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Fünf Männer in einem Speedboat, einer in der Mitte mit verbundenen Augen.

Der Spinnenkopf

Ein weiterer Film aus unserer Netflix-Vorschau 2022 startet jetzt mit der Science-Fiction-Dystopie Der Spinnenkopf. Überzeugt endlich einmal wieder eines der Blockbuster-Projekte des Streaming-Giganten oder legt man erneut eine Bruchlandung hin?

Der Spinnenkopf | Chris Hemsworth | Offizieller Trailer | Netflix

TitelDer Spinnenkopf (OT: Spiderhead)
Jahr2021
LandUSA
RegieJoseph Kosinski
DrehbuchRhett Reese, Paul Wernick
GenreThriller, Science Fiction
DarstellerChris Hemsworth, Jurnee Smollett, Miles Teller, Mark Paguio
Länge108 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Jurnee Smollett und Miles Teller an einem Esstisch. Sie sitzen auf einer gelben Bank und blicken sich gegenseitig in die Augen.
Jurnee Smollett als Lizzy und Miles Teller als Jeff © Netflix

Der Spinnenkopf – Die offizielleHandlungsangabe

In einem hochmodernen Gefängnis, das von dem brillanten Visionär Steve Abnesti (Chris Hemsworth) geleitet wird, tragen die Häftlinge im Gegenzug für Strafmilderungen ein chirurgisch angebrachtes Gerät, das ihnen bewusstseinsverändernde Drogen verabreicht. In dieser Strafvollzugsanstalt gibt es keine Gitter, Zellen oder orangefarbene Overalls. Stattdessen können die Insassen einfach sie selbst sein – bis sie es nicht mehr sind. Wortkarg? Stimmung im Keller? Jeder Zustand lässt sich mit der passenden Droge verändern. Doch als die beiden Versuchspersonen Jeff (Miles Teller) und Lizzy (Jurnee Smollett) sich näherkommen, nimmt ihr Weg zur Erlösung eine überraschende Wendung, da Abnestis Experimente beginnen, die Grenzen des freien Willens zu überschreiten.

Eine Kurzgeschichte in lang gestreckt

Manche Kurzgeschichte lassen sich auf Langfilmniveau aufblasen, Der Spinnenkopf von George Saunders ist keine davon. Der dystopische Thriller ist inhaltlich nicht mehr als das, was man ansonsten in eine Serienfolge der Anthologie Black Mirror gepackt hätte – hätte man nicht drei absolute Topstars und einen ebenso vielverheißenden Regisseur für die Produktion gewinnen können. Das Setting erinnert an eine stimmungstechnisch leicht aufgehellte Variation von Ex Machina. Wobei die Tatsache, dass die Versuchskaninchen hier nicht freiwillig Teil eines Experiments eines reichen Wissenschaftlers werden, sondern als Strafgefangene zu ihrem Mitwirken gezwungen werden, keine große Rolle spielt. Klar, auf die Traumata der „Studienteilnehmer“ wird schon eingegangen. Aber auch das ist hier nur Mittel zum Zweck und wird nicht genug ausgespielt, um sogar den wenigen Charakteren etwas mehr an Facetten zuzuschreiben.

Der Spinnenkopf wird weder Idee noch Cast gerecht

Um die Idee hormonmanipulierender Drogen, die ganz simpel über eine Smartphone Applikation zu dosieren sind, hätte man einen kurzweiligen Thriller stricken können, wenn man sich auf die moralischen Fragen und eventuell auch positive Aspekte fokussiert hätte. Stattdessen wirkt es über die mehr als anderthalb Stunden viel zu sehr danach, als wollte man seitens Netflix wieder nur mit großen Stars auf dem Plakat werben – ohne deren Qualität auch nur ansatzweise auszuschöpfen. Viel mehr noch: speziell Chris Hemsworth funktioniert in dieser Rolle unglaublich schlecht. Er gibt sich sichtlich Mühe sein Sunnyboy-/Thor-Image abzuschütteln. Trotzdem muss er wieder mehrfach mit seiner Adonis-Physis kokettieren. Den Wahnsinn seiner Figur nimmt man ihm nur in einzelnen Momenten ab. Verglichen mit seinem Pendant Oscar Isaac in Ex Machina schafft er es auch nicht dem Archetypus des verrückten, größenwahnsinnigen Techmoguls etwas neues hinzuzufügen.

Chris Hemsworth in Der Spinnenkopf in einem Raum mit Betonwänden und einer Wendeltreppe in nachdenklicher Pose im Vordergrund.
Chris Hemsworth als Wissenschaftler Steve Abnesti © Netflix

Fehlender Spannungsaufbau

Was ebenso erschreckend ist, ist die Tatsache, dass Kosinski erst kürzlich nochmals bewiesen hat, dass er genau wüsste, wie man die Zuschauer dazu bringt sich vor Nervenflattern in den Sitz zu krallen. Top Gun: Maverick ist nahezu das Paradebeispiel diesen Jahres, wenn es darum geht trotz vermeintlicher Vorhersehbarkeit zu überraschen. Der Spinnenkopf schafft es leider zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Überraschungsmomente zu konstruieren. Und keiner Zuschauerin und keinem Zuschauer wird hier etwas zum Mitfiebern geboten.

