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Green Book – Eine besondere Freundschaft

Green Book – Eine besondere Freundschaft ist ein auf wahren Begebenheiten beruhender Film, der die Geschichte von Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) und Tony Lip (Viggo Mortensen) erzählt. Ob diese Freundschaft auch auf filmischer Ebene bestehen kann, erfahrt ihr im Folgenden!

TitelGreen Book – Eine besondere Freundschaft (OT: Green Book)
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegiePeter Farrelly
DrehbuchNick Vallelonga, Brian Hayes Currie, Peter Farrelly
GenreBiographie, Drama, Komödie
DarstellerViggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, Mike Hatton, P.J. Byrne, Joe Cortese, Maggie Nixon, Von Lewis, Jon Sortland, Don Stark, Anthony Mangano, Paul Sloan, Quinn Duffy
Länge131 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihEntertainment One 
Das Filmplakat zu Green Book - Eine besondere Freundschaft © 2018 eOne Germany
Das Filmplakat zu Green Book – Eine besondere Freundschaft © 2018 eOne Germany

Der Titel als Handlung von Green Book – Eine besondere Freundschaft

1962: Tony Lip (Viggo Mortensen) ist ein Italo-Amerikaner, der mit seiner Frau Dolores (Linda Cardellini) und seinen zwei Söhnen in New York lebt. Als “einfacher” Mann versucht er, mit Gelegenheitsarbeit über die Runden zu kommen, und hat dabei stets den eigenen Vorteil im Sinn. Eines Tages erfährt er von einer Anzeige, in der ein Chauffeur für einen Doktor gesucht wird.


Dr. Don Shirley ist ein erfolgreicher und begnadeter Pianist, der eine Konzert-Tournee durch die US-amerikanischen Südstaaten plant. Für dieses Vorhaben fehlt ihm jedoch noch ein Fahrer. Dem Aufruf der Bewerbung folgend, gelangt nun auch Tony Lip in die Räumlichkeiten Don Shirleys. Diesen lässt er alsbald an seiner eigentümlichen Art teilhaben.

Das erste Aufeinandertreffen von Tony Lip (Viggo Mortensen) und Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) © 2018 eOne Germany
Das erste Aufeinandertreffen von Tony Lip (Viggo Mortensen) und Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) © 2018 eOne Germany

Verwundert, ob der anderen Hautfarbe seines Gegenübers und der Tatsache, dass der vermeintliche “Arzt” ein Musiker ist, lässt Lip sich nur schwer überzeugen. Doch letztendlich macht Shirley ihm ein Angebot, dass er nicht ausschlagen kann. Dies ist der Beginn einer besonderen Freundschaft…

Grünes Licht in einer zweigeteilten Welt

Der Name des Films Green Book – Eine besondere Freundschaft ist nicht nur im Untertitel Programm. Da der Film auf wahren Begebenheiten beruht, ist auch das “Green Book” selbst eine Schöpfung der historischen Realität. Der New Yorker Postangestellte Victor Hugo Green schrieb 1936 das erste “Negro Motorist Green Book”, ein Reiseführer für die afroamerikanische Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Bis in die 1960er-Jahre hinein war es jenen Menschen in vielen Bundesstaaten, vor allem im Süden, verboten, bestimmte Etablissements und Dienstleistungen zu nutzen. Aus diesem Grund konnte das Reisen kompliziert werden, weshalb Greens Reiseführer Adressen enthielt, an denen sich Afroamerikaner frei bewegen konnten. Vor allem die “Sundown-Towns” mussten umfahren und/ oder gemieden werden. In diesen war es ihnen nicht gestattet, sich nach Sonnenuntergang aufzuhalten. Das Green Book erschien bis 1966 jährlich. Es hatte in der letzten Auflage rund 130 Seiten und verkaufte sich bis dahin über 20.000 Mal.

