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    Critical Zone

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt6. November 2024Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Zornig: Amir (Amir Pousti) kümmert sich um Menschen - auf seine Art.
    Zornig: Amir (Amir Pousti) kümmert sich um Menschen - auf seine Art. © W-Film
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    Critical Zone ist ein wagemutiger, tabubrechender Film über die verlorene Generation in Teheran. Gefilmt mit versteckter Kamera verfolgen wir eine Nacht im Leben des Drogendealers Amir und begleiten ihn zu den Schattenseiten des Lebens im Iran. Ausgezeichnet mit dem Goldenen Leoparden des Filmfestivals in Locarno 2023. Zu recht? Hier erfahrt Ihr mehr.

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    Das Filmplakat von Critical Zone.
    Das Filmplakat von Critical Zone. © W-Film

    Die Handlung von Critical Zone

    Amir (Amir Pousti) verdient in Critical Zone sein Geld als Dealer. Seine Drogen, die er zuvor in einer großen Drogenfabrik in einem Tunnelsystem unter Stadt besorgt hat, verpackt er in kleine Tütchen. Er lebt allein mit seinem Hund Mr. Fred, einer englischen Bulldogge. Nachts kurvt er mit seinem Wagen durch die Stadt zu seinen Kunden, bringt seine Kuriere zum Flughafen oder holt sie dort ab. Er besucht ein Altersheim und bringt den Insassen als Schokokuchen getarnte Haschcookies vorbei. Er gerät in einen nicht weiter erklärten Ausbruch von Gewalt, kann aber mit seinem Wagen flüchten.

    Begleitet wird er immer von der Stimme seines Navis: „Links abbiegen, rechts abbiegen.“ Gleichsam Befehle, die ihn auch noch außerhalb des Autos als Gedankenstimme verfolgen. Am Ende der Nacht liegt er in seinem Bett und schläft, während Mr. Fred anfängt, sein Bein zu rammeln.

    Herausfordernde Dreharbeiten

    Ein Film wie Critical Zone stellt die Zuschauenden vor eine große Herausforderung. Relativ handlungsarm, oft lange Einstellungen von Gesichtern, banale Alltagsdialoge – das erfordert Sitzfleisch. Doch die Wirkung des Films ist umso nachhaltiger und mag auch ein mehrfaches Ansehen sinnvoll erscheinen lassen. Herausfordernd waren auch die Dreharbeiten, die geheim stattfinden mussten. Natürlich ist der Film im Iran verboten, Regisseur Ali Ahmadzadeh steht unter Beobachtung und darf das Land nicht verlassen. Und sicherlich würden die Gotteskrieger gerne jeden Zentimeter des Filmmaterials in die Hölle schicken.

    Amir, gespielt von Amir Pousti, hilft einem schwer drogenabhängigen jungen Mann, der halbnackt und fast kamatös im Bett liegt.
    Tabubruch: Amir (Amir Pousti) hilft einem schwer drogenabhängigen jungen Mann. © W-Film

    Denn Critical Zone ist subversives Undergroundkino par excellence. Auf seiner Reise durch das nächtliche Schattenreich des Gottesstaates bricht der Film mit zahlreichen Tabus: Männliche Impotenz wird genauso angesprochen wie Homosexualität, Transsexualität, Prostitution und Sexualität überhaupt. „Schlaf mit wem Du willst“, sagt Amir zu seiner Freundin. „Ich verstehe das. Du bist jung. Du hast Lust.“ Und räumt ein: „Meiner funktioniert nicht.“

    Hoffnungslos in der Critical Zone

    Aber das sind nur tabubrechende Nebenaspekte. Im Kern geht es um die Hoffnungslosigkeit der jungen Generation in Teheran. Noch vor wenigen Jahren auf den Barrikaden ist deren Protestpotenzial weitgehend ausgebrannt. Es erschöpft sich im Drogenkonsum. Ein Zeichen resignierender Wehrlosigkeit mit kleinen Fluchten.

    Amir ist kein skrupelloser Drogenhändler. Er ist ein Kümmerer, dem viel liegt an den Menschen, mit denen er zu tun hat. Erschütternd sein Besuch in einem Pflegeheim. Auch dieser gefilmt mit versteckter Kamera zeigt in der Abteilung der Bettlägerigen schonungslos das Leid der dement dahin siechenden Alten. Ein Leid, das Amir immerhin mit seinem Haschkuchen zu lindern versucht. Dort, wo die Insassen noch geistig fit sind, rezitieren sie iranische Liebeslyrik: „Wenn Du zum mir kommst, bring Licht…“ Doch das einzige, was Licht in das Dunkel des Terrorregimes bringt, ist die Droge. Das Leben versiegt in der Critical Zone.

    Poesie und der Schrei nach Freiheit

    So wird auch der Liebesakt nur noch als Traum erlebbar. Eine Flugbegleiterin, die für Amir Drogen schmuggelt, hat ihm im Tausch gegen Opium Kokain mitgebracht. Im Koksrausch und Joints rauchend sitzen beide still im Auto nebeneinander. Zärtlichkeit wird nur angedeutet, als Amir ihr kurz durch eine Haarsträhne streicht. Der sich langsam steigernde weibliche Orgasmus ist nur zu hören. Töne, die sich in immer ekstatischere Höhen schrauben, und dabei an die Orgasmus-Simulation der großartigen Irene Papas auf dem Kultalbum „666“ der  griechischen Prog-Rock-Band „Aphrodite’s Child“ von 1972 erinnern.

