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Anna, gespielt von Milena Radulovic, ist in Superdeep im Schutzanzug auf dem Weg in die Tiefe.

Superdeep

In Superdeep lauert das Grauen in der Tiefe – mal wieder. Eine Forschungs- und Rettungsmission stößt in den Abgrund des tiefsten Bohrlochs der Welt vor, wo das Böse schon wartet. Kann der Horror aus Russland noch schocken, oder wärmt er nur altbekannten Einheitsbrei auf? Das erfahrt ihr in unserer Rezension.

SUPERDEEP (2021) HD Trailer (Deutsch / German)

TitelSuperdeep
Jahr2020
LandRussland
RegieArseny Syuhin
DrehbuchArseny Syuhin
GenreHorror, Thriller
DarstellerMilena Radulovic, Sergey Ivanyuk, Nikolay Kovbas, Vadim Demchog, Kirill Kovbas, Nikita Dyuvbanov, Viktor Nizovoy
Länge115/100 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Das Cover der Blu-ray von Superdeep zeigt Anna, gespielt von Milena Radulovic, vor dem Hintergrund in Schutzanzüge gekleideter Helfer. Im unteren Bereich steht sie vor dem Monster der Tiefe.
Das Cover der Blu-ray von Superdeep. © Koch Films

Die Handlung von Superdeep

Der Zweck heiligt die Mittel, das scheint in Superdeep auch für die Wissenschaftlerin Anna zu gelten, die einst einen Forschungspartner durch einen Selbstversuch verloren hat. Einem Versuch immerhin, dem die Entwicklung eines neuen Vakzins zu verdanken war, das vielen sowjetischen Soldaten das Leben rettete. Wir befinden uns am Ende der 1980er Jahre. Über den TV-Schirm flimmert eine Silvester-Ansprache Michael Gorbatschows. Dann klingelt das Telefon, und Anna wird vom Geheimdienst für eine neue Mission rekrutiert.

Es geht um das tiefste Bohrloch der Welt, ein mehr als zwölf Kilometer in die Erde hinabreichendes Loch auf der Insel Kola. Unheimliche Geräusche dringen aus dieser Tiefe nach oben, 20 Menschen sind mittlerweile verschwunden. Anna und ihr Team werden nach unten geschickt, um dem Geheimnis auf den buchstäblichen Grund zu gehen. Sie werden konfrontiert mit einem gefährlichen Zellparasiten, der das menschliche Leben auszulöschen droht. Doch der KGB wittert darin eine neue Waffe.

Hatten die Forscher die Hölle angebohrt?

Der russische Streifen Superdeep basiert lose auf einer urbanen Legende, die sich seit 1989 um die Kola-Bohrung rankt. Es gab Gerüchte über merkwürdige Vorkommnisse. Mikrofone sollten Geräusche aufgenommen haben, die an menschliche Schreie erinnerten. Schließlich lag es abergläubischen Naturen nahe, bei einer solchen Tiefe zu befürchten, dass die Forscher direkt die Hölle angebohrt haben könnten.

Anna, gespielt von Milena Radulovic, steht leicht verletzt in der Forschungsstation.
Taffe Forscherin: Anna (Milena Radulovic) will dem Geheimnis auf den Grund gehen. © Koch Films

Das Team um Anna trifft zwar nicht direkt auf den Teufel. Dennoch geht es in der Tiefe höllisch ab. Der Zellparasit befällt nach und nach die Teammitglieder und verwandelt sie in Monstren. Das Ganze erinnert nicht von ungefähr an Klassiker wie Das Ding aus einer anderen Welt von John Carpenter oder auch Alien von Ridley Scott. An Letzteren vor allem die taffe weibliche Hauptfigur, die in Superdeep von der serbischen Schauspielerin Milena Radulovic ziemlich überzeugend interpretiert wird – auch wenn sie an eine Sigourney Weaver nicht heranreicht. Aber wer tut das schon?

Der Zweck heiligt in Superdeep die Mittel

Der russische Regiedebütant Arseny Syuhin macht seine Sache in Superdeep gar nicht ungeschickt – zumindest am Anfang. In einer Art Prolog zeigt er uns in düsteren Schwarz-Weiß-Bildern die so traumatische wie prägende Erfahrung der gescheiterten Reanimation an Annas damaligen Kollegen. Beim abschließend knappen Dialog zwischen ihr und ihrem KGB-Führungsoffizier sieht man nur die stark ausgeleuchteten Gesichter vor schwarzem Hintergrund, ein Theatereffekt, der an Ingmar Bergman erinnern könnte. Und die zynische Botschaft vom Zweck heiligenden Mittel dramatisch akzentuiert. Die soll Annas moralische Zweifel ausradieren.

Ein Teamkollege Annas wird von einem Arzt untersucht.
Untersuchung: Ein Teamkollege Annas scheint infiziert. © Koch Films

Es folgt ein Schnitt auf eine Kirche, nun in Farbe. Klassische Klaviermusik erklingt. Während Anna mit Freunden Silvester feiern will, stört der Rekrutierungsanruf ihres alten Vorgesetzten. Gerade in dem Moment, in dem im TV Gorbatschow mit seiner Silvesteransprache die Zukunft feiert, meldet sich das alte Regime. Es geht bei der Mission aber nicht um Rettung, das soll die WHO übernehmen, sagt der General. „Wir gehen da rein, nehmen Proben und verschwinden.“ Denn, so die Vermutung, in dem Bohrloch wurde ein neues Virus entdeckt. Und daraus lässt sich ja immer eine prima Waffe machen. Anna nimmt den Auftrag an. Ihr anschließender Blick in den Spiegel, als wäre sie nicht ganz sicher, was sie darin sieht, zeigt deutlich die Ambivalenz ihres Charakters. Feinheiten der Inszenierung, die allerdings im Short-Cut von Superdeep fast gänzlich zu verschwinden drohen.

