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Die Musen erweisen sich als das pure Böse © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Muse – Worte können tödlich sein

Mit [REC] und [REC]² lehrte der spanische Regisseur Jaume Balagueró uns vor einigen Jahren das Fürchten. Sein neuester Film Muse ist dagegen leider nur fürchterlich belanglos.

TitelMuse – Worte können tödlich sein
Jahr09.10.2018 auf DVD, Bluray & digital
ProduktionslandSpanien
RegieJaume Balagueró
DrehbuchJaume Balagueró, Fernando Navarro
GenreThriller, Fantasy, Horror
DarstellerElliot Cowan, Franka Potente, Ana Ularu, Joanne Whalley, Christopher Lloyd, Leonor Watling
Länge107 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihEuroVideo

Das offizielle Cover zu Muse © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Muse – eine Buchverfilmung

Muse – Worte können tödlich sein basiert auf dem bizarren und düsteren Kriminalroman Die dreizehnte Dame von Erfolgsautor José Carlos Somoza, der mit knapp 500 Seiten auf eine stattliche Länge kommt. Ohne hier die Handlung des Films durch die Beschreibung des Buches zu spoilern, lässt sich sagen, dass Balagueró seine eigene Interpretation der Vorlage präsentiert, die im direkten Vergleich als sehr stark abgespeckte Version erscheint.




In Muse begegnen wir dem Literaturprofessor Samuel Solomon. Dieser führt seit gut einem Jahr eine Affäre mit der jungen Studentin Beatriz. Damit an seiner Universität kein Eklat entsteht, hält er diese tunlichst geheim. Als er allerdings nach einer weiteren Liebesnacht sein Bad betritt, um mit Beatriz zu sprechen, liegt diese tot in der Wanne. Alles deutet auf einen Selbstmord hin.

Nach einem Schnitt, der das Geschehen mehrere Monate in die Zukunft springen lässt, erleben wir einen depressiven Samuel, der nicht nur unter dem Tod seiner Geliebten leidet, sondern auch von einem Alptraum gequält wird. In diesem beobachtet er einen brutalen Ritualmord an einer Frau und sieht kurz danach in den Nachrichten, dass diese Tat wirklich geschehen ist. Als er zutiefst verstört den Tatort aufsucht, begegnet er der alleinerziehenden Mutter Rachel. Diese hat ebenfalls den Mord im Schlaf gesehen und sucht nach Antworten. Zusammen mit ihr und seiner alten Bekannten Susan versucht Samuel zu ergründen, wieso ihn Visionen verfolgen, wer die getötete Frau war und was es mit den geheimnisvollen sieben Musen auf sich hat, die hinter allem zu stecken scheinen.

Die alleinerziehende Mutter Rachel hat ebenfalls Visionen und hilft Samuel © 2018 EuroVideo Medien GmbH
Die alleinerziehende Mutter Rachel hat ebenfalls Visionen und hilft Samuel © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Toller Stoff, schlechte Umsetzung

Regisseur Jaume Balagueró präsentiert mit Muse einen düsteren Thriller, der weniger mit blutigen Schauwerten wie einst [REC] überzeugen möchte. Vielmehr setzt er wie bei seinen frühen Gruselfilmen Fragile oder Darkness auf eine unheimliche Grundstimmung. Hier erzählt er, der Buchvorlage folgend, von der Legende der Musen, die die Schriftsteller dieser Welt inspirieren und sprichwörtlich küssen. Dies tun sie aber letztlich, um Macht über die Autoren und schließlich ihre Welt zu gewinnen. Insgesamt gibt es sieben von ihnen. Jede mit eigenem Charakter wie zum Beispiel die, die sich im Verborgenen hält, oder jene Muse, die lügt und betrügt.

Die Musen erweisen sich als das pure Böse © 2018 EuroVideo Medien GmbH
Die Musen erweisen sich als das pure Böse © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Zwar erscheint das Konzept der geheimnisvollen und bösartigen Musen als durchaus reizvoll, um daraus einen Horrorfilm zu stricken, aber das Drehbuch von Muse wirkt leider zu jeder Zeit wie eine schlecht und willkürlich heruntergebrochene Fassung des Buches, die die komplexere Geschichte notdürftig in gut 100 Minuten abhandeln möchte. Während der Film mit dem Tod Beatriz‘ und dem morbiden Alptraum von Samuel noch packend startet, verläuft der Film im Mittelteil in eine kaum nachvollziehbare Ermittlungsarbeit, in der langweilige, weil nichtssagende Settings abgeklappert werden, um weitere Informationshäppchen freizulegen. So erschließt sich zudem nur unzureichend und sprunghaft, wer genau diese Musen sind und wie sie sich aufhalten lassen. Zumindest hält der Film im weiteren Verlauf ein bis zwei Überraschungen bereit, die das bisherige Geschehen noch einmal umwälzen und so zumindest die Qualität des Stoffes aufblitzen lassen.