    Die Flugbegleiterin lehnt sich in Critical Zone aus dem Autofenster und schreit ihrén Zorn aus sich heraus.
    Moment der Freiheit: Die Flugbegleiterin lehnt sich aus dem Autofenster und schreit ihrén Zorn aus sich heraus. © W-Film

    Ein geträumter sexueller Höhepunkt, der in einen Urschrei zu münden scheint, der abrupt unterbrochen wird. Denn von vorne nähert sich eine gewalttätige Gruppe Vermummter, die auf Amirs Auto eindreschen. Im Rückwärtsgang gelingt die Flucht. Und der Urschrei setzt sich fort. Zunächst fast nahtlos in hysterische Schreie der Angst, doch dann in dem vielleicht einzig echten Moment der Freiheit, als die Frau den Oberkörper durch das geöffnete Seitenfenster nach oben in den Wind reckt und mit weit geöffneten Armen und flatterndem Haar voller Inbrunst „fuck you“, und immer wieder „fuck you“ in die Nacht ruft.

    „Das schmerzhafte Verlangen zu morden“

    Ein lauter Aufschrei des Protests, während sich die Kritik an der Repression sonst eher leise äußert. Sie wird getragen von der Kunst, eben von Filmen wie Critical Zone, aber auch von Poesie. In einer zentralen Sequenz in der Mitte des Films hören wir wie aus einem Autoradio heraus ein langes Gedicht: „In den Höhlen der Einsamkeit wurde Eitelkeit geboren. Das Blut roch nach Opium und Hanf. Die Sümpfe des Alkohols mit giftigen bitteren Dämpfen zogen die bewegungslos Masse Intellektueller in ihre Tiefen … Arme, niedergeschlagene Menschen, sprachlos und schwach … Und das schmerzhafte Verlangen zu morden, blies sich in ihren Händen auf. Sie waren besessen von Schrecken, und das schaurige Gefühl von Sündhaftigkeit hatte ihre blinden und dummen Seelen gelähmt.“

    Die Pflegerin streichelt die durch Hasch-Cookies beruhigten Heimbewohner am Kopf.
    Zärtliche Momente: Die Pflegerin streichelt die durch Hasch-Cookies beruhigten Heimbewohner. © W-Film

    Critical Zone ist eine Art Gegenstück zu Taxi Teheran (2015). Während diese Dokufiktion von Jafar Panahi bei ihren Taxitouren am hellen Tag die Regimekritik mit Humor unterfüttert, führt uns Ali Ahmadzadeh direkt auf die dunkle Seite, zu den Nachtschattengewächsen der Unterwelt. Sein Amir ist wie ein hilflos durch das Schattenreich kreuzender Orpheus ohne Eurydike. Der Mutter eines schwer Drogenabhängigen mag der Haschisch- und Marihuana-Dealer zwar wie ein Arzt vorkommen, doch bringt er keine Heilung, sondern nur Erleichterung.

    Rauschhafte Autofahrten

    Inszenatorisch bemerkenswert ist das fast konsequente Ausblenden von Umgebungsgeräuschen bei den Autofahrten. Dies erzwingt die Konzentration auf das Innere – nicht nur des Wagens. Die Kamera macht mehrfach deutlich, dass die Welt Kopf steht. Und manchmal dreht sie sich am Steuer des Wagens auch im Kreise, geschickt umgesetzt, in dem die Minikamera am Lenkrad befestigt wurde und sich so beim Kurven fahren mit drehte.

    Das Gesicht des von Amir Pousti in Critical Zone gespielten Amir ist hinter flirrenden Lichtreflexionen halb verborgen.
    Auflösung der Realität: Lichtprojektionen, Reflexionen und Unschärfen als filmisches Mittel. © W-Film

    Die Autofahrten selbst sind zum Teil rauschhaft inszeniert. Im Zeitraffer huscht Amirs Wagen durch die verhältnismäßig leeren Straßen der nächtlichen Stadt, die Straßenlaternen werden zu Leuchtstreifen. Auflösung der bedrückenden Realität in der Bewegung. Ein klassisches Motiv.

    Unser Fazit zu Critical Zone

    Critical Zone ist ein radikaler Film über die Schattenseiten des Regimes im Iran. Repression und Resignation, ein unterdrücktes Gefühlsleben, das Aufbegehren nur noch im Rausch ermöglicht. Und dann doch dieser eine Moment der Freiheit, die sich in einem Schrei manifestiert. Das ist dieser kleine Schimmer der Hoffnung, mit dem Ali Ahmadzadeh auch Mut macht. Der im Iran verbotene Film ist nicht leicht zugängig, wirkt aber umso nachhaltiger.

    Nachdem Critical Zone bislang nur vereinzelt auf Sonderveranstaltungen zu sehen war, ist nun am 7. November 2024 der offizielle deutsche Kinostart. Zu sehen ist der Film natürlich nicht in den großen Palästen, sondern nur in wenigen Kinos in einigen Städten wie etwa dem Abaton in Hamburg. Also: Augen auf!

    © W-Film

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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