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Zahlreiche Personen stehen rund um einen Globus herum, der das Steuerelement der Anwendung darstellt.

The Billion Dollar Code

Inzwischen hat Netflix auch die Schlagzahl deutlich erhöht, was Originals hierzulande angeht. Die neueste Miniserie aus Deutschland stand schon auf vielen Listen unter den meist erwarteten Serien dieses Jahres. Erfahrt hier, ob sich die hohen Erwartungen an The Billion Dollar Code erfüllt haben!

The Billion Dollar Code | Offizieller Trailer | Netflix

TitelThe Billion Dollar Code
Jahr2021
LandDeutschland
RegieRobert Thalheim
DrehbuchOliver Ziegenbalg
GenreSerien
DarstellerMark Waschke, Marius Ahrendt, Leonard Schleicher, Misel Maticevic, Lavinia Wilson
Länge4 Folgen jeweils ca. 70 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Carsten, Brian und Juri nebeneinander in einer dunklen Zimmer. Brian in der Mitte hat die Hand auf einer Art Steuerungsgerät und schaut erstaunt aus.
Schon frühe Versionen von Terravision sorgen für strahlende Augen © Netflix

The Billion Dollar Code – Handlung

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt die Miniserie die unglaubliche Geschichte zweier deutscher Computerpioniere, die im Kampf gegen einen scheinbar unbesiegbaren Gegner vor Gericht ziehen, um als Erfinder des Google Earth-Algorithmus anerkannt zu werden. Von der Hackerszene im Nachwende-Berlin der 90er Jahre über die idealistische Welt des frühen Silicon Valley bis hin zur harten Realität eines Multi-Millionen-Dollar-Prozesses erzählt The Billion Dollar Code von einer großen Freundschaft, von Loyalität und der Frage nach Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter.

David gegen Goliath auf zwei Zeitebenen

Die erste Besonderheit an The Billion Dollar Code ist die Erzählweise, für die sich die Macher entschieden haben. Immer im Wechsel, begleiten wir die beiden Protagonisten auf zwei Zeitebenen. Einerseits in den frühen Neunzigerjahren, also zu der Zeit, als sie zusammen Terravision entwickelt haben und damit weltweit für Aufsehen weit über IT-Kreise hinaus sorgen konnten. Andererseits wird dann gezeigt, wie sich die inzwischen zerstrittenen ehemaligen Freunde und Kollegen in den 2010ern vor Gericht mit dem Giganten Google anlegen, einem Unternehmen, dass in den 25 Jahren dazwischen erst peu à peu zu der Macht gekommen ist, die es heute innehat.

Schön ist, dass man für die beiden Ebenen nicht etwa auf digitale jüngere oder ältere Versionen der gleichen Darsteller gesetzt, sondern jeweils ein anderes Duo verpflichtet hat. Optisch passt das zwar vor allem bei den beiden Carsten Schlüters, Mark Waschke und Leonard Schleicher, nicht zu 100 Prozent, aber daran hat sich der Zuschauer nach kurzer Zeit gewöhnt. An dieser Stelle kann auch gleich der gesamte Cast gelobt werden. Speziell, wenn Schauspieler IT-Jargon sprechen, wirkte es schon in vielen Produktionen nur wie auswendig gelerntes Kauderwelsch, aber in dieser Miniserie bekommt man den Eindruck vermittelt, dass die Darsteller tatsächlich verstehen, wovon sie reden. Ob das wirklich alles authentisch ist, mögen nur tatsächlich IT-Experten beurteilen können, aber es wirkt jedenfalls so.

The Billion Dollar Code ist eine Zeitreise zum Staunen

Die zweite Besonderheit dieses Formats ist, dass gut vermittelt wird, wie bahnbrechend diese Erfindung, die vielleicht für die Generation Y und Z als selbstverständlich und wie immer da gewesen wirkt, vor gut 25 Jahren war. Eine Szene auf einer Computermesse in Kyoto bringt das perfekt auf den Punkt. Dort präsentieren die Programmierer und Designer von Terravision erstmals einer breiten Öffentlichkeit ihre Anwendung. In die Reaktion der Tester vor Ort kann sich jeder gut hineinversetzen, wenn er sich an seine ersten Gehversuche in Google Earth zurückerinnert.

Der unweigerlich erste Satellitenflug landete meist im Heimatort oder noch präziser in der Vogelperspektive des eigenen Hauses. Mehrmals in der Miniserie wird das Gefühl, durch die neue Möglichkeit virtuell und gefühlt in Echtzeit um die Welt zu fliegen, mit Superman assoziiert. Dementsprechend springt die Begeisterung der ersten Probanden aufs Publikum über, das in diesem Moment an eigene Aha-Momente zurückdenkt.