Grau in Grau

Besonders ärgerlich erscheint auch das Visuelle, denn Muse ist in vielen Szenen überzogen von einem Graufilter. Dass derartig starke Filter gerade bei kleineren Filmen über Produktionsmängel hinwegtäuschen können und sofort für eine gewisse Stimmung sorgen, ist geschenkt. Allerdings schafft es der Film dadurch auch nicht, Emotionen zu transportieren, Wechsel in der Atmosphäre zu zeigen oder sonstwie über die Bildsprache für dramaturgische Verschärfungen zu sorgen. Ein Grau in Grau ist hier vorherrschend, das im Mittelteil mit dem distanziert wirkenden und nicht unbedingt nachvollziehbaren Geschehen für ein fast völliges Abreißen der Anteilnahme sorgt.

In Muse untersucht Samuel den Tatort, den er in seinen Träumen gesehen hat © 2018 EuroVideo Medien GmbH
In Muse untersucht Samuel den Tatort, den er in seinen Träumen gesehen hat © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Der überraschend bunt besetzte Cast von Muse

Franka Potente und Christopher Lloyd in Nebenrollen? Bei diesem Anblick muss man sich erstmal die Augen reiben. Die deutsche Darstellerin, die mit Lola rennt ihren großen Durchbruch erlebte, spielt die gute Bekannte Susan der Hauptfigur Samuel Solomon. Zwar scheint zu Beginn des Films eine nicht weiter erklärte Distanz zwischen den beiden zu herrschen, vielleicht ein zurückliegendes missglücktes Liebesverhältnis, schließlich hat der Professor mittlerweile eine Affäre mit einer deutlich jüngeren Studentin, aber Susan unterstützt Samuel bereitwillig bei der Recherche. Sie bildet in dem über ihn hereinbrechenden Wahnsinn die Vertraute, auf die er sich verlassen kann.

Christopher Lloyd, dessen Rolle des verrückten Professors in Zurück in die Zukunft unvergessen bleibt, erhält einen recht kleinen Gastauftritt. Der sichtlich in die Jahre gekommene Alt-Star hilft Samuel in der Mitte seiner Ermittlungen ein gutes Stück weiter, da er selbst seine schmerzlichen Erfahrungen mit den Musen gemacht hat. Letztlich fungiert Lloyds Rolle damit sehr offensichtlich nur als bloßer „plot device“, um die Handlung zu ihrem Finale zu treiben. So plötzlich wie Lloyd auftaucht, so schnell ist er fast auch wieder weg.

Gemeinsam mit Susan versucht Samuel den mysteriösen Kult der Musen zu ergründen © 2018 EuroVideo Medien GmbH
Gemeinsam mit Susan versucht Samuel den mysteriösen Kult der Musen zu ergründen © 2018 EuroVideo Medien GmbH

Eine mittelschwere Enttäuschung ist leider Hauptdarsteller Elliot Cowan, der das Geschehen nie wirklich tragen kann und seine Hauptfigur mit Betroffenheitsmiene durch das Geschehen schleppt. Letztlich mag es dies wohl auch an dem merkwürdig zusammengeklöppelten Plot liegen, dass Samuels kriminalistische Recherche und Konfrontation mit den Musen nie wirklich Emotionen weckt. So erscheint der Protagonist als völlig austauschbarer Jedermann ohne Profil.

Fazit: Muse das denn sein?!

Mit der Verfilmung des Romans Die dreizehnte Dame hat sich Jaume Balagueró wahrlich keinen Gefallen getan. Die spürbar zusammengekürzte Geschichte, die wirr, aber im Grunde doch einfach und ohne packende Höhepunkte abläuft, ruiniert den eigentlich spannenden Stoff um die besitzergreifenden Musen, die mit bösen Absichten die Welt der Menschen unterwandern wollen. Dass der Film passabel produziert und gedreht ist, ändert dabei nichts an seiner Belanglosigkeit.

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Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2022 um 23:29 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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[/su_table] Hier die Bewertung der MovicFreakz – Redaktion:

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