Bis zur gesetzlichen Aufhebung des reglementierten Rassismus und der Rassentrennung musste die afroamerikanische Bevölkerung auf das grüne Licht von Victor Green warten. Doch eine rein normative Vorgabe ist nicht immer mit der Realität gleichzusetzen…

Es geht um die Familie

Green Book – Eine besondere Freundschaft beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte von Tony Lip und Don Shirley. Das Drehbuch wurde von Brian Hayes Currie, Peter Farrelly und Nick Vallelonga geschrieben. Letzterer ist der Sohn von Frank Anthony Vallelonga, besser bekannt als Tony Lip. Nachdem dieser bereits in “Familienfilmen” wie Der Pate, Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia und Die Sopranos mitgespielt hat, sah Nick Vallelonga in dem Leben seines Vaters selbst das Potenzial für einen Film. So schuf er zusammen mit Currie und Farrelly dieses Originaldrehbuch. Er ließ seinen Bruder Frank Vallelonga die Rolle von Tony Lips Bruder Rudy übernehmen. Der echte Rudy Vallelonga spielt hingegen den gemeinsamen Vater Nicola. Green Book – Eine besondere Freundschaft ist somit nicht nur ein Film, der die Geschichte einer Familie erzählt, sondern auch als Familienprojekt einen Ruf erhält.

Tony Lip (Viggo Mortensen) verabschiedet sich von seiner Frau Dolores (Linda Cardellini) © 2018 eOne Germany
Tony Lip (Viggo Mortensen) verabschiedet sich von seiner Frau Dolores (Linda Cardellini) © 2018 eOne Germany

Ein Drehbuch, das man nicht ablehnen kann

Die Drehbuchautoren von Green Book – Eine besondere Freundschaft hatten das richtige Händchen, wenn es um das Erzählen der Geschichte von Lip und Shirley geht. Der Spannungsbogen ist mustergültig und die Erzählweise lässt den Zuschauer gespannt die Augen auf die Leinwand richten. Innerhalb der 131 Minuten des Films scheint keine Szene überflüssig zu sein; die Länge ist mit keiner Sekunde spürbar.

Der Film spricht mehrere Themen an, allen voran Rassismus, Freundschaft, Eigennutz, Empathie, Verständnis und Nachsicht. Doch diese Dinge werden eher allgemein gehalten und als Teil der Handlung in den Geschichtsverlauf eingebettet. So ist es nicht der schwungvolle Hieb mit der Moralkeule, zu dem das Drehbuch ausholt. Die persönliche Ebene der Protagonisten zwingt den Zuschauer dazu, einen selbstkritischen und differenzierten Blickwinkel einzunehmen. Green Book – Eine besondere Freundschaft verweist nicht auf das System und dessen Mankos. Stattdessen geht es darum, sich selbst zu ändern – sich nicht zu fügen, sondern zur Einsicht und Nachsicht zu gelangen. Es geht dabei um Zwischenmenschlichkeit und Empathie; dem anderen zu helfen; für jemanden einstehen und sich Selbst bessern, um so im Kleinen Großes bewirken zu können.

Eine besondere Darstellung

Der Cast des Films überzeugt über die gesamte Länge des Films. Allen voran Viggo Mortensen (Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück, Tödliche Versprechen – Eastern Promises, Der Herr der Ringe – Trilogie) und Mahershala Ali (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen, Moonlight, House of Cards) zeigen, dass sie zur “High-Class” des Schauspielertums gehören und ihre bisherigen Auszeichnungen und Nominierungen zurecht verdient haben. Doch auch die Nebendarsteller-Riege um Linda Cardellini (Avengers: Age of Ultron, Brokeback Mountain, Scooby-Doo) als Tonys Frau Dolores überzeugen auf ganzer Länge.

Tony Lip (Viggo Mortensen) und Don Shirley (Mahershala Ali) werden bei einem Anzugkauf vor Hindernisse gestellt © 2018 eOne Germany
Tony Lip (Viggo Mortensen) und Don Shirley (Mahershala Ali) werden bei einem Anzugkauf vor Hindernisse gestellt © 2018 eOne Germany

Man kann mit den Charakteren mitfühlen, ihre Stärken und Schwächen nachvollziehen bzw. sich womöglich in diese hineinversetzen. Die Emotionen werden greifbar dargestellt und lassen den Zuschauer in einem Wechselspiel aus Traurigkeit und Freude im Kinosessel zurück. Nicht umsonst wurde Viggo Mortensen als bester Hauptdarsteller für einen Golden Globe nominiert und Mahershala Ali als bester Nebendarsteller sogar ausgezeichnet. Zudem erhielten beide Schauspieler jeweils eine Oscar-Nominierung.