So verpuffen die zwei bis drei Enthüllungen, die man wohl als Twists angelegt hat, da man sie so plump und uninspiriert vorbereitet, um selbst Thriller-Neulingen kein müdes Lächeln mehr abtrotzen zu können. Die Platzierung dieser Momente ist so formell nach dem kleinen Thriller-Einmaleins, dass man wirklich nicht glauben will, dass man sich hier nichts Spannenderes hat einfallen lassen können. Und auch die Umsetzung ist allenfalls wegen der Ungläubigkeit beim Sehen faszinierend. Wie man hier jeweils versucht mit der Brechstange zu schocken, ist höchstens unter ironischer Betrachtung zu genießen.

Für die falsche Droge entschieden

Man hätte aus den verschiedenen die Psyche verändernden Stoffe einiges rausholen können, wenn man nicht immer nur die selben Eskalationsspiralen wiederholt hätte und am Ende den absolut einfachsten Weg der Auflösung gegangen wäre. Eine Substanz, die die Libido binnen Sekunden so pushen kann, dass man eine unattraktive Person ad hoc wie ein Tier anspringt. Oder eine weitere Droge, die einen sogar über Genozide lachen lässt – aus diesen Ansätzen macht das Skript viel zu wenig. Stattdessen konzentriert man sich auf die eine Substanz, die in ihrer Wirkweise etwas kopiert, was man eben schon in dutzendfacher Ausführung in zig Thrillern gesehen hat. Und als wäre das nicht schon ärgerlich genug, gibt man diesem Serum auch noch einen Namen, der etwas unfreiwillig lächerliches an sich hat.

Und alles gipfelt in einem 08/15-Showdown

Wenigstens bleibt sich Netflix inzwischen bei seinen Star-gespickten Leuchtturm-Produktionen in einer Sache auch in Der Spinnenkopf treu: am Ende folgt ein Finale, das nochmal unterstreicht, weshalb es wohl nicht für eine Kinoauswertung gereicht hat. Auch in diesem letzten Akt überschlagen sich die Ereignisse dann von dem einen auf den anderen Moment. Es folgen ein paar lustlos choreografierte Actionszenen und genau die Auflösung, die man sich aus den unzähligen zuvor gestreuten Hinweisen schon zusammengereimt hatte. Was neben dem verschenkten Potenzial der Kurzgeschichte ebenso schmerzt, ist die erneute Vergeudung von schauspielerischer Qualität, wie man sie beispielsweise in Project Power oder Red Notice schon beweinen musste. Es ist klar, dass aufgrund der Starpower auch dieser Film bei Netflix wieder gut performen wird, aber wenn der Streamingriese nicht endlich qualitativ auch versucht diese Vehikel etwas künstlerisch anspruchsvoller zu konzipieren, dann wird man dem Ganzen in den kommenden Jahren Rechnung tragen müssen.

Verschenktes Potential allerorten

Denn auf Dauer will man sich einfach nicht vorstellen, dass sich Darsteller, wie eben ein Miles Teller, der in Whiplash Oscar-verdächtig war und sogar in einem Kosinski-Film zuletzt an der Seite von Tom Cruise eine fantastische Leistung abliefern konnte, mit solchen Abziehbild-Rollen ihre Filmografie verwässern wollen. Auch wenn es – mit gutem Willen betrachtet – Teil seiner Rolle hier sein könnte, so teilnahmslos zu spielen, wirkt es dadurch wirklich so, als hätte der Darsteller nicht wirklich Lust gehabt hier mitzumachen.

Chris Hemsworth kann sich hier, wie gesagt schwer seines Images entledigen. Er wirkt unfreiwillig karikaturesk, während Jurnee Smollett in den wenigen Momenten, in denen sie aus dem Schatten ihrer männlichen Mitspieler treten darf, zwar schon ihre sagenhafte Ausstrahlung durchscheinen lässt. Im Endeffekt aber hat sie zu wenig Facetten in ihrer Rolle, um sich hier längerfristig ins Gedächtnis zu spielen, wie sie es in Lovecraft Country beispielsweise getan hat.

Unser Fazit zu Der Spinnenkopf

Vielleicht ist Der Spinnenkopf objektiv gar nicht so schlecht, wie er nun hier besprochen wurde. Doch Netflix legt sich erneut ein Ei ins Nest, indem es mit Hochkarätern vor und hinter der Kamera die Erwartungen in die Höhe treibt. Und gemessen an dem, was sowohl Cast als auch vor allem Regisseur in ihrer Vita vorweisen können, ist dieser Science-Fiction-Thriller eine weitere herbe Enttäuschung. Zu vorhersehbar konstruiert, zu spannungsarm vorgetragen und ganz weit davon entfernt das Potenzial dessen auszuspielen, was in der Prämisse zweifelsohne angelegt war. In der gleichen Zeit kann und sollte man sich lieber ein weiteres Mal Ex Machina ansehen – oder ein paar der guten Black Mirror Episoden, als die diese Geschichte eindeutig auch besser verfilmt worden wäre.

Der Spinnenkopf ist ab dem 17. Juni bei Netflix abrufbar!

Unsere Wertung:

 

 

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