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    Elle

    Jan Wernervon Jan Werner29. Juni 2026Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Elle Woods (Lexi Minetree) in ELLE. Photo Credit: Jessica Brooks/Prime Video
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    Natürlich Blond war eine der ersten größeren Rollen von Reese Witherspoon und auch wenn der Film heute Kultstatus genießt, ist einiges doch eindeutig ein Relikt aus einer anderen popkulturellen Zeit. Dennoch wagt sich Amazon Prime nun mit Elle an ein Prequel. Kann das ohne den großen Star und in unserer Zeit noch funktionieren?

    Darum geht’s in Elle

    Auf der Universität war Elle Woods der sprichtwörtliche „Fisch auf dem Trockenen“. Doch was geschah zuvor? Wir lernen sie 1995 als „Fisch“ in den turbulenten Gewässern der High School kennen, wo sie mit komplizierten Freundschaften, verbotenen Beziehungen und fragwürdigen Modeentscheidungen konfrontiert wird. Ein wichtiger Halt dabei ist ihre Familie und sie entwickelt eine noch engere Bindung zu ihrer Mutter. Gemeinsam beweisen sie, dass sie alles meistern können, was das Leben ihnen in den Weg stellt – solange sie einander haben. Mit jeder Herausforderung, der sie sich stellt, wird Elle mehr und mehr zu der Elle Woods, die wir heute kennen und lieben.

    Key-Art © Amazon Content Services LLC

    Rosarotes Prequel

    In der Welt von „In der Welt von…“ ist heute nahezu aus allen Filmen mit einem Minimum an Kultstatus oder eigenständigem World Building schnell ein Franchise generiert. Nicht nur Prime-Video spielt mit dieser Form von Prequel/Sequel/Inbetweenquel nach Belieben und hat schon mit Continental aus der John Wick-Welt eine Vorgeschichte gebracht, nach der die wenigsten gefragt haben, ähnliches gilt dann auch (leider) für die ebenfalls bei Prime erschienene Herr der Ringe-Vorgeschichte Ringe der Macht, die im Schatten der Kino-Epen nie eine Chance hatte, für die mitunter okaye Godzilla-Monsterverse-Erweiterung Monarch bei Apple TV oder auch Dune Prophecy bei HBO.

    Doch während dort immerhin vermeintlich (!!!) noch größere Welten zum filmischen Erkunden warten, gibt es andere Prequels, die wirklich aus dem Nichts kommen. Man denke an Wonka oder Cruella von Disney, die ironischerweise aber dann sogar bessere Produktionen waren als die Spin-offs von Franchises, die sich mehr aufdrängten. DOCH: selbst dort war dahinter noch eine literarische Vorlage oder zumindest ein grober Ansatz, um eine Personengenese zu erzählen irgendwie angelegt.

    Dass es nun aber zu einem Film, der wirklich ein Produkt seiner Zeit war und wahrscheinlich heute für wenige in die höchste Riege von Kultfilmen gehört, eine Art Origin-Story zur Hauptfigur geben soll, zeugt wahlweise vom Einfluss der Produzentin/früheren Hauptdarstellerin Reese Witherspoon, davon wo man inzwischen beim Ausschlachten von vermeintlichen Marken angekommen ist – oder – und das wäre jetzt tatsächlich der Clou – davon, dass hier wirklich eine spannende Idee die Executives überzeugen konnte. Suchen wir die Antwort auf diese Frage und werfen wir einen Blick auf das Prequel zu Natürlich Blond: Elle!

    Nett.

    Auch wenn es aus den früher 2000ern noch größere Kultfilme gibt, so kann man auch dem Reese-Witherspoon-Flick eine gewisse Eigenständigkeit nicht absprechen. Das war nicht nur die (nur im Englischen) Doppeldeutigkeit im Titel, die schon klarmachte, dass es sowohl ums angestaubte Juristenmilieu als auch um die Themen Fashion und Feminismus geht. Es war auch die herrliche Harmlosigkeit zu einer Zeit, in der andere Comedies begonnen haben mehr und mehr den guten Geschmack ad acta zu legen und sich in ihrer Derbheit zu überbieten. Dabei überschritten viele die Grenzen zum Unangenehmen, Natürlich Blond aber war warm, herzlich und doch in seiner Handschrift und Aussage treffsicher. Eine Kunst, die eben der Mehrheit im RomCom und Dramedy-Bereich abgeht, sodass über 99 Prozent in diesem Genre nach wenigen Wochen kein Mensch mehr spricht.

