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    Startseite » Die fast vergessene Welt
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    Die fast vergessene Welt

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt26. August 2020Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Wie ein Gemälde von Dali: Die drei Helden finden sich in einer surrealen Welt wieder. © Universal Pictures
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    Ein Quanten-Paläontologe (!), eine schlaue Studentin in Hot Pants und ein einfältiger Souvenirshop-Besitzer gehen auf einen Parallelwelten-Trip mit Dinos, Affenmenschen und Froschmonstern. Das Sujet von Die fast vergessene Welt klingt nach fast zu vergessendem B-Movie-Quatsch. Oder ist da mehr dran? Das erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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    Das Cover der limitierten Steel Edition von Die fast vergessene Welt zeigt Will Ferrell als Rick Marshall, Anna Friel als Holly und Danny R. McBride als Will Stanton im Schlauchboot auf der Flucht vor dem T-Rex.
    Das Cover der limitierten Steel Edition von Die fast vergessene Welt. © Universal Pictures

    Darum geht es in Die fast vergessene Welt

    Rick Marshall (Will Ferrell) ist ein abgehalfterter Wissenschaftler, der sich mit seiner Theorie der Quanten-Paläontologie ins Abseits geschossen hat. Seine Behauptung, einen Tachyonen-Generator bauen zu können, mit dem man in der Zeit nicht vor und zurück, sondern seitwärts in parallele Dimensionen reisen könne, eben in Die fast vergessene Welt, ist da kaum hilfreich. Als die Studentin Holly Cantrell (Anna Friel) ihm allerdings im Millionen Jahre alten Dinosaurierfossil den Abdruck eines Feuerzeugs zeigt, in dem Marshall sogleich sein eigenes Feuerzeug erkennt, baut er die Maschine fertig.

    Mit Holly fährt er an den Fundort, der in einer wasserführenden Höhle liegt, die Will Stanton (Danny R. McBride) zu einer Art Geisterbahn umgebaut hat. Zu dritt geht’s mit dem Schlauchboot hinein. Als Marshall den Generator anwirft, löst er ein Erdbeben aus. Der Bach verwandelt sich in einen reißenden Fluss, der in einen Wasserfall mündet. Der Sturz führt das Trio durch Zeit und Raum. In Die fast vergessene Welt stoßen sie auf einen T-Rex und andere Echsen, schließen Freundschaft mit dem Affenmenschen Cha-Ka (Jorma Taccone) und erleben etliche Abenteuer. Schließlich müssen sie die Eroberung des Universums durch die froschartigen Sleestaks und ihren tyrannischen Anführer verhindern.


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    Von der TV-Show zum Kinofilm

    Der Film von Spielberg-Schüler Brad Silberling (Casper, Stadt der Engel) beruht auf der bei uns eher unbekannten TV-Serie Im Land der Saurier aus den Jahren 1974 bis 76. Deren Entwickler, die Brüder Sid und Martin Krofft, produzierten auch den Ableger fürs Kino. Die Handlung folgt einem ähnlichen Muster, wenn auch auch aus der TV-Familiengeschichte, in der Holly Marshalls Tochter ist, die kinotauglichere Variante eines möglichen Love Interests geschaffen wurde.

    Will Ferrell als Rick Marshall, Anna Friel als Holly und Danny R. McBride als Will Stanton liegen nebeneinander im Wüstensand und beobachten etwas.
    Drei Trottel in der Wüste: Marshall, Holly und Stanton beobachten, wie zwei Affenmenschen einen Dritten töten wollen. © Universal Pictures

    Die fast vergessene Welt beginnt dabei vielversprechend mit einer Art Prolog zur Einstimmung, der zwar für den weiteren Handlungsverlauf irrelevant, optisch aber ungemein reizvoll ist. Ein Astronaut landet nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre in einem Urzeitdschungel. Er blickt nach oben. Im Helmvisier seines Raumanzugs spiegelt sich der Vollmond, über den sich das Spiegelbild eines Dinokopfes schiebt. Im Schatten des T-Rex wird das Gesicht des Astronauten erkennbar. Mensch und Dino öffnen zeitgleich ihre Münder, der eine zum Schreien, der andere zum Fressen. Schnitt. Willkommen im Jurassic Irgendwo.

    Ein starker Einstieg in Die fast vergessene Welt – was leider so nicht anhält. Als nächstes sieht man Marshall in der TV-Show Today, wo er von Moderator Matt Lauer (spielt sich selbst) wegen seiner Theorie verspottet wird. Sein Buch, so Lauer, sei in der Abteilung „In meinem Kronleuchter sind nicht mehr alle Lampen an“ zu finden. Marshalls Wutanfall wird mit dem Inhalt eines Feuerlöschers gestoppt.

    Rick Marshall, Will Stanton, Holly und Affenmann Cha-Ka schaukeln in einer Höhle an Lianen und versuchen dem weit geöffneten Maul des T-Rex zu entkommen.
    Komm auf die Schaukel, Grumpy: Die Helden, ergänzt um Cha-Ka, versuchen, dem T-Rex zu entkommen. © Universal Pictures

    Haben Dinosaurier Möpse?