Ein Film, zwei Versionen

Denn Koch Films präsentiert uns Superdeep in zwei Varianten: der 115-minütigen Originalfassung und einem alternate Cut, der 15 Minuten kürzer ist. Wer nun meint, 15 Minuten seien bei fast zwei Stunden Laufzeit nicht gar so viel, täuscht sich.  Obwohl die originale Schnittfassung insbesondere in der zweiten Hälfte schwächelt und deutliche Längen aufweist, wurde in der alternativen Version zu viel geschnippelt. Und vor allem an den falschen Stellen. So wirken viele Szenen recht holprig zusammengestellt, manches bleibt unklar. Durch die Langfassung dagegen muss man sich zwar mitunter etwas durchquälen, sie ist dennoch vorzuziehen. Leider veröffentlicht Koch Films diese nur im Media Book, die Standard-Blu-ray und -DVD beinhalten nur die Kurzfassung.

Anna, gespielt von Milena Radulovic, wird in Superdeep mit einem vom Parasiten befallenen Kollegen konfrontiert.
Die Hölle tut sich auf: Anna wird mit einem vom Parasiten befallenen Kollegen konfrontiert. © Koch Films

Vieles in Superdeep wirkt etwas mühsam, die Action mitunter angestrengt. Ein längere Sequenz spielt nur unter rotem Flackerlicht, was die Ereignisse undeutlich macht, so dass man sie nur schwer verfolgen kann. Überhaupt wirkt das Ganze manchmal wirr, insbesondere im alternate Cut. Auf der anderen Seite gibt es auch überzeugende inszenatorische Ideen. Die Landungssequenz des Hubschraubers mit der Forschungsgruppe am Ort der Bohrung etwa. Die Kamera umkreist den Landeplatz in einem weiten Radius. Sie definiert so nicht nur den Raum, sondern enthüllt dabei nach und nach ein ganzes Tableau von gleich handlungsrelevant werdenden Elementen: Forscher betreten einen Evakuierungsbus, Soldaten mit Waffen im Anschlag und an den Leinen reißenden Hunden, ein Mann, der sich hinter einem Fahrzeug versteckt. Dann geht die Post ab. Das ist elegant gemacht. Was leider nicht so bleibt.

Superdeep gewinnt durch tolles Creature-Design

Positiv fällt noch das wirklich ungewöhnliche Creature Design auf. Die Mutationen, die der pilzartige Parasit bewirkt, hat man so wohl noch nicht gesehen. Sie sind echt eklig, ein Pluspunkt für den Film. Aber Warnung: Nicht angucken, während ihr eine Pizza Funghi esst. Auch das Set-Design der unterirdischen Forschungssation mit ihren dicken Stahlschleusen bringt die klaustrophobische Enge unter der Erde gut zum Ausdruck. Und die musikalische Untermalung ist wohltuend unaufdringlich, aber dennoch spannungssteigernd. Was alles nicht über die ermüdenden Längen und, von Anna einmal abgesehen, stereotypen Charakterzeichnungen hinwegtröstet.

Anna, gespielt von Milena Radulovic, steht blutverschmiert und mit ängstlichen Gesicht in einem der Höhlengänge.
Am Ende: Anna muss um ihr Leben kämpfen. © Koch Films

Mein Fazit zu Superdeep

Der Film im schon recht ausgelutschten Fahrwasser von Das Ding aus einer anderen Welt oder Alien zeigt, dass russischer Action-Horror durchaus seine Momente haben kann. Aber das weiß man spätestens seit Timur Bekmambetows Wächtern der Nacht. Syuhins Variante eines Monster-Horrors macht vieles richtig, aber leider auch vieles falsch. Während der alternate Cut von Superdeep krampfhaft versucht, die Längen der Originalfassung zu eliminieren, geht dies aber auf Kosten von Atmosphäre und Handlungskonsistenz. Stimmungsvoller und inhaltlich klarer ist auf jeden Fall die Langfassung, die dann aber in der zweiten Hälfte in unübersichtlichem Actionbombast zerfasert. Das ist zum Gähnen und man möchte auf die Werbepause warten. Dennoch einen Versuch wert.

Superdeep erscheint am 24. Juni 2021 auf DVD und Blu-ray sowie im schicken Mediabook. Koch Films bietet sowohl die ursprüngliche Schnittfassung, als auch einen alternate Cut. Letzterer wird als BR/DVD-Amaray veröffentlicht, beide Schnittfassungen sind dagegen nur im Mediabook zu finden – dazu die ursprüngliche Schnittfassung in 4K.

Unsere Wertung für die Langfassung:

 

Unsere Wertung für den alternate Cut:

 

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2022 um 21:50 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2022 um 22:31 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© Koch Films

1 Kommentar

  • Hauptsache Russland wo es nur geht schlecht dastehen zu lassen oder dagegen sein, ob Filme, Volk oder das Land.

    Die Westlichen Propaganda Kotzen mich richtig an !!!
    Die Geschichte um Kola ist sehr interessant meiner Meinung her.

    Mit freundlichen Grüßen
    Russlanddeutscher