Das französische Animationskino hat bereits die ein oder andere Perle hervorgebracht. Ist der unter anderem auch von Natalie Portman produzierte Arco die nächste?
Darum geht’s in Arco
Arco ist ein Junge aus einer fernen Zukunft, wächst hoch über den Wolken in einer Welt auf, in der Menschen fliegen und Zeitreisen möglich sind. Bei seinem ersten heimlichen Flug in einem schillernden Regenbogenmantel verliert er die Kontrolle und stürzt in die Vergangenheit – direkt in die Welt der zehnjährigen Iris aus dem Jahr 2075, die auf einer unter Umweltkatastrophen ächzenden Erde lebt. Mit Einfallsreichtum, Mut und Hilfe ihres treuen Haushaltsroboters setzt Iris alles daran, Arco wieder zurück in seine Zeit zu bringen. Gemeinsam erleben die beiden ein fantastisches Abenteuer zwischen Gegenwart und Zukunft; sie begegnen unerwarteten Herausforderungen, skurrilen Situationen und erleben magische Momente – getragen von Freundschaft, Vertrauen, grenzenloser kindlicher Vorstellungskraft und dem Wunsch, nach Hause zu kommen.

Animation la france
Zur klassischen Zeichentrickzeit war Frankreich dank Asterix eine große Nummer, aber auch in den letzten Jahren kamen immer wieder außergewöhnliche Animationsfilme aus unserem Nachbarland, die gerngesehene Abwechslung zum fernöstlichen Anime und westlichen modernen Pixar-like Trickfilm boten. Man denke hierbei an Die rote Schildkröte oder Mars Express. Entsprechend kann man schon verstehen, dass ein Projekt, dass in Cannes dabei sein darf und zudem von Hollywoodstar Natalie Portman mitproduziert wurde, dann auch hierzulande einen Kinostart spendiert bekommt – und sogar im Oscar-Rennen mitspielt.
Arco ist dabei nun ein inhaltlich schon eher an japanische Animes erinnerndes Zeitreise-Märchen über den titelgebenden Jungen, das alles in allem einen bunten, eigenwilligen, aber doch eher meditativen Stil anschlägt.
Ghibli-light
Ugo Bienvenu outet sich mit diesem Film so offenkundig als Fan der Studio Ghibli-Filme, dass er einem das Vergleichen nahezu aufzwingt. Und diesen Vergleich kannst du leider fast nur verlieren. Ja, Arco gibt sich viel Mühe, um Magie zu versprühen, ist farbenfroh und das Zeitreisekonzept mitsamt der Regenbogen-Metaphorik ist auch ein Element, das gut und gerne in einem „echten“ Ghibli-Film funktionieren würde. Doch eben weil die Vorbilder so offensichtlich sind, weil man sich bei bestimmten Designs so krass an den japanischen Klassikern orientiert und weil man versucht emotional die selben Knöpfe zu drücken, fällt so sehr auf, dass man auf kaum einer Ebene mit der Benchmark mithalten kann.
Die Geschichte über Familie und Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist kompakt und in ihrer Botschaft alles in allem funktionell und aufgrund ihrer Universalität auch nicht abgedroschen. Doch während bei Studio Ghibli das gewisse Etwas beispielsweise durch die kleinen Absurditäten erst erzielt wird, fehlt der zu kühlen, perfektionistischen Anmutung von Arco dieses magische i-Tüpfelchen.
Und dann kommt leider noch dazu, dass die in Teilen fast standbildartigen Animationen in Verbindung mit den extrem glatt und flächig gezeichneten Gesichtern ein emotionales Andocken zusätzlich erschweren. Mit einem viel eigenständigeren Stil hat Mars Express wesentlich deutlicher geschafft, sich von japanischen Vergleichstiteln zu distanzieren, hier wird der „Kopie“ die Nähe zu Original zum Verhängnis.

Arco ist alles in allem aber sehr kurz gehalten, die einzelnen Stationen des kleinen Abenteuers deuten immer wieder an, dass Bienvenu grundsätzlich schon verstanden hat, wie man dieses kleine Märchen mit seinen Botschaften erzählen muss, aber ihm fehlt es an tatsächlich eigenständigen Einfällen, am Punch und dem Mut auch mal dahin zu gehen, wo es beim Zuschauen emotional schmerzhaft werden könnte.
© Wild Bunch Germany
Unser Fazit zu Arco
Arco ist ein ambitionierter, letztlich aber gescheiterter Versuch eines französischen Filmemachers seinen Anime-Idolen nachzueifern. Leider fehlt der Ghibli-Kopie die Magie der Originale, wobei man trotzdem von den kompakten 80 Minuten noch solide unterhalten wird. Doch im Gegensatz zu Das Schloss im Himmel und Co. wird man von diesem Zeichentrickabenteuer im Nachhinein nicht lange noch die magischen Bilder vor Augen haben.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

