf man nicht erwarten, vor allem, wenn man regelmäßig Filme aus dem Bereich der Superhelden-Dramen schaut. Erfreulicherweise werden hier aber eher die positiven Erinnerungen an kleinere Genreperlen à la Chronicle oder den Namensvetter Freaks – Sie sehen aus wie wir geweckt. Mit diesen Filmen gemein ist dem deutschen Neuling die deutliche Fokussierung auf die menschlichen Dimensionen plötzlich entdeckter Übermenschlichkeit.

Wendy und Elmar zusammen in einem Waschraum
Wendy und Elmar entdecken zusammen ihre Fähigkeiten © Netflix

In Freaks – Du bist eine von uns ist “Professor X” ein Landstreicher

An mehreren Stellen merkt man schon etwas, dass man sich an erfolgreichen Comics und deren Verfilmungen orientiert hat. Die Konstellation von Marek und Elmar, sowie deren Argumente im Dialog, erinnern an die ewige Konkurrenz von Professor X und Magneto in den X-Men Geschichten. Hier ist der Mentor der neuen Heldin eben kein intellektueller Schulleiter, sondern ein vom Leben gestrafter Landstreicher.

Auch die Art und Weise, wie man Wendys Wandel nach der Offenbarung ihrer Kräfte inszeniert, lässt auch die ein oder andere Referenz erkennen. Am offensichtlichsten ist da sicher der Vergleich zu Peter Parker in den Spider-Man-Filmen mit Tobey Maguire, der mit den neuen Fähigkeiten auch ein völlig neues Selbstbewusstsein entwickelt.

Viele werden dem Film womöglich Ideenlosigkeit vorwerfen. Natürlich ist das nicht ganz von der Hand zu weisen, aber wie heißt es so schön: “Besser gut kopiert, als schlecht erfunden.” Getreu dieser Devise muss man bei Freaks – Du bist eine von uns mehr das “Wie” als das “Was” bewerten. Und hier kann man sich durchaus über ein paar schöne Einfälle freuen. Eine dieser charmanten Ideen ist das Verhältnis der Protagonistin zu ihrem Sohn. Die Szenen mit den beiden sind warmherzig, und man spürt eine tolle Chemie zwischen den Darstellern von Mutter und Kind.

Außerdem punktet der Film mit einem wohl dosierten Einsatz von Musik. Die Auswahl der Lieder und die Soundeffekte wirken eindeutig nicht so deplatziert oder übertrieben auf Style getrimmt, wie in vielen Superheldenfilmen der letzten Zeit. Nur die CGI-Effekte sind doch unfreiwillig komisch geraten und verraten die geringen Mittel, die man hierfür verwenden konnte.

Wendy hebt ihre Chefin in die Höhe in Freaks - Du bist eine von uns
Wendy (Cornelia Grösche) lässt sich nicht mehr alles gefallen © Netflix

Charmantes menschliches Drama,…

Das Herzstück von Freaks – Du bist eine von uns ist die sympathische und allzeit engagierte Darbietung von Cornelia Gröschel. Die Tatort-Kommissarin überzeugt als Mutter wie auch als innerlich zerrissene Mutantin. Zwar hätte man der Entdeckungsphase ihrer Talente etwas mehr Zeit einräumen können, da sie scheinbar von jetzt auf gleich sich ihrer Kräfte und der Möglichkeiten vollends bewusst wird. Aber dann hätte man sich auch dem Risiko ausgesetzt, nochmals redundante Momente des Genre zu reproduzieren. Alles in allem kann man nichtsdestotrotz mit Wendy mitfühlen.

Shootingstar Tim Oliver Schultz (Club der roten Bänder) spielt auch eine Figur, wie man sie in Comicfilmen eigentlich schon zu Genüge kennt. Aber auch bei seinem Schauspiel springt der Funke weitestgehend auf den Zuschauer über. Er ist ein unsicherer junger Mann, der unter einem übermächtigen Vater und der Abwesenheit der Mutter leidet und durch die plötzliche Macht ein Ventil findet, sich seinem Frust Luft zu machen. Das erfordert schon eines gewissen Fingerspitzengefühls, um nicht zur Karikatur zur verkommen. An manchen Stellen steht seine Figur zwar nahe am Comicklischee, aber in der Summe gelingt Schultz doch noch, seine Motivationen nachvollziehbar zu spielen.

Die größeren Namen im Cast, Möhring, Kunzendorf und Herforth, reihen sich mit ihren Hintergrundgeschichten nahtlos in die Geschichte, die voll mit menschlichen Dramen ist, ein. Glücklicherweise spielt sich keiner der besagten deutschen Schauspielgrößen in den Vordergrund. Man verzichtet größtenteils auf die Elemente, für die deutsche Produktionen oftmals gescholten werden. Übermäßige Theatralik kann man dem Freaks – Du bist eine von uns nur an wenigen Stellen vorwerfen.

Elmar hebt die Hände, um seine Kraft zu demonstrieren
Elmar (Tim Oliver Schultz) hat auch Superkräfte © Netflix

… aber belangloser Superheldenfilm

Bewertet man rein die Elemente, die man von typischen Superheldenfilmen heute erwartet, kann Freaks – Du bist eine von uns kaum überzeugen. Die dargestellten Kräfte sind langweilig, der Antagonist zu vorhersehbar und vor allem die “große Verschwörung”, die über allem schwebt alles andere als innovativ. Die Macher haben sich jedoch darauf besonnen, das, was man hat, möglichst überzeugend darzustellen und nicht mit dem Brecheisen irgendwelche wahnwitzigen Ideen zu visualisieren. Auf die schauspielerische Qualität zu bauen, ist der Trumpf der Produktion, die trotz altbackenen Inhalten kurzweilige Unterhaltung und schöne Charaktermomente bietet.

Unser Fazit zu Freaks – Du bist eine von uns

Der Film von Regisseur Tim Binder ist kein guter Superheldenfilm. Freaks – Du bist eine von uns ist aber ein überdurchschnittlich sehenswertes Drama, das sich zum Glück mehr mit den Auswirkungen von plötzlich aufkeimenden Superkräften auf die Menschen und ihre Umwelt beschäftigt, als auf die optische Darstellung dieser Fähigkeiten.

Freaks – Du bist eine von uns ist seit dem 2. September 2020 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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