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Eli Goree steht als Cassius Clay in einer Ecke des Boxrings.

One Night in Miami

One Night in Miami erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Nacht rund um eine bedeutsame Vierergruppe. Namentlich: Malcolm X, Muhammad Ali, Sam Cooke und Jim Brown. Ob der Film aber ähnlich denkwürdig ist wie seine Protagonisten, das lest ihr hier!


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TitelOne Night in Miami
Jahr2020
LandUSA
RegieRegina King
DrehbuchKemp Powers
GenreDrama, Biografie, Historienfilm
DarstellerKingsley Ben-Adir, Eli Goree, Aldis Hodge, Leslie Odom Jr., Lance Reddick, Christian Magby, Michael Imperioli, Beau Bridges, Joaquina Kalukango, Nicolette Robinson
Länge114 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihAmazon Prime Video

Die Handlung von One Night in Miami

Wir schreiben den 25. Februar 1964: der Beginn einer denkwürdigen Nacht. Ein Quartett aus vier afroamerikanischen Ikonen, bestehend aus dem Aktivisten Malcom X (Kingsley Ben-Adir), dem Boxer Cassius Clay (Eli Goree) – später bekannt als Muhammad Ali -, dem Sänger Sam Cooke (Leslie Odom Jr.) und dem Footballspieler Jim Brown (Aldis Hodge) trifft sich nachts in einem Hotel in Miami. Nach dem Weltmeistertitel von Cassius Clay lädt Malcom X seine Freunde zu der Zusammenkunft ein. Was zuerst der Beginn einer rauschenden Feier zu Ehren Clays zu sein scheint, entwickelt sich nach und nach zu einem fundamentalen Moment der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Die Zusammenkunft dieser vier Männer ist historisch belegt, das Gesagte jedoch nicht. In ihrem Spielfilm-Regiedebüt setzt Regina King exakt an dieser Stelle an und versucht, den Ablauf dieser Nacht zu eruieren. Basierend auf einem Drehbuch von Kemp Powers, der die Prämisse bereits 2013 als Theaterstück inszenierte, erhalten wir als Zuschauer Einblick in Debatten, Überlegungen, Rollenbilder, Dispute und Streitgespräche.

Die Gruppe in One Night in Miami, bestehend aus Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), Cassius Clay (Eli Goree), Malcolm X (Kingsley Ben-Adir) und Jim Brown (Aldis Hodge), von links nach rechts.
Von links nach rechts: Die Gruppe bestehend aus Sam Cooke (Leslie Odom Jr.), Cassius Clay (Eli Goree), Malcolm X (Kingsley Ben-Adir) und Jim Brown (Aldis Hodge) auf dem Dach des Hotels. © Amazon Studios

Ein Film wie ein Theaterstück

Ein fast schon intimer Einblick, der uns während seiner Lauflänge die einzelnen Figuren immer näher bringt. Hierbei wirkt es manchmal so, als wäre man das fünfte Mitglied der Gruppe, das nach und nach den Habitus der anderen entdeckt. Schweigend, beobachtend und analysierend wächst kontinuierlich das Gefühl, greifen zu können, was diese Männer mit so großem Einfluss und so großer Verantwortung ausmacht. Zu diesem Punkt trägt vor allem die inszenatorische Umsetzung bei.

Mit Ausnahme des etwas anorganischen ersten Aktes, der einen kurzen Einblick in das Leben und die tagtäglichen Herausforderungen des Quartetts ermöglicht, wird der theatralische Ursprung des Drehbuchs deutlich. Denn anschließend wird – in bester Kammerspiel-Manier – der Fokus vor allem auf die Gruppendynamik und die nuancierten Interaktionen der Vier untereinander gesetzt: Größere Ortswechsel, Zeitsprünge und Veränderungen im Erzähltempo sucht man vergebens.

Jedoch schafft es One Night in Miami gerade durch die absolut brillanten Leistungen der Hauptdarsteller, sukzessiv zu fesseln. Insbesondere durch intelligente Dialoge und kleinste Veränderungen in Mimik und Gestik werden die ambivalenten gesellschaftlichen Erfahrungen jedes Einzelnen deutlich. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über deren jeweiliges politisches Bewusstsein geraten Sam Cooke (Leslie Odom Jr.) und Malcolm X (Kingsley Ben-Adir) schnell aneinander. Nichtsdestotrotz bleiben aufgrund der Leistungen der beiden Darsteller die Sympathien immer ausbalanciert, genauso wie sich beide Position nachvollziehen lassen. Auch Eli Goree und Aldis Hodge überzeugen in ihren Rollen und so würde es durchaus verwundern, wenn man keinen der Darsteller auf der Liste der diesjährigen Oscar-Kandidaten finden sollte. Im Kern der Erzählung stehen die geschichtlichen Ikonen, deren menschliche Seite dem Publikum näher gebracht wird.

