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    Startseite » Dolly
    Filme Horror Thriller

    Dolly

    Louis Kiehlvon Louis Kiehl9. Juni 2026Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    © Dolly in the Woods LLC.
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    Puppentheater mit Stifler. Wer bei dieser Beschreibung vorschnell an den nächsten verspäteten American Pie-Ableger denkt, dürfte eines Besseren belehrt werden. Denn Dolly hat mit College-Klamauk herzlich wenig am Hut, sondern schielt unverkennbar auf die Terror- und Hinterwäldler-Klassiker der 70er Jahre. Lasst uns herausfinden, ob dieser Versuch gelingt…

    Darum gehts im Horrorfilm

    Chase will seine Freundin Macy bei einer Wanderung mit einem Heiratsantrag überraschen. Das Glück scheint perfekt, doch die beiden betreten auf ihrem Weg versehentlich das Revier von Dolly, einem zentnerschweren, maskierten Monstrum, das gerne mit Puppen spielt – am liebsten mit menschlichen. Nach einer blutigen Konfrontation wird Macy von Dolly in ihr abgelegenes Haus verschleppt. Dort wartet ein Alptraum aus Schmerzen und Demütigungen auf sie, denn aus Dollys Puppenhaus kam noch niemand lebend wieder heraus. Was als romantischer Ausflug begann, wird zum gnadenlosen Kampf ums Überleben.

    © Dolly in the Woods LLC.

    Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen

    Billig produzierter Horror ist inzwischen im Genre etabliert. Figuren wie Art the Clown aus Terrifier, Winnie Puuh mit Axt statt Honigtopf oder Jack in the Box haben gezeigt, dass Kult-Ambitionen nicht zwangsläufig ein großes Budget voraussetzen. Dass viele dieser potenziellen Horror-Ikonen ursprünglich aus Kurzfilmen hervorgingen und ihr erster Ausflug in Spielfilmlänge oft nur schwer zu ertragen war, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Häufig konnten die genannten Figuren erst mit ihrem zweiten oder dritten Anlauf „überzeugen“, während die jeweiligen Erstlingswerke unter typischen Anfängerfehlern, holprigem Storytelling, miesem Schauspiel und höchst fragwürdigen Drehbuchentscheidungen litten. 

    Viel zu oft bestand der Kern dieser Filme daraus, dass Figuren die absurdesten und hanebüchensten Entscheidungen treffen mussten, damit die Handlung überhaupt länger als zehn Minuten andauern und die Laufzeit irgendwie die 80-Minuten-Marke überschreiten konnte. Dolly schlägt genau in dieselbe Kerbe. Der Film akzeptiert die enormen Startschwierigkeiten nahezu widerstandslos und reiht sich damit in die lange Liste ähnlicher Horror-Erstlinge ein, die viel Potential mitbringen, aber erstaunlich wenig einlösen. Regisseur Rod Blackhurst ist ein Horrorfilm gelungen, der von dem lebt, was er hätte werden können, als von dem, was er letztlich geworden ist.

    Das X markiert das Last House on the Left

    Dolly kaschiert seine offensichtlichen Schwächen jedoch halbwegs geschickt mit den typischen Markenzeichen des Exploitation-Horrors der 1970er-Jahre. Blackhurst vereint Versatzstücke aus The Texas Chainsaw Massacre, The Last House on the Left und weiteren Genreklassikern, um seine Laufzeit annähernd gefüllt zu bekommen und reichert dies zugleich mit Anleihen aktueller Vertreter wie X oder Barbarian an. Das Ergebnis ist moderner Retro-Horror, der seine Inspirationen offen zur Schau stellt – und audiovisuell mit körniger 16MM-Optik und aus der Zeit gefallenen Kameraspielerein große Schauwerte auffährt. 

