Mel Gibson im Regiestuhl, Mark Wahlberg als psychopathischer Auftragskiller – und das alles diverse Kilometer über dem Boden. Was kann da schon schiefgehen? Flight Risk zeigt: einiges. Mehr dazu in unserer Kritik!

Flight Risk – Darum geht’s
Nachdem US Marshal Madolyn Harris (Michelle Dockery) den kriminellen Buchhalter Winston (Topher Grace) in Alaska festgesetzt hat, muss sie ihn als Kronzeugen nach New York überführen. Dort soll der Gefangene gegen ein Verbrechersyndikat aussagen. Doch der Flug wird bald zu einem Kampf auf Leben und Tod. Der Pilot (Mark Wahlberg) ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Am Steuer sitzt nämlich ein Killer, der von den Gangstern auf Winston angesetzt wurde, um zu verhindern, dass er lebend in New York ankommt. Marshal Harris muss die Kontrolle über das Cockpit gewinnen und die Maschine sicher landen. Doch Zeit und Treibstoff werden knapp, und in der Kabine befindet sich ein Mörder, der nichts zu verlieren hat.
Der richtige Mann für den Job
Im Januar 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump kurz vor seinem Amtseintritt, die Filmschaffenden Jon Voight, Sylvester Stallone und Mel Gibson als Hollywood-Botschafter einzusetzen, um die angeblich nach links abgedriftete Filmindustrie wieder auf den „rechten“ Pfad zu lenken. Nach der Sichtung von Flight Risk lässt sich dies wohl als eine weitere personelle Fehleinschätzung Trumps verbuchen. Voight entgeisterte im vergangenen Jahr in Megalopolis, Stallone haftet noch immer die Blamage des letzten Expandables-Films an – und nun hat auch Gibson nachgelegt. Sein neuestes Machwerk ist ein Flugzeugunglück von einem Film; eine gnädigerweise anderthalbstündige Aneinanderreihung wirrer Drehbuch- und Regie-Entscheidungen, die sich mit keiner Logik dieser Welt erklären lassen.
Bereits die Eröffnungseinstellung einer entweder jämmerlich schlecht animierten oder KI-generierten Winterlandschaft samt Blockhütte setzt passende Erwartungen für die Qualität des folgenden Erlebnisses. Tatsächlich möchte man überhaupt nicht wahrhaben, dass Gibson – immerhin als Regisseur mit dem Oscar ausgezeichnet – einige der kommenden Bilder wirklich mit einer Kamera eingefangen hat. Das widerlich anzusehende Plastik-CGI in den Außenaufnahmen des Flugzeugs erweckt nostalgische Erinnerung an die 90er Jahre. Währenddessen ist das Innere des Cockpits vom Raumschiffsimulator im Vergnügungspark nicht zu unterscheiden. Selten hat man das Gefühl, sich in einem realen Raum zu befinden. Die künstlich anmutende Kamera und der wirre Schnitt geben die klaustrophobische Stimmung kaum wieder. Eher wirken sie wie der Versuch, die fehlende Action-Qualität zu überspielen.
Die mäßig unterhaltsame Reise in einem gewöhnlichen Flugzeug
Ohnehin fällt schnell auf, wie wenig überzeugenden Thrill dieser angebliche Thriller zu bieten hat. Wo fähigere Regisseur:innen das begrenzte Setting ausgleichen oder sogar zu ihrem Vorteil nutzen würden, muss man sich bei Gibson fragen, warum er überhaupt einen Flugzeug-Film drehen wollte. Denn kreative Ideen sucht man in Flight Risk vergebens. Die Action hat kaum Tempo und beschränkt sich auf langweilig choreographierte Raufereien ohne jede Wirkung. Lediglich die fast unerträglich aufdringliche Musik vom eigentlich talentierten Komponisten Antonio Pinto impliziert so etwas wie Spannung. Ansonsten sehen wir größtenteils, wie in einer Sardinenbüchse eingepferchte und teils sogar gefesselte Figuren lieblose Schläge austeilen, während ihre Propellermaschine müde Manöver fliegt.
