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Eden (

Antebellum

In Antebellum erfährt Janelle Monáe eine schmerzhafte Form der Vergangenheitsbewältigung. Gegenwart und Vergangenheit treffen eigenwillig aufeinander. Ob sich ein Blick lohnt, könnt ihr hier nachlesen.

Antebellum - Trailer (deutsch/german; FSK 12)

TitelAntebellum
Jahr2020
LandUSA
RegieGerard Bush, Christopher Renzer
DrehbuchGerard Bush, Christopher Renzer
GenreHorrorThriller
DarstellerJanelle Monáe, Tongayi Chirisa, Marque Richardson, Eric Lange, Jack Huston, Kiersey Clemons, Tongayi Chirisa, Gabourey Sidibe, Robert Aramayo, Jena Malone, Lily Cowles
Länge105 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihLeonine
Das Filmplakat zu Antebellum verdeckt Veronicas (Janelle Monáe) Mund mit einem Schmetterling.
Filmplakat zu Antebellum © Leonine

Rassismus von gestern bis heute

Rassismus, Misshandlungen und harte Arbeit. Eden (Janelle Monáe) ist eine Sklavenfrau, die zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges auf einer Baumwollfarm lebt. Auf schmerzhafte Art und Weise erfährt sie dabei die Grauen dieses dunklen Kapitels der USA am eigenen Leib. Ein Fluchtversuch von Mitsklaven endete tödlich und so ergibt sie sich vorerst ihrem Schicksal. Parallel dazu wird die Geschichte von Veronica (Janelle Monáe) erzählt, die in der Gegenwart für die Rechte schwarzer Frauen in den USA kämpft. Als erfolgreiche Buchautorin ist sie ein gewichtiges Sprachrohr für die schwarze Bevölkerung geworden. Doch scheinbar gibt es eine Verbindung zwischen Eden und Veronica, denn die Vergangenheit ist nie vorbei.

Antebellum – Gut gemeint, schlecht erzählt

Mit einer langen Plansequenz leitet Antebellum in die mörderische und menschenverachtende Zeit der Sklaverei ein. Dabei sticht sofort die starke Kameraarbeit ins Auge, welche den kompletten Film begleitet. Nach einigen Hinguckern, flacht das Geschehen aber zusehends ab. Denn zu konventionell hakt man regelrecht die Punkte zur Darstellung dieser Epoche ab. Dabei schafft man es nicht, eigene Akzente zu setzen. Man lässt sich lange Zeit bis man damit beginnt, seine eigene Geschichte zu erzählen. Noch gerade rechtzeitig zieht man den Joker für den Kniff mit der Gegenwartszeitlinie, ehe das Interesse am Filmgeschehen vollends erlischt. Denn bei aller Tragik der Epoche, erzählerisch bewegt man sich da zu lange auf ausgetretenen Pfaden. Sobald man aber in der Jetztzeit ankommt, kommt frischer Wind in die Handlung, dessen Hintergründe es nun zu entschlüsseln gilt.

Genau aus der Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart versucht Antebellum seine Faszination zu ziehen. Dabei versucht man die Raffinesse und den Wendungsreichtum eines Get Out zu erreichen. Nur kommt man leider nicht über die gutgemeinte Idee hinaus. Denn leider schafft man es nicht, die einzelnen Abschnitte und Ideen zu einem homogenen Ganzen zu verweben. Hier der Sklavenpart aus der Vergangenheit, dort die erfolgreiche Buchautorin in der Gegenwart. Zu lange wärt man in den jeweiligen Epochen und konzentriert sich dabei gerade in der Jetztzeit auf Nichtigkeiten, die wenig zur eigentlichen Handlung beitragen. Wenn Veronica einen Vortrag hält, passt das noch, doch die viel zu ausufernde Feierei mit ihren Freundinnen im Anschluss lenkt zu sehr vom eigentlichen Geschehen ab. Irgendwann ploppt man in die große Wendung des Films und registriert sie kaum mehr, als mit einem Schulter zucken. Da wäre erzählerisch eindeutig mehr drin gewesen.

Eden (Janelle Monáe) kämpft entschlussen gegen ihre Peiniger und gegen die Sklaverei in den USA
Eden (Janelle Monáe) im Kampf gegen die Sklaventreiber. © Leonine

Toll gespielt, hübsch gefilmt und wenig spannend

Erzählerisch schwach, aber inhaltlich wichtig, drückt Antebellum ähnlich wie Get Out in die offen klaffende Rassismus-Wunde der USA. Gerade im Gegenwartssetting versucht man immer wieder das Thema Alltagsrassismus zu positionieren. Das zeigt sich in benachteiligender Behandlung an der Hotelrezeption oder in der Tischzuweisung im Restaurant. Damit ist das Thema zwar präsent, aber nicht wirklich ausgeklügelt. Generell hakt es da an der erzählerischen Ebene. Überzeugender ist der Film dagegen in seinen Bildern, die immer wieder toll inszenierte Einblicke in die leider maue Handlung bringen. Ähnlich stark ist das Schauspiel von Janelle Monáe, die in einer Art Doppelrolle fungiert und damit einmal mehr ihr Wandlungsreichtum unterstreicht. Pendelnd zwischen starker Powerfrau und gedemütigter Sklavin bekommt man zwei Extreme ihres Spiels serviert. Spannend wird es auch nur sehr wenig. Dafür bewegt man sich trotz kreativem Ansatz in zu ausgetretenen Genre-Pfaden. Denn nach der ersten Enthüllung wird das weitere Geschehen sehr schnell sehr vorhersehbar.

Unser Fazit zu Antebellum

Da haben das Drehbuch- und Regie-Duo Gerard Bush und Christopher Renzer aber eindeutig Richtung Get Out geschielt. Ähnlich wie in Jordan Peeles Ausnahmefilm wollten die beiden den immerwährenden Rassismus mit Thriller- und leichten Horror-Mechaniken verbinden. Nur kommt man über einen interessanten Story-Ansatz nicht hinaus. Man schafft es nicht, die einzelnen Ideen zu einen funktionierenden Ganzen zu verbinden. So verkommt Antebellum zu einem schwach erzählten und hübsch gefilmten Horror-Thriller, der seinen wichtigen Inhalt leider nicht ansprechend transportiert bekommt.

Antebellum ist seit dem 18.12.2020 digital, sowie auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Unsere Wertung:

 

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© Leonine

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