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Avengers: Endgame

Nach 11 Jahren und 21 Filmen folgt nun mit Avengers: Endgame der vierte Avengers-Film und der krönende Höhepunkt des MCU. Lest in unserer spoilerfreien Kritik, ob das dreistündige Superheldenepos den enorm hohen Erwartungen gerecht werden konnte.

Das offizielle Plakat zu Avengers: Endgame © The Walt Disney Company Germany
Das offizielle Plakat zu Avengers: Endgame © The Walt Disney Company Germany

Die Handlung von Avengers: Endgame

Die Handlung ist der erste Hinweis darauf, dass sich Endgame ausschließlich an Kenner des MCU richtet. Viel Erklärungen gibt es nicht. Der Plot knüpft direkt an das Ende vom ein Jahr zuvor erschienen Avengers-Film Infinity War an und übernimmt dessen düstere Grundstimmung des Schlusses. In jenem Film gelingt es dem Superschurken Thanos am Ende mit einem einfachen Fingerschnipsen die Hälfte aller Lebewesen im Universum auszulöschen, um das ins Wanken geratene allumfassende Gleichgewicht wiederherzustellen. Dabei hat sich auch ein Großteil der Avengers wortwörtlich in Luft aufgelöst. Auf einer von diesem verheerenden Vorfall zer- und verstörten Erde hecken die übrig gebliebenen Superhelden jedoch einen Plan aus, mit dem sie Thanos ein für allemal besiegen und die verstorbene Hälfte des Universums zurück ins Leben holen können…

Eine erstaunlich ruhige erste Hälfte

Direkt ist man im Geschehen des Vorgängers involviert, weshalb ein paar Kinos verständlicherweise ein Doppel-Feature bestehend aus Infinity War und Endgame anbieten. Dabei stellt die erste Hälfte vom neuen Avengers-Film einen starken Kontrast zu den Erwartungen der Zuschauer dar, denn diese ist keineswegs bombastisch, sondern übernimmt die leisen, dramatischen Schlusstöne von Infinity War und zeigt die übrig gebliebenen Helden in einer gebrochenen Version ihrer selbst. Es gibt viel Dialog, jede Menge Tränen und Drama pur, welches aber dennoch nicht ohne die für Marvel typischen Witzchen auskommt, wenn auch in zurückgenommener Form.

Der Schreck vergangener Ereignisse sitzt noch tief in den Knochen der Avengers © The Walt Disney Company Germany
Der Schreck vergangener Ereignisse sitzt noch tief in den Knochen der Avengers © The Walt Disney Company Germany

Hier merkt man bereits, dass die Russo-Brüder sich mit der Lauflänge vielleicht etwas übernommen haben, denn das gezeigte Drama wiederholt sich oft, bringt die Story kaum voran und driftet immer wieder in kitschige Phrasen ab, die das Drama eher gestelzt als authentisch wirken lassen. Es ist deutlich zu spüren, dass die Regisseure für das krönende Highlight so viel Dramatik wie möglich unterbringen wollten, doch die angepeilten Emotionen dringen nur selten wirklich zum Zuschauer vor. Weniger wäre hier mehr gewesen, eine gewisse Langatmigkeit kann man zumindest der ersten Hälfte dadurch nicht absprechen.

Eine erwartbar bombastischer zweiter Akt

Doch irgendwann nimmt Endgame Fahrt auf und die Dramatik wird immer wieder durch Actionsequenzen durchbrochen. Besonders das Finale ist so bombastisch, dass es den finalen Kampf von Infinity War zwar nicht in seiner Dauer, sehr wohl aber in seiner Gigantik toppt. Gerade die Fans werden spätestens dann den ein oder anderen Gänsehautmoment erleben. Die Action ist für Marvel typisch nahezu komplett vor dem Greenscreen entstanden, verliert aber dennoch nichts von ihrer Wucht und ist nicht so kopfschmerzverursachend schnell geschnitten wie entsprechende Szenen anderer Marvelwerke. Gerade die in Japan spielende Actionsequenz, die den Charakter Ronin (alias Hawkeye) einführt, ist ein visuell hübsch anzusehender Onetake.

