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John Wayne stellt sich den Geishas vor.

Der Barbar und die Geisha

In John Hustons Der Barbar und die Geisha sieht man John Wayne in einer ungewohnten Rolle. Das damalige Publikum hat es nicht gut aufgenommen. Ob der Film heute einen anderen Eindruck hinterlässt, lest ihr hier.

TitelDer Barbar und die Geisha (OT: The Barbarian and the Geisha)
Jahr1958
LandUSA
RegieJohn Huston
DrehbuchCharles Grayson, Ellis St. Joseph
GenreHistorienfilm, Romanze
DarstellerJohn Wayne, Sam Jaffe, Eiko Ando, So Yamamura
Länge106 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihExplosive Media/Koch Films
Blu-ray Cover von Der Barbar und die Geisha
Blu-ray Der Barbar und die Geisha © Explosive Media/Koch Films

Worum geht’s in Der Barbar und die Geisha?

Der New Yorker Kaufmann Townsend Harris (John Wayne) wird 1856 von Präsident Franklin Pierce als erster US-Konsul nach Japan geschickt, um Handelsbeziehungen zu dem isoliert lebenden Inselstaat aufzunehmen. Das Hauptaugenmerk dabei liegt auf der Nutzung der Wasserstraßen, die eine Anlauferlaubnis japanischer Häfen zur Aufnahme frischer Lebensmittel und Wasser voraussetzen würde. Die Mission erweist sich von Beginn an als schwierig, Gouverneur Baron Tamura (So Yamamura) heißt ihn und seinen Dolmetscher Hendrick Heusken (Sam Jaffe) nur widerwillig willkommen. Denn die Legitimität des Vertrages mit den Vereinigten Staaten wird von vielen Japanern angezweifelt, da man sich quasi mit vorgehaltener Waffe zum Unterzeichnen genötigt fühlte.

Doch auch als Gast des Gouverneurs wird Harris und seinem Gefolge die Reise zum Shogun verwehrt. Um den ungestümen Diplomaten im Auge zu behalten, setzt Tamura die Geisha Okishi (Eiko Ando) auf ihn an. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen beide eine zarte Zuneigung. Doch als ein weiteres amerikanisches Schiff die Cholera ins Land bringt, infiziert sich auch Okishi. Und die Bevölkerung ist bestärkt in ihrem Glauben, dass die ausländischen Barbaren wahre Teufel sind, die Tod und Verderben über ihr Land bringen…

John Wayne und Sam Jaffe im Landungspunkt
Die Ankunft des Diplomaten Townsend Harris – Der Barbar und die Geisha © Explosive Media/Koch Films

Verschenktes Potenzial

Insgesamt fällt es der Geschichte schwer, auf den Punkt zu kommen. Die Liebschaft zwischen Harris und der Geisha entwickelt sich eher unmerklich. Die Dramaturgie, die sich daraus ergibt, erscheint deswegen nicht wirklich zwingend. Folglich mangelt es sowohl den Figuren wie auch der Handlung an Spannung, und alles plätschert einfach nur so dahin. Erst in den letzten 30 Minuten, wenn die ohnehin stagnierende diplomatische Mission langsam gen Katastrophe zu kippen droht, kommt mit der grassierenden Cholera ein wenig Bewegung in die Angelegenheit. Zu diesem Zeitpunkt ist das dramatische Potenzial dahinter aber eigentlich schon lange verschenkt.

Ein Schwerpunkt von Der Barbar und die Geisha liegt gewiss im Zusammenprall der Kulturen. John Wayne (Der schwarze Falke, Hatari) ist hier zwar in einer ungewohnt zurückhaltenden Rolle zu sehen, aber im Gegensatz zu den reservierten Japanern erscheint er hier als typischer amerikanischer Heißsporn. Sein diplomatisches Geschick beschränkt sich meist aufs Fordern oder Drohen. Hier macht sich später dann der Einfluss Oshikis am ehesten bemerkbar, agiert er doch ruhiger und besonnener, als die Krankheit unter den Japanern ausbricht.

