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Yes, Chef!

Seit der Disney+-Serie The Bear ist Kochen nicht mehr nur interessant, um sich Anregungen für die eigene Küche zu holen, sondern auch hochdramatisch und spannend.

Doch bereits vor der Erfolgsserie erschien mit Boiling Point ein Film, der The Bear vorwegnahm – und das als blitzsauberer One-Shot ohne einen einzigen Schnitt. Jetzt endlich erscheint Boiling Point auch hierzulande unter dem Titel Yes, Chef!

Yes, Chef (Deutscher Trailer) - Stephen Graham, Vinette Robinson, Ray Panthaki

TitelYes, Chef! (OT: Boiling Point)
Jahr2021
LandGroßbritannien
RegiePhilip Barantini
DrehbuchPhilip Barantini, James Cummings
GenreDrama
DarstellerStephen Graham, Vinette Robinson, Alice Feetham, Hannah Walters, Malachi Kirby, Taz Skylar
Länge92 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihPlaion Pictures

 

Das offizielle Blu-ray Cover von Yes, Chef
© Plaion Pictures

Die Handlung von Yes, Chef!

Der Film folgt dem Leben des Küchenchefs Andy Jones (Stephen Graham) während eines einzigen, aber hektischen Freitagabends in einem angesagten Londoner Restaurant.

Andy ist ein talentierter, aber gestresster Küchenchef, der mit persönlichen und beruflichen Herausforderungen kämpft. Denn er steht unter dem Druck der Restaurantführung, muss Konflikte mit Mitarbeitern schlichten und dabei der ständigen Forderung nach Perfektion gerecht werden. Da hilft es nicht, wenn ein Gesundheitsinspektor das Restaurant wegen Hygieneproblemen von 5 auf 3 Sterne runterstuft.

Während des Abends spitzen sich die Spannungen in der Küche und im Restaurantbetrieb aus unterschiedlichen Gründen zu. Da wäre zum Beispiel die gefürchtete Restaurantkritikerin Sara Southworth, die zusammen mit Alastair Skye (Jason Flemyng), Andys altem Mentor und selbst begnadeter Koch, an einem der Tische Platz nimmt.

Wann ist der sprichwörtliche Siedepunkt für Andy erreicht, der alles zum Explodieren bringt?

If you can’t stand the heat, get out of the kitchen

Kochsendungen gibt es im Fernsehen schon seit man Denken kann, überall wird geschnibbelt, gebrutzelt und gegart. Doch welcher Wahnsinn (und damit welches Unterhaltungspotenzial) eigentlich in den hochambitionierten Restaurantküchen dieser Welt herrscht, war dem Fernsehpublikum bisher nicht bekannt. Das brachte neben dem satirisch überspitzten Film The Menu vor allem eine Serie auf den Punkt: The Bear von 2022.

Blick in die Küche: Carly und Andy belegen Teller mit Essen, hinter ihnen steht Freeman, der zwei Messer schleift
Arbeit unter Hochdruck: Carly, Freeman und Andy richten das bestellte Essen an © Plaion Pictures

Die mehrfach ausgezeichnete Erfolgsserie von Christopher Storer mit Jeremy Allen White und Ayo Edebiri in den Hauptrollen zeigt, wie durchgetaktet, hierarchisch strukturiert und hochgradig toxisch die Arbeit in der Küche sein kann. Warum sich Menschen trotz allem für diesen Job aufopfern, macht die Faszination von The Bear aus.

Yes, Chef! schlägt nun auch in diese Kerbe, wobei der Film mit seiner Idee (wie erwähnt) etwas früher dran war. Was sich in The Bear seriell über mehrere Episoden verteilt, komprimiert dieser Film in nur einem einzigen Abend: Der hektische Stress in der Küche, Probleme mit dem Gesundheitsamt, unfreundliche Gäste, unzuverlässiges Personal und ein Chefkoch, der zusammen mit der Geschäftsführung versucht, alles zusammenzuhalten.

