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    Startseite » Ebola Syndrome
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    Ebola Syndrome

    Tobias Theißvon Tobias Theiß17. Mai 2023Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Anthony Wong steht in Ebola Syndrom mit blutbespritztem Gesicht und blutiger Geflügelschere in der Hand vor der Kamera und starrt mit höhnendem Blick auf seine Opfer.
    Kai (Anthony Wong) mit verhöhn| © Busch Media Group
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    Herman Yau und Anthony Wong schwammen 1993 mit ihrer Untold Story bereits in CAT III-Gewässern. Drei Jahre und einige gemeinsame Arbeiten später, stießen sie mit Ebola Syndrome wieder in dieses tabu- und schonungslose Fahrwasser vor. Ob die Zusammenarbeit wieder abscheulich gute Früchte trägt, erfahrt ihr in unserer Review!

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    Cover D der 4 erhältlichen Mediabooks wurde von Andreas Birk gestaltet. | © Busch Media Group

    Die Handlung von Ebola Syndrome

    Kai (Anthony Wong) vertreibt sich seine Zeit auf wenig charmante Weise. Missgelaunt geht er seinem Handwerk als Koch unter hygienisch fragwürdigen Umständen nach, hurt durch die Gegend und pflegt ein zweifelhaftes Bild gegenüber seinen Mitmenschen. Nach seinen letzten Ausschweifungen sieht er sich gezwungen, Hongkong zu verlassen. Doch auch das selbst auferlegte Exil in Afrika ändert nichts an seinem diabolischen Charakter. Er steckt sich unwissentlich bei einer Vergewaltigung mit Ebola an und ist kurz darauf gezwungen, in seine Heimat zurückzukehren. Dort führt er sein Leben auf ebensolche niederträchtige Weise fort, wie zuvor. Nur hat er dieses Mal das todbringende Virus im Gepäck…

    Eine Frau wird von einer Hand am Hals gewürgt und streckt widerwillig ihre Zunge aus, der währenddessen eine geöffnete Geflügelschere gefährlich nahe kommt.
    Kai bringt vorlaute Frauen auf ganz eigene Art zum Schweigen… | © Busch Media Group

    Ein Ekel als Hauptfigur

    The Untold Story wird in diesem Jahr satte 30 Jahre alt – warum eine Besprechung zu Ebola Syndrome mit der Erwähnung dieses Klassiker des CAT III-Genres eröffnen? Nun, weil man erstgenannten gewissermaßen als großen Bruder bezeichnen könnte. Denn in beiden Werken steckt die filmische DNA von Regisseur Herman Yau und Darsteller Anthony Wong: zügelloser Tabubruch, grenzüberschreitende Gewalt und der Verzicht auf jedweden moralischen Anstand. Doch wo The Untold Story seine Eskapaden noch mit Slapstick auflockert, verzichtet Ebola Syndrome völlig auf den humoristischen Anteil. Manege frei für Anthony Wong als Triebtäter Kai!

    Regisseur Yau, Drehbuchautor Ting Chau und natürlich Hauptdarsteller Wong kannten keine Gnade und überschritten jegliche Grenze des guten Geschmacks. Doch nicht nur damals war sich Ebola Syndrome seiner Shock Values bewusst, auch heute noch (oder gerade in der heutigen Zeit?) stößt der Film in aller Regelmäßigkeit vor den Kopf. Lug und Trug stehen bei Kai auf der Tagesordnung, dazu gesellen sich rassistisches und misogynes Gedankengut – und das sind nur Kais kleinere Übel.

    Erniedrigung, erkaufter Sex bis hin zur Vergewaltigung und zu extremen Gewaltakten, gepaart mit übelstem Zynismus, Nihilismus und Misanthropie, vollenden Kais Charakter. Selten hat man eine weniger haltbare Hauptfigur in einem Film erlebt als hier. Aber es funktioniert. Dass die 1994 erfolgte Ehrung Anthony Wongs  mit dem Hong Kong Film Award für seine Leistung in The Untold Story zu Recht erfolgte, wird in Ebola Syndrome nur noch einmal untermauert. Wong geht mit einer Spielfreude in seiner Rolle auf, die hart am Overacting grenzt.

    Must be seen to be believed

    Unter Fans kruder fernöstlicher Filmkost hat sich Ebola Syndrome seinen Kultstatus sicherlich in erster Linie durch die filmischen Eskapaden und die damit einhergehende Zensur erkämpft. Und fürwahr, das Drehbuch lässt ab der ersten Minute keine Zweifel aufkommen, dass man einen abgrundtief bösartigen Film serviert bekommt: Körperflüssigkeiten fließen in Strömen und Kai darf mehr als deutlich machen, dass sein moralischer Kompass völlig freidreht. Männliche Widersacher werden mal eben mit einer Geflügelschere genital verstümmelt, Frauen die Lügen speiende Zunge kurzerhand selbige abgeschnitten und die alles beobachtende Tochter mit Benzin übergossen. All diese Widerwärtigkeiten geschehen in den ersten fünf Minuten.

    Für den gestählten Magen beginnt der Schocker also vielversprechend und enttäuscht auch im weiteren Verlauf nicht, wenn keine erdenkliche ekelerregende Szenerie ausgespart wird. Ob es missbräuchlich genutztes Fleisch ist, das anschließend für die zahlende Kundschaft zubereitet wird oder sogar Kannibalismus – Ebola Syndrome geht in die Vollen. Wer hingegen weniger abgehärtet ist, dem wird der anstößige Inhalt sicher ähnlich schwer verdaulich sein, wie die im Film servierten „afrikanischen Schweinefleischbrötchen“.

