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Adam zielt mit einem Revolver in Richtung Kamera

Only Lovers Left Alive

Kultregisseur Jim Jarmush lässt in Only Lovers Left Alive zwei Vampire die Nachteile der Unsterblichkeit erleben. Der Film agiert allerdings abseits der Klischees von Filmen wie beispielsweise Twilight und setzt stattdessen auf melancholische Dialoge. Ist der Kunstfilm eine philosophische Offenbarung oder strengen die komplexen Gespräche zu sehr an?

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TitelOnly Lovers Left Alive
Jahr2013
LandGroßbritannien, Deutschland, Griechenland, Frankreich
RegieJim Jarmush
DrehbuchJim Jarmush, Marion Bessay
GenreDrama, Komödie, Fantasy
DarstellerTom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin
Länge123 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihPandora Film Verleih
Blu-ray zu Only Lovers Left Alive, Adam und Eve umarmen sich
Offizielles Blu-ray-Cover zu Only Lovers Left Alive © Pandora Film Verleih

Worum geht’s in Only Lovers Left Alive?

Der zynische Adam verdient sich seinen Lebensunterhalt als Musiker in der Underground-Szene von Detroit. Wirklich viele Freuden im Leben hat der exzentrisch anmutende Künstler nicht und so vegetiert er mehr oder weniger vor sich hin. Lediglich zu seiner Geliebten Eve, die am anderen Ende der Welt lebt, hat er einen wirklich guten Draht, und das schon seit Tausenden von Jahren: Adam und Eve sind nämlich Vampire. Während Eve stets nach neuem Wissen sucht und sich in der modernen Welt hervorragend zurechtfindet, ist Adam des Lebens langsam überdrüssig und sucht verzweifelt nach einem Sinn darin.

Das kann seine große Liebe natürlich nicht mit ansehen, und so besucht sie ihn in den USA, um ihn aufzumuntern. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn nicht nur Eves feierwütige Schwester Ava, sondern auch die in den Augen der Vampire völlig verblödete Menschheit legen ihnen dabei Steine in den Weg. Wie werden die beiden unsterblichen Liebenden mit diesen Herausforderungen umgehen?

Adam und Eve liegen gemeinsam auf dem Sofa, er sieht sie verliebt an
Dass Unsterblichkeit nicht zwingend glücklich macht, müssen Adam und Eve in Only Lovers Left Alive lernen © Pandora Film Verleih

Mysteriös und philosophisch

Oberflächlich betrachtet klingt die Handlung von Only Lovers Left Alive nicht gerade spannend. Interessant ist aber auch eher, wie der Werdegang der beiden Jahrtausende alten Vampire inszeniert wird. So wird ihre wahre Identität im ersten Drittel des Films immer wieder nur angedeutet, wodurch uns die beiden ohnehin schon kauzigen Charaktere umso geheimnisvoller erscheinen. Allerdings muss man sich auf die beiden einlassen, denn abseits von Adam und Eve gibt es kaum andere Charaktere im Film. Das könnte den ein oder anderen Zuschauer abschrecken, denn gerade Adams melancholische und selbstbemitleidende Art kann auf Dauer etwas anstrengend sein.

Star des Films sind aber weniger die tatsächlichen Charaktere, sondern die Ideen und Lebenseinstellungen, für die sie stehen und wie sie untereinander interagieren. Fast ausnahmslos diskutieren die Vampire weltumspannende und das Leben selbst hinterfragende Weltanschauungen, und wer dann auch noch zwischen den Zeilen liest, wird noch einige weitere interessante Entdeckungen machen. So haben die beiden in ihrer unfassbar langen Lebenszeit beispielsweise Unmengen an untergegangenen Kulturen und bekannten Persönlichkeiten (von denen einige sogar selbst Vampire waren) persönlich kennengelernt und lassen deren Philosophie in ihre Überlegungen miteinfließen.

