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Das Rad der Zeit – Staffel 2

Das Rad der Zeit dreht sich weiter. Kriegt die Serie in der zweiten Staffel die Kurve und wird endlich zu einer guten Adaption der bekannten Romanvorlage?

Das Rad der Zeit Staffel 2 - offizieller Trailer | Prime Video

TitelDas Rad der Zeit – Staffel 2
Jahr2023
LandUSA
RegieSanaa Hamri, Thomas Napper, Maja Vrvillo
DrehbuchRafe Judkins
GenreSerie
DarstellerRosamund Pike, Josha Stradowski, Madeleine Madden, Daniel Henney, Zoe Robins, Barney Harris, Marcus Rutherford
Länge8 Episoden a ca. 50 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreaminganbieterAmazon Prime Video
Werbeplakat Rad der Zeit Staffel 2
Plakat zur zweiten Staffel Das Rad der Zeit © Amazon Video

Die Handlung von Das Rad der Zeit – Staffel 2

Zuschauer:innen haben am Ende der ersten Staffel die fantastische Welt der Zwei Flüsse verlassen, als der einfache Bauernjunge Rand al’Thor (Josha Stradowski) erkannt hat, dass er der Wiedergeborene Drache ist – eine gefährliche Figur aus der Geschichte, die dazu bestimmt ist, die Welt zu retten … oder sie zu zerstören. Eine Armee mächtiger Zauberinnen versucht verzweifelt, ihn vor dem Dunklen König zu schützen, und muss sich mit seiner wachsenden Macht und seinem zunehmenden Wahnsinn auseinandersetzen.

Das Rad der Zeit dreht sich, und die letzte Schlacht steht bevor. Obwohl Rand dachte, er hätte den Dunklen König vernichtet, ist das Böse noch nicht aus der Welt verschwunden. In der zweiten Staffel suchen neue und sehr alte Bedrohungen die jungen Freunde aus den Zwei Flüssen auf, die nun über die ganze Welt verstreut sind. Die Frau, die sie gefunden und geführt hat, kann ihnen nicht mehr helfen, und so müssen sie andere Quellen der Stärke finden. Ineinander oder in sich selbst. Im Licht … oder in der Dunkelheit.

Staffelkritik ohne Spoiler

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den ersten drei neuen Folgen der zweiten Staffel. Dementsprechend ist die Kritik darauf bezogen, ob sich im Vergleich mit der ersten Staffel signifikante Dinge verändert haben. Auch Spoiler, die die Entwicklungen vorweg nehmen würden, wird selbstredend verzichtet.

Alte Stärken  – aber auch alte Schwächen

Die zweite Staffel von Das Rad der Zeit konzentriert sich auf die alten Stärken, die schon aus Staffel eins bekannt sind. Und das sind nicht sehr viele. Abseits von einem, zumindest in Teilen, durchaus sympathischen Cast ist die einzige Stärke der Serie immer genau dann, wenn sie beinahe tödlich langweilig wird, einen Funken Spannung entstehen zu lassen oder eben eine sehr gelungene Szene ins Bild zu setzen, die beim Publikum die Hoffnung entstehen lassen, dass Das Rad der Zeit doch noch auf die richtige Spur kommt und den Namen verdient. Diese Hoffnung ist aber stets aufs Neue trügerisch.

Denn die Serienadaption krankt auch in der zweiten Staffel an allem, woran es bei ihr vorher schon gehakt hat. Zum einen verdient sie ihren Namen eigentlich überhaupt nicht. Denn abgesehen von den Namen der Hauptfiguren und ein paar eingestreuten Plotpoints hat diese Serie so gut wie nichts mit der Fantasyroman-Vorlage von Robert Jordan zu tun. Es beschleicht einen sogar langsam das Gefühl, dass dies mit Kalkül geschieht und hier wieder einmal ein großer Name gekauft wurde um ein möglichst breites Publikum anzulocken um diesem dann eine vollkommen andere Geschichte zu erzählen.

