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    Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler

    Tobias Theißvon Tobias Theiß8. Januar 2018Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Mit The Human Centipede [First Sequence] ließ Regisseur Tom Six einen heiß erwarteten Schocker auf die Horrorgemeinde los, welcher im Genre zu einem Kultfilm avancierte…und mittlerweile zwei Fortsetzungen auf sich vereinigen kann.

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=glfBurdSUS8″]

    Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler schaffte den Sprung aus dem Untergrund

    Um 2010 herum konnten viele Filme mittels geschickter Vermarktung einen Hype um sich generieren, der die Vorfreude bekennender Filmfreunde schier ins Unermessliche steigerte. Einige schafften sogar den Sprung aus dem schmuddeligen Underground- und Grindhousesektor heraus in die mainstreamige Menge. Einen dieser „In-aller-Munde“-Titel stellte Tom Six‘ The Human Centipede [First Sequence] dar. Allein die Grundidee, ein ehemaliger Chirurg möchte sich einen menschlichen Tausendfüßler erschaffen, sorgte für ein gesteigertes Maß an Interesse oder aber ein gesteigertes Maß an Abneigung. Wie so oft hieß es hier also schon im Vorfeld: brillant oder ekelerregend abstoßend.

    Und ebenfalls wie so oft: es wird selten so heiß gegessen, wie gekocht wird. Die Hype bedingte Erwartungshaltung war gleichermaßen Segen und Fluch. Während hartgesottene Splatter- und Goreliebhaber schlussendlich enttäuscht und nicht von einer Flut aus Blut und Gekröse zufriedengestellt sein werden, werden sich dennoch ausreichend viele Personen den Streifen angeschaut haben – einfach nur weil er derzeit quasi „Mode“ war.

    Worum geht es in Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler?

    Was erwartet den geneigten Zuschauer aber nun genau? Ehe es an’s Eingemachte geht, wird einleitend klischeebeladene Kost geboten. Zwei Mädels verirren sich – jedoch nicht in Osteuropa, sondern im zivilisierten und ordentlichen Deutschland. Will man meinen. Typischerweise trügt der schöne Schein und man findet sich in den Fängen des cholerisch-psychotischen Doktor Heiter (the irony!) wieder. Während die Einleitung also wie schon hundertfach gesehen abläuft und den Rahmen für einen handelsüblichen Teenieschocker absteckt, sorgt der Charakter des Doktor Heiter für ein wohliges Maß kruder Einfälle.

    Leider ist man Dank der Marketingkampagne schon auf den bitterbösen Twist vorbereitet. Wäre dieser allerdings noch nicht bekannt, wäre hier ein genialer Schachzug erfolgt, um urplötzlich die ausgetretenen Slasher-Pfade zu verlassen und Neues zu wagen. Der Witz an der ganzen Sache ist jedoch, dass The Human Centipede [First Sequence] zwar eine grundlegende abstoßende und größenwahnsinnige Idee feilbietet, deren platte Umsetzung aber geschickt umschifft. Großaufnahmen spart man sich hier, das Kopfkino der Zuschauer regiert und maximiert den Schrecken und Ekel wohl deutlich stärker, als jedes Bild es geschafft hätte. Six hat es geschafft, den Leuten Ekel und perfide Neugier zu verkaufen, ohne groß selber etwas davon darstellen zu müssen.

    Dieter Laser träge Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßlermit starkem Overacting

    Handwerklich ist The Human Centipede erwartungsgemäß überschaubar gehalten, was schlicht am Sujet liegt. Weit über die Hälfte des Filmes spielt im Anwesen Doktor Heiters, welches stimmungsvoll eingerichtet ist, aber dennoch eine passende klinisch-sterile Atmosphäre verbreitet. Überhaupt Doktor Heiter! Dieter Laser ist weit vor dem Tausendfüßler das tragende Element des Films. Was er für eine erheiternde, erschreckende, polternde, narzisstische; schlichtweg größenwahnsinnige Performance abliefert, ist atemberaubend. Viele stören sich an seinem Overacting, hier ist es aber tatsächlich notwendig.

    Dem zu Gute kommt, der deutsche Handlungsort. Heiter darf, international scheint dies wohl als typisch Deutsch zu gelten, übermäßig scharf betont, seine wütenden Befehle nur so aus sich herausbellen. Die restliche Schauspielerriege schlägt sich so weit ganz wacker, ist aber den Großteil der Spielzeit dazu verdonnert, auf allen Vieren den wimmernden Tausendfüßler zu mimen. Neben Laser kann in diesem Film aber eh niemand bestehen, weshalb das gar nicht so schwer ins Gewicht fällt. Das Finale setzt dann ein wenig mehr auf Action und Effekte, ist aber gewissermaßen recht unspektakulär besiegelt.

    Dass The Human Centipede aber nur der Beginn, eine Art Fingerübung sein sollte, konnte man damals schon am Untertitel erahnen…und wie man heute weiß, nur als Exposition zu zwei Folgefilmen gedacht, die ihren fast schon subtilen Vorgänger in Sachen grafischer Grausamkeit deutlich überbieten.


    © Koch Media

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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