    Drei Jahre später hält der Wissenschaftler einen imposanten Vortrag über Tachyonen, während im Hintergrund das bombastische „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß ertönt, spätestens seit Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum Inbegriff der Science-Fiction-Hymne. Das Licht geht an, Marshalls Publikum entpuppt sich als ein Haufen Achtklässler. Die Kinder stellen so spannende Fragen wie: „Wenn mann eine Tonne Hasch auf die Sonne schießt, würden dann alle auf der Erde nach dem Verbrennen high werden?“ Eine Schülerin fragt Marshall, ob er Viagra nehme, und ein anderer möchte wissen: „Haben Dinosaurier Möpse?“

    Ein paar flache Witze und der Fertigstellung des Tachyonen-Generators später folgt der Ausflug in die Höhle des Teufels-Canyons. Und nach etwa 15 Minuten Laufzeit erreichen wir Die fast vergessene Welt: Nach dem Sturz durch Raum und Zeit erwacht das Trio in einer an Bilder des surrealistischen Malers Salvador Dali erinnernden Wüstenlandschaft unter drei Monden mit zahlreichen Anachronismen: Mitten im Sand steht eine einsame Tür ohne Haus, dahinter liegt ein Wikingerschiff im Sand, in dessen Deck sich eine abgestürzte Cessna gebohrt hat.

    Will Ferrell als Rick Marshall, Anna Friel als Holly und Danny R. McBride als Will Stanton versuchen, sichin Die vergessene Welt mit Affenmann Cha-Ka, gespielt von Jorma Taccone zu verständigen.
    Schenkelklopfer: Der erste Kommunikationsversuch mit Affenmann Cha-Ka entwickelt zu einem ausgewachsenen Busengrabschen. © Universal Pictures

    Kommunikation mit Busengrabschen

    Optisch hat Die fast vergessene Welt einiges zu bieten. Die fantastischen Fantasy-Landschaften würden einem erstklassigen Videospiel alle Ehren machen. Die Animationen sind wie die Kostüme wie in einem billigen B-Movie bewusst künstlich gehalten, bieten mit äußerst fließenden Bewegungen aber reichlich Schauwerte. Das macht Spaß. Jedenfalls mehr als der oftmals unter die Gürtellinie zielende Humor. Wenn die ersten Kommunikationsversuche mit Affenmann Cha-Ka zur Busengrabscherei ausarten, ist das eher platt. Ganz am Ende wird der Fäkalhumor komplett auf die Spitze getrieben. Doch das ist dann fast schon wieder lustig.

    Es gibt durchaus viele Gags, die funktionieren. Wenn der T-Rex auf die herablassenden Äußerungen Marshalls bezüglich seiner Intelligenz – schließlich habe er ja nur ein Gehirn von Walnussgröße – sauer reagiert, ist das stark. Erst recht, wenn er Marshall zeigt, wie groß eine Walnuss in seiner Welt tatsächlich ist. Auch Will Ferrells Grimassen, wenn er beim Singen von einer Urwaldmücke ausgesaugt wird, machen Spaß. Ebenso sein Tanz zwischen den Eiern eines Flugsauriers, während der wie ein Gettoblaster aussehende Tachyonen-Generator Musik aus A Chorus Line von sich gibt. Da ist Ferrell ganz in seinem Element.

    Zwei froschähnliche Sleestaks bedrohen Marshall und Stanton von zwei Seiten in einer grünschuimmernden Fantasykulisse in Die fast vergessene Welt.
    Konfrontation: Marshall und Stanton sehen sich zwei gefährlichen Sleestaks gegenüber. © Universal Pictures

    Darüber hinaus stellt Die fast vergessene Welt wenig Ansprüche an die schauspielerischen Leistungen, die solide sind, einen aber auch nicht vom Hocker reißen. Die Musik von Michael Giacchino (Jurassic World 1 und 2, Jojo Rabbit) gefällt, und man mag sich bei der ein oder anderen Gelegenheit dabei ertappen, den Takt mitzuklopfen. Aber auch er hat natürlich schon weitaus bessere Soundtracks abgeliefert.

    Unser Fazit zu Die fast vergessene Welt

    Brad Silberlings Abenteuer- und Fantasy-Komödie punktet vor allem mit optischen Werten. Die fast vergessene Welt ist voller surrealistischer Bilder, die faszinieren und stark an die Gemälde Salvador Dalis erinnern. Da mag man eintauchen, wie unsere Protagonisten in den Swimmingpool mitten in der Wüste. Die hanebüchene Handlung ist dagegen wenig überraschend und eher irrelevant. Es gibt eine Reihe gelungener Gags und jede Menge flacher Witze. Der Film macht durchaus Spaß, aber man kann zwischendurch ruhig mal ein paar Erdnussflips holen gehen, ohne die Pausentaste drücken zu müssen.

    Die fast vergessene Welt erscheint am 28. August erstmals auf Blu-ray in einer limitierten Steel-Edition.


    © justbridge enterprise GmbH

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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