Wayne in adretter Ausgehuniform
Diplomat Harris ist ratlos – Der Barbar und die Geisha © Explosive Media/Koch Films

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Als Ausstattungskino kann dieser Historienfilm dafür weitaus mehr punkten denn als tragische Romanze oder Culture Clash. Die Sets sind aufwändig gestaltet und detailliert, auch die Kostüme weitestgehend authentisch. Genauso gelungen sind die Szenen, in welchen die japanische Kultur abgebildet wird. Das ist nicht vollkommen frei von Klischees, aber immer um eine beobachtende Distanz bemüht. Den Respekt, der dieser entgegen gebracht wird, kann man nicht nur der Art und Weise entnehmen, in der Huston dies festhält. Alleine der Umstand, dass Harris die Rolle eines Eindringlings zukommt, der von allen wegen seiner offensiven Art als Barbar beschimpft wird, konterkariert das gängige Klischee, solch isolierten Völker gerne mal als rückständig hinzustellen. Erst als Townsend Harris sein Ego und den westlichen Drang ablegt, seinem Gegenüber sofort auf Augenhöhe begegnen zu müssen, kann er die Gastgeber von seinem Wissen profitieren lassen und so auch selbst Fortschritte erzielen.

John Wayne und Eika Ando sind abreisebereit.
Harris und Okichi auf dem Weg zum Shogun © Explosive Media/Koch Films

Regie-Legende John Huston (Der Schatz der Sierra Madre) wollte mit Der Barbar und die Geisha eigentlich dem japanischen Kino Tribut zollen. Doch mit seinen langen Einstellungen, dem elegischen Erzähltempo und den spärlichen Dialogen stieß er nicht nur beim Studio auf wenig Gegenliebe. Auch der Duke John Wayne wähnte sich schon während des Drehs als Fehlbesetzung und geriet des Öfteren mit Huston aneinander. Er veranlasste darauf, dass der fertige Film vor dem Kinostart massiv umgeschnitten wurde, woraufhin Huston forderte, seinen Namen aus den Credits zu nehmen. In der vorliegenden Form legt man ein eher betuliches Tempo vor. Es ist aber auffällig, dass nach dem ersten Drittel ein Zeitsprung getätigt wird, dem man sich nur aus einem Dialog zwischen Harris und Heusken gewahr wird, in dem ersterer erwähnt, dass man ja jetzt schon mehrere Monate hier verweile.

John Wayne und Sam Jaffe versuchen das japanische Dorf durch kontrolliertes Feuer zu retten.
Die Amerikaner versuchen die Katastrophe abzuwenden © Explosive Media/Koch Films

Unser Fazit zu Der Barbar und die Geisha

Die zeitgenössische Kritik wurde damals schon nicht mit Der Barbar und die Geisha warm, gerade John Wayne konnte in dieser für ihn untypischen Rolle eigentlich niemanden überzeugen. An der Kinokasse floppte der Film. Und auch mit einigem Abstand gesehen muss man bestätigen, dass das Casting des Western-Stars für Huston in seiner ursprünglichen Vision – nämlich durch den unbeholfenen Wayne die Isolation des Diplomaten noch greifbarer zu machen – vielleicht Sinn ergeben hat, sich im Nachhinein aber als großes Missverständnis entpuppt. Letztlich ist der Film keine Katastrophe und gerade für Japan-Liebhaber noch genießbar, aber weder als altmodisches Unterhaltungskino noch Hommage an das japanische Kino geglückt.

Die Blu-ray von Explosive Media, die von Koch Films vertrieben wird, bietet den Film zumindest in einem wunderschön restaurierten Print, der die Farbpalette gut zur Geltung bringt. In der Extras-Sektion sieht es dafür schmal aus, denn mehr als ein Trailer zum Film hat sich nicht auf die Scheibe verirrt.

Der Film ist seit dem 2. August von Explosive Media/Koch Films auf DVD und Blu-ray erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Explosive Media/Koch Films

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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