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    Captive State

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt9. Dezember 2020Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Ein Roboter der Aliens kontrolliert Fahrgäste eines Busses.
    Fahndung: Ein Roboter der Aliens kontrolliert Fahrgäste eines Busses. © Entertainment One Films Germany Inc.
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    Die Aliens sind gelandet und sie sind alles andere als freundlich. Die Menschheit hat sich angepasst und kollaboriert mit den Eroberern. Kein ganz neues Szenario. Doch Captive State kommt besonders düster daher. Was der Streifen von Rupert Wyatt darüber hinaus noch zu bieten hat, erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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    Das Cover der Blu-ray von Captive State zeigt Gabriel Drummond, gespielt von Ashton Sanders, vor dem Hintergrund der zerstörten Stadt, über der wie Felsbrocken aussehende Raumschiffe schweben.
    Das Cover der Blu-ray von Captive State. © Entertainment One Films Germany Inc.

    Captive State – Handlung

    Vor knapp zehn Jahren kamen die Aliens auf die Erde – und begründeten hier eine Friede-Freude-Eierkuchen-Zivilisation. Versteht sich, dass sie dabei recht eigennützige Interessen verfolgen. Und nicht alle Menschen sind mit dieser neuen Weltordnung der sogenannten Legislatoren in Captive State einverstanden. Widerstand aber wird drastisch bestraft. Auch mit der Vernichtung ganzer Stadtviertel.


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    Die Welt hat sich in einen Überwachungsstaat verwandelt. Gabriel Drummond (Ashton Sanders) arbeitet im Zentrum für Datenrückgewinnung. Dort wird jedes noch so kleine Schnipsel auch privatester Informationen von alten Datenträgern in ein zentrales Netz hochgeladen. Jeder Bürger trägt eine implantierte Wanze. So lässt sich jederzeit sein Standort erfassen. Kommt Handynutzern irgendwie bekannt vor.

    Gabriel Drummond, gespielt von Ashton Sanders, schaut zu, wie ein Untergrundarzt einem Rebellen die implantierte Überwachungswanze entfernt.
    Wanzenplage: Bei einem Rebellen wird die implantierte Überwachungsdrohne entfernt. © Entertainment One Films Germany Inc.

    Gabriels totgeglaubter Bruder Rafe (Jonathan Majors) prangt überlebensgroß von banksyartigen Graffitis. Er gilt als aufrechter Rebell. Auch Gabriel trachtet danach, ihm ein wenig nachzueifern. Doch er wird von Mulligan (John Goodman), einem Detective und früheren Partner seines getöteten Vaters, überwacht. Der undurchschaubare Ermittler trifft sich regelmäßig mit der Prostituierten Priscilla (Vera Farmiga), wobei es nicht um Sex, sondern um Gedankenaustausch zu gehen scheint. Auch Priscilla scheint etwas mit dem Widerstand zu tun zu haben. Nach einem Attentat auf eine Alien-Delegation eskaliert die Situation.

    Am Anfang gleich in die Vollen

    Der Titel Captive State ist mehrdeutig. Man kann darunter einen Zustand des Gefangenseins verstehen, aber auch eine Art gefesselten Staat. Beides trifft im Streifen von Rupert Wyatt zu. Auf eine ausführliche Exposition verzichtet der Film, den Wyatt zusammen mit seiner Ehefrau Erica Beeney auch geschrieben hat. Radio- und TV-Ansagen aus dem Off erklären im Verlauf des Vorspanns die Lage. Dann springt Captive State gleich in die Vollen.

    Eine Familie versucht mit einem Auto aus dem besetzten Chicago zu fliehen. Die Polizeimarke des Vaters hilft ihnen auch nicht bei der Überwindung einer Straßensperre. Im Angesicht sich nähernder Aliens bekennt er noch: „Ich werde mich nicht beugen. Wir müssen uns neu aufstellen und zurückschlagen.“ Berühmte letzte Worte. Als nächstes verpuffen er und seine Frau zu blutrotem Staub. Ihre Kinder bleiben geschockt auf den hinteren Sitzen zurück. Willkommen im Captive State.

    Gabriel, gespielt von Ashton Sanders, und ein Kumpel stehen in Captive State in einem Versteck.
    Die Welt ist unccol: Gabriel und ein Kumpel träumen von anderen Ufern. © Entertainment One Films Germany Inc.

    Kapitulation oder Auslöschung

    Nach nicht einmal zwei Minuten hat einen dieser Prolog so rasant wie effektiv ins Geschehen gezogen. Was leider so nicht bleibt. Die eigentliche Handlung setzt neun Jahre später ein. Zur zeitlichen Überbrückung symbolisieren ein paar semi-dokumentarische Bilder etwa der ausgestreckten Hand der Politik die Botschaft: Frieden, Einheit, Harmonie. Aus den Vereinigten Staaten wurde in Captive State der Vereinigte Staat. „Nur eine Kapitulation verhindert unsere Auslöschung“, umreißt eine eingeblendete Schrift das Dilemma.

    Welches Maß an Unterdrückung, an Überwachung ist noch akzeptabel, wenn es um die Sicherung von Frieden und Wohlstand geht? Auf wie viel Freiheit will man verzichten? Und wie weit darf Widerstand gehen? Fragen, die uns aktuell immer wieder beschäftigen, auch ganz ohne Aliens.

