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Beitragsbild zu Salomon und die Königin von Saba

Salomon und die Königin von Saba

Mit Salomon und die Königin von Saba veröffentlicht Koch Films einen weiteren aufwändigen Historienfilm im Mediabook. Ob das Bibel-Epos nun Klassiker oder verstaubtes Fossil ist, erfahrt ihr hier!

TitelSalomon und die Königin von Saba (OT: Solomon and Sheba)
Jahr1959
LandUSA
RegieKing Vidor
DrehbuchAnthony Veiller, Paul Dudley, George Bruce
GenreHistorienfilm, Romanze, Drama
DarstellerYul Brynner, Gina Lollobrigida, George Sanders, Marisa Pavan, David Farrar, John Crawford
Länge141 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Salomon und die Königin von Saba Mediabook Cover A © Koch Films
Mediabook Cover A von Salomon und die Königin von Saba © Koch Films

Darum geht es in Salomon und die Königin von Saba

König David (Finlay Currie) bestimmt auf dem Sterbebett seinen jüngeren Sohn Salomon (Yul Brynner) als seinen Nachfolger. Dies führt zum Zerwürfnis mit seinem ehrgeizigen, älteren Bruder Adonija (George Sanders), der sich um sein Erbe betrogen fühlt. Anstatt den Krieg mit den aggressiven ägyptischen Nachbarn zu intensivieren, führt der spirituelle Salomon die vereinigten Stämme zu Wohlstand und Harmonie. Eines Tages zieht die Königin von Saba (Gina Lollobrigida) als Gast mit ihrem Hofstaat vor die Tore Jerusalems. Sie hat ihrem Verbündeten, dem Pharao (David Farrar), versprochen, das Ansehen des Königs bei Volk und den tief religiösen Stammesführern zu senken. Doch der fromme Salomon geht nicht auf ihre Avancen ein. Die temperamentvolle Herrscherin entwickelt nun echtes Interesse an dem weisen König, wodurch sie sich dann doch näherkommen. Aber tatsächlich ist das Verhältnis Salomons zu den heidnischen Gästen seinem Volk wie auch den Geistlichen ein Dorn im Auge…

Hollywood religiös

Angelegt als opulenter Bibel-Schinken erzählt Salomon und die Königin von Saba die Geschichte des namensgebenden Königs von Israel. Das Skript basiert dabei lose auf einigen Geschichten aus dem Buch der Bücher. Hier soll Salomon der Sohn und Nachfolger des König Davids gewesen sein, der einst mit einer Steinschleuder den Riesen Goliat besiegte. Am bekanntesten dürfte er für sein salomonisches Urteil sein: Er entschied im Streit zweier Frauen um ein Kind, es zerteilen zu lassen, um durch ihre Reaktionen darauf herauszufinden, welche von ihnen die echte Mutter ist. Im Film spielt diese Begebenheit eine eher untergeordnete Rolle.

Herausgekommen ist eine wenig tiefschürfende Hollywood-Schmonzette mit, dem Thema geschuldet, einigen religiösen Untertönen. Letzteres dürfte vor heutigen Sehgewohnheiten sehr gewöhnungsbedürftig sein, wird das Drehbuch doch nicht müde, gerade in der ersten Hälfte geradezu penetrant den Stellenwert eines alt-testamentarischen Gottes hervorzuheben. Auf der anderen Seite sind die Ägypter natürlich böse und durchtrieben, die Königin von Saba egoistisch und selbstherrlich. Zwar bringt der israelische König, der weise, gerecht und gottesfürchtig ist, Toleranz für die fremden Heiden auf, doch wird ihm dies schließlich zum Verhängnis.

Adonija - Salomon und die Königin von Saba © Koch Films
Der ehrgeizige Kriegsherr Adonija ist sich des Throns sicher – Salomon und die Königin von Saba © Koch Films

Flache Stereotypen in dürftiger Dramaturgie

Überhaupt scheint der Film ein, sagen wir mal, komisches Verhältnis zu seinen Figuren und ihrem Schicksal zu pflegen. Mit Salomon und der Königin treffen zwei Angehörige verschiedener Religionen aufeinander, von denen natürlich nur eine richtig sein kann. Es wird zwar Toleranz gepredigt, aber schlussendlich findet die Heidin Gnade vor Gott nur im Tod. Neben Weisheit und Gerechtigkeit wird die Friedfertigkeit zu einer großen Tugend erhoben, doch am Ende kann der Führer des Volkes nur als siegreicher Vernichter der Ägypter wieder seinen angestammten Platz einnehmen.

In diesem Kontext fällt auch auf, wie starr die weiteren Charaktere dieses schlichten Dramas ausfallen. Der Pharao ist machthungrig und hinterhältig, Prinz Adonija teilt mindestens eine dieser Eigenschaften mit ihm. Und das Feindbild des israelischen Königs eint sie. Eine weitere flache Symbolfigur ist Abischag, die Tochter eines Stammesführers. Sie wurde schon David übergeben, sie wie eine Tochter aufzuziehen. Insgeheim hofft sie auf die Liebe Salomons, doch sie muss sterben, als Gott sich ob der heidnischen Feste vor den Toren Jerusalems entzürnt und Salomons Tempel mit Blitzen straft. Das ist alles im Kontext zu der Entstehungszeit des Films nicht wirklich verwunderlich, aber nichtsdestotrotz ziemlich reaktionär. Und zu allem Überfluss bestreitet man wirklich die ganzen fast zweieinhalb Stunden mit dieser dünnen, aus biblischen Motiven notdürftig zusammengeflickten, Dramaturgie.

