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    Völlig zerstört

    Jan Wernervon Jan Werner30. November 2023Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Obliterated. (L to R) Shelley Hennig as Ava Winters, Nick Zano as Chad McKnight in episode 103 of Obliterated. Cr. Ursula Coyote/Netflix © 2023
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    Auf diese Serie haben nicht wenige Serienjunkies sehnlich gewartet: Völlig zerstört, die neue Produktion der Cobra-Kai-Macher. Nun ist die Action-Comedy-Show da und wir sagen euch, ob sich das Warten gelohnt hat oder ob der Titel hier Programm ist.

    Terrence Terrell als Trunk, Shelley Hennig als Ava Winters, Kimi Rutledge als Maya Lerner, Nick Zano als Chad McKnight und Paola Lázaro als Angela Gomez
    Terrence Terrell als Trunk, Shelley Hennig als Ava Winters, Kimi Rutledge als Maya Lerner, Nick Zano als Chad McKnight und Paola Lázaro als Angela Gomez © Netflix

    Völlig zerstört – Die offizielle Handlungsangabe

    Völlig zerstört ist eine spannende Action-Comedyserie, in der eine Elitespezialeinheit eine tödliche Gefahr von Las Vegas abwenden soll. Nach einer ausschweifenden Party mit viel Alkohol, Drogen und Sex stellen sie jedoch fest, dass die von ihnen entschärfte Bombe eine Attrappe war. Das etwas derangierte Team muss nun seine Unzulänglichkeiten und persönlichen Probleme in den Griff bekommen, die richtige Bombe finden und die Welt retten.

    Spoilerfreie Kritik zu Völlig zerstört

    Der Beitrag befasst sich mit allen Folgen der Serie, die uns vorab zur Verfügung gestellt wurden. Auf Spoiler wird verzichtet.

    Tick, tick, tick, BOOOOM

    Die Prämisse von Völlig zerstört verspricht ein wilde Mischung, irgendwo zwischen Hangover und S.W.A.T. – und genau das bekommt man auch. Die Fragen sind nun aber: Trägt sich dieses Konzept? Und: Kann man damit 8 Folgen mit je einer Stunde füllen, ohne dass sich dieser Cocktail in Rekordtempo abgenutzt hat?

    Die Pilotfolge ist erstmal – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig. Es gibt Partyexzesse, Sex und unzählige politisch inkorrekte/fragwürdige Dialoge. Teenie-Komödien der 2000er haben auf ähnliche Weise die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet, einige haben bis heute Kultstatus. Nun haben wir allerdings nicht mehr 2003, sondern 2023 und dementsprechend sind die Humor-Antennen etwas sensibler justiert. Das führt dazu, dass hier im Auftakt kaum einer der Fremdscham-Gags zündet, da auch die Figuren eher nur Abziehbilder von Kult-Charakteren sind und noch nichts Eigenständiges verkörpern.

    Wer hat nur einen Daumen und hat gerade Las Vegas gerettet?!

    Irgendwie ist aber dieser Beginn so gewollt zotig und voller Klischees, dass einen der Verdacht beschleicht, dass diese Unlustigkeit Methode haben könnte. Soll einen also diese parodistische Note im Pilotfilm aufs Glatteis führen? „Bereit wie ne läufige Hündin“, heißt es als sich offenbart, dass die Mission fehlgeschlagen ist und der seltsame Haufen sich trotz Katerstimmung nochmal ins Gefecht stürzen muss. Fällt damit dann auch der Startschuss, der die Geschichte in eine Richtung treibt, die nicht nur einen schlechten Gag an den nächsten reiht?

    Hirn aus – Viel Spaß?

