Die Human-Centipede-Reihe wandelt Menschen in Tausendfüßer. In Creepy Crawly dagegen, werden die Krabbler zu Menschen. Ist dies die bessere Idee?

Die Inhaltsangabe von Creepy Crawly
Mitten in der Corona-Pandemie werden in Thailand Hotels genutzt, um Einreisende unter Quarantäne zu stellen. Für eine dieser Gruppen ist die Krankheit das geringste Problem, denn dummerweise hat sich die Bloggerin Kat mit einem Parasiten in Form eines riesigen Hundertfüßers infiziert, welcher die Gäste nach und nach dezimiert.
Kreative Kreatur
In Thailand gibt es sogenannte Skolopender. Diese giftigen Hundertfüßer sind ein Unterstamm der uns bekannteren Tausendfüßer. Der Biss von diesen Vielbeinern ist sehr schmerzhaft und kann sogar Lähmungserscheinungen hervorrufen. Mit diesen Eigenschaften sind sie natürlich prädestiniert für Tierhorror. Dies reicht den beiden Regisseuren Chalit Krileadmongkon und Pakphum Wongjinda aber noch nicht aus und sie veredeln ihre Idee mit Body-Horror-Elementen. Diese Kombination passt wie die Stacheln der Kreatur in menschliche Körper, denn herauskommt ein Mensch-Hundertfüßer-Hybrid, der nicht nur grotesk aussieht, sondern auch gut animiert ist. Allerdings wird nie so richtig deutlich, wie der Formwandler funktioniert und ganz so eklig, wie z.B. in vergleichbaren Werken von David Cronenberg, wird es nicht, auch wenn durchaus rabiat mit menschlichen Körpern umgegangen wird.
Wir sind allein, allein
Eine Quarantänesituation in einem abgeriegelten Ort, eine überschaubare Gruppe von Personen, ein Monster, dass sich als Mensch tarnen kann: Diese Zutaten erinnern unwillkürlich an Das Ding aus einer anderen Welt von John Carpenter. Allerdings wird – im Gegensatz zum Vorbild – keine richtig bedrohliche Atmosphäre aufgebaut und Nervenkitzel generiert. Der begrenzte Raum und die Möglichkeit, dass jede Person den Hundertfüßer in sich tragen kann, wird zu wenig genutzt, um Panik und Paranoia zu erzeugen. Die Covid-Situation dient nur als Erklärung für den begrenzten Drehort und der Körperwechsel des Monsters im Finale soll die Handlung strecken, damit eine Laufzeit von 90 Minuten erreicht wird. Die bis dahin einigermaßen nachvollziehbare Handlung wird dadurch unnötig konfus und endet auch noch mit einem Cliffhanger, der die Verwirrung potenziert.
Ungeachtet dessen macht der furchteinflößende Krabbler trotzdem Spaß. Das liegt neben den erwähnten Body-Horror-Effekten vor allem am hohen Pacing. Es wird sich nicht lange mit Charaktereinführung aufgehalten, sondern schnell in die Monsteraction übergeleitet. Von den Darstellern wird zwar nicht viel erwartet, aber sie füllen ihre mitunter etwas klischeebehafteten und nicht sonderlich komplexen Rollen mit Leben. Die Licht- und Soundeffekte sorgen für die passende Gruselatmosphäre und die Kamera fängt die Stimmung mit den passenden Farbfiltern ein.

Unser Fazit zu Creepy Crawly
Das Alleinstellungsmerkmal von Creepy Crawly ist eindeutig die unverbrauchte Kreatur. Hinzu kommt ein hohes Erzähltempo und einige eklige Effekte, sodass alle nötigen Zutaten für einen soliden Horrorspaß vorhanden sind, obwohl das volle Potential der etwas wirren Story nie ganz ausgeschöpft wird.
Creepy Crawly ist ab dem 31. Oktober 2024 im Heimkino erhältlich.
© Busch Media Group
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