Juri sitzt links neben Carsten. Beide tragen Sakkos und Krawatte und haben ein Lächeln im Gesicht. The Billion Dollar Code
Die IT-Pioniere bereit für Präsentationen © Netflix

Die deutsche Antwort auf The Social Network

Seine stärksten Szenen hat The Billion Dollar Code dann, wenn deutlich wird, dass auch in diesem Fall wieder Genie und Wahnsinn sehr nah beieinander liegen. Ähnlich wie die Ikonen Steve Jobs, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Co. hatten die Gründer in den Neunzigern eine Vision, die vielleicht ihrer Zeit voraus war. Was ebenfalls sehr gut herausgearbeitet wurde, sind aber auch die Nuancen, die dazu geführt haben, dass Schlüter und Müller eben heute nicht im selben Atemzug mit den Branchenhelden genannt werden. Zum falschen Zeitpunkt nur einmal einer falschen Person vertraut oder nicht das einnehmende Charisma von Jobs oder die manipulative Aura von Zuckerberg gehabt zu haben, hat dazu geführt, dass heute Google Earth das Synonym des Onlineglobus ist und nicht Terravision, obwohl die Idee dahinter sich gleicht wie ein Ei dem andern.

Auch in der Art und Weise, wie die IT-Cracks hier porträtiert werden, erinnert die Miniserie an The Social Network. Was das Netflix-Original vom Fincher-Film unterscheidet, ist die vergleichsweise doch etwas gestreckte Erzählung. Außerdem fehlt dem Cast, was auch der echten Crew gefehlt hat, nämlich eine alles überstrahlende Führungspersönlichkeit. Mark Waschke ist einer der vielseitigsten deutschen Darsteller derzeit, aber in dieser Rolle schafft er es nicht restlos zu begeistern. Im Kontrast mit seinem jüngeren Pendant hat der spätere Carsten Schlüter viel von seiner einnehmenden Persönlichkeit eingebüßt, was vor allem in den Szenen im Gericht deutlich auffällt.

Showrunner Oliver Ziegenbalg:

Während The Social Network die Perspektive des Gewinners einnimmt, des Antagonisten Mark Zuckerberg, erzählen wir unsere Geschichte aus Sicht der Winklevoss-Brüder, den wunderbaren Verlierern.

Auch der restliche Cast überzeugt zwar über weite Strecken. Für Augenblicke, in denen man Gänsehaut bekommt, ohne, dass eine Person ein einziges Wort zu sagen braucht, wie es Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg mehrmals gelungen ist, sorgt aber keine der Darstellerleistungen. Das ist jedoch nicht der Qualität der Akteure geschuldet, sondern vielmehr dem Skript, dem es unter anderem an der Schärfe in den Dialogen fehlt. Dafür hätte es einen brillanten Texter gebraucht, wie eben ein Aaron Sorkin, der dafür sorgen kann, dass man einzelne Sätze selbst ohne Kontext noch Jahre später mit einem Film oder einer Serie in Verbindung bringt.

Spannend auch wenn man das reale Urteil schon weiß

Trotzdem ist The Billion Dollar Code unter den deutschen Netflix-Titeln ganz weit oben anzusiedeln. Sämtliche Ebenen der Story funktionieren und fügen sich nahtlos zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Sei es als Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft, die scheitert, als sich Privates und Geschäftliches nicht mehr trennen lassen. Sei es als klassische Story vom Kampf der Underdogs gegen die übermächtigen Konzerne, als packendes Justizdrama, das sogar dann noch fesselt, wenn man sich vorher über den wahren Ausgang des Falls informiert hat. Oder sei es einfach als Nostalgietrip in die Neunziger, in denen über Google noch gescherzt wurde, wenn jemand behauptet hat, diese Firma würde einmal zu den einflussreichsten der Welt gehören.

Wer gern mal einen Blick hinter die Kulissen der IT-Riesen wirft und die Menschen kennenlernen will, die für Innovationen verantwortlich sind, die unser aller Alltag mitbestimmen, der wird mit diesen vier Folgen eine gute Zeit haben. Halt and Catch Fire oder Silicon Valley haben es geschafft, der trockenen Computerthematik Drama und Thrill einzuimpfen. Dass dies The Billion Dollar Code ebenfalls gelingt, obwohl man deutlich weniger Zeit hat, um die Spannungskurve sich entwickeln zu lassen, ist der große Verdienst dieser Serie.

In einem dunklen Raum sitzt Juri am Schreibtisch während hinter ihm Carsten steht und sich auf einen Stuhl stützt. Auf dem Schreibtisch steht ein Röhrenbildschirm und eine Tischlampe.
Zu Beginn der Neunziger waren Juri und Carsten Kollegen und Freunde © Netflix

Unser Fazit zu The Billion Dollar Code

Showrunner Oliver Ziegenbalg ist mit The Billion Dollar Code von vorne bis hinten eine runde Sache gelungen. Egal, ob man schon weiß, wie der reale Fall vor Gericht entschieden wurde oder nicht, spannend bleibt es bis zum Schluss. Das liegt an der Erzählweise, die im Wechsel zwischen 1990ern und 2010ern auch die Protagonisten in zwei unterschiedlichen Lebensphasen porträtiert. Für Zuschauer, die komplett uninteressiert an IT-Themen sind, ist die Serie fachlich jedoch zu akkurat. Das sorgt für eine hohe Authentizität, aber auch dafür, dass man sich voll auf die Miniserie konzentrieren muss. Am Ende halten sich der Grad an Information und Unterhaltung die Waage, aber etwas mehr (künstliches) Drama hätte nicht geschadet, um Momente zu kreieren, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

The Billion Dollar Code ist seit dem 7. Oktober komplett bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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