Die Erzählung holpert weiter vor sich hin

Auch die mangelnde Erzählstruktur, die bei all jenen ohne Vorkenntnisse der literarischen Grundlage immer wieder neue Fragezeichen im Gesicht entstehen lassen mag, während sie jene mit Kenntnis über die Bücher einfach nur den Kopf schütteln lässt, hat sich nicht gebessert. Ein Beispiel wäre hier der zentrale McGuffin des zweiten Buches: Das Horn von Valere. Warum ist die Jagd nach dem Horn von Valere so eine große Sache? Fragt man sich. Warum ist es derart wichtig? In der Serie wird dies nur angedeutet, während man gleichzeitig eher das Gefühl hat, dass es gar nicht so wichtig sein kann, wenn eigentlich nur einer der Protagonisten und ein paar Nebencharaktere zwischenzeitlich danach suchen. Wer die Romanvorlage gelesen hat, kennt die Antwort, doch weiß zugleich darum, wie sehr die Handlung hier wieder einmal verstümmelt wurde.

Rad der Zeit Still 3
Avienda und Perrin © Amazon Video

Wenn das Rad der Zeit wenigstens gut aussehen würde

Das Horn dient auch für eine weitere Schwäche der Serie als Beispiel und das ist die Ausstattung samt Inszenierung. Denn gerade, wenn die Figuren der Serie einmal draußen unterwegs sind, fällt einem beim Zuschauen merklich auf, wie klein hier die Sets sind und wie billig und lieblos manches gemacht wirkt. An einer bestimmten Stelle, in der die Überreste eines Scharmützels gezeigt werden spürt man förmlich, dass da im Gras wirklich nicht mehr als die zwei Leichen und die drei vier Requisiten, die zu sehen sind, liegen.

Natürlich kann nicht jede Serie das Budget von Die Ringe der Macht haben, oder so gut und hochwertig aussehen wie Game of Thrones, aber wenn die filmische Adaption einer der größten Fantasy-Sagas des 20. Jahrhunderts und einem der umfangreichsten Werke der Literaturgeschichte generell, gerade in Außenszenen, so wirkt, als hätte man ein paar Darsteller in Kostümen von der Stange irgendwo auf eine Wiese gestellt und einfach nur die Kamera draufgehalten, dann ist das schon sehr traurig.

Rand al’Thor: der wiedergeborene Nebencharakter

Das größte Verbrechen begeht Das Rad der Zeit aber an seinem Protagonisten. Denn Rand al’Thor wird in der zweiten Staffel endgültig zu einem absoluten Nebencharakter degradiert. Ebenso ergeht es seinem Gegenspieler Ishamael, dem obersten der „Verlorenen“, der es in der gesamten ersten Staffel und den ersten drei Folgen der zweiten Staffel vielleicht gerade mal auf fünf Minuten Screentime schafft und dessen Motivation dem Publikum nicht aufgrund seines rätselhaften Charakters, sondern schlicht aufgrund des Fehlens einer nennenswerten Handlung seinerseits schleierhaft bleiben.

Nein, die Macher*Innen konzentrieren sich spätestens ab Staffel zwei voll und ganz auf Moiraine und Nynaeve, die – das wird keine der Ai Sedai müde zu erwähnen – hier zur mächtigsten Zauberin seit tausend Jahren erklärt wird. Der wiedergeborene Drache selbst, der eigentlich der Einzige sein sollte, der es mit dem Dunklen König aufnehmen kann, scheint hier ganz offenbar nicht mehr relevant für den großen Konflikt zu sein.

Von diesem Konflikt, der großen Bedrohung durch den Dunklen König, ist aber immer noch nichts zu spüren. Zwar wird hier und da an einem Lagerfeuer in einem Gespräch, meist von Moiraine, davon gesprochen, dass hier das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht, die Figuren in dieser Welt beschäftigen sich aber derweil lieber mit ihren Beziehungsproblemen, Selbstzweifeln oder im Falle von Nynaeve ganz einfach damit sich grundsätzlich über alles und jeden zu beschweren. Rand al’Thor darf währenddessen von der Seitenlinie zusehen und nicht einmal mehr mit seinen Freundinnen und Freunden gemeinsam nach dem Horn von Valere jagen.

