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Meet the Feebles

Mit Meet the Feebles schuf Funsplatter-Urvater Peter Jackson seine verruchte, persönliche Antwort auf die legendäre Muppet Show.

TitelMeet the Feebles
Jahr1989
ProduktionslandNeuseeland
RegiePeter Jackson
DrehbuchPeter Jackson, Fran Walsh, Danny Mulheron, Stephen Sinclair
GenreKomödie, Parodie
SprecherDonna Akerston, Stuart Devenie, Mark Hadlow, Brian Sergent, Peter Vere-Jones, Mark Wright
Länge94 Minuten
FSKab 18 Jahren
VerleihLaser Paradise

Was passiert in Meet the Feebles?

Ja, was passiert eigentlich in Meet the Feebles? Im Grunde genommen ist das gar nicht so wichtig, da es sich bei Meet the Feebles um eine Varieté-Show handelt, die es zu erfahren gilt. Die Synopsis ist nur der Pfad auf dem Weg zum einem Kuscheltiershowdown, den man für den Rest seines Lebens wahrscheinlich nur schwer vergessen wird. Eingeläutet wird das Ganze durch die – ihren Mann in-flagranti erwischende – Nilpferddame Heidi. Diese eröffnet uns einen ersten, hintergründigen Blick in die alltägliche Showbusinesswelt, in der der schwärmerische Igel Robert seine kleinen Tatzenabdrücke hinterlassen möchte und dabei an seine emotionalen Grenzen gerät.




Peter Jacksons malerische Exkursion entlang der Schattenseiten unserer Unterhaltungsindustrie

Meet the Feebles parodiert und porträtiert angeglichen an die einzig wahre Muppet Show unsere Unterhaltungsindustrie und das Kino an sich innerhalb der menschlichen Realität und mithilfe von Kuscheltieren.

Das ist etwas, das kann man sich ruhig mal auf der Zunge zergehen lassen. Das klingt so wahnsinnig, wie es tatsächlich ist.

Es ist Wahnsinn.

Wenn man Peter Jackson persönlich treffen würde, dann müsste man ihm sagen, wie wahnsinnig genial seine Idee mit seinem einstigen Debütfilm “Bad Taste”, danach mit Meet the Feebles und wenig später bei “Braindead” war. Alle atmen einen ähnlichen kreativen Sauerstoff, den der neuseeländische, zum Ritter geschlagene Regisseur nach der “Herr der Ringe”-Trilogie offensichtlich nicht mehr zur Ventilation bringen konnte.

Koksende Tierfiguren, eine Scheißhausfliege als sensationsgeiler Paparazzi-Reporter, der jeden Journaille-Kothaufen nach dem anderen auf Kosten anderer in der Promiklatschpresse verteilt. Verdammt noch eins, Kuscheltiere im wahrhaftigen Vietnamkrieg, die sich gegenseitig mit Maschinengewehren und Granaten vernichten wollen. Die Russisches Roulette spielen. Schauspieler, die in Abhängigkeit von der Filmindustrie, deren Produzenten und Verlagsfirmen, die sich wiederum abhängig von Umsatz und Zuschauerzahlen machen. Die drogensüchtig geworden sind und fortan emotional vom Ruhm versklavt werden und in der Hafen-Gruft zum Fraß vorgeworfen werden, wenn sie sich als gescheiterte Existenzen herausstellen, mit denen man kein Geld mehr verdienen kann. Das ist dramatisch, drastisch, ehrlich, offenbar genau wie Peter Jacksons Natur selbst.

Costume Design, Splattereffekte, neuseeländische Freigeistlichkeit

Peter Jackson hatte anscheinend immer ein gutes Auge, fähige Costume Designer und Effektspezialisten an seiner Seite. Seine Filmografie gilt zu Recht als womöglich exotischste überhaupt, gerade weil er sich weit vor der eigenhändigen Verwurstung der möglicherweise besten Filmtrilogie aller Zeiten (“Herr der Ringe”), nämlich „The Hobbit“, aus einem elitären Zirkel aus Independentfilmemachern verabschiedete und seitdem nur noch mittelmäßige Auftragsarbeiten absolvierte. Aber seine Frühwerke bilden zu Recht den kreativen und freigeistlichen Unterbau, der im groben Kontrast zu den Hollywood-Millionendeals steht, die Jackson nicht nur in seinem Kuscheltiervariety thematisiert, sondern im späteren Leben via “King Kong” und der “Hobbit”-Trilogie dann auch tatsächlich annahm, ohne das man von ihm behaupten kann, dass er ein Regisseur wie jeder anderer ist.

