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    Startseite » Renegade Nell
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    Renegade Nell

    Jan Wernervon Jan Werner27. März 2024Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Bei Disney Plus dominieren die Neustarts zumeist entweder große Marken oder große Namen. Mit der neuen Serie Renegade Nell geht man nun selbstbewusst neue Wege. Wird das Fantasy-Abenteuer seinem Anspruch gerecht?

    Poster zur Serie Renegade Nell
    Poster zur Serie Renegade Nell © 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

    Renegade Nell – Die offizielle Handlungsangabe

    England, 1705: Nell Jackson kehrt aus dem Krieg zu ihrer Familie in Tottenham zurück. Mit Hilfe des mutigen Kobolds Billy Blind, der ihr Superkräfte verleiht, nimmt Nell es mit dem tyrannischen Sohn des lokalen Gutsbesitzers Thomas Blancheford auf, wird aber des Mordes beschuldigt. Zusammen mit ihren Schwestern Roxy und George ist Nell auf der Flucht und wird zur Straßenräuberin. Doch als sich Nells außergewöhnliche Kräfte herumsprechen, erregt sie die Aufmerksamkeit des finsteren Earl of Poynton, der ein magisches Komplott gegen Queen Anne schmiedet. Nell und Billy geraten auf Kollisionskurs mit Poynton und müssen feststellen, dass ihr Streben nach Gerechtigkeit weiter reicht, als sie es sich je vorstellen konnten. Um ihren Namen reinzuwaschen, muss Nell zuerst Poynton besiegen und das Land retten.

    Rasant, kurzweilig und von Sekunde eins an sympathisch

    Hat unsere Einleitung den Eindruck vermittelt, dass Renegade Nell nun tatsächlich etwas bislang nie Dagewesenes sein könnte…

    … dann muss dem leider direkt der Wind aus den Segeln genommen werden. Denn auch wenn die Hauptdarstellerin keine allzu große Fangemeinde durch ihr überzeugendes Engagement bei Derry Girls mitbringen wird und auch die Geschichte rein vom Titel her für wenige gespitzte Ohren sorgt, so dauert es im Pilotfilm keine zwei Minuten ehe man sich zum ersten Mal an ein sehr erfolgreiches Franchise ebenfalls von Disney erinnern wird: Pirates of the Caribbean! 

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    Der Einstieg von Renegade Nell versprüht die lockerleichte Atmosphäre mit der die Jack-Sparrow-Reihe zum Kult wurde. Es wird tänzerische Kampfchoreo mit leichten Slapstick-Momenten und einer überaus agilen Kameraarbeit geboten, um in einer einzigen Szene bereits die wichtigsten Merkmale der Titelfigur in bester „show, don’t tell“-Manier zu zeigen. Und genauso wie eben auch das Piraten-Franchise von Beginn mit fantastischen Elemente angereichert wurde, ist auch hier bereits mit dem ersten Aufritt von Nell klar: Sie hat Kräfte und Fähigkeiten, die über das Normale hinausgehen.

    Dieses Übernatürliche innerhalb der Handlung hat seinen Ursprung in Mythen von der grünen Insel, denn statt in der Karibik hat man sich hier für ein mittelalterliches Irland als Location entschieden, was eine extrem gute, weil der Stimmung zuträgliche Entscheidung war. Das britisch-irische Lebensgefühl, die leichte Borstigkeit gepaart mit Freiheitsliebe und dem Hang zum Eskapismus im Feiern, schwingt hier angenehm mit und spiegelt sich auch in den Figuren. Die Geschichte ist zwar im Großen und Ganzen ein Potpourri bekannter volkstümlicher Heldenmythen und Widerstandskämpfer-Legenden, aber so wie es hier vorgetragen wird, kann man gut verschmerzen, dass vieles altbekannt ist.

    Solide Ausstattung, liebevoller Vortrag und eine fantastische Heldin

    Ein bisschen Zorro, ein bisschen Oliver Twist und eben auch eine ordentliche Portion Disney-Magie: Renegade Nell spielt mit seinen geistigen Verwandten, kreiert aber dennoch recht schnell eine eigene Identität, da die Handlungsträger in Windeseile Profil entwickeln. Das kaschiert etwas, dass man der Produktion doch ansieht, nicht das allergrößte Budget zur Verfügung gehabt zu haben, denn die Kostüme sind im Vergleich mit ähnlichen Werken eher Durchschnitt, die Weite der Landschaften kommt zu selten zum Tragen und auch die Aufnahmen in den Gassen wirken nicht sonderlich weitläufig, sondern eingeengt und aufs Wesentliche beschränkt. Die Reitsequenzen hingegen sind mitreißend und gut gefilmt.

    Womit die Serie aber zweifelsohne die meisten Punkte macht, ist mit der Hauptdarstellerin und auch den Sidekicks. Louisa Harland hat die seltene Gabe, Aufmüpfigkeit sympathisch herüberzubringen. Auch die emotionalen Seiten bringt sie exzellent zur Geltung und trägt somit die Abenteuerserie – als wäre es das Leichteste der Welt – auf ihren Schultern. Und auf einer dieser Schultern hat sie dann (nicht immer nur) im metaphorischen Sinn einen kleinen Helfer, gespielt von Nick Mohammed (Ted Lasso), der den humoristischen Anteil in den entsprechenden Situationen mit seinem Timing nahezu multipliziert. Auch die Harmonie zwischen Nell und den noch jüngeren Darsteller:innen funktioniert tadellos und schafft viele Anknüpfungspunkte, die komplett unabhängig vom Alter wirken.

    Renegade Nell © 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

    Wer sollte sich Renegade Nell nicht entgehen lassen?

    Die Warmherzigkeit von Sweet Tooth, die Mantel-und-Degen-Action der neuesten Musketiere-Verfilmung, eine ehrlicher wirkende Frechheit als bei Enola Holmes und das Tempo von Fluch der Karibik: Renegade Nell ist eine überraschend frische Wundertüte aus Abenteuerfilm-Tropes und folkloristischer Fantasy. Eigentlich kann man die kurzweilige Serie allen empfehlen, die schlicht schnell in eine Welt hineingezogen werden wollen und Lust haben mit herzlichen Figuren ein rasantes Abenteuer zu erleben.

    © 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

    Unser Fazit zu Renegade Nell

    4.0 Stark

    Die Story ist wendungsreich, die Dialoge mit mehr Tiefe als man es von vielen Young-Adult-Stoffen kennt und die gesamte Produktion wirkt von vorn bis hinten einfach stimmig. Renegade Nell ist einer der ersten Überraschungshits im Serienjahr 2024 und der Beweis, dass Disney+ vielleicht doch nicht komplett vom Funktionieren seiner Marvel- und Star-Wars-Formate abhängig ist. Eine ganz klare Empfehlung mit dem Versprechen unsererseits, dass die sympathische Titelheldin jeden mit ihrer charmant-kecken Art mitreißen wird.

    Renegade Nell läuft mit allen acht Folgen seit dem 29. März 2024 bei Disney+.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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