Ronins Samuraikampf in Japan © The Walt Disney Company
Ronins Schwertkampf in Japan © The Walt Disney Company

Dennoch fällt es schwer, zwischen all dem Bombast, den diversen Figuren und den parallel ablaufenden Handlungssträngen den Überblick zu behalten, denn Endgame ist, und das kommt eher weniger überraschend, in nahezu allen Belangen enorm überladen. Die Russos versuchen angestrengt, so viele Figuren und Handlungselemente wie möglich einzubauen. Das ist angesichts der inzwischen entstandenen narrativen und figurativen Komplexität des MCU schlichtweg zu viel, selbst für einen Dreistünder, und sorgt besonders wenn es zum Thema Zeitreisen kommt, immer wieder für Verwirrung. Auch das Auftreten von zig bereits etablierten Marvelcharakteren verkommt im Finale zu einer Art Schaulaufen der Superhelden, bei der jeder mindestens einmal zeigen darf, was er so draufhat, bevor er wieder im Gewusel untertaucht. Dennoch ist verständlich, dass die Regisseure alles bisher Dagewesene überbieten wollten, denn die Erwartungen an den Film sind im Vorfeld so hoch gewesen, dass es so schien, als könne man sie unmöglich erfüllen.

Der größte Fanservice der Filmgeschichte

Den enormen Unterhaltungswert kann man schlecht leugnen, dennoch seien auf weitere erzählerische Schwächen hingewiesen. So werden manche Figuren etwas zu sehr ins Lächerliche gezogen (Thor), bei anderen wiederum fragt man sich, was sie überhaupt hier zu suchen haben (Captain Marvel). Mit der bereits im Vorfeld vielerseits erwarteten Zeitreise-Thematik macht es sich Marvel außerdem besonders leicht, wenn es darum geht, die Laufzeit mit Handlung zu füllen. Viele vorherige Marvelfilme werden erneut aufgegriffen, aus anderen Blickwinkeln betrachtet und parodiert. Das wirkt nicht selten wie ein „Best of 11 Jahre MCU“, unabhängig von den für Zeitreisen üblichen Logiklöchern. Das ist oft lustig, aber irgendwie auch einfallslos und bestätigt die Vermutung, dass es sich bei Endgame um den wohl größten Fanservice der Filmgeschichte handelt, der auf die restlichen 21 Filme zurückblickt und sich vor ihnen verneigt. Originell ist das nicht, aber den Fans wird’s mit Sicherheit gefallen.

Bekommen Cap und Co. unerwartete Verstärkung? © The Walt Disney Company
Bekommen Cap und Co. unerwartete Verstärkung? © The Walt Disney Company

Womit wir auch beim größten und wichtigsten Punkt abgekommen wären: Endgame ist ein Film für Fans, und das mit jeder Faser. Er versucht nicht etwa, die Kritiker umzustimmen. Wer auch zuvor mit dem MCU nichts anzufangen wusste, wird seine Meinung mit diesem Film sicherlich nicht ändern. Die bekannten Schwächen der Marvelfilme werden hier ausgereizt wie nie zuvor, dasselbe gilt jedoch auch für die Stärken. Die Fans, die die Kinosäle so oder so stürmen werden, werden sich bei diesem überlangen, fehlerbehafteten aber unterm Strich nichtsdestotrotz eindrucksvollem Bombast-Kino pudelwohl fühlen, und nichts anderes beabsichtigt Endgame. Im Grunde also ein fairer Deal.

Trotz Fehler beeindruckend

Schließlich bleibt zu sagen, dass die ganzen negativen Bemerkungen nicht das positive Gesamtbild schmälern sollen. Endgame ist immer noch ein an Größenwahn grenzendes Spektakel, das es in der Form nicht alle Tage zu sehen gibt und das nur im Kino auch seine gesamte Wirkung entfalten kann. Außerdem fällt es fast leichter, wenn man alle Hollywoodstars aufzählt, welche hier KEINEN auch noch so kleinen Auftritt spendiert bekommen. Endgame ist der Inbegriff des modernen Blockbusterkinos, mit all seinen Schwächen und Stärken. Das wird nicht jeden begeistern, übt aber in seinem gigantischen Ausmaße durchaus eine gewisse Faszination aus, der sich auch Nicht-Fans nur schwer entziehen können.

