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    Startseite » Simon Becketts: Die Chemie des Todes
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    Simon Becketts: Die Chemie des Todes

    Jan Wernervon Jan Werner26. Januar 2023Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    In Deutschland sind die David-Hunter-Krimis des Briten Simon Beckett millionenfach verkaufte Bestseller. Der noch junge Streamingdienst Paramount+ hat sich nun an die Verfilmung von Die Chemie des Todes gewagt. Für wen ist die Krimiserie jedoch gemacht?

    https://www.youtube.com/watch?v=IT78dOdbZSM

    Das Poster zu Die Chemie des Todes
    Das Poster zur Krimiserie © Paramount+ / Cuba Pictures

    Die Chemie des Todes – Die Handlungsangabe

    Der menschliche Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen.

    Genau mit diesen Prozessen beschäftigte sich der forensische Anthropologe Dr. David Hunter (Harry Treadaway), bis ein tragischer Schicksalsschlag ihn zwang, seinen Beruf aufzugeben. In Manham, einem kleinen Dorf, hat er sich ein neues Leben eingerichtet. Dort ist er als Partner des Dorfarztes Dr. Maitland (Lucian Msamati) tätig. Doch als die örtliche Polizei ihn um Hilfe bittet, einen Mordfall zu lösen, plagen ihn die Geister seiner Vergangenheit. Hunter ist gezwungen, sich zu entscheiden, ob er sich abwenden oder in sein altes Leben zurückkehren soll, welches er eigentlich für immer hinter sich lassen wollte.

    Obwohl die Dämonen seiner Vergangenheit ihn verfolgen, entscheidet sich Hunter dazu, wieder für die Polizei zu arbeiten, und wird dabei in Fälle hineingezogen, die ihn an seine Grenzen treiben. Sein erster Auftrag bringt ihn auf die Hebrideninsel Runa, auf der in einer abgelegenen Hütte eine verbrannte Leiche analysiert werden soll. Schnell stellt Hunter fest, dass es sich um Mord handelt und gerät plötzlich selbst in Gefahr.

    Erster Eindruck zu Die Chemie des Todes

    Dieser Beitrag beschäftigt sich ausschließlich mit den ersten drei Folgen der Serie. Dementsprechend ist die Kritik auch nur auf den Auftakt bezogen und soll dazu dienen, den Lesern eine Hilfestellung bei der Entscheidung zu geben, ob sich auf Basis der ersten Eindrücke ein Blick rentiert.

    Eigenwillig in der Struktur,…

    Beginnt Die Chemie des Todes recht altbacken und suggeriert damit den Eindruck, dass man es mit einem klassischen Fall von „Ein Kriminalfall, eine Staffel“ zu tun haben wird, so wird man sich schon binnen der zweiten Folge überrascht die Augen reiben. Denn – soviel sei an dieser Stelle verraten – bilden die ersten zweieinhalb Episoden dieser ersten, sechs Folgen umfassenden Staffel eine seltsame Mischung aus Hintergrund zum Protagonisten, Exposition und Prolog: alles zusammen wird innerhalb eines gesonderten, kleinen Falls abgehandelt, der dadurch nur als Vehikel dient, durchaus aber den ein oder anderen Zuschauer so fesseln kann, dass man von der abrupten Auflösung etwas überrumpelt wird.

    Inwieweit dies eventuell auch mit der überaus erfolgreichen Buchvorlage konform geht, kann der Rezensent an dieser Stelle als Nichtkenner nicht beurteilen. Jedoch wirkt es für den „normalen“ Zuschauer mit Sicherheit in Sachen Pacing, Charakteraufbauarbeit und Kriminalistik des Falls schon eher unbefriedigend. Mir nichts, dir nichts wird in den ersten Minuten der dritten Folge der Fall schon zum Abschluss gebracht.

    Ab dann beginnt wohl die eigentliche Geschichte erst richtig. Denn der Einführungsfall hat nicht nur den Zweck erfüllt, das Publikum ein Stück weit darüber zu informieren, wie Hunter überhaupt seiner Berufung abgeschworen hat, sondern er hat auch dazu geführt, dass der Protagonist nun die Rolle rückwärts macht und wieder in sein altes Metier zurückkehrt. Das wirkt – sollte es bei dieser einen Staffel mit sechs Episoden bleiben – wahrlich eigenwillig, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Simon Beckett genug Bücher geschrieben hat, damit man ein halbes Dutzend Staffeln rund um den Forensiker David Hunter herum stricken kann, wird man womöglich in ein paar Jahren im Gesamtwerk diesen behutsamen Auftakt noch schätzen lernen.