Ganz im Gegenteil.

Er schafft mit Meet the Feebles in grenzenloser Überzeichnung und mit Tieren, die allesamt menschliche Eigenschaften tragen, was man mit menschlichen Schauspielern innerhalb unserer Darstellungsmöglichkeiten wahrscheinlich niemals schaffen würde: Er skizziert eine Planschrift von den Ungereimtheiten menschlichen Daseins, das in Gesetzen streng geregelt, in ständigem Dissens zu unseren ureigenen und natürlichen Trieben steht. Er visualisiert mithilfe von ausgeschmückten Traumwelten, mit einfallsreichst gestalteten Kostümen und mit überbordend-unvergleichlichen practical effects, die tief in der mythischen Menschheitsgeschichte entstandenen und dort begraben liegenden Diskrepanzen der Zwischenmenschlichkeit, die durch Kriege befeuert und durch Selbstreflektion respektive Liebe wieder zueinander geführt werden.

Peter Jackson: vom Filmfan zum Maestro

Peter Jacksons Filme sind vielschichtig, mitunter durchzogen von altertümlichen Werten (“Herr der Ringe”), festgesetzten Sozialstrukturen (“Braindead”) und breit gefächertem Unterhaltungsspektrum, das in seiner früheren Schaffensperiode immer wieder von grotesken Einfällen übertriebenen Gores und spontaner Willkürlichkeit aufgebrochen wird. Da kann schnell mal ein Rasenmäher das größte Blutbad der Filmgeschichte anrichten oder Außerirdische zu Wirtschaftszwecken eine Dorfschlachtung vornehmen. Es sind jedenfalls die von ihm aufgenommenen Wahrheiten, die er scheinbar immer wieder in die Hohlräume seiner Drehbuchzeilen schlüpfen lässt, um vor dem Vordergrund einfacher Unterhaltung interessante Themen anzusprechen oder gar mit ihnen abzurechnen.

In “Braindead” ist es beispielsweise die Beziehung Lionels (Timothy Balme) zu seiner herrischen Mutter (Elizabeth Moody).                                                                           In Meet the Feebles ist es gar das Aufbrechen ganzer Unterhaltungsformate, wenn der Zuschauer für sich entdeckt, dass es letztlich um psychologische Manipulation, um das ganz große Geld und um die sexuelle und ideologische Versklavung der Menschen geht, die dazu verdammt sind den Konsumenten vordergründig zu unterhalten, ganz egal wie jene Unterhaltung aussehen mag.

Und dabei ist Meet the Feebles eigentlich eine Serie, die im ganzen Land ausgestrahlt wird. Eine, die von Menschenhand gemacht heutzutage auch schnell mal einem Mediengiganten wie Netflix angehören könnte und die mit ihren im Fokus stehenden Figuren machen kann, was auch immer sie will. Eine Serie, die ausgerichtet auf ihre Protagonisten, menschlicher zu sein scheint, als nahezu alles, was man vorher so gesehen haben könnte und das obwohl kein einziger Mensch visuell wirklich zu sehen ist. Eine Serie, die im ganz großen Fiasko inhaltlich den Heldentod für alle anderen durch diesen Film schier nutzlos gewordenen Formate stirbt. Ähnlich wiederholte es Peter Jackson selbst wenig später mit der zweifelsfrei meisterlichen Adaption und der Revolution des Blockbusterkinos “Herr der Ringe”.

Fazit:

In letzter Konsequenz reicht es natürlich, wenn man Meet the Feebles unter der Muppet-Show-Prämisse schaut und sich einfach unterhalten lässt. Damit dürfte man dem Werk allerdings nicht gerecht werden. Denn was Peter Jackson, seine Frau Fran Walsh, Danny Mulheron und Stephen Sinclair mit ihrem glänzenden Drehbuch Broadway-mäßig kreierten, ist so viel mehr als einfache Unterhaltung.

Und ob letztlich das Lachen, das tief im Inneren des Zuschauers entsteht, einem zeitweise immer wieder im Halse stecken bleiben wird oder nicht…Lachen wird man so oder so und das ist abgesehen von den sich immer weiter im Subtext entfaltenden Metaebenen schon eine zweifelsfreie Meisterleistung.

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