    Detective Mulligan, gespielt von John Goodman, sitzt in einem Verhörraum.
    Undurchsichtig: Detective Mulligan (John Goodman) verfolgt einen Plan. © Entertainment One Films Germany Inc.

    Insofern lässt sich Captive State wie eigentlich jede gute Science-Fiction-Mär auch als Parabel auf bestehende gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen begreifen.

    Spektakuläre Aliens mit wenig Screentime

    Weshalb die tricktechnisch ziemlich aufregend inszenierten Aliens gar nicht so wichtig sind. Entsprechend selten sind sie zu sehen, dann aber recht spektakulär. Auch wenn ich mich frage, warum Angehörige technisch überlegener Zivilisation immer nackt rumlaufen müssen. Andererseits würde Kleidung an diesen spinnenartigen Monstern auch befremdlich wirken.

    Captive State drückt betont aufs Tempo. Häufiger Einsatz der Handkamera, schnelle Schnitte – auch auf Details. Dazu oft trommelbetonte rhythmische Musik und stark komprimierte Zeitabläufe. Das erzeugt Dynamik, die über fehlende Actionszenen hinwegtrösten mag, auch wenn sicherlich nicht jeden Zuschauer.

    Captive State fordert hohe Aufmerksamkeit

    Denn leider verliert sich der Film in zahlreichen Handlungsabläufen. Im Mittelteil verlässt er gar für einen ungewöhnlich langen Zeitraum seinen Hauptdarsteller. Gabriel wird dabei nicht nur aus dem Blick verloren, sondern fast schon vergessen. Aber vielleicht war er ja auch nicht so wichtig. Denn richtig warm wird man bei Captive State mit keiner der handelnden Personen. Das mag beabsichtigt sein. So kann man sich aus reflektierender Distanz mit den Perspektiven von Rebellen und Kollaborateuren auseinandersetzen. Schadet aber dem Filmgenuss. Captive State fordert vom Betrachter ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um nicht irgendwann den Faden zu verlieren.

    Ben Daniels spielt in Captive State den Rebellen Daniel, der sich vor einem Spiegel schminkt und sich auf das Attentat vorbereitet.
    Widerstand: Der Rebell Daniel (Ben Daniels) bereitet sich auf das Attentat vor. © Entertainment One Films Germany Inc.

    So bleiben auch die Darsteller mit ihren Leistungen kaum in Erinnerung. Einzig John Goodman mit seiner einzigartigen Bulldoggen-Miene kann, wenn auch wenig gefordert, stärker überzeugen. In einer Nebenrolle fällt noch die markante Erscheinung von Ben Daniels auf. Der hinterließ schon in der eher mäßigen TV-Serien-Fassung von The Exorcist bei mir zumindest einen prägenden Eindruck. Vera Farmiga hat zwar eine wichtige Rolle, aber leider so gut wie keine Screentime.

    Ein trojanisches Pferd

    Doch lohnt sich die Aufmerksamkeit durchaus. Wie schon in Planet der Affen: Prevolution oder The Gambler legt Rupert Wyatt viel Wert auf kleine Details, die von Bedeutung werden können. Interessant sind die Begegnungen zwischen Mulligan und Priscilla. Schon die Farbgebung und das Setting sind bemerkenswert. Ansonsten zeigt sich Captive State der düsteren Weltlage entsprechend in blau-gräulich farbentsättigten Bilden. Doch in Priscillas Wohnung dominieren warme Brauntöne. Eine Wand besteht aus einem Bücherregal, und von einem altmodischen Plattenspieler tönt ausgerechnet Nat King Coles Stardust.

    Ausgerüstet mit einem schweren Atemschutzgerät fährt Mulligan, gespielt von John Goodman, in Captive State eine Rolltreppe hinauf.
    Aufstieg: Mulligan ist auf dem Weg zu den herrschenden Aliens. © Entertainment One Films Germany Inc.

    Doch das wichtigste Utensil ist das einzige Bild an der Wand: eine Zeichnung des trojanischen Pferdes. Mit Blick darauf sagt Mulligan: „Pass immer auf, wenn Griechen mit Geschenken zu dir kommen.“ Eine Geschenk dieser Art wird auch im finalen Twist von Bedeutung sein. Der, wenn auch etwas vorhersehbar, doch recht gelungen ist.

    Mein Fazit zu Captive State

    Filme und Serien über Alien-Invasionen gibt es viele. Im Serienformat erscheint aktuell mit Colony ein ziemlich ähnlich gelagertes Produkt. Wo Colony sich aber Zeit nimmt, seine Charaktere zu vertiefen, jagt Captive State nahezu atemlos durch seine Handlung. Doch atemlos ist nicht immer atemberaubend. Die spannenden Grundfragen des Films nach der Berechtigung des Terrors, und welchen Preis man dafür zu zahlen gewillt ist, werden zu oberflächlich angekratzt. Das hat beim aufmerksamen Betrachter den nachhaltigen Effekt einer vielleicht unbeeinflussten Reflexion. Dem einfachen Filmgenuss zum Feierabend ist das eher abträglich. Das aber gilt für viele gute Filme.

    Captive State erscheint an 10. 12. 2020 auf Blu-ray.


    © Entertainment One Films Germany Inc.

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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