Rad der Zeit Still 2
Was darf Rand al’Thor in der Serie noch tun © Amazon Video

Unser Fazit zu Das Rad der Zeit Staffel 2

Es bleibt die Frage für wen Das Rad der Zeit produziert wurde. Weder Fans der Romanvorlage oder Freund:Innen epischer Fantasy können die Zielgruppe gewesen sein. Natürlich ist eine Inszenierung immer eine Budgetfrage und nicht alles kann das nächste Game of Thrones sein. Aber nachdem Amazon bereits mit Die Ringe der Macht ein Milliardenbudget verbrannt hat, scheint man hier einfach den nächsten Batzen Geld verheizen zu wollen, da ganz offensichtlich die Vorlage von niemandem aus der Produktionscrew ernsthaft gelesen wurde – oder sich aber einfach absichtlich dafür entschieden wurde, alle spannenden Punkte der Geschichte entweder zu kürzen, zu verändern oder gänzlich zu streichen und durch wesentlich uninteressantere Plots zu ersetzen und gerade so viel der Originalhandlung in der Serie zu belassen um sie als eine Adaption gelten zu lassen. Beides wäre tragisch, aber der zweite Fall wäre dennoch weitaus schlimmer.

Alles in allem kann die zweite Staffel Das Rad der Zeit nur jenen empfohlen werden, denen bereits die erste Staffel gefallen hat. Alle anderen sollten einen weiten Bogen um diese Serie machen.

Das Rad der Zeit – Staffel 2 startet am 1. September bei Amazon Prime

Unsere Wertung:

 

Zuletzt aktualisiert am 30. August 2023 um 14:06 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© Amazon Prime Video

Florian Borneck

9 Kommentare

  • Dieser Artikel zeigt wie schlecht Journalisten heutzutage oft sind. Schon am Anfang wird klar das man sich nicht richtig mit dem Thema auseinander gesetzt hat. (Eine Armee mächtiger Zauberinnen versucht verzweifelt, ihn vor dem Dunklen König zu schützen). Wer sich wirklich mit dem Thema beschäftigt hätte wüsste wie falsch dieser Satz ist. Wie noch vieles Andere in diesem Artikel. Aber dann wird es wirklich eklig. Die Menschen hinter der Serie persönlich anzugreifen ist einfach widerlich. Ich habe die Bücher mehrmals gelesen. Interviews mit den Beteiligten zeigen dass das größtenteils auch auf diese zutrifft. Auch wenn ich nicht alles gut finde was mit dem Ausgangsmaterial gemacht wurde, ist deren Arbeit durchaus respektabel. Am Ende frage ich mich ob heutzutage jeder Artikel so übertrieben geschrieben und schlecht recherchiert sein muss und ob die verfassende Person menschlich noch auf Kurs ist.

    • Fairerweise könntest du mal darüber nachdenken, dass du Florian hier persönlich angreifst, während du Florian gleichzeitig vorwirfst, er würde die Macher hinter der Serie persönlich angreifen. Deine Meinung zur Serie ist dir natürlich genauso wie Florians Meinung absolut zugestanden.

    • Hey Markus, Du kannst gerne eine andere Meinung haben gegenüber dem Autor oder auch anderen Leuten hier. Aber es ist eine Meinung und nicht mehr und es wäre schön, hier vorsichtig zu sein mit solchen Angriffen auf den Autor.

    • Ich habe die Bücher ebenfalls gelesen und bin der selben Auffassung wie der Autor des Artikels, bezüglich der Serie. Ich musste mich durch die erste Staffel schon durchquälen. Und bei der zweiten geht es mir ähnlich. Alles erscheint irgendwie dröge, lieblos und billig. Trügen die Charaktere nicht die mir bekannten Namen, wüsste ich nicht, was ich da schaue (überspitzt gesagt).

