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Nahschuss

Im Historiendrama Nahschuss spielt Lars Eidinger die Hauptrolle des Franz Walter. Inspiriert von wahren Begebenheiten nimmt der Streifen Zuschauende mit in die DDR und die damit verbundenen Machenschaften der Staatssicherheit. Ob sich ein Blick lohnt, erfahrt ihr in unserer Filmkritik!

NAHSCHUSS (2021) HD Trailer (Deutsch / German)

Titel Nahschuss
Jahr 2020
Land Deutschland
Regie Franziska Stünkel
Drehbuch Franziska Stünkel
Genre Historienfilm, Drama
Darsteller Lars Eidinger, Devid Striesow, Luise Heyer
Länge 116 Minuten
FSK ab 12 Jahren freigegeben
Verleih Alamode Filmverleih
Auf dem Filmplakat von Nahschuss sieht man eine Art Collage - oben links ein Frontalporträt von Lars Eidinger, rechts daneben Luise Heyer. In der Mitte des Plakats und rot hinterlegt der Titel sowie ein Bild von David Stresow. darunter noch eine Landschaftsszene sowie eine Frau an einem Waschbecken.
Filmplakat von Nahschuss © Alamode Films

Die Handlung von Nahschuss

Franz Walter (Lars Eidinger) ist gerade dabei, an der Humboldt-Universität in Berlin zu promovieren. Nun erhält er ein verlockendes Angebot für eine Professur, wenn er vorab ein Jahr beim Auslandsnachrichtendienst der DDR arbeitet. Er muss sich schnell entscheiden und zögert nicht lange, da die Vorteile, die dieser neue Job mit sich bringen, sehr überzeugend sind. Abgesehen davon, scheint auch sein neuer Vorgesetzter (David Striesow) ein ausschlaggebendes Argument zu sein. Beide verstehen sich gut und er steht Franz insbesondere in der ersten Zeit mit vielen Tipps zur Seite.

Auch privat läuft es prächtig: In seiner Freundin Corina (Luise Heyer) hat er die Liebe seines Lebens gefunden. Sie gibt ihm Halt und aufgrund seines neuen, sicheren Jobs steht einer Hochzeit nichts mehr im Wege. Als netten Nebeneffekt stehen Franz durch eine Eheschließung gewisse Vorteile bei seinem Job zu.

Doch schon bald wächst Franz seine Tätigkeit für die Hauptverwaltung Aufklärung im Nachrichtendienst über den Kopf. Denn seine Aufgaben bestehen nicht mehr nur aus der reinen Informationsbeschaffung. Er wird nunmehr gezwungen, Dinge zu tun, die er nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Zusätzlich wird sein Leben zunehmend von dem Job eingenommen, der doch nur ein Mittel zum Zweck sein sollte. Dementsprechend packt Franz den Entschluss, auszusteigen. Doch dieses Vorhaben gestaltet sich nicht so einfach, wie angenommen. Und so beginnt sein Kampf gegen das eigene Kollegium und die Strukturen der DDR.

Corina und Franz Walter sitzen leicht bekleidet in einem typisch in DDR Stil eingerichtetem Wohnzimmer auf dem Boden.
Corina und Franz Walter genießen einen Moment der Zweisamkeit © Alamode Films

Angespannte Emotionen

Regisseurin und Drehbuchautorin Franziska Stünkel gelingt es mit Nahschuss, auf fast schon Dokumentarfilm-ähnliche Weise einen äußerst ehrlichen und emotional packenden Blick auf ein radikales System zu werfen. Im Zentrum steht die beklemmende Geschichte der Figur Franz Walter, dessen Geschichte an das reale Leben von Dr. Werner Teske angelehnt ist. Dieser galt seiner Zeit als „Verräter aus den eigenen Reihen“ und wurde zur Todesstrafe verurteilt. Somit war er am 26. Juni 1981 der letzte Mensch, der aufgrund dieser Verurteilung in der DDR hingerichtet wurde. Dementsprechend ist eine belastende Stimmung in der filmischen Umsetzung bereits vorprogrammiert, was primär durch das Schauspiel von Lars Eidinger auch wirklich unter die Haut geht.