Pharao im Streitwagen - Salomon und die Königin von Saba © Koch Films
Streitlustig im Streitwagen – der Pharao in Salomon und die Königin von Saba © Koch Films

Salomon und die Königin von Saba als zähes Star-Vehikel

Das erste Drittel des Films gestaltet sich ziemlich zäh, es wird sich lange und ausführlich religiösen Riten und einigen, eher einseitigen, Diskussionen über die Auslebung des Glaubens hingegeben. Aber auch danach geht das Ganze im Schneckentempo weiter. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich langsam, aber stetig, jedoch glänzt Yul Brynners Salomon dabei durch vehemente Passivität. Er ist das Ying zu Gina Lollobrigidas Yang, oder aber: Sie ist der Wind, er ist die Flaute. Das ändert sich erst zum Finale des Films, wo er als Held gegen die fiesen Ägypten glänzen darf. Die sich über die ganze Zeit anbahnende Liebesbeziehung spielt hier schon keine Rolle mehr.

Adonija und die Königin - Salomon und die Königin von Saba © Koch Films
Verschwörung am Hofe – Salomon und die Königin von Saba © Koch Films

Todesfall beim Dreh

Yul Brynner (Die glorreichen Sieben, Westworld) kann einem auch ein wenig leid tun. Er wurde erst engagiert, als der eigentliche Hauptdarsteller Tyrone Power (Zeugin der Anklage) während der Dreharbeiten einem Herzanfall erlag – Sie drehten gerade das Finale des Films. Bis auf die Massenszenen, in denen er immer noch zu sehen ist, musste alles noch einmal gedreht werden. Da war mit Sicherheit keine Zeit mehr übrig, den Part ein wenig mehr auf den neuen Superstar zuzuschneiden. Seine Auftritte lebten zwar meist von seiner schieren Präsenz, doch hier konnte er nicht durch stoische Entschlossenheit oder seine ernsthafte Überheblichkeit überzeugen. Diese Eigenschaften sind für diese Rolle schlicht unangebracht.

Da hatte es Gina Lollobrigida (Der Glöckner von Notre Dam) weit besser getroffen. Die Rolle der temperamentvollen Schönheit und selbstherrlichen Herrscherin, die allein mit dem Anliegen nach Jerusalem reist, um den frommen König Salomon zu verführen und ihn so bei seinem Volk und vor seinem Gott der Lasterhaftigkeit preiszugeben, gibt ihr viel Raum, das Spiel mit ihren Reizen zu entfalten.

Salomon und Abischag - Salomon und die Königin von Saba © Koch Films
Die Tragödie nimmt ihren Lauf – Salomon und die Königin von Saba © Koch Films

Kolossaler Aufwand

Salomon und die Königin von Saba war der letzte Spielfilm von King Vidor (Nordwest-Passage, Krieg  und Frieden), und dabei einer seiner aufwändigsten. Die Produktion glänzt vor allem in den Massenszenen und mit ihren monumentalen Bauten. Der Höhepunkt des Film ist zweifelsohne das heidnische Fest, das die Königin mit ihrer Gefolgschaft, von Salomon geduldet, vor den Toren Jerusalems feiert. Das bunte Spektakel mit kunstvoll arrangierten Tänzen ist nur wenige Minuten zu sehen, kostete alleine gut 150.000 Dollar. Allerdings muss man auf der anderen Seite auch feststellen, dass die Sets ansonsten wenig Abwechslung bieten. So bleibt neben dem Fest und der Schlacht kaum etwas von dem betriebenen Aufwand im Gedächtnis. Auch dass der Film inhaltlich eher schwach auf der Brust war, trägt hier negativ dazu bei. Im Kino sah das seinerzeit gewiss anders aus, denn das Bibel-Epos wurde im pompösen 70 mm Format auf die Leinwände gebracht.

Unser Fazit zu Salomon und die Königin von Saba

Salomon und die Königin von Saba war schon damals bei der Kritik nicht wohlgelitten. Ganz zu Recht, muss man da leider konstatieren. Die 140 Minuten vergehen nun wirklich nicht im Fluge, neben der fragwürdigen Interpretation der biblischen Figur vermag auch der eingesprungene Yul Brynner nicht in dieser Rolle zu überzeugen. Ohne die aufbrausende und sehr attraktive Gina Lollobrigida und dem etwas schwungvolleren letzten Drittel hätte nichts dagegen gesprochen, dass dieser Film gerne der Vergessenheit anheim fallen dürfte.

Es ist ja immer schön, wenn solch alte Schinken im HD-Format veröffentlicht werden, damit sie in altem Glanz erstrahlen. Dazu gestaltet sich das Bild der Blu-ray gediegen für einen Film diesen Alters, der Mono-Ton gerade noch okay. Es gebe gewiss lohnenswertere Titel, die einer Neu-Entdeckung harren. Fans von Yul Brynner oder Gina Lollobrigida wird es wohl trotzdem freuen.

Das Mediabook von Koch Films beinhaltet Blu-ray wie DVD und ist ab dem 25. Juli im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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