Das Ende?

Auch wenn der Film die im Vorfeld von Fans aufgestellten Theorien kaum unterläuft und dementsprechend vorhersehbar ist, ist er in anderen Bereichen erstaunlich konsequent geraten. So fühlt sich Endgame, wie der Titel erahnen lässt, wie ein Abschied von den MCU-Anhängern, seinen Stars und seinen Figuren an, und das obwohl die dritte Phase des MCU erst mit Spider-Man: Far From Home endet, welcher am 04. Juli 2019 in den deutschen Kinos startet. Auch von den Zuschauern wird Endgame beinahe überall wie das Ende einer Blockbuster-Ära behandelt, von welcher jene melancholisch zurückblickend Abschied nehmen.

Ein emotionaler Abschied © The Walt Disney Company
Ein emotionaler Abschied © The Walt Disney Company

Jedoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass Disney die Marvel-Maschinerie zukünftig stoppen wird, erweist sich diese doch als äußerst lukrative Geldquelle, welcher in Form der unzähligen Marvelcomics immer wieder neue potenzielle Handlungselemente zur Verfügung stehen. Auch in Form von Prequels und Spin-offs bieten sich diverse weitere Filmideen an, dessen Investitionen seitens Disney dank der inzwischen gigantischen Fanbase durchaus rentabel sind. Eine Endgültigkeit scheint es bei der erfolgreichsten Filmreihe aller Zeiten schlicht nicht zu geben, auch wenn sich Endgame in weiten Teilen so anfühlt.

Unser Fazit zu Avengers: Endgame

Avengers: Endgame ist ein brachiales, überladenes Fest für alle Fans von 11 Jahren MCU, mit all seinen Schwächen und Stärken. Die erste Hälfte von den generell deutlich zu langen 180 Minuten, welche auf gestelzte Dramatik setzt, ist etwas langatmig geraten und vieles aus Infinity War wird recycelt, nur eben in noch größer. Generell ist Endgame besonders erzählerisch nicht fehlerfrei, wer es jedoch schafft, den Kopf auszuschalten und schlicht das Spektakel genießt, der wird einen wahnsinnig unterhaltsamen Kinobesuch haben, der jeden MCU-Anhänger spätestens im Finale um einen Gänsehautmoment nach dem nächsten bereichert.

Action, Emotionen und Superhelden, und das alles hoch 10. Der Inbegriff des modernen Blockbusterkinos und der wohl größte Fanservice aller Zeiten. Das muss einem nicht gefallen, aber ähnlich dem Kino als Jahrmarktsattraktion in der Anfangsphase des Mediums Film strahlt diese Unterhaltungsmaschinerie in ihrem inzwischen gigantischen Ausmaße durchaus eine gewisse Faszination aus – unabhängig davon, was man von dieser Filmreihe halten mag. Ob einen mit Endgame ein guter Film erwartet, hängt ganz von einem selbst ab. Letztendlich gilt: Das ist kein Kino zum Nachdenken, sondern zum Erleben.

Avengers: Endgame ist seit dem 24. April 2019 in den deutschsprachigen Kinos zu sehen.

Unsere Wertung:

 

 

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© The Walt Disney Company Germany

Sebastian Pixberg

99er Baujahr. Ist seit August 2018 eine Scheibe des Toastbrotes. Kann sich sowohl für Filme jeglicher Art, vorzugsweise Thriller, als auch Sport begeistern und verschlingt in seiner Freizeit liebend gerne andere Medien von Videospielen bis hin zu Büchern und selbstverständlich Musik. Ist deshalb auch aktuell im allseits bekannten Studiengang "Irgendwas mit Medien" tätig. Follow your Plan.

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