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    We Own This City

    Jan Wernervon Jan Werner10. Mai 2022Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Drei Polizisten mit Schutzwesten schleichen mit Waffen im Anschlag Richtung einer Treppe.
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    Einige Jahre nachdem die Serie The Wire weltweit für ihre Einblicke in die kriminelle Welt Baltimores gefeiert wurde, kehrt der Macher der Serie an den Schauplatz der Verbrechen zurück. Wie schlägt sich We Own This City im Vergleich mit dem übergroßen Vorgänger auf den ersten Blick?

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    Das Banner zu We Own This City zeigt im Mittelpunkt den Titel und darum angeordnet vier Hauptfiguren.
    Das Banner zur Miniserie© Home Box Office Inc.

    We Own This City – Die offizielle Handlungsangabe

    Baltimore, 2015: Der 25-jährige Schwarze Freddie Gray stirbt im Polizeigewahrsam. Überall in der Stadt kommt es zu Unruhen. Die Ostküstenmetropole wird zunehmend von Drogen und Gewalt beherrscht. Bei nur 600 000 Einwohnern kommt es in diesem Jahr zu 342 Tötungsdelikten. Im Auftrag des Polizeikommandanten soll Wayne Jenkins (Jon Bernthal) mit seiner zivilen Polizei-Eliteeinheit, der Gun Trace Task Force, Waffen und Gewalt von der Straße holen. Stattdessen wird er zum Zentrum eines Skandals: Die korrupten Cops jagen massenweise Kleindealer, um die Statistik aufzuhübschen, fälschen Beweise und sahnen bei Verhaftungen und Durchsuchungen Drogen und Tausende Dollar Bargeld ab. Am Ende wird ein Polizist, der gegen die Einheit aussagen wollte, unter mysteriösen Umständen erschossen.

    Erster Eindruck zu We Own This City

    (Dieser Beitrag beschäftigt sich ausschließlich mit den ersten drei von sechs Folgen der abgeschlossenen Serie. Dementsprechend ist die Kritik auch nur auf die erste Staffelhälfte bezogen und soll dazu dienen, den Lesern eine Hilfestellung bei der Entscheidung zu geben, ob sich auf Basis der ersten Eindrücke ein Blick rentiert.) 

    https://www.youtube.com/watch?v=4aztmZqR8W8

    Selbe Stadt, alte und neue Probleme

    In insgesamt fünf Staffeln von 2002 bis 2008 hat David Simon mit seinem Serienmeisterwerk einst den Finger ganz tief in die Wunde des korrumpierten Polizei- und Politikwesens US-amerikanischer Metropolen gelegt. Handlungsort war schon damals die Ostküstenstadt Baltimore und in den verschiedenen, recht in sich abgeschlossenen Staffeln, wurden unter anderem Drogenkriminalität, Probleme im Schulwesen, Rassismus oder auch Systemkritik am Polizeiapparat verhandelt. Und obgleich dies oftmals zu sehr niederschmetternden Erkenntnissen beim Publikum führte, waren die Geschichten extrem spannend und authentisch und die Charaktere ambivalent und immer in den Graustufen zwischen moralisch fragwürdig und doch sympathisch angelegt. Einige der Figuren aus The Wire haben bis heute Kultstatus und in der Popkultur wird der Meilenstein immer noch fleißig referenziert.

    Die erste ernüchternde Tatsache bei We Own This City ist nun, dass es diese Serie überhaupt geben kann. Ergo alle Probleme, die The Wire so atemberaubend zu sezieren wusste, haben sich nur an andere Stelle des Systems verlagert. Mehr noch: vieles ist sogar nochmals eine ganze Stufe demoralisierender als zur Zeit, in der The Wire spielte. Im Mittelpunkt des Sechsteilers stehen die wahren Ereignisse rund um die Gun Trace Task Force und das damit verbundene Einfallstor für einen riesigen Korruptionsskandal bei den Behörden von Baltimore.

    Jon Bernthal in Polizeiuniform mit Händen am Gürtel auf einer offenen Straße. We Own This City
    Jon Bernthal spielt einen Polizisten der Gun Trace Task Force © Home Box Office Inc.