Tragödie trifft Feel-Good-Movie

Green Book – Eine besondere Freundschaft ist ein Film, der seinesgleichen sucht. Er spricht viele Aspekte an, überlässt die kritische Wertung jedoch letztendlich dem Zuschauer. Trotz der ernsten Thematik (Rassismus, Politik, Sozialkritik) geht es vor allem um Freundschaft und darum, sich gegenseitig zur Seite zu stehen. Trotz vermeintlicher Unterschiede sind es die Ähnlichkeiten, die besondere Freundschaften auszeichnen.

Green Book – Eine besondere Freundschaft ist durch seine bedeckte und doch zum nachdenken anregende Erzählweise mit nur wenigen Filmen zu vergleichen. So zum Beispiel Lady Bird oder Moon, die ebenfalls ernsthafte Themen in den Vordergrund stellen. Doch ordnen sie diese der Dramaturgie unter und überlassen die Wertung dem Zuschauer.

Don Shirley (Mahershala Ali) nutzt seine Wortgewandtheit, um Tony Lip (Viggo Mortensen) bei den Briefen an seine Frau zu helfen © 2018 eOne Germany
Don Shirley (Mahershala Ali) nutzt seine Wortgewandtheit, um Tony Lip (Viggo Mortensen) bei den Briefen an seine Frau zu helfen © 2018 eOne Germany

Mit seiner Mischung aus ernsthafter Dramatik und freundschaftlichem Humor schafft es Green Book – Eine besondere Freundschaft, eine einzigartige Mixtur vorzuweisen. Auf der einen Seite tendiert der Film zur Tragödie. Er überzeugt dadurch, den Zuschauer zum Lachen und zur gleichen Zeit zum Weinen zu bringen. Auf der anderen Seite ist die Beziehung zwischen Lip und Shirley etwas, dass den Zuschauer sich gut fühlen lässt. Das Genre des Feel-Good-Movie ist kaum greifbar, weil es sich nahezu jedweder vermeintlichen Objektivität entzieht. Es sind das Empfinden des Wohlfühlens und Momente der Freude, die das freundschaftliche Band der Protagonisten in einem auslösen. Die lustigen und freudigen Augenblicke erlauben es dem Zuschauer, sich trotz der ernsthaften Thematik gut zu fühlen.

Mein Fazit zu Green Book – Eine besondere Freundschaft

Mit Green Book – Eine besondere Freundschaft ist Peter Farrelly eine überwältigende Filmbiographie gelungen. Der Regisseur, der bisher hauptsächlich Filme mit seinem Bruder Bobby gemacht hat, welche darüber hinaus nicht unbedingt oscarverdächtig waren (u.a. Dumm und Dümmer, Verrückt nach Mary, Schwer verliebt, Ein Mann für eine Saison), zaubert uns ein rührseliges und ernsthaftes Drama auf die Leinwand. Dieses weiß, durch seine Kombination aus tragikomischen und wohltuend-gutfühlenden Momenten, filmisch zu beeindrucken und den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitzunehmen.

Der Cast kann dabei auf ganzer Länge überzeugen. Auch die Filmmusik von Kris Bowers trägt dazu bei, auszeichnungswürdiges Kino zu präsentieren, dem man gerne Augen und Ohren widmet. Green Book – Eine besondere Freundschaft ist ein Film, der jedem ans Herz gelegt sei, der Gefallen daran findet, in ernsthaften, selbstreflektierenden Momenten stillschweigend in sich zu kehren und sich dennoch nicht die Lust am Leben nehmen zu lassen. Das Leinwandwerk erzählt nicht nur die Geschichte einer besonderen Freundschaft, sondern kann im Rahmen des Kinos auch als besonderer Film gesehen werden.

Der Film ist hierzulande ab dem 31. Januar 2019 im Kino zu sehen!

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Christopher Hanek

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