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Bea (Thaddea Graham) und Watson (Royce Pierreson) führen in einem Salon eine hitzige Diskussion. Sie trägt eine braune Jacke über ihrem blauen Oberteil. Er trägt ein hautfarbenes Hemd.

Die Bande aus der Baker Street

Ein gutes halbes Jahr nach der letzten Variation des Sherlock Holmes mit Enola Holmes bekommen Fans des Kultdetektivs bei Netflix schon Nachschub. In diesem Artikel lest ihr, ob Die Bande aus der Baker Street durch einen mutigen Mix aus Horror-, Mystery- und Young-Adult-Elementen das Potenzial zum nächsten Streaminghit hat.

Die Bande aus der Baker Street | Offizieller Trailer | Netflix

TitelDie Bande aus der Baker Street (OT: The Irregulars)
Jahr2021
LandEngland
RegieJohnny Allan, Joss Agnew, Weronika Tofilska
DrehbuchTom Bidwell
GenreSerien
DarstellerThaddea Graham, Darci Shaw, Jojo Macari, McKell David, Sheila Atim, Mark Hugh-Williams, Clarke Peters, Royce Pierreson, Henry Lloyd-Hughes
Länge8 Folgen jeweils ca. 50 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Die Bande aus der Baker Street steht vor einem eingewachsenen Mauerwerk. Von links nach rechts: Billy (Jojo Macari), Bea (Thaddea Graham), Jessie (Darci Shaw) und Leo (Harrison Osterfield)
Billy, Bea, Jessie und Leo © Netflix

Die Bande aus der Baker Street  – Unterwegs im Auftrag von Holmes und Watson

Die Serie spielt im viktorianischen London, wo der unheimliche Dr. Watson und sein mysteriöser Geschäftspartner Sherlock Holmes eine Gruppe von Straßenkindern dazu benutzen, Verbrechen aufzuklären. Als einige der Verbrechen plötzlich grauenhafte übernatürliche Dimensionen annehmen und eine dunkle Macht auftaucht, muss sich die Bande aus der Baker Street zusammenschließen, um gemeinsam nicht nur London, sondern auch die ganze Welt zu retten.

Eine Frau steht in einem Gewächshaus neben einer Bahre, auf der ein spärlich bekleideter Männerkörper liegt. Sie trägt ein dunkelblaues Kleid und faltet die Hände.
Edith experimentiert mit einer Leiche © Netflix

Unsere Kritik zu Die Bande aus der Baker Street:

Unser Autor Jan Werner hat die Serie vorab von Netflix bereitgestellt bekommen. Diese Besprechung basiert auf der kompletten ersten Staffel, selbstverständlich spoilerfrei.

Unmittelbar wird man in den ersten Minuten von Die Bande aus der Baker Street ins Geschehen geworfen. Innerhalb weniger Minuten werden die Hauptfiguren, aus denen sich die Bande zusammensetzt, kurz eingeführt. Jessie, Bea, Billy und Spike sind allesamt Waisen oder zumindest Straßenkinder, die sich den Widrigkeiten der dunkelsten Ecken von London stellen müssen. Im Gegensatz zu ihnen hat der adlige Leopold, kurz Leo, eigentlich keinen Grund sich in den Elendsvierteln der viktorianischen Großstadt herumzuschlagen. Im Auftrag des hier eher zwielichtigen John Watson soll die Bande helfen ein mysteriöses Verbrechen aufzuklären und da Leo sich nicht nur endlich ein abenteuerliches, echtes Leben ersehnt, sondern auch noch eine richtig gute Kombinationsgabe hat, ist er schnell ebenfalls involviert.

Schon der erste Fall deutet an, dass es wohl eine große, übernatürliche Bedrohungslage gibt, in die die Jugendlichen hier eher unfreiwillig verstrickt werden. Doch welche Rolle spielen Sherlock Holmes, der sich nicht zeigen will, und sein Partner Dr. Watson? Was hat es mit Jessies Albträumen auf sich? Warum sind ausgerechnet diese Kinder ausgewählt worden? Welche Verbindung gibt es zwischen den paranormalen Phänomenen? Und was hat eine rätselhafte Sekte mit all dem zu schaffen? Die ersten Folgen der Fantasyserie schaffen es auf jeden Fall, dass man sich einige Fragen stellt.

John Watson (Royce Pierreson) steht in Weste, Hemd und Krawatte gekleidet, vor der blauen Tür von Baker Street 221B
Was führt John Watson im Schilde? © Netflix

Flott, modern und überaus blutig

Inszeniert ist die Netflixproduktion trotz des Historienfilm-Settings, wie die meisten aktuellen Formate in ähnlichen Gefilden, überaus modern. Das fängt bei der Musikauswahl an. Neben aktuellen Hip Hop Songs, darf auch Billie Eilish nicht fehlen. Außerdem ist der Cast sicherlich wesentlich diverser als es das Stadtbild Londons zur damaligen Zeit tatsächlich hergegeben hat. Visuell setzt man keine neuen Akzente, leistet sich aber auch keine größeren Schnitzer. Die Optik des viktorianischen London hat man in den letzten Jahren wohl schon zu häufig gesehen, als dass man hier noch für Staunen sorgen könnte.

Zusätzlich ist der Großteil der Handlung in der Nacht angesiedelt, sodass die Dunkelheit kaschiert, was das CGI-Budget nicht hergeben wollte. In den einzelnen Szenen, in denen dann doch die Computereffekte eine prominentere Rolle spielen, sieht das ganz ordentlich aus, wenngleich man auch hier Vergleichbares schon dutzende Male vorgesetzt bekommen hat, sei es beispielsweise im letzten Jahr in Warrior Nun oder Umbrella Academy, wenn irgendwelche Portale zu anderen Welten dargestellt werden.