Der Vampir zielt mit einem Revolver in Richtung Kamera
Was hat Adam bloß mit der Waffe vor? © Pandora Film Verleih

Die Rolle der Musik

Neben Eve stellt die Musik die einzige Form der Erlösung für Adam dar. Dementsprechend groß ist auch ihre Rolle in Only Lovers Left Alive. Der Film verbringt ziemlich viel Zeit damit, uns über Adams musikalische Experimente nicht nur zu informieren, sondern sie uns auch zu präsentieren. Doch auch hier bleibt der Streifen Geschmackssache: Nicht jeder hat eben etwas übrig für langsamen, schwerfälligen Psychedelic-Rock, auch wenn dieser die generelle Grundstimmung des Films absolut passend untermalt. Während vom inszenatorischen Standpunkt aus die Gefühle der Figuren hervorragend an den Zuschauer vermittelt werden, könnte man sich durchaus an den wilden Melodien und oft auch dissonanten Klängen stören.

Adam steht in seinem selbstgebauten Tonstudio und spielt gedankenverloren Gitarre in Only Lovers Left Alive
Die Musik spielt zwar eine wichtige Rolle, ist aber vermutlich nicht jedermanns Sache © Pandora Film Verleih

An dieser Stelle sei aber besonders das Schauspiel hervorgehoben. In einigen Szenen sehen wir Tom Hiddleston beispielsweise selbst die Instrumente spielen, was für zusätzliche Authentizität sorgt. Doch auch unabhängig von der Musik machen sämtliche Darsteller einen hervorragenden Job. Da man die verschiedenen Rollen an einer Hand abzählen kann und der Film extrem dialoglastig ist, hängt viel von der schauspielerischen Leistung ab. Gerade Tom Hiddleston und Tilda Swinton können dabei überzeugen und liefern sich einige wirklich intensive Gespräche, bei denen man den beiden alles abkauft.

Wilder Genre-Mix

Ebenfalls abschrecken könnte einige Zuschauer die Tatsache, dass sich der Film nie auf ein klares Genre spezifizieren kann. Zu Beginn haben wir noch ein extrem melancholisches, dafür aber astreines Drama vor uns. Im weiteren Verlauf bedient sich Only Lovers Left Alive aber anderer Genres, wie etwa einem Roadtrip oder gar einer Sitcom. Dieser Genre-Mix ist kein Kritikpunkt, ganz im Gegenteil. Die Darstellung der Handlung über verschiedene Stile hinweg passt hervorragend zum philosophischen Hinterfragen des Lebens, denn auf diese Art werden zahlreiche Aspekte des menschlichen Gemütszustands vermittelt. Was man allerdings eher negativ hervorheben kann, ist die Natur der Witze. Oft zündet die Comedy nicht wirklich und man weiß nicht recht, ob man jetzt darüber lachen sollte. Natürlich ist Humor subjektiv, doch gerade zu Beginn wird die angesprochene Melancholie immer wieder in unregelmäßigen Abständen durch diese Comedy-Elemente durchbrochen, was es nicht wirklich leicht macht, sich auf den Film einzulassen.

Ava, Eve und Ian sitzen auf einem Sofa und schauen in Richtung Kamera in Only Lovers Left Alive
Gerade die Szenen mit Eves Schwester Ava lassen ein gewisses Sitcom-Feeling aufkommen © Pandora Film Verleih

Unser Fazit zu Only Lovers Left Alive

Es fällt schwer, ein endgültiges und allgemein abschließendes Fazit zu Only Lovers Left Alive zu fällen. Der Film bedient sich einer ganzen Menge an Genres, ist unfassbar dialoglastig und philosophisch und ist besonders in der Wahl seiner Stilmittel eine absolute Geschmacksfrage. Kann man mit zynischer Melancholie, psychedelischem Rock und dieser speziellen Art des Humors nichts anfangen, wird man den Streifen vermutlich abgrundtief hassen. Andererseits muss man diese Aspekte des Films aber lediglich als Mittel zum Zweck sehen. Wer sich jetzt noch nicht hat abschrecken lassen und wem dieser filmische Trip nicht zu anstrengend klingt, dem sei Only Lovers Left Alive aber ohne Frage ans Herz gelegt. Denn es werden, unabhängig vom persönlichen Geschmack, immer wieder spannende Fragen aufgeworfen, die unser Leben in einem anderen Blickwinkel erscheinen lassen und durchaus zum Nachdenken anregen können.

Unsere Wertung:

 

 

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© Pandora Film Verleih

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