Hangover-Star Bradley Cooper hat mit A Star is Born seine Regie-Qualitäten bewiesen. Nun kommt das neue Projekt, Is This Thing On?, dass sich ebenfalls in Teilen im Showbusiness bewegt ins Kino, diesmal nur mit Nebenrollen-Beteiligung Coopers vor der Kamera. Wie ist die Tragikomödie, die lose auf einem wahren Charakter fußt?
Darum geht’s in Is This Thing On?
Während ihre Ehe still und leise zerbricht, stehen Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen: Alex kämpft mit dem Älterwerden sowie der bevorstehenden Scheidung und sucht in der New Yorker Comedy-Szene nach einem neuen Lebenssinn. Tess hingegen stellt sich den persönlichen Entbehrungen, die sie ihrer Familie zuliebe in Kauf genommen hat. Beide müssen sich mit Themen wie Co-Parenting, Identität und der Frage auseinandersetzen, ob Liebe eine neue Form annehmen kann.

Allen, Baumbach, Cooper?
Allzu weit hatte sich Bradley Cooper ja mit seinem Regiedebüt A Star is Born seinerzeit nicht aus dem Fenster gelegt, war das Musikdrama doch einerseits schon der zig-te Aufguss eines formelhaften Skripts und andererseits voll auf die Präsenz von Lady Gaga zugeschnitten. Und auch mit Is This Thing On? bewegt sich Cooper nun nicht wirklich ins Innovative vor, das Multitalent bleibt sich treu und fokussiert sich in der Regiedisziplin auf seine Stärke als überdurchschnittlicher Handwerker. Lose basiert das zeitgenössische Drama auf der Geschichte des Komikers John Bishop, der nun für diese Verfilmung zum Finanzmanager Alex umgemodelt wurde. Will Arnett war neben Cooper dann noch maßgeblich am Skript beteiligt.
Und liest man sich nun die Synopsis durch, so muss man nicht nur wegen des Settings in New York wahrscheinlich an die beiden Filmemacher Woody Allen und Noah Baumbach denken, denen man diese Story sehr gut auch zutrauen würde. Tatsächlich ist auch der ganze Film stilistisch ziemlich nah dran an den typischen Projekten der beiden. Auch an Fleishman is in Trouble werden Kenner mit Sicherheit mehrfach denken. Doch das bedeutet nicht, dass Cooper einfallslos wäre, vielmehr zeugt es davon, dass er genau weiß, an wem er sich für diese Form von Slice-of-Life-Story zu orientieren hat, um einen ebenso stimmigen Mix aus Tragödie und Witz hinzubekommen.
Irgendwie… echt?
Wer einen großes Spektakel sehen will, großen Krach oder gar einen Ehekrieg à la Die Rosenschlacht, sollte ebenjene schauen und nicht Is This Thing On?, weil hier mehr eine zwar lebensverändernde Phase zweier Menschen begleitet wird, diese jedoch alles in allem so undramatisch daherkommt, dass man erst hinterfragen kann, warum man sie überhaupt filmisch aufarbeitet. Aber bekommt man erstmal ein Gefühl für die Figuren und vor allem die Art und Weise, wie die beiden Protagonisten und auch die Nebendarsteller hier ihre Rollen interpretieren, dann versteht man, dass exakt in dieser Aus-dem-Leben-gegriffen-heit, ein Sog und ein Schwung entstehen kann, der sich hinter keinem noch so überdramatisierten Drama verstecken muss.
So wie Alex hier bei seinen Gehversuchen als Stand-up-Comedian nur aus seinem eigenen Leben erzählt – getreu der Devise: Comedy ist Tragik plus Zeit – fühlt sich hier vieles unglaublich organisch, ja: echt an. Das geht zu einem großen Teil auch auf die Dialoge zurück, die zwar schon immer wieder eine Bedeutungsschwere haben, aber nahezu ausnahmslos so wirken, als hätten sie die erfahrenen Charakterdarsteller tief aus ihrer Seele heraus improvisiert.
