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    Into the Ashes

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt29. Juni 2021Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Sloan, gespielt von Frank Grillo, steht mit gezückter Pistole an einer Tankstelle.
    Es wird scharf geschossen: Sloan (Frank Grillo) kennt kein Erbarmen. © Koch Films
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    Das idyllische Leben von Nick und seiner Frau Tara wird gestört, als mit Sloan ein Schatten aus seiner Vergangenheit auftaucht – und eine Gewaltspirale entfesselt. Into the Ashes ist ein düsterer Rachethriller mit Anspruch. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, erfahrt Ihr in unserer Rezension.

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    Das Cover der Blu-ray von Into the Ashes.
    Das Cover der Blu-ray von Into the Ashes. © Koch Films

    Darum geht’s in Into the Ashes

    Nick (Luke Grimes) führt in Into the Ashes ein glückliches Leben in den einfachen Verhältnissen der arbeitenden Mittelschicht. Er hat Tara (Marguerite Moreau) geheiratet, die Tochter des Sheriffs (Robert Taylor). Wenn auch gegen dessen Willen. Er arbeitet in einer Polsterei, sie jobbt im Supermarkt. Doch Nick verbirgt ein düsteres Geheimnis aus seiner Vergangenheit, das seinen Schatten über die Idylle wirft.

    Dieser Schatten heißt Sloan (Frank Grillo), ein ehemaliger Kumpel Nicks. Und als Sloane aus dem Knast entlassen wird, hat er mit Nick mehr als ein Hühnchen zu rupfen. Schließlich war Nick nicht unschuldig an seinem unfreiwilligen Urlaub hinter schwedischen Gardinen. Sloan will Rache. Und er bekommt sie. Doch dann will Nick Rache. Und er bekommt sie auch.

    Ein Spiel mit den Erwartungen

    Ein düsterer Rachethriller in entsättigten Farben. Doch Into the Ashes will mehr. Der Independent-Streifen von Aaron Harvey versucht wacker, die üblichen Genreklischees zu umschiffen. Er spielt mit ihnen und mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, nur um sie dann auf den Kopf zu stellen – oder zu enttäuschen. Denn Into the Ashes beginnt mit einem Versprechen, das der Film nicht wirklich einzulösen versteht.

    Nick, gespielt von Luke Grimes, hat ein Gewehr auf Sloan angelegt, doch dessen Kumpel Charlie, gespielt von David Cade, hält ihm eine Pistole an den Kopf.
    Rachefeldzug: Nick (Luke Grimes) kommt nicht zum Schuss, denn Sloans Kumpel Charlie ( David Cade) bedroht ihn. © Koch Films

    Das erste Bild zeigt von hinten einen Mann an einem Lagerfeuer vor einem Teich. Langsam fährt die Kamera auf ihn zu. Schnitt auf die Hand, dann Schnitt auf eine Waffe, die an dem Stuhl lehnt. Dann Schnitt auf das Feuer, in dem irgendetwas Bestimmtes zu verbrennen scheint. Was, ist nicht genau zu erkennen. Dann erscheint der Filmtitel, und aus unscharfen Einstellung einer Straße schält sich eine Art Vorspann heraus, begleitet von einem Off-Kommentar, der das zu erwartende Geschehen biblisch-bedeutungsschwanger aufladen will.

    „Die Leute denken nie über die Grausamkeit in der Bibel nach, über die Gewalt“, sagt die knorrige Stimmen, die, wie wir erst später erfahren werden, Sheriff Frank Parson gehört. Es sei paradox, so hören wir weiter, Kindern die blutigen Geschichten beizubringen und gleichzeitig zu erzählen, den Nächsten zu lieben. Das macht neugierig. Wir erwarten ein Drama voll archaischer Wucht.

    Into the Ashes gibt ein Versprechen

    Doch ist der Anfang von Into the Ashes nicht nur inhaltlich, sondern auch formal ein Versprechen. Während die Stimme aus dem Off über die Grausamkeit der Bibel philosophiert, wird Nick in einer gut zweiminütigen Plansequenz in einer Art Kreisbewegung eingeführt. Ein Auslieferungsfahrer hält mit seinem Transporter vor der Polsterei. Die Kamera folgt ihm in das Geschäft, wo er einen Auftragszettel abgibt. Dann folgt sie diesem Zettel, der schließlich bei Nick landet, der einen in Plastik eingewickelten Stuhl aus einem Lagerregal holt und an die Toreinfahrt bringt. Dort übergibt er ihn an den Lieferfahrer, lächelt und spuckt aus. Alles ohne Schnitt, das ist toll gemacht. Wir erwarten ein filmisch extravagantes Vergnügen.

    Drohend stehen in Into the Ashes Sloan, gespielt von Frank Grillo, und hinter ihm seine Partner Charlie, gespielt von David Cade, und Jordan, gespielt von David Maldonado, in einem Türeingang.
    Trio Infernal: Sloan und seine Partner Charlie und Jordan (David Maldonado) planen Böses. © Koch Films

    So wie Regisseur und Autor Harvey in dieser Anfangssequenz zunächst an einem Lieferauftrag kleben bleibt, so bleibt er auch immer wieder an einzelnen Charakteren hängen, hält lange an der einmal eingenommenen Perspektive fest. Ein ungewohnter Kniff, der Spannung erzeugt. Wir begleiten Nick und seinen Kumpel Sal auf einen Wochenend-Jagdausflug, wohl wissend, dass bei ihm zu Hause etwas im Busche ist. Denn als er von unterwegs noch einmal mit Tara telefoniert, muss sie das Gespräch abbrechen, weil es heftig an der Tür klopft. Wir ahnen etwas, werden mit dieser Ahnung aber zurückgelassen und bleiben konsequent bei Nick. Was geschehen ist, erfahren wir erst zusammen mit ihm.