Durch den sehr ruhigen Stil des Films wird eine unglaublich beklemmende Stimmung erzeugt. Gepaart mit dem starken Schauspiel von Lars Eidinger bekommt Nahschuss eine emotional Heftigkeit, die das Szenario für die Zuschauer:innen intensiv mitfühlbar macht. Das geschieht vor allem dadurch, dass Eidinger situationsbedingt seine Gefühle häufig nicht durch Worte äußern kann und umso mehr durch Körpersprache agiert. Somit kann man seine Gedanken förmlich spüren und fiebert mit ihm um die Lösung seiner Probleme. Aber nicht nur das, hier wird vor allem auch die Frage nach dem vermeintlich richtigen oder falschen Verhalten gegenüber dem politischen System aufgegriffen.

Eine Sache muss allerdings klargestellt werden. Auch wenn sich die Vorlage um Teske der Thematik um die Todesstrafe annimmt, ist das nicht das Kernthema des Films. Vielmehr steht das Hinterfragen der staatlichen Strukturen und die Fügung des Bürgers im Mittelpunkt. Es wird anschaulich dargestellt, wie ein eigentlich unpolitisches Mitglied der Gesellschaft dazu bewegt werden konnte, für den Staatssicherheitsdienst zu arbeiten und welche moralischen Probleme für diese Betroffenen einhergehen konnten.

Dirk Hartmann sitzt im Anzug links im Bild und schaut schmunzelnd aus dem Bild heraus. Von rechts schmiegt sich eine sehr junge Frau mit dunklen Haaren an ihn.
Devid Striesow als Mentor Dirk Hartmann © Alamode Films

Ein fragwürdiges System

Heutzutage wird noch immer häufig darüber debattiert, ob die DDR ein Unrechtsstaat war. Demgemäß liegt auch bei Nahschuss die Darstellung eher auf den „Schattenseiten“ dieser Zeit. Der Film konzentriert sich fast ausschließlich auf die Machenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit (StaSi) und der dazugehörigen Hauptverwaltung Aufklärung. Somit erhalten die Zuschauer:innen nur sehr wenige Einblicke in das alltägliche Leben der DDR. Dadurch verwehrt der Streifen einen ganzheitlichen Blick und somit das vermeintliche „Schöne“ dieses geschichtlichen Abschnitts.

Insgesamt fügt sich diese Darstellungsweise aber wunderbar in die Handlung ein. Denn mit der Aufnahme seiner Tätigkeit für die Hauptverwaltung Aufklärung spielt diese Thematik nun die zentrale Rolle im Leben von Hauptfigur Franz Walter. Auch seine Freizeit verbringt er von nun an in erster Linie mit den neuen Kolleg:innen und der Kontakt zu seinen alten Freund:innen wird zunehmend abgebrochen. Selbst gegenüber seiner Familie ist er zu höchster Verschwiegenheit verpflichtet. Demgemäß ist der Umbruch seines persönlichen Lebens durch das System enorm. Und das wird für die Zuschauenden treffend und greifbar vermittelt. Auch wenn die allgemeine Darstellung somit eher negativ bleibt, schafft sie einen authentischen Einblick in diesen Abschnitt deutscher Geschichte.

Franz Walther sitzt mittig im Bild. Er hat die Stirn in Falten gelegt und schaut fragend zu einem Mann, der links angerissen im Bild ist. In der rechten Ecke ist ein weiterer Mann zu sehen. Er stützt den Kopf auf zusammengefaltete Hände und legt ebenfalls die Stirn in Falten. Alle tragen Anzüge mit Krawatte.
Franz Walther bei einer Konferenz seines neues Jobs © Alamode Films

Unser Fazit zu Nahschuss

Drehbuchautorin und Regisseurin Franziska Stünkel liefert uns mit ihrem zweiten Spielfilm einen düsteren Einblick in ein wichtiges Kapitel der DDR-Geschichte und die damit verbundenen Machenschaften der Staatssicherheit. Das Historiendrama wird vor allem durch Lars Eidingers schauspielerische Leistung getragen. Er bringt die Emotionen in die bedrückende Geschichte, die es benötigt, um die Zuschauer:innen in den Bann zu ziehen. Dennoch hat der Streifen definitiv auch seine Längen. Aufgrund seiner äußerst bedrückenden Stimmung und der sehr ruhigen Erzählweise ist er sicherlich nicht für jeden geeignet, aber eine klare Empfehlung für Geschichtsinteressierte.

Nahschuss ist seit 14. Januar digital und seit 28. Januar 2022 als DVD & Blu-ray verfügbar.

Unsere Wertung:

 

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© Alamode Filmverleih

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