    Doch 2001 war nun mal auch für das Publikum eine andere Zeit. Den Film kann man rückblickend als Relikt dieser Kulturepoche einordnen, aber Elle ist nun in seiner Funktion einerseits den Ton von damals in heute zu übertragen und andererseits dann auch die alten Fans und die heutige Jugend zu adressieren überfordert. Das Prequel ist ziemlich nah dran am zahmen Humor, aber doch herzerwärmenden Charme des Originals, hat sogar immer wieder auch dessen subversiven Biss, aber in Anbetracht der Tatsache, mit welchen aktuellen Serien man hiermit heute konkurriert, hängt diese Serie zu sehr zwischen den Stühlen – oder ist sogar zu sehr in einer narrativen Vergangenheit gefangen, sodass man insbesondere wohl „Die Kids von heute“ massiv langweilen wird.

    Ansteckender Idealismus

    Was man auf jeden Fall trotzdem loben kann, ist, dass die junge Darstellerin, die in die pinken Highheels-Spuren von Reese Witherspoon treten darf, Lexi Minetree, sowohl den grenzenlosen Optimismus und Idealismus der älteren Version rüberbringt als auch eine sehr gute Wahl für diesen sehr standardmäßigen Fish-out-of-Water-Charakter ist, weil man ihr die Naivität in jedem Blick abkauft.

    Aber wenn wir schon beim Begriff „standardmäßig“ sind, dann sind wir auch beim größten Problem dieser Serie: Ja, Elle schafft es größtenteils, die Themen, die in den Neunzigern die Jugendlichen bewegt haben, glaubhaft in die Geschichte einzuweben und funktioniert als Retro-Serie tatsächlich noch einigermaßen gut. Die konkrete Story hingegen ist dann genauso wie die zahlreichen Klischee-Charaktere ziemlich zahnlos, grundlegend sympathisch, aber eben ohne richtigen Punch, den beispielsweise aktuelle Hitserie wie Heartstopper oder Emily in Paris (zumindest in den ersten Staffeln), mit denen man um eine Zielgruppe buhlen wird, haben.

    Elle ist motivierend für Teenager, also erfüllt die Show schon einen ihrer zentralen Zwecke. Aber es wäre eindeutig mehr drin gewesen, weil grundsätzlich der junge Cast fantastisch zusammengestellt ist und obwohl die Riege aus vielen Archetypen besteht, die allermeisten Figuren doch sehr schnell Profil entwickeln und einem ans Herz wachsen können. Doch beim Humor steht man genauso wie bei der Inszenierung auf der Handbremse, verlässt sich komplett auf erprobte Pfade, was bei der Masse an Konkurrenz im Young-Adult-Serienbereich schlicht 2026 nicht mehr reicht.

    Produzentin Witherspoon gibt an, dass sie beim Schauen von Netflix‘ Wednesday zu diesem Spin-off inspiriert wurde. Das kann man im finalen Produkt sehen, ist aber leider nun kein Qualitätsindikator, denn während man beim Addams Family-Spin-off den Geist der Filme für die heutige Jugendgenerationen übersetzen konnte, fühlt sich Elle tatsächlich wie eine x-beliebiges Highschool-Serie an, bei der die Extravaganz der Titelfigur weder so krass aus der Masse heraussticht, wie es vermittelt wird, noch gibt es genug Meme-able Momente und Elemente, damit dieses Format auch nur ansatzweise das Potenzial zum viralen Hit hat.

    Lexi Minetree und Gabrielle Policano © Amazon Content Services LLC

    Was den ein oder anderen überdies noch interessieren dürfte: In Elle gibt der in diesem Frühjahr verstorbene Dawson’s Creek-Star James Van Der Beek seinen letzten Auftritt.

    © Amazon Content Services LLC

    Unser Fazit zur ersten Staffel von Elle

    2.5 Watchable

    Elle ist eine wirklich schöne, bodenständige Highschool-Serie, die sich durch ihre Bravheit von anderen abhebt. Gleichzeitig fehlen dadurch fast auf allen Ebenen die Argumente, weshalb man ausgerechnet hier nun auch noch einsteigen soll. Denn an den zeitlosen Charme des Films von 2001 kommt das Spin-off nicht ran. Eher was für die Fraktion Love, Simon als für Fans von Heated Rivalry, aber am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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