Kleine Momente, große Wirkung
Dann dürfte es nun auch niemanden wundern, dass hier dramaturgisch kein absehbares Ziel angesteuert wird und das Drehbuch entsprechenden Mustern folgt, bei denen den Akteuren typische Steine in den Weg gelegt werden müssen, um deren Entwicklung voranzubringen. Vielmehr reihen sich hier Szenen aneinander, die einerseits für sich sprechen und andererseits im Gesamtzusammenhang dann nochmal mehr Sinn ergeben. Viele dieser Momente sind intim, klein, herzlich, familiär, aber durch ihre Nahbarkeit irgendwie magisch, weil man sich so gut reinversetzen kann, auch wenn man selbst eine ganz andere Lebensrealität hat.
So erinnern die Stand-up-Szenen ein bisschen an die Comedy-Parallelwelt aus Marvelous Ms. Maisel, weil auch hier eine lebendige Community vermittelt wird und somit absolut plausibel ist, dass sich Alex in dieser Lebensphase hin entwickelt. Eingefangen wird das Ganze dann auch in auf den ersten Blick unspektakuläre, aber bei genauerem Hinsehen enorm ausdrucksstarke Bilder. Der Kamera entgeht hier keine Gesichtsregung, die in den ruhigen Momenten oft mal wieder mehr sagt als Worte.
Klare Botschaft, minimales Drama
Wir verfolgen dann in den gut zwei Stunden hier, wie es für RomComs üblich ist, ein Auf und Ab, ein Annähern und Abstoßen, aber irgendwie hat man auch hier ein Gefühl von Echtheit, wodurch das, was in ähnlichen Filmen oftmals eindeutig als künstliches Drama zu entlarven ist, hier für die beiden Ehepartner wirklich notwendig ist, um in dieser Lebensphase zu erkennen, wie sie den Rest ihres Lebens dann weiterleben wollen. Natürlich spielen dann auch die Kinder eine Rolle, aber auch dank deren beider Schauspielleistung, werden weder wir als Publikum noch die Eltern hier manipuliert.

Doch wer bei meinen Ausführungen nun denkt, Is This Thing On? würde nur vor sich hindümpelt, der sei beruhigt: Die Gesprächssituationen sind rasant, weil die Figuren echt sein sollen, sind auch viele der Dialoge echt witzig. Und dann kommen noch die zahlreichen bekannten Gesichter in den Nebenrollen hinzu, die alle so viel Bock auf dieses Projekt ausstrahlen, dass aus dem auf die beiden Hauptfiguren fokussierten Film letztlich sogar ein bockstarkes Ensemblestück wird, ein zeitweiser, lebendiger Einblick in eine Familiensituation, die zwar außergewöhnlich ist, aber nicht außerweltlich.
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Unser Fazit zu Is This Thing On?
Is This Thing On? erfindet nichts neu, ist alles in allem ziemlich erwartungsgemäß und setzt auch handwerklich keine Maßstäbe. Doch die Regiearbeit von Bradley Cooper hat etwas, was vielen romantischen Dramen fehlt: Echtheit. Und mit dem Grad an Identifikation steht und fällt nun mal nicht selten auch die Faszination und das Interesse. So bleibt man hier, obwohl auf dem Papier vieles nach 08/15 scheint, gebannt dran, lacht immer wieder herzlich, will das ein oder andere Mal dem Protagonisten für seine Egozentrik eine reinhauen und versteht trotzdem, weshalb er sich so verhält. Wer so etwas wie Silver Linings mochte, eine more grounded Antwort auf Die Rosenschlacht mit Benedict Cumberbatch und Olivia Colman sehen will oder Woody Allen zwar früher mochte, aber heute nicht mehr ohne schlechtes Gewissen schauen kann, der bekommt hier das Rundum-Sorglos-Paket.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