  • Gut geschrieben, hätte es genau so formuliert. Das ganze ist eine Tragödie und ich verstehe nicht, wieso man eine solch gute Vorlage dermassen in den Sand setzen kann. Das dies leider nur zu oft passiert, hat schon Apple TV mit Asimovs Foundation bewiesen… auch da hat das ganze nichts, aber auch gar nichts, mit der genialen Romanvorlage zu tun. Einfach nur schade und sehr traurig!

    Und leider müssen wir wohl auch davon ausgehen, dass Netflix Trisolaris ebenfalls verhauen wird. Sobald etwas komplex ist, mehrere Ebenen und Charaktere hat, und sich halt auch über lange Zeiträume entwickelt, sind die TV- und Kino-Macher sinnlos überfordert und/oder das Publikum ist einfach auch komplett anspruchslos…. Die letzte wirklich gute Romanverfilmung war für mich seit Herr der Ringe ev. noch GoT, danach kam nichts mehr ausser Müll!

    Gibt es zur Zeit irgendwas da draussen, was funktioniert und Spass macht? Vielen Dank für coole Inputs!

  • Es scheint der Autor des Artikels hat entweder eine andere Serie gesehen oder er hat Probleme etwas richtig zu erfassen. Der neue Transformer Film soll besser sein als seine Vorgänger, vielleicht liegt dem Autor so ein Film besser als die Adaption eines High-Fantasy Werkes.

  • Würde mich interessieren, was der Autor nun von der Serie hält, nach dem die letzte Folge ausgestrahlt wurde. Ich finde es immer fraglich und unvollständig eine ganze Staffel nach den ersten drei Folgen zu bewerten. Ich verstehe, warum diese Kritik so negativ ausfällt. Dennoch finde ich, dass es eine gute Basis braucht und ab der 6. Folge spürt man die Dynamik, die sich in der letzten Folge der zweiten Staffel aufbaut. Insofern kann ich mit der obigen Kritik nicht konform gehen. Es ist eben immer schwer, solch ein großes Bücherwerk zu verfilmen. Das hat meiner Meinung nach nur Peter Jackson mit dem Herr der Ringe geschafft … auch die Hobbitfilme waren nicht so gelungen, wie es aus den Büchern hätte abgeleitet werden können und doch fand ich die Filme toll.
    Wir sollten einfach unterscheiden lernen zwischen den Geschichten in den Büchern, die sehr weit ausholen dürfen und der Aufnahmefähigkeit des Zuschauers, der sich nicht ewig lange einen Film oder eine Serie anschauen möchte. Wenn das so wäre, hätte die Serie mindestens pro Staffel 20 Folgen verdient.
    Wenn mensch das wünscht, sollte mal in die chinesische Serienwelt gegangen werden, da gibt manchmal bis zu 60 Folgen, um ein Buch zu verfilmen. Aber ob das hier so gewollt wird und wirklich geschaut wird, bezweifle ich.
    Mir hat die erste Staffel sehr gut gefallen und die zweite Staffel brauchte den etwas langweiligeren Anfang, weil es am letzten Drittel „alle Fäden zusammen spinnte“ in einem fulminanten Finale und am Ende bekommen wir noch einen kleinen Einblick darauf, wie es in der dritten Staffel weitergeht. Ich bin gespannt 🙂

  • Besser als der Autor kann man das billige Machwerk nicht charakterisieren.
    Wir lasen die komplette Buchserie und genossen jede Seite.
    Um so mehr sind wir enttäuscht, dass auch die 2. Staffel das flache uninspirierte Spiel der 1. Staffel fortsetzt.
    Der eigentliche Inhalt der Buchserie wird aus den Augen verloren. Es scheint mehr eine esoterische Diskussionsoper einiger unzufriedener Frauen zu werden.
    Wir beendeten den „Sehgenuss“ nach dem 2. Teil der 2. Staffel.