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    Die Agentin

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt5. Februar 2020Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Martin Freeman als Thomas und Diane Kruger als rachel in dem Agententhriller Die Agentin. © Kolja Brandt
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    Die israelisch-französisch-deutsche Produktion Die Agentin beginnt wie ein spannender Spionagethriller und entwickelt sich zu einem packenden Drama. Nach seiner Premiere auf der Berlinale 2019 fand der Film ein geteiltes Echo. Warum wir ihn dennoch rundum empfehlen, erfahrt ihr in unserer Rezension.

    Das Cover der Blu-ray von Die Agentin. zeigt Diane Kruger als Rachel.
    Das Cover der Blu-ray von Die Agentin. © Weltkino Filmverleih

    Darum geht es in Die Agentin

    Beim morgendlichen Joggen klingelt das Handy. Eine Frauenstimme meldet sich: „Mein Vater ist gestorben. Zum zweiten Mal.“ So knackig wie mysteriös startet Die Agentin in einen vermeintlichen Agententhriller à la John le Carré. Die Stimme gehört Rachel (Diane Kruger), jener Frau, die Thomas (Martin Freeman) vor vielen Jahren für den israelischen Geheimdienst Mossad angeworben hatte. Der Satz über den Vater war der vereinbarte Code für den Abbruch ihrer Mission. Doch abgebrochen hatte sie ihre Mission im Iran bereits ein Jahr zuvor und war seitdem untergetaucht.

    Thomas war Rachels Führungsagent während ihres Einsatzes im Iran. Und der Mossad will natürlich alles über Rachel erfahren, schließlich könnte Die Agentin ein Risiko sein. Und so erlebt der Zuschauer in Form etlicher Rückblenden die Geschichte einer Spionin, die so gar nichts von bondeskem Martinigeschüttele oder -gerühre an sich hat.

    Die harten Gesetze der Branche

    Rachel wird als Englischlehrerin nach Teheran eingeschleust. Während sie sich allmählich an die ihr fremde Kultur gewöhnt und an den Menschen Gefallen findet, erledigt sie erste kleine Aufträge, nicht viel mehr als Botengänge. Der Mossad begegnet ihr als Nichtjüdin und Britin zunächst mit Misstrauen. Das kann aber auch dank Thomas nach und nach zerstreut werden. Als Rachel dann als Lockvogel einen feindlichen Agenten in eine Falle lockt, wird sie erstmals mit den härteren Gesetzen der Branche konfrontiert, in die sie eher naiv hineingeflattert ist. Sie erlebt mit, wie eine unbeteiligte aber lästige Zeugin von einem Agentenkollegen kaltblütig gleich mit aus dem Weg geräumt wird. Kollateralschaden!


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    Schließlich wird sie auf Farhad Razavi (Cas Anwar) angesetzt, dem Chef einer Elektronikfirma. Sie soll ihm fehlerhafte Bauteile für das iranische Atomprogramm unterjubeln. Doch Rachel lässt sich auf eine unprofessionell-romantische Beziehung zu dem Charmebolzen ein – und wird schwanger. Für den Mossad ein Zeichen, dass sich Die Agentin nicht so leicht kontrollieren lässt, wie sich die Schlapphüte das wünschen.

    Einseitig oder authentisch?

    Yuval Adler zeichnet in Die Agentin ein zwiespältiges Bild des israelischen Geheimdienstes. Vielleicht wurde der Film auch deswegen von einigen Kritikern ebenfalls zwiespältig aufgenommen. Doch der Verdacht, hier könne ein zu einseitiges Israelbild gezeichnet werden, geht ins Leere. Schließlich ist nicht nur der Regisseur Israeli, die Romanvorlage „The English Teacher“ stammt sogar von einem Insider, dem ehemaligen Mossad-General Yiftach Reicher Atir. Der hat zwar betont, eine fiktive Geschichte zu erzählen. Eventuelle Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind jedoch nicht so ganz zufällig.

    Adler zeigt, was die Agententätigkeit aus und mit einem Menschen machen kann. Die Motive Rachels, überhaupt für den Mossad tätig zu werden, bleiben zwar im Unklaren. Die Veränderungen, die aufkeimenden Unsicherheiten im Wesen der jungen Frau werden dafür umso deutlicher. „Ich fasse es nicht, dass ich hier bin“, sagt sie einmal, „dass ich all das tue.“ All das umschließt in letzter Sequenz auch, selbst zu töten. Sie ermordet einen Wachmann, um nicht aufzufliegen. Einen Menschen, dem sie eigentlich Sympathien entgegenbrachte.

    Die Agentin Rachel, gespielt von Diane Kruger, steht in der Bildmitte an der Fahrertür eines Geländewagens in der Wüste, von verbündeten Agenten umgeben. Um Sprengstoff von der Türkei in den Iran zu schmuggeln, muss sie sich mit zweifelhaften Gesellen einlassen.
    Um Sprengstoff in den Iran zu schmuggeln, lässt sich Die Agentin Rachel (Diane Kruger) mit zweifelhaften Gesellen ein. © Kolja Brandt

    „Es ist nicht wie im Krieg, es ist Krieg“, versucht Thomas in Die Agentin die vermeintlichen Notwendigkeiten einer Agententätigkeit zu legitimieren. „Und im Krieg sterben unschuldige Menschen.“ So auch bei einem Bombenattentat zu dem Rachel den Sprengstoff über die Grenze aus der Türkei in den Iran schmuggelt. Eine weitere Erfahrung, die sie zum Zweifeln bringt – auch weil sie dabei von einem vermeintlichen Verbündeten vergewaltigt wird. Dieser gesamte Handlungsstrang wirkt inhaltlich wenig plausibel und formal etwas disparat und aufgesetzt. Seine Berechtigung findet er wohl nur in seiner Wirkung auf die Protagonistin. Als Frau in einer Männerwelt ist Rachel genauso fehl am Platz wie als Nichtjüdin, als Außenseiterin, beim Mossad.