    Andeutungen fordern genaues Hinsehen

    Doch auch das nur in Andeutungen. Into the Ashes spielt mit solchen Andeutungen, und fordert oft genaues Hinsehen. Nachdem Sloan von zwei Komplizen aus dem Knast abgeholt wird und sich auf die Suche nach einem alten Freund macht, ahnen wir, um wen es sich handeln mag. Und wir ahnen, dass es zu einer explosiven Gewaltspirale kommen wird. Aber zu sehen ist davon nicht viel. Harveys Prinzip ist offenbar, nicht die Gewalt zu zeigen, sondern deren Folgen. Zwar sehen wir recht früh, wie Sloan sein Messer einsetzt. Notwendig, um die Rücksichtslosigkeit seines Charakters zu verdeutlichen. Was dann geschieht, erfahren wir aber nur durch eine Blutlache unter einem Schreibtisch.

    Dieses Prinzip der Andeutungen mag interessant gedacht sein, ist es aber nicht. Zumindest nicht auf Dauer. Am Ende dieser angedeuteten Gewaltspirale fragt Sheriff Frank seinen Schwiegersohn: „Wirst Du mir endlich erzählen, was passiert ist? Wenigstens das hab ich verdient, Nick.“ Als Zuschauer möchte man ihm da vorbehaltlos zustimmen. Und tatsächlich folgt eine kurze, bleihaltige Actionsequenz, die aber nicht jeden für die lange Wartezeit entschädigen dürfte.

    Uninteressante farblose Charaktere

    Das größte Problem von Into the Ashes ist allerdings nicht die Entschleunigung der Handlung. Die könnte sogar helfen, die Charaktere stärker zu entwickeln. Wenn es denn solche gäbe, die einen interessieren würden. Doch die schillerndste Figur ist zweifelsohne Sloan, der von Frank Grillo (The Purge: Election Year, Avengers-Reihe, Boss Level) mit perfider Bösartigkeit großartig cool gespielt wird. Oft wartet man sehnsüchtig auf sein Erscheinen. Denn die übrigen Figuren sind zwar nett, doch farblos. Richtig warm wird man mit niemandem. Was vielleicht auch daran liegt, dass im ganzen Film keiner die Katze rettet – um mal das Rezept des Drehbuchautors Blake Snyder zu zitieren, wie man Figuren im Film Sympathiepunkte verschafft.

    Nahaufnahme von Frank Grillo als Sloan in kalten Blautönen.
    Drohend stehen in Into the Ashes Sloan, gespielt von Frank Grillo, und hinter ihm seine Partner Charlie, gespielt von David Cade, und Jordan, gespielt von David Maldonado, in einem Türeingang.

    Auch der minimalistische Score, der mal drohende Gefahren mit hohem Sirren wie von einem wütenden Wespenschwarm anzeigt, mal mit wummernden Klängen wie von einem Didgeridoo durchaus versteht, Spannung zu generieren, wird auf Dauer etwas aufdringlich.

    Into the Ashes ist ein Männnerfilm

    Die Darsteller sind alle solide, aber langweilig. Luke Grimes (Fifty Shades of Grey, Die glorreichen Sieben) nervt irgendwann mit seinem meist gesenkten Blick mit leicht verschleierten Augen, die auf ein tief wurzelndes Schuldgefühl hindeuten sollen. Erfreulich ist zumindest für Fans der Serie Longmire ein Wiedersehen mit Robert Taylor, dessen kantige Erscheinung aber auch nicht reicht, über die Längen hinwegzutrösten.

    Nick, gespielt von Luke Grimes, verfolgt in Into the Ashes die Mörder seiner Frau mit einem Gewehr in den Händen.
    Showdown: Nick will Rache. © Koch Films

    Hinzu kommt: Into the Ashes ist ein Männerfilm. Zumindest spielt er in einer reinen Männerwelt, in der die Frauen dort sind, wo sie offenbar hingehören. Wenn sie nicht im Supermarkt arbeiten, stehen sie am Herd oder kümmern sich um die Kinder. Während die Männer jagen gehen und in der Kneipe auch mal Scherze über das Stehvermögen machen. Der abschließende Dialog zwischen Nick und Frank über die Sinnhaftigkeit des Gesetzes wirkt bemüht. Nick sagt gegen Ende: „Ich hab’s versprochen.“ Versprochen hatte auch Regisseur Harvey am Anfang etwas, aber nicht gehalten.

    Mein Fazit zu Into the Ashes

    Es gibt Filme, bei denen macht es Spaß, den Schauspielern beim Nichtstun zuzusehen. Into the Ashes zählt nicht dazu. Aaron Harvey hat in seinem Rachethriller viele gute Ansätze, doch das Konzept der entschleunigten Handlung unter Vermeidung von Klischees funktioniert nicht reibungslos. Für einen guten Thriller fehlt auf Dauer die innere Spannung, für ein Charakterdrama sind die Charaktere zu uninteressant. Dank vieler guter Ideen gerade auch in filmischer Hinsicht kein Flop. Aber auch kein Highlight.

    Into the Ashes erscheint am 24. Juni 2021 auf Blu-ray und DVD. Digital ist der Film seit dem 17. Juni erhältlich.


    © Koch Films

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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