    Leider lautet die Antwort Nein, denn es geht auch genauso geschmacklos, halbgar und uninspiriert weiter. Klang die Ausgangslage eigentlich nach einem soliden Plan für eine ausgefallene Action-Show, so reibt man sich immer wieder die Augen, wie platt der Humor, wie mies die Figuren und wie Sinn-befreit die Geschichte tatsächlich ist. Sinnbild für dieses Fiasko ist die Figur von Nick Zano Chad McKnight, der als satirisch gedacht, aber im Endeffekt einfach nur lächerlich ist. Die gesamte Spezialeinheit scheint aus Vollidioten zu bestehen, was beispielsweise an Parodien wie Hot Shots erinnert, aber hier wohl ernst gemeint ist. Jede als Witz gedachte Eigenart der Charaktere schießt übers Ziel hinaus und mündet immer wieder in Szenen voller Rohrkrepierer.

    Wenn die Welt wüsste, was hier heute gelaufen ist, würde sie wollen, dass wir feiern!

    In Fubar wird das Agentengenre zwar persifliert, aber ein gewisser Charme entsteht noch, da Schwarzenegger dort mit dem eigenen Image spielt. Diese Komponente fehlt hier allein aufgrund des recht unbekannten Cast. Nicht mal eine Form von Gruppendynamik entsteht im Laufe der Folgen, da fast ausnahmslos alle Protagonisten eher abstoßend sind. Sympathien wecken noch die eher etwas am Rande des Geschehens auftretenden Akteure.

    Shelley Hennig als Ava Winters in Völlig zerstört im roten Bikini vor zahlreichen Feierwütigen.
    Shelley Hennig als Ava Winters © Netflix

    What happens in Vegas – should’ve stayed in Vegas.

    Nicht mal aus dem Las-Vegas-Setting holt man allzu viel raus. Casino- und Nachtclub-Innenaufnahmen hat man so schon zu genüge gesehen. Ein Zack Snyder hat in Army of the Dead wenigstens durch die Zombie-Apokalypse noch neue Optiken in der bekannten Metropole zu kreieren geschafft. Der Humor-Anteil von „Action-Comedy“ ist also nahezu ein Totalausfall, was vielleicht noch zu verschmerzen wäre, wenn dafür die Action knallt. Doch auch hier ist Völlig zerstört allenfalls unterer Durchschnitt. Vielen Szenen sieht man den Green Screen zu deutlich an, die musikalische Untermalung sorgt mit ihrer gewollten Dramatisierung auch eher für den gegenteiligen Effekt.

    Autoverfolgungsjagden gehören natürlich in jeden Actionfilm, aber auch hier setzt man weder neue Akzente noch macht man das Altbewährte besonders originell. Verheerend ist jedoch, dass selbst in den vermeintlich guten Action-Momenten noch absurde Gags eingestreut werden, die sofort jeden Anflug von Spannung torpedieren.

    Wer sollte sich Völlig zerstört nicht entgehen lassen?

    Ein bisschen Stoner-Humor, „Scheiß auf political correctness“ und das alles mit bedingt sympathischen Identifikationsfiguren – diese Mixtur dürfte sehr wenige Geschmäcker treffen. Am ehesten werden wohl noch Fans von Action-Komödie á la The Other Guys mit Mark Wahlberg und Will Ferrell in Völlig zerstört reinfinden. Nicht ganz so klamaukig wie Austin Powers oder Borat und Co., aber vielleicht funktioniert die Netflix-Show auch noch ganz passabel, wenn man sie von vornherein als Parodie betrachtet.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Völlig zerstört

    1.0 Zum Vergessen

    Um die Eingangsfrage zu beantworten: Der Titel könnte besser nicht gewählt sein. Völlig zerstört sind hier nahezu alle guten Ansätze durch Humor der untersten Schublade, Charaktere mit minimalen Anknüpfungspunkten und einer Story, die nur noch zum Kopfschütteln verleitet. Man darf nur hoffen, dass die Macher ihr Mojo rechtzeitig wiederfinden, um ihr Herzensprojekt Cobra Kai zu einem zufriedenstellend Abschluss zu bringen. Hierin steckt jedenfalls kein Herz und noch weniger Hirn.

    Völlig zerstört läuft seit dem 30. November 2023 bei Netflix!

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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