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    Boy Swallows Universe

    Jan Wernervon Jan Werner11. Januar 2024Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Boy Swallows Universe S1. (L to R) Lee Halley as Gus Bell, Phoebe Tonkin as Frances Bell in Boy Swallows Universe S1. Cr. Courtesy of Netflix © 2023
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    Eine mutige, autobiografisch angehauchte Buchvorlage aus Australien wurde von Netflix in eine Miniserie übertragen. Der Cast ist namhaft, der Trailer vielversprechend, können die sieben Folgen von Boy Swallows Universe den Erwartungen gerecht werden?

    Poster zu Boy Swallows Universe
    Poster zu Boy Swallows Universe © Netflix

    Boy Swallows Universe – Die offizielle Handlungsangabe

    In dieser epischen Coming-of-Age-Geschichte, die im Brisbane der 1980er-Jahre spielt, verschwimmen die Grenzen der Magie und der jugendlichen Unschuld mit der brutalen Realität der Erwachsenenwelt. Sein Vater wird vermisst, sein Bruder ist stumm, seine Mutter heilt ihre Drogensucht aus, sein Stiefvater handelt mit Heroin und ein krimineller Wiederholungstäter ist sein Babysitter – dabei will Eli Bell eigentlich nur seinem Herzen folgen und wissen, wie er ein „guter Mann“ werden kann. Doch das Schicksal legt ihm jede Menge Stolpersteine in den Weg.

    Die auf dem legendären australischen Roman von Trend Dalton basierende Serie Boy Swallows Universe setzt sich mit dem Scheideweg auseinander, an dem ein Junge zum Mann wird, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und Normalität und das Außergewöhnliche aufeinandertreffen.

    Erster Eindruck zu Boy Swallows Universe

    Der Beitrag befasst sich mit den ersten beiden Folgen der Serie und soll Anhaltspunkte liefern, ob der Auftakt genug Lust zum Dranbleiben macht. Auf Spoiler wird verzichtet.

    Aufwachsen unter Ganoven ist spannend, gefährlich und amüsant

    Eine Kindheit und Jugend in einer Familien voller (Klein)krimineller ist ein vielversprechender Stoff für ein Coming-of-Age-Werk. Das Ganze dann durch die kindlichen Augen zu schildern, macht es noch interessanter. Eli ist ein exzellent gewählter Protagonist und gleichzeitig eine Erzählerfigur, die durch ihren naiven Blick der Geschichte interessante Perspektiven eröffnet, die nicht immer ganz für bare Münze zu nehmen sind. Sind die Fantastereien aber tatsächlich nur der Jugend geschuldet oder hat das außergewöhnliche Umfeld bereits die Psyche Elis in Mitleidenschaft gezogen, sodass er sich in eine Scheinwelt träumt? Dieser Frage geht nun Boy Swallows Universe auf den Grund.

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    Tonal hat die Miniserie eine gewisse Warmherzigkeit im Humor trotz der Verortung im Gangster-Milieu und in eher niederen Sozialschichten. Man könnte auch frech und mit einem Hang zum Derben sagen, und irgendwie auch nostalgisch, da durch die Platzierung in den 80ern auch manches etwas aus der Zeit gefallen rüberkommt. Kurzum: das australische Netflix-Original steht in der Tradition klassischer Coming-of-Age-Abenteuer vergangener Jahrzehnte, angereichert mit sozialkritischen Momenten und Anarcho-Humor und geht unter die Haut, da der Kern der Geschichte im Grunde genommen ein richtiges Drama ist.

    Emotional trotz tonalem Husarenritt

    Dank der Darstellerleistung des jungen Felix Cameron als Eli Bell hat man von Beginn an eine Identifikationsfigur, mit der man extrem gut mitfühlen kann. Der Nachwuchsschauspieler mit der Wuschelfrisur verkörpert die Leichtigkeit in Reinkultur und verleiht durch sein bewusstes Mienenspiel den melancholischen Momente die nötige Schwere. Die tagträumerischen, fast surrealen Einschübe lockern auf, unterstreichen aber auch das mögliche Trauma-Element der Kindheit unter diesen Voraussetzungen. Alles und jeder in Elis Familie ist für eine Kinderseele belastend, was Boy Swallows Universe von Beginn an gut herauszuarbeiten vermag. Das gelingt durch eine fokussierte Inszenierung und dadurch, dass die verrückten bis kaputten Charaktere durch die namhaften Darsteller:innen glaubhaft und zu keinem Moment wie Lachnummern gespielt werden.

    Travis Fimmel ist als verlotterter Stiefvater eine zwar erstmal gewöhnungsbedürftige Wahl, da er bislang eher in seinen Rollen den Anführertypus darstellen durfte, aber er macht den Job hier wahnsinnig stark. Lobenswert in den ersten beiden Folgen ist dann vor allem auch Lee Tiger Halley als Elis stummer Bruder Gus, der um etwas zu sagen gar nicht reden muss. Und auch Phoebe Tonkin als drogenabhängige Mutter mit viel eigenem Ballast ist eine überzeugende Besetzung. Eine rundum kaputte Familie, die aber trotz aller Dysfunktionalität irgendwie Wärme ausstrahlt.

    Boy Swallows Universe S1. (L to R) Lee Halley as Gus Bell, Bryan Brown as Slim Halliday, Felix Cameron as Eli Bell
    Lee Halley als Gus Bell, Bryan Brown als Slim Halliday, Felix Cameron als Eli Bell © Netflix

    Wer sollte sich Boy Swallows Universe nicht entgehen lassen?

    Familiensagen in Serienform gibt es unzählige. Meist gibt es ein bestimmtes Element, das hervorragt und die Sippe zu einer besonderen Gemeinschaft macht. Auch dafür, dass diese Besonderheit im Zusammenhang mit einem kriminellen Lebensstil steht, gibt es einige Beispiele in der Popkultur. Wer also beispielsweise Animal Kingdom mochte, der wird hier wahrscheinlich auch gut reinfinden. Des Weiteren erinnert Boy Swallows Universe aber im Kern auch an Jugendromanklassiker. Wer sich also für Oliver Twist und Mark-Twain-Romane begeistern kann, bekommt hier eine White-Trash-Generalüberholung, bei der vieles ausgetauscht wurde, aber das Herz – und das ist ja das wichtigste – weiterhin in großem Maße vorhanden ist.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Boy Swallows Universe

    3.5 Sehenswert

    Die australische Netflix-Serie ist ab Folge eins berührend, spannend und macht neugierig auf mehr. Die Charaktere sind zwar alles andere als vorbildhaft, aber genau daraus resultiert das besondere Flair von Boy Swallows Universe. So kann nach einem packenden Auftakt nur allen ans Herz gelegt werden, dieser Romanadaption bei Netflix eine Chance zu geben.

    Boy Swallows Universe läuft seit dem 11. Januar 2024 bei Netflix!

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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