    Wenn man denn möchte, lässt sich unter dem offensichtlichen Schund aber auch durchaus ein kritischer Unterton mit Blick auf Kapitalismus und Machthierarchien entdecken. Kais Chef beispielsweise kommt bereitwillig für dessen Behandlungskosten auf – allerdings nicht aus Nächstenliebe, sondern aufgrund der Befürchtung, niemals wieder eine solch billige Arbeitskraft wie Kai an Land zu ziehen. Dieser wiederum lässt sinngemäß im Film verlauten, dass er seiner Umwelt nur das heimzahlt, was sie ihm vergönnt beziehungsweise durchleiden lässt.

    Ein Mann schreit entsetzt auf, während ihm eine handvoll Zahnstocher blutig im rechten Auge stecken.
    Kai kennt kein Erbarmen gegenüber seinen Mitmenschen. | © Busch Media Group

    Sodom und Gomorra

    So abgrundtief böse Ebola Syndrome in seiner Grundidee und seiner Hauptfigur auch ist, das Dauerfeuer der Abartigkeiten flacht mit Kais Rückkehr nach Hongkong etwas ab und gerät zu Gunsten eines eher leidlichen Krimiplots etwas in den Hintergrund. Denn auch wenn sich ein sozialkritischer Unterbau lesen lässt, liegen die eindeutigen Stärken des Sickos in seinem unverblümten Ausloten moralischer Grenzen, seiner völlig überdrehten Darstellung Anthony Wongs und der fast schon comichaft übersteigerten Gewalt.

    Daher fällt es dann doch negativ ins Gewicht, wenn eben jene Aspekte aus dem Fokus rücken und einem halbgaren Thrillerplot weichen. Während sich der Unterhaltungsfaktor in der ersten Filmhälfte deutlich aus seiner Dichte der Niederträchtigkeiten ergibt, fällt deren Quantität zum Finale hin ab. Dadurch geht tatsächlich etwas Reiz verloren und zieht das Werk hier merklich in die Länge. Dennoch werden auch dann noch einige deftige Szenen geboten, eindringliche Aufnahmen sich aerosol verbreitender Viruspartikel inklusive.

    Im Finale darf Wong dann noch einmal richtig aufdrehen. Wem seine Rolle bis dahin auf krude Weise sympathisch erschien, sollte spätestens hier eines Besseren belehrt werden. Wenn er sich mit dem Ziel, möglichst jeden Passanten mit Ebola zu infizieren, blutend und spuckend durch die Straßen Hongkongs randaliert, ist klar, dass es sich um einen totalen Menschenfeind handelt.

    Fassungsüberblick

    Bei Ebola Syndrome lohnt sich ein Blick auf die Fassungshistorie beziehungsweise den langen Weg zu den nun von Busch Media Group vorliegenden Mediabooks. Diese ist nicht nur die erste geprüfte Fassung (zwar nicht mit Freigabe durch die FSK, sondern der SPIO) für den deutschen Markt, sondern enthält den Film im deutschen Sprachraum auch erstmals in der völlig ungekürzten Langfassung.

    Kleiner Rückblick: 2010 veröffentlichte Illusions Unltd. den Streifen zum ersten Mal mit deutscher Synchronisation in der damals noch jungen CAT-III-Reihe. Ebola Syndrome musste bereits in Hongkong Federn lassen. Das zuvor entfernte Material konnte 2007 erstmalig auf der amerikanischen DVD von Diskotek Media in guter Bildqualität bestaunt werden. Dort allerdings nur im Bonusmaterial und nicht in den Film integriert. Illusions Unltd. schnitt die entsprechenden Szenen dann wieder in das Gesamtwerk ein. Die 2010er Fassung stellte somit die erste ungeschnittene und vollständige Fassung dar.

    Vergleiche mit der 2021 durch Vinegar Syndrom veröffentlichten UHD-Fassung förderten dann doch noch weitere Überraschungen zu Tage: Illusions Fassung gilt noch immer als uncut, jedoch wurden scheinbar durch fehlerhaften Umgang bei der Bearbeitung der damaligen Fassungen minimale Szenenübergänge verschluckt. Somit liegt der am 19.05.2023 durch Busch Media Group veröffentlichten Fassungen nun das komplett ungeschnittene Master zugrunde und der sleazige Schocker kann ohne Tonsprünge und Farbabweichung in all seiner niederträchtigen Pracht genossen werden.

    In Ebola Syndrome steht Anthony Wong als Koch Kai vor dem in einer Blutlache liegenden Leichnam eines männlichen Kontrahenten und schaut verächtlich auf diesen herab.
    Kai (Anthony Wong) steht vor den blutigen Überresten seiner Widersacher. | © Busch Media Group

    Unser Fazit zu Ebola Syndrome

    Gewalt, nackte Haut und keine moralischen Grenzen: Ebola Syndrome ist ein absolut würdiger Vertreter des CAT III-Genres. Feuert die erste Filmhälfte ekeltechnisch ohne Pause aus allen Rohren, tritt das Schlusskapitel etwas auf der Stelle. Trotzdem ist Ebola Syndrome ein lupenreiner Sicko, den jeder Fan des grenzgängerischen Films gesehen haben sollte.


    © Busch Media Group

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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