Fast möchte man den Schauspieler:innen Respekt dafür aussprechen, wenigstens teilweise den Eindruck erwecken zu können, sie säßen in einem außer Kontrolle geratenen Flugzeug. Doch das Lob beginnt und endet an dieser Stelle. Fairerweise muss festgehalten werden, dass weder Topher Grace noch Mark Wahlberg jemals eine reelle Chance hatten, ihre Figuren erträglich darzubieten. Denn das Drehbuch von Jared Rosenberg ist versessen darauf, beide zu unausstehlichen Leinwandpräsenzen zu formen. Im Grunde ist es unverständlich, dass die Protagonistin bei der Aussicht, beiden Männern für die gesamte Dauer des Trips zuhören zu müssen, das Flugzeug nicht einfach in den nächstgelegenen Berg steuert. Das Skript scheint sich der Macht der Stille nicht bewusst zu sein. Dauerhaft muss irgendein nerviger Kommentar herausposaunt werden. Es wird sich eingepinkelt, „braun gepupst“, in den blumigsten Formulierungen mit Schändung gedroht. Jede Dialogzeile trieft vor Plumpheit. Flight Risk könnte das erste Drehbuch in der Kinogeschichte sein, das von einer Person geschrieben wurde, die den Stift in der Faust gehalten hat.

Eine fliegende Identitätskrise
Frustrierend ist zudem die völlige Ratlosigkeit über die eigene Identität, die dem Projekt anzumerken ist. Wollte Gibson hier den ernstzunehmenden Spannungsmacher inszenieren, der der Film sein will, sobald die Kamera auf Michelle Dockery hält? Schwer zu glauben bei der entnervenden Anlegung ihres Leinwandpartners Topher Grace. Dann vielleicht doch eine völlig abgedrehte Action-Extravaganza mit einem durchgeknallten Marky Mark unter der schlechtesten (und unnötigsten) Glatzenkappe der Welt? Schon eher, aber wieso kettet man die Figur dann für einen beträchtlichen Teil der Laufzeit an und entschärft sie somit vollends? Nach dem Trailer käme ich mir als Trash-Liebhaber fast betrogen vor. Wahlbergs Ausraster beschränken sich nämlich zuallermeist auf wirre verbale Tiraden und ausgedehnte Entfesselungsversuche. Das maximale Spaßpotenzial wird nicht annähernd ausgeschöpft. Was ist Flight Risk also dann?
Die Antwort auf diese Frage ist wohl eine simple: Mel Gibson hat selbst keine Ahnung. Das Projekt soll überhaupt nichts „sein“. Die nötige Arbeit, um eine Identität zu erschaffen, ist hier gar nicht hineingeflossen. Die stinkfaule Regiearbeit wirkt beinahe verschwenderisch angesichts des über alle Maßen bekloppten Drehbuchs, das sich anfühlt wie im tiefsten Drogenrausch zusammengeschmiert. Flight Risk verspürt vor seinem Publikum ebenso wenig Respekt wie vor seinen Stars. Mark Wahlberg blamiert sich in einer der miesesten Rollen seiner Karriere, aber er wurde wenigstens dafür bezahlt. Die Kinobesucher:innen dagegen mussten für die lange Nase, die ihnen über 91 Minuten gezeigt wird, sogar noch Geld abdrücken.
© Tobis
Unser Fazit zu Flight Risk
Die lahme Geschichte, welche eher ein löchriges Alibi für das Setting darstellt als einen solide konstruierten Plot, hätte im Alleingang wohl niemanden hinter dem Ofen hervorgelockt. Demnach ist verständlich, dass die Promo für Flight Risk einen ebenso dummen, aber viel größeren Film versprach, als wir nun schlussendlich bekommen haben. Die drohenden Abstürze und angriffslustigen Jets sind vorhanden, werden aber eher pflichtbewusst abgehakt. Größtenteils hören wir Michelle Dockery beim Telefonieren zu, während Mark Wahlberg kreative Schimpftiraden abfeuert, eingefangen in beeindruckend hässlichen Bildern. Das ist nie gut, selten erträglich und durchgehend witzig – auf dieselbe Art und Weise, wie es witzig ist, Videos von süßen Tieren zu sehen, die hinfallen. Nur dass das süße Tier in diesem Fall ein in die Jahre gekommener Hollywood-Regisseur ist. Und anstatt hinzufallen liefert er einen Film ab, der schon im Februar ein sicherer Anwärter auf jede gute Film-Flopliste für 2025 sein dürfte. Wenn das Hollywoods zukünftige Richtung sein soll, ist ein Absturz ohne Überlebende vorprogrammiert.
Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.