    Mit versteckter Kamera in Teheran

    Die Agentin will ein möglichst authentisches Bild vermitteln. Dazu dienen auch Straßenszenen aus Teheran, die dort mit versteckter Kamera und einem Double für Diane Kruger aufgenommen wurden. Doch auch die relativ blasse Farbgebung setzt realistische Akzente. Dazu passt die naturalistische Maske Krugers, die jederzeit so aussieht, als würde sie kein Make-Up tragen.

    Überhaupt Diane Kruger: Die deutsch-französische Schauspielerin aus dem kleinen Algermissen bei Hildesheim in Niedersachsen hat sich schon seit einigen Jahren vom einstigen Hollywood-Beauty zur anspruchsvollen Charakterdarstellerin gemausert. In Die Agentin setzt sie ihre eindringliche Performance aus Fatih Akins Aus dem Nichts nahtlos fort. Beeindruckend meistert sie die Wechsel zwischen vermeintlicher professioneller Kälte und emotionaler Betroffenheit, lässt sie die wachsende Zerrissenheit ihrer Figur spürbar werden.

    Auf Farhad Razavi, gespielt von Cas Anvar angesetzt, verliebt sich Rachel, gespielt von Diane Kruger, als Die Agentin in den charismatischen Geschäftsmann. Auf dem Bild stehen sich beide gegenüber. Die links stehende Rachel umfasst Farhads Kopf mit beiden Händen.
    Auf Farhad Razavi (Cas Anvar) angesetzt, verliebt sich Rachel (Diane Kruger) als Die Agentin in den charismatischen Geschäftsmann. © Kolja Brandt

    Diane Kruger trägt mit ihrer starken Präsenz den gesamten Film, so dass Martin Freeman (Sherlock) und Cas Anvar (The Expanse) dagegen zu verblassen scheinen. Zu Unrecht. Denn abgesehen davon, dass es auch interessant ist, Freemann einmal mehr in einer untypisch-ernsthaften Rolle sehen zu können, zeigt er souverän, dass er auch dieses Fach beherrscht. Allerdings bietet die Rolle des Thomas auch keine allzu großen Herausforderungen. Angenehm überzeugt Cas Anvar. Der bislang meist auf TV-Nebenrollen abonnierte kanadische Schauspieler verfügt über Charisma, von dem man gern mehr sehen möchte.

    Verschachtelte Rückblenden erschweren den Zugang

    Der Inszenierungsstil von Die Agentin stellt den Zuschauer vor eine Herausforderung. Der sprunghafte Szenenwechsel, die ständigen, auch in einander verschachtelten Rückblenden erfordern ein hohes Maß an Konzentration. Das soll möglicherweise Spannung in einer nicht gerade vor Spannung berstenden Handlung suggerieren, ist dieser aber eher abträglich. Doch steht die Spannung auch nicht gerade im Fokus von Yuval Adler. Die Agentin ist eben kein Eventmovie. Es geht um die inneren Konflikte der handelnden Figuren. Um Loyalität im Widerstreit mit Gefühl und Moral.

    Keine Szene verdeutlicht dies so gut, wie der Moment, in dem Rachel im Firmengebäude Farhads vor dem Wachmann durch ein Treppenhaus flüchten muss. Statt wie im Actionstreifen üblich im Schnitt-Gegenschnitt-Modus zwischen Fliehender und Verfolger hin und her zu wechseln, bleibt die Kamera die ganze Zeit bei Rachel. So wird ihre Angst umso deutlicher spürbar, die Bedrohung bleibt unsichtbar, unhörbar.

    Rachel, gespielt von Dianae Kruger, sitzt in Die Agentin links am Tisch eines Straßencafés. Ihr gegenüber sitzt Thomas, gespielt von Martin Freeman. Beide sind in einem Krisengespräch vertieft.
    Rachel (Diane Kruger) und ihr Mentor Thomas (Martin Freeman) führen in Die Agentin in einem Straßencafé ein Krisengespräch. © Kolja Brandt

    Unhörbar ist im übrigen auch die Musik in Die Agentin, die nur sparsam zur Untermalung besonders dramatischer Schlüsselmomente eingesetzt wird. Auch dadurch bleibt Adler seinem Ziel treu, ein möglichst authentisches Bild des Agentenlebens jenseits der Hollywoodklischees zu zeichnen. Das aber dann doch wieder ziemlich spannende Ende von Die Agentin mag den ein oder anderen enttäuschen, bleibt aber ganz im Sinne dieser Logik nur folgerichtig.

    Unser Fazit zu Die Agentin

    Yuval Adlers Die Agentin ist mehr Drama als Spionagethriller. Die Action ist sparsam gesät, und wenn sie sich doch mal blicken lässt, nicht immer angebracht. Die verschachtelten Rückblenden erschweren den Zugang zu dem Film. Doch aus der distanzierten Betrachtung wirkt die Handlung letztlich nur noch authentischer. Als Psychodrama hätte der Film wohl mehr Tiefe benötigt, dennoch zeichnet Die Agentin ein erschreckendes Bild der sich verselbstständigen Handlungsmuster der Geheimdienste. Nicht nur wegen der herausragenden Leistung Diane Krugers unbedingt sehenswert.

    Die Agentin erscheint am 7. Februar 2020 auf DVD und Blu-ray.

    © Weltkino

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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