    Viele The-Wire-Gesichter und einige namhafte Stars

    Auch vor der Kamera werden Kenner von The Wire einige Gesichter wiedererkennen. So ist es schön zu sehen, hier Jamie Hector beispielsweise, der in seiner Rolle als Marlo Stanfield eine prägende Rolle einst spielte hier wiederzusehen. Diesmal allerdings auf der anderen Seite des Gesetzes. Ob er jedoch auch in den Strudel der Korruption hineingezogen wird oder ob er letztlich einen der wenigen moralisch integren Anker in dieser Serie verkörpert, das wird selbstverständlich nicht verraten. Kultbüromitarbeiter „Landsmann“ Delaney Williams ist erneut ein wichtiger Polizeibeamter und darf hier sogar eine noch wichtigere Rolle bekleiden.

    Ergänzt wird die alte Riege mit einigen großen Namen, aus denen insbesondere natürlich Jon Bernthal hervorstechen dürfte. Nach seinem Auftritt in King Richard arbeitet er nun direkt ein zweites mal mit Regisseur Reinaldo Marcus Green zusammen. Schon in The Punisher hat er einen eher moralisch fragwürdig agierenden Charakter dargestellt, doch in We Own This City ist er endgültig einmal in einer ohne Frage verachtungswürdigen Rolle besetzt worden. Die weiteren Figuren, die aus der Maße des großen Cast herausragen, spielen David Corenswet, Wunmi Musaku und Josh Charles.

    Balanceakt zwischen Doku und Krimi

    Dem Schauspiel der starken Darsteller:innen und auch dem generellen Sog der Handlung steht etwas im Wege steht, wie sehr We Own This City doch dokumentarisch angestrichen ist. Dies kommt mal mehr, mal weniger zum tragen. Darunter leidet aber auch der Unterhaltungsfaktor immer mal wieder. Denn die drastischen Bilder sind fast zu nah an der Realität, als dass man als Zuschauer:in guten Gewissens hier noch irgendwie mitfiebern will und kann. Des Weiteren gibt es für den roten Faden und die Chronologie manchmal zu wenig Anhaltspunkte dafür, wann innerhalb der von der Miniserie abgedeckten Handlungsjahre man sich gerade befindet. Lediglich durch die eingeblendete Animation einer ausgefüllten Verhörakte in der Bildschirmansicht, wird auf den Zeitpunkt hingewiesen. Das genügt leider nicht, um nicht doch ein ums andere Mal unklar zu bleiben.

    An einem Verhörtisch sitzen zwei Beamte rechts und ein dunkelhäutiger Verdächtiger links. Auf dem Tisch sind einige Akten aufgeschlagen.
    Eine Verhörsituation © Home Box Office Inc.

    Unser Fazit zum Auftakt von We Own This City

    Ein neues The Wire ist We Own This City definitiv nicht geworden, aber als weiterer Beitrag, der Missstände auf vielen Systemebenen einer Großstadt offenlegt, ist auch die neue Miniserie von David Simon und seinen Kollegen wieder zu empfehlen. Die sprunghafte Erzählweise erfordert dabei viel Aufmerksamkeit und die Drastik des Gezeigten wird mitunter mehr frustrieren als unterhalten. Damit ist die Serie am Ende womöglich eher aufgrund ihrer politischen Wichtigkeit ein Fingerzeig im Serienjahr 2022, denn als ein spannender Krimi mit Heldenfiguren und ambivalenten Bösewichten.

    Ein kleiner Hinweis muss am Ende noch angebracht werden: Die englische Sprachfassung, in der bis dato diese Miniserie zu Streamen ist, erfordert ein hohes Sprachniveau in Englisch, besonders auch wegen der ausgeprägten Akzente der Akteure. Da es leider auch keine Untertitel – weder englisch, noch deutsch – gibt, sollte man eventuell auf die deutsche Version warten, um alle Details, die hier sehr wichtig sind, zu verstehen.

    We Own This City läuft seit dem 25.4. zeitgleich zur Weltpremiere in den USA in der Originalfassung bei Sky und auf Abruf über Sky Q und Sky Go. Voraussichtlich ab Juni werden die sechs Folgen auch wahlweise auf Deutsch auf Sky Atlantic HD ausgestrahlt.


    © Home Box Office Inc.

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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