Leslie Odom jr. als Sam Cooke singt auf einer Bühne in einem silbernen Anzug.
Leslie Odom Jr. glänzt in One Night in Miami nicht nur durch sein Schauspiel, sondern auch durch seine Stimme. © Patti Perret/Amazon Studios

Atemlos durch die Nacht…

Insgesamt liegt die größte Stärke des Filmes also in der Interaktion zwischen den Figuren. Das mag für den ein oder anderen vielleicht langweilig anmuten, doch durch einige raffinierte Kniffe glänzt der Film auch abseits der schauspielerischen Leistungen. So bilden sich fortlaufend verschiedene Duos aus dem dynamischen Quartett heraus, welche im gemeinsamen Tête-à-Tête die vorangegangenen Diskussionen aus einer anderen Perspektive besprechen und noch einmal ihre eigene Position reflektieren. Ein einfaches wie kongeniales Mittel, da durch die wechselnden Konstellationen keinerlei Statik aufkommt. Obwohl diese aufgrund der unglaublichen Dialogdichte wohl ohnehin nicht entstanden wäre, ersticken die neu gebildeten Zweier-Gespanne jede Möglichkeit eines aufkeimenden Leerlaufs sofort im Keim.

Ebenso vermag es die Kamera zu überzeugen. In einer funktionierenden Symbiose mit der energetischen Truppe betont sie zum einen durch verfolgende Kamerafahrten die Gefühlswelt der Figuren. Zum anderen schwenkt sie bei lockeren Sprüchen und Witzen unbeschwert zwischen den Mitgliedern der Gruppe hin und her und nimmt so die Angespanntheit aus den teils sehr intensiven Wortgefechten. Apropos Wortgefechte: während dieser umkreist die Kamera entweder die jeweiligen Streithähne und sorgt so zusätzlich für Aufregung – oder sie verharrt still, um den Worten mehr Nachdruck zu verleihen.

Zuletzt muss man die pointierten und so sehenswerten Charakterstudien natürlich auch der Regisseurin Regina King in ihrem Spielfilm-Debüt zugutehalten. Es gäbe durchaus leichtere Stoffe, Stoffe mit weniger Konfliktpotenzial, derer man sich annehmen könnte. Eine fiktive nächtliche Diskussion von vier afroamerikanischen Lichtgestalten, noch dazu grundlegend auf wahren Begebenheiten beruhend. Es erfordert Mut, ein Theaterstück, prinzipiell ohne jeglichen roten Faden oder Höhepunkt, in dieser Art und Weise zu inszenieren.
Dass dieser Stoff so behutsam und durchdacht aufbereitet wird. Dass Figuren, die die meisten wohl nur aus Geschichtsbüchern kennen werden, so viel Seele eingehaucht wird. Das alles ist nicht zuletzt ihr Verdienst.

Jim Brown sitzt nachdenklich in einem Stuhl und stützt sich den Kopf mit einer Hand ab in One Night in Miami.
Jim Brown hat sich die Nacht wohl anders vorgestellt. © Patti Perret/Amazon Studios

…trotz einiger kleiner Nickerchen

Ungeachtet dessen gilt, dass auch One Night in Miami nicht vor Abzügen in der B-Note gefeit ist. Mit seinen 114 Minuten Lauflänge ist der Film sicherlich ein wenig zu lang. Insbesondere der erste Akt wirkt seltsam künstlich, wie ein Fremdkörper. Bis die Gruppe im Hotel eintrifft vergeht eine halbe Stunde, die nicht sonderlich sehenswert ist. Nacheinander wird je ein kleiner Einblick in das Leben jedes Protagonisten gewährt, doch all diese Impressionen wirken künstlich und generisch. Nicht ein Bild sticht heraus, nicht ein Moment bleibt nach dem Sehen wirklich im Kopf hängen.

Ein Problem, mit dem sich der Film allgemein auseinandersetzen muss. So gut die Dialoge und die schauspielerischen Leistungen auch sind, so wenige Highlights lassen sich finden. Die Schauplätze, die Kostüme und der Schnitt sind allesamt eines: irgendwie durchschnittlich. Kein Höhepunkt, keine Schlüsselszene, kein wirklich einprägsamer Moment.
Schließlich wird eine Charakterentwicklung auch nicht durch Gruppeninteraktion oder Selbstreflexion ausgelöst, sondern durch das Spielen eines Songs von Bob Dylan. Das hätte man galanter lösen können.

Die Truppe feiert die diskussionsreiche Nacht ausgelassen in einer Bar in One Night in Miami.
Am Ende wird dann doch noch feuchtfröhlich gefeiert… ©Patti Perret/Amazon Studios

Unser Fazit zu One Night in Miami

Insgesamt also ein Film, der sich fast ausschließlich auf sein Drehbuch und seine fantastischen Darsteller verlässt. Ob dieses Konzept funktioniert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer gerne ins Theater geht wird und Filme vor allem aufgrund schauspielerischer Leistungen ansieht, wird mit One Night in Miami sicherlich seinen Spaß haben. Wir wurden jedenfalls trotz der vor sich hin plätschernden Handlung gut unterhalten. Auch wenn der Film womöglich wirklich besser als Theaterstück überzeugt, wissen insbesondere die Figurenzeichnungen und die Darstellung politischer Ambivalenzen zu überzeugen. Schlussendlich können wir dann auch – im Gegensatz zu den Protagonisten – die Wortwechsel in 114 Minuten verfolgen und müssen nicht die ganze Nacht aufwenden. Auch wenn die bewegten Leben des historischen Quartetts durchaus zur nächtlichen Eigenrecherche einladen.

One Night in Miami ist seit 15. Januar auf Amazon Prime Video verfügbar.

Unsere Wertung:

 

 

Malcolm X
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Ali
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© Amazon Studios

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