    … ansonsten ein Krimi nach dem Geschmack des deutschen Genre-Fans

    Der erste Fall, wie gesagt, recht schnell bewältigt, ist insgesamt nichts, was man im Krimi-Genre noch nie hatte. Weder in Sachen Cleverness des Ermittlers noch in puncto angstverbreitender Antagonist, bekommt man im Einführungsfall von Die Chemie des Todes etwas Originelles serviert. Auch die Bilder der Landschaft sind stimmig, aber hauen nicht wirklich vom Hocker und die Inszenierung der Leichen soll brutaler und schockierender wirken, als es beim Zuschauenden ankommt. Das ist alles ganz passabel anzusehen, solide inszeniert und ansprechend gespielt – aber über das, was man dutzendfach im deutschen, öffentlichen Rundfunk pro Monat an Fernsehkrimi kredenzt bekommt, geht es kaum hinaus.

    Man hat sich entschieden – wohl in weiser Voraussicht, dass die Kriminalfälle nicht wirklich mit Originalität glänzen können – Die Chemie des Todes als Charakter-zentrisches Psychodrama zu erzählen. Flashbacks in die traumatischen Erlebnisse Hunters bevor die Seriengeschichte begann, nehmen dabei allzu viel Platz ein. Man möchte schon nach der ersten Folge in Richtung des Fernsehers brüllen: “ Ja, wir haben es verstanden: Der Verlust seiner Familie hat ihn für immer traumatisiert!“ Eine subtilere Methode diesen Figurenhintergrund einzubauen, wäre dem seriösen Anspruch des Formats sicherlich gut zu Gesicht gestanden.

    Dazu kommt dann noch, dass es Harry Treadaway auch nicht wirklich schafft für seine Figur mit der traurigen Backstory Sympathie zu wecken. Er gibt sich Mühe, aber der Funke springt nicht über. Bei den anderen, teils ebenfalls bekannten Nebendarstellerinnen und -darstellern wiederholt sich dieser Eindruck. Die Kriminalromanadaption ist business as usual. Vielleicht genug, um mit der deutschen Free-TV-Konkurrenz mithalten zu können, aber mit Sicherheit zu wenig, um an augenscheinliche Vorbilder der US- und UK-Sender heranzureichen.

    Harry Treadaway steht im Forensiker-Overall in einer Tür und hält eine Kaffeetasse in Händen. Die Chemie des Todes
    David Hunter, gespielt von Harry Treadaway © Paramount+ / Cuba Pictures

    Wer sollte sich Die Chemie des Todes nicht entgehen lassen?

    Die angesprochenen Vorbilder der Macher sind recht offensichtlich. Das sieht man beispielsweise an der Arbeit Vogelperspektiven oder daran, wie die Leichen inszeniert werden: Die deutsch-britische Koproduktion soll in Gewässern mit True Detective schwimmen. Und auch Broadchurch stand den Kreativen mit Sicherheit als Inspiration Pate. Was allein die beiden genannten Formate diesem Neustart jedoch meilenweit voraus haben, sind die ad hoc präsenten Hauptfiguren, mit denen man ohne Zögern mitfiebert. Egal ob Olivia Colman oder Matthew McConaughey – eine so raumeinnehmende Persona fehlt hier. Vielleicht ist in der Buchvorlage David Hunter ja sogar eine solche ambivalente, packende Persönlichkeit, aber zumindest in den ersten drei Folgen von Die Chemie des Todes hat man es dann noch nicht geschafft dies zu vermitteln.

    Wer also ohnehin jeden Krimi, der etwas düsterer angelegt und nicht gerade zimperlich inszeniert ist, verschlingt, der wird mit Sicherheit auch dieser alles in allem atmosphärischen Serie etwas abgewinnen können. Die Krimiromane Becketts sind ja auch in erster Linie in Deutschland ein Massenphänomen. Gut möglich also, dass die Kenner allesamt von der Neugier gepackt einen Blick in die Adaption werfen – und vielleicht dann auch mehr damit anfangen können, als etwaige Nichtleser.

    Unser vorläufiges Fazit zu Die Chemie des Todes

    Die ersten drei Episoden haben womöglich nicht viel Aussagekraft für die komplette erste Staffel des Krimiformats. Denn allein Dreiviertel der Laufzeit sind streng genommen reine Exposition oder als Prolog zu sehen. Nichtsdestotrotz kann man dazu immerhin festhalten, dass der dort behandelte Fall nicht sonderlich originell, aber doch einigermaßen spannend ist und man schon ein Gefühl dafür entwickelt, ob man mit der Hauptfigur sympathisieren kann oder nicht. Ein solider Einstieg, doch vielleicht braucht die Serie einfach auch erst mehrere Staffeln, um wirkliche Reife zu erfahren.

    Die Chemie des Todes ist am 12. Januar bei Paramount+ an den Start gegangen. Die Folgen erscheinen wöchentlich!


    © Paramount+ / Cuba Pictures

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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