    Daraus entsteht ein ambitioniertes, zynisches und stellenweise durchaus sadistisches Stück Horrorkino, das überraschend solide inszeniert ist und aus seinem begrenzten Schauplatz trotz überschaubarer Mittel erstaunlich viel herausholt. Gerade seine bewusst schäbige, verschwitzte und unangenehme Atmosphäre gibt dem Publikum gemischte Gefühle. Zwischen irritiertem Lachen, Stirnrunzeln, genervtem Ausatmen durch eine Vielzahl unfreiwillig komischer Momente gelingt es Blackhurst, jenes Gefühl einzufangen, das entsteht, wenn man einen 70er-Jahre-Horrorfilm erstmals mit modernen Sehgewohnheiten betrachtet. Die Zeiten haben sich verändert – und genau mit dieser Reibung spielt Dolly anständig.

    The Texas Porcelain Massacre

    Hauptdarstellerin Fabianne Therese und Sean William Scott geraten dabei ins Visier der Puppenkillerin, verkörpert von Wrestlerin Max Lindsey. Zwar bringt die Antagonistin durchaus das Potenzial mit, sich langfristig zu einer weiteren (kleinen) Ikone des B-Horrors zu entwickeln, bewegt sich jedoch unverkennbar im Schatten von Leatherface und Co. Einige markante Eigenschaften, die im Gedächtnis bleiben könnten, bringt sie dennoch mit: ihre unangenehme Präsenz, die markante Atmung und mehrere Szenen, die von ihren ungezügelten und bizarren Handlungen leben. Wirklich nachhaltig Eindruck hinterlässt die titelgebende Dolly jedoch nicht. Zu oft verkommt die puppenbesessene Killerin zum bloßen Mittel zum Zweck, dessen Bedrohlichkeit nur deshalb funktioniert, weil die Hauptfiguren eine unglaubwürdige Entscheidung nach der anderen treffen.

    © Dolly in the Woods LLC.

    Zu wenig Klirren, zu viel Irren

    Diesen Schwachstellen kann auch die Besetzung nur bedingt entgegenwirken. Fabianne Therese bleibt über weite Strecken bestenfalls (unter)durchschnittlich und findet kaum die notwendige Scream-Queen-Präsenz, um das Geschehen emotional oder physisch zu tragen. Sean William Scott holt dagegen noch am ehesten etwas aus dem schwachen Drehbuchwirrwarr und der misslungenen Episodenstruktur heraus. Wenn die Grindhouse-Hommage zwischen überraschend harten Gewaltausbrüchen und einem bemühten Beziehungsdrama pendelt, sorgt er immerhin dafür, dass die Zuschauer so etwas wie Mitleid empfinden. Mitgefühl und Anspannung stellt sich jedoch nur selten ein. Ebenso vermisst man das seitens Blackhurst doch ein Gespür für ein adäquates Pacing.

    © 24 Bilder/ Dolly in the Woods LLC.

    Unser Fazit zu Dolly

    2.0 Tut nicht weh

    Dolly eine gelungene Grindhouse- und 70er-Jahre-Reminiszenz zu nennen, wäre genauso übertrieben wie die titelgebende Puppenkillerin zur neuen Speerspitze des Slasher-Horrors zu erklären. Dafür wirkt das Gesamtbild zu unausgegoren, die Darstellerleistungen zu blass und die inhaltlichen wie strukturellen Schwächen über die gesamten 83 Minuten hinweg zu präsent. Dabei ist Blackhursts Film weniger ein klassischer Backwood-Slasher als vielmehr ein psychologisch gefärbter Horrortrip, der seine Gewaltdarstellungen nicht als Aushängeschild vor sich herträgt, sondern sie gezielt und effektiv einsetzt. Die ansprechende Optik, das stimmige Setting sowie einige gut vorbereitete und wirkungsvoll ausgespielte Momente mit Ekelpotenzial halten die Aufmerksamkeit zumindest phasenweise aufrecht. Das reicht zwar nicht aus, um eine neue Horror-Ikone zu etablieren, genügt jedoch, damit Dolly nicht vollständig im vergessenswerten Genre-Einerlei versinkt.

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    Louis Kiehl

    Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

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