Das Geniale daran? Der Abend läuft ohne Schnitte in Echtzeit ab, sodass eine ruhelos agierende Kamera das Geschehen in allen Ecken und Ende des Restaurants einfangen muss.

Es gibt wirklich keinen Schnitt

Viermal konnte Yes, Chef! im Rahmen des winzigen Budgets von $820,000 gedreht werden, um die beste Version zu finden. Mal war das Schauspiel zu unterkühlt oder zu aufgedreht, mal gab es technische Mängel, wenn die Kamera im Gewirr der Figuren nicht optimal positioniert war. So sehen wir am Ende die dritte Fassung, die laut Drehbuchautor James Cummings schauspielerisch absolut gelungen ist. Nur könnte man an der einen oder anderen Stelle meinen, es wäre ein Schnitt hinter dem Rücken einer Figur versteckt worden.

Alastair Sky sitzt rechts neben Sara Southworth am Tisch, beide schauen neugierig in Richtung Küche
Der Sterne-Koch und ehemalige Mentor Alastair Skye und die Restaurant-Kritikerin Sara Southworth nehmen das Restaurant von Andy Jones unter die Lupe © Plaion Pictures

Am Ende ist aber gut genug erkennbar, dass alle Beteiligten tatsächlich 92 Minuten hochkonzentriert agieren mussten, um den Freitagabend im Restaurant Jones & Sons zum Leben zu erwecken. Da hilft es tatsächlich auch, dass überwiegend unbekannte Darsteller:innen in der ohnehin kleinen Produktion zu sehen sind. Star-Gesichter hätten den Fokus hier nur unnötig auf die Person hinter der Rolle verschoben.

Lediglich Hauptdarsteller Stephen Graham, bekannt aus Guy Ritchies Snatch, kommt mit größerem Wiedererkennungswert daher. Die Bafta-Nominierung ist nachvollziehbar, vor allem weil seine Figur als einzige einen vollständigen Charakterbogen erhält.

Aus immer wieder eingestreuten Details aus Andys Privat- und Arbeitsleben formen wir im Laufe des Abends das Bild eines Mannes am Abgrund, zermürbt von Familienproblemen und dem Anspruch, ein renommiertes Sterne-Restaurant zu führen.

Im Gegensatz zu The Bear, wo viel Zeit bleibt, die Figuren zu entwickeln, reißt Yes, Chef! emotional bei weitem nicht so mit (wie offensichtlich beabsichtigt). Das liegt nicht nur an dem einengenden Konzept (Ein einziger Abend in Echtzeit), sondern auch an den vielen kleinen Episoden im Restaurant.

Diese bilden zwar enorm glaubhaft die Abläufe, Zuständigkeiten und Herausforderungen vor und hinter der Theke ab. Gleichzeitig nehmen sie aber allzu oft den Fokus von Andy.

Unser Fazit zu Yes, Chef!

Philip Barantini legt mit Yes, Chef! einen absolut gelungenen und spannenden One-Shot-Film hin, der den Wahnsinn hinter und vor den Kulissen eines Restaurants spürbar macht. Der immersive Effekt durch die fehlenden Schnitte ist dabei beachtlich. Die Aufmerksamkeit wird bis zum Ende hochgehalten, auch wenn nicht alle Episoden innerhalb des Settings gleich spannend sind und ohne Pointe auslaufen.

Dass die Geschichte um den Chefkoch Andy Jones am Ende nicht ganz die gewünschte emotionale Wucht erreicht, ist leider die Kehrseite dieses mutigen Konzeptfilms. Für ein mitreißendes Charakterporträt fehlt der Figur etwas an Tiefe und die Zuschauer:innen bräuchten noch mehr Gelegenheit, Andy Jones kennenzulernen.

Yes, Chef! ist ab 18. April Digital, ab 25. April als Blu-ray und DVD erhältlich.

Unsere Wertung:

 

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Zuletzt aktualisiert am 8. April 2024 um 17:50 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© Plaion Pictures

Simon Eultgen

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