Alles in allem ist die technische Seite also guter Durchschnitt. Verhältnismäßig überdurchschnittlich ist jedoch in Die Bande aus der Baker Street der Grad der Gewalt und die explizite Abbildung von blutigen Szenen. Inhaltlich spricht das Format zwar schon Jugendliche unter 16 Jahren an, aber aufgrund der Brutalität ist die Zielgruppe augenscheinlich eher die Altersgruppe jenseits der 16. Diese Diskrepanz ist ein Punkt, der dieser Serie womöglich zum Verhängnis wird. Bei der letzten Geschichte im Sherlock-Holmes-Kosmos Enola Holmes war deutlich zu erkennen, dass man das klassische Young-Adult-Fantasy-Publikum adressieren wollte. Hier jedoch kann es gut sein, dass vor allem erwachsenen Horrorfans einzelne Parts, wie die obligatorischen Teenagerromanzen, komplett aus der Stimmung reißen.

Ein interessantes Team aus jungen Außenseitern

Identifikationsfiguren für das junge Publikum bietet Die Bande aus der Baker Street jedenfalls reichlich. Die Charaktere haben tragische und zeitlose Hintergrundgeschichten, Ecken und Kanten und werden von frischen Gesichtern sympathisch dargestellt. Durch Leo, der als wohlhabender Neuling vom Außenseiter unter den Außenseitern zum Mitglied der Bande werden will und durch weitere gruppeninterne Konflikte entsteht eine Reibung, die der ansonsten recht altbackenen Konstellation doch zu einer gewissen Dynamik verhilft. Schauspielerisch machen die Jungschauspieler das allesamt auch wirklich ordentlich. Dass die Figur des Spike als Comic Relief nicht so wirklich funktionieren will, ist dabei weniger dem Spiel von McKell David als vielmehr den abgedroschenen Gags geschuldet.

Jessie (Darci Shaw) schreit mit erschrockenem Gesicht in Die Bande aus der Baker Street.
Jessie (Darci Shaw) ist ein Mitglied der Bande © Netflix

Sherlock als Mysterium im Hintergrund

Zuschauer, die sich auch auf einen neuen Sherlock Holmes freuen, werden von Die Bande aus der Baker Street nach den ersten Folgen sicherlich enttäuscht sein. Nicht nur, dass der legendäre Ermittlungskünstler nur über seinen Geschäftspartner John Watson an die Kinder herantritt. Nein, eigentlich ist die Frage was mit ihm passiert ist, warum und wo er sich versteckt lange Zeit die große Frage, die sich sowohl die Figuren in der Serie, als auch wir Zuschauer stellen.

Die Entscheidung aus der Kultfigur einen Sidekick zu machen hat in Enola Holmes in Person von Henry Cavill gut funktioniert. Auch hier ist der Ansatz aus der Berühmtheit ein Mysterium zu machen durchaus spannend. Die Auflösung wird jedoch die Fans spalten. Insgesamt wird man über weite Strecken das Gefühl nie ganz los, dass man die fast identische Geschichte auch losgelöst von der Bürde des Namens Sherlock Holmes hätte erzählen können und sich damit wahrscheinlich sogar einen Gefallen getan hätte.

Zu wenig Innovation an allen Ecken und Ende

Das große Problem von Die Bande aus der Baker Street ist die fehlende Eigenständigkeit. Nahezu im Minutentakt fühlt man sich in Serien und Filme der letzten Jahre zurückversetzt. Auch wenn die Jugendlichen etwas älter sind, kommt man nicht umhin an den Club der Verlierer aus Es zu denken. Zu ähnlich fühlt sich Zusammensetzung der Gruppe an. Und auch an die wunderbar dysfunktionale Familie aus Umbrella Acadamy erinnert die Gruppe von jungen Figuren mit individuellen Eigenschaften, die erst im Kollektiv ihre volle Pracht entfalten können. Zudem erinnert das Szenario auch stark an Stranger Things, ohne an dieser Stelle zu verraten, wer hier wessen Pendant wäre.

Wenn dann auch noch die versuchten Twists weder überraschen noch überzeugen können, die kleinen Liebesgeschichten eher aus der Stimmung reißen als sich organisch in die Geschichte zu fügen und das Finale derart uninspiriert vorgetragen wird, dann hat man am Ende wirklich wenig Interesse an der Fortsetzung, die durch ein offenes Ende bereits angedeutet wird.

Unser Fazit zu Die Bande aus der Baker Street:

Die Bande aus der Baker Street ist leider eine kleine Enttäuschung im noch jungen Streamingjahr bei Netflix. Die Verortung im Sherlock Holmes Universum ist über weite Strecken eine Mogelpackung und die Serie in ihrer Gesamtheit bewegt sich viel zu sehr in ausgetretenen Pfaden. Wer auch nur eines der offensichtlichen Vorbilder gesehen hat, der wird sich mit Sicherheit langweilen oder sogar ärgern. Nur wer sich auf die doch ganz interessant angelegten und engagiert gespielten Teenagerfiguren konzentriert und das austauschbare Drumherum vernachlässigen kann, der bekommt hier zumindest einen soliden Mix aus den Genres Horror, Kriminalgeschichte und Coming-Of-Age im audiovisuell gefällig inszenierten viktorianischen London serviert.

Die Bande aus der Baker Street ist ab dem 26. März komplett bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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