Spanien kann mehr als Haus des Geldes und Telenovelas! Das hat sich bei Thriller-Aficionados natürlich längst herumgesprochen. Dennoch finden immer noch wenige Serien aus diesem Bereich hierzulande ihren Weg zur Aufmerksamkeit des Mainstream-Publikums. Warum eigentlich? Mit Das Mädchen im Schnee hat man ein weiteres Argument auf der Pro-Seite. Wie schafft die Miniserie es aus der Masse an Standard-Krimis hervorzustechen?

Das Mädchen im Schnee – Die Handlung kompakt
Málaga, 2010, Dreikönigsparade. Das zauberhafteste Fest des Jahres wird für Familie Martín zum Albtraum, als ihre Tochter Amaya in der Menschenmenge verschwindet. Die Journalistin Miren stellt parallel zur Polizei Ermittlungen an, die Aspekte ihrer Vergangenheit ans Tageslicht bringen, die sie lieber vergessen würde. Zusammen mit ihrem Kollegen Eduardo setzt sie alles daran, das Mädchen zu finden. Wo ist Amaya Martín?
Was zeichnet die Miniserie aus?
Das Mädchen im Schnee ist ein typischer Thriller-Genre-Vertreter aus Spanien. Der Sechsteiler verwebt die Schicksale der Opferfamilie mit denen der Ermittler und auch der Pressevertreter. Dazu erzählt man den Entführungsfall sehr klug konstruiert auf mehreren Zeitebenen. Es braucht nur wenige Minuten und schon ist man als Zuschauer:in voll am Haken. Viele Fragen drängen sich dem Publikum auf, die innerhalb des Plots sehr gleichberichtigt behandelt werden:
Wer spielt mit offenen Karten?
Welche düstere Vergangenheit quält Miren bis heute?
War das Mädchen ein Zufallsopfer?
Stecken vielleicht mehrere Täter dahinter?
Was hat das organisierte Verbrechen damit zu tun?
Lebt Amaya?
Der Pilot schafft es schon auf äußerst effektive Weise die Spannung und die Neugier hochzutreiben. Im Laufe der folgenden Episoden fällt die Kurve kaum mal ab. Im Gegenteil: Das Mädchen im Schnee ist eine perfekte Binge-Serie, überschaubar in der Länge, hoher Miträtselfaktor und emotional mit Tiefgang. Je mehr man die Protagonistin, und an deren vorderster Stelle Miren kennenlernt, desto mehr intensiver ist das Sehvergnügen. Oftmals wird Krimis, die ihr Augenmerk auf die privaten Hintergründe der Ermittler oder Journalisten legen zum Verhängnis, dass dann der eigentlich Fall zur Nebensache degradiert wird. Diese Miniserie ist eine der Ausnahmen, denen der Spagat gelingt: Alle Aspekte fesseln, es gibt kaum logische Lücken innerhalb der Handlung und letztlich entlässt einen der Thriller mit einem fantastischen Ende. Ein starker Beitrag in einem übersättigten Serien-Genre.
Wer sollte sich Das Mädchen im Schnee nicht entgehen lassen?
Journalismus-Thriller trifft auf Entführungsdrama trifft auf klassischen Polizei-Krimi. Wer für einen der Teilbereiche ein Faible hat, wird mit der Mischung in Das Mädchen im Schnee hochzufrieden sein. In den vergangenen Jahren haben es zahlreiche Harlan-Coben-Krimis bei Netflix zur Miniserien-Umsetzung gebracht. Wer mit dieser Art von kurzweiligem Thriller immer wieder etwas anzufangen weiß, der wird diese spanische Kriminalgeschichte erst recht zu schätzen wissen, dass sich die Abnutzungserscheinungen vieler zeitgenössischer Vergleichsproduktion hier kaum eingeschlichen haben.
Zudem überzeugt die Netflix-Show mit ihren stark gespielten Charakteren. Die Ermittler haben Ecken und Kanten und die Angehörigen des entführten Mädchens schaffen es so glaubhaft den Verlust zu spielen, dass man mehrfach Tränen in den Augen hat. Man nimmt den beiden Eltern vollends ab, wie ihre Beziehung durch die Tragödie zerstört wurde. Die Krönung des starken Cast ist aber zweifelsohne die eigentliche Protagonistin Miren. Milena Smit überzeugt durch ihr sensibles Spiel, das immer wieder auch durch kleine Ausbrüche der Emotion aufgebrochen und aufgewertet wird. Nicht ganz so ikonisch wie eine Lisbeth Salander in der Millennium-Trilogie Stieg Larssons, aber wer es allein schafft, in einem Atemzug mit dieser Figur genannt zu werden, der hat durchaus auch das Potenzial zur Kultfigur!

Unser Fazit zu Das Mädchen im Schnee
Endlich mal wieder ein abgeschlossener Krimi, der von vorn bis hinten zu fesseln weiß! Das Mädchen im Schnee ist für Netflix-Verhältnisse sicherlich eine kleine Nummer, aber wer sich dem Format widmet, der wird es nicht bereuen. Ein kleiner Geheimtipp aus Spanien, der mit einer klug konstruierten Story, einem fantastischen Ensemble und einigen Wendungen überzeugt.
Das Mädchen im Schnee ist seit dem 28. Januar komplett bei Netflix im Streamingabo abrufbar.
© Netflix
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

