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    Startseite » Kraken – Das Erwachen der Tiefe
    Action Filme Horror Thriller

    Kraken – Das Erwachen der Tiefe

    Louis Kiehlvon Louis Kiehl21. Oktober 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    © Splendid Films
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    Kraken – Das Erwachen der Tiefe musste bei seinem Kinostart einiges an Kritik einstecken. Nun landet der norwegische Thriller pünktlich zur aktuellen Tierhorror-Welle endlich im Heimkino. Doch erwartet uns ein unterschätzter Geheimtipp – oder doch nur ein weiterer Trittbrettfahrer von The Meg?

    Darum gehts im Krakenfilm

    Rätselhafte Vorfälle häufen sich im tiefsten Fjord Norwegens. Menschen verschwinden spurlos und Wildlachse sterben in großer Zahl. Als die Meeresbiologin Johanne eintrifft, um die Situation vor Ort zu untersuchen, wird aus ihrem Routineauftrag ein Alptraum: Zwei junge Männer auf einem Wasserscooter sterben auf unerklärliche Weise, und kurz darauf tauchen verstümmelte Leichen auf… Johanne entdeckt schließlich etwas, das jede wissenschaftliche Erklärung übersteigt. Die für die Lachszucht eingesetzte Schalltechnologie hat den mythischen Kraken erweckt, ein uraltes Monster aus der Tiefe, das alles vernichtet, was sich bewegt oder einen Laut von sich gibt.

    Key-Art © Splendid Films

    Hoch im Kurs

    Das norwegische Kino versucht mittlerweile immer häufiger, den internationalen Markt aufzumischen. Von bildgewaltigem Katastrophenspektakel wie The Wave – Die Todeswelle über Arthousekino wie The Innocents und Oscar-Kandidaten wie Sentimental Value bis hin zu Netflix-Hits wie der Troll-Reihe, die sich als norwegische Antwort auf Godzilla versucht, deckt das nicht unbedingt für Filmindustrie bekannte Land mittlerweile eine beachtliche Genrevielfalt ab. Nun stand endlich Tierhorror auf der Speisekarte. Doch bereits rund um den Release von Kraken – Das Erwachen der Tiefe machte sich Enttäuschung statt Euphorie breit. All das, was sich der norwegische Film über die Jahre an Reputation erarbeitet hatte, schien in diesem Genrebeitrag zu fehlen. Stattdessen häuften sich sogar die Anschuldigungen: Bei der Effektherstellung sei KI zum Einsatz gekommen, das titelgebende Monster kaum mehr als ein Etikettenschwindel und der dürftige Aufbau münde in einem unbefriedigenden Pay-off.

    Mehr „Tiefe“ als notwenig

    Entgegen der gängigen Kritik erweist sich Kraken – Das Erwachen der Tiefe jedoch als hochwertiger Vertreter des Tierhorror-Kosmos. Regisseur Pål Øie nimmt sich für sein Build-up viel Zeit und liefert mit begrenzten Mitteln eine respektable Fingerübung, die sich trotz ihrer vorhersehbaren Ausgangslage sehen lassen kann. Irgendetwas geht dabei – mal wieder – im Wasser vor sich: Menschen verschwinden, Leichen tauchen auf und Tiere verhalten sich eigenartig. Daraufhin wird eine Forscherin zu einer Kontrolluntersuchung auf eine Lachsfarm geschickt, mit der sie eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Parallel dazu untersucht die Polizei die Schauplätze an Land, während Klimaaktivisten versuchen, sich gegen die profitorientierte Lachszucht zur Wehr zu setzen. Für seine innovative Geschichte erntet der norwegische Genrefilm garantiert keine Lorbeeren, denn Kraken – Das Erwachen der Tiefe hakt die bekannten Genre-Checkboxen bedenkenlos ab, die mittlerweile kaum noch als erzählerischer Rahmen ausreichen.

    Schnell zeigt sich also: Kraken – Das Erwachen der Tiefe nimmt sich viel vor, hat aber erstaunlich wenig zu sagen. Auf offensichtlichste Weise versucht Pål Øie, eine eigene Welt zwischen John-Carpenter-Hommagen, The Meg-Anspielungen und simpelster Kapitalismus- und Umweltkritik zusammenzufügen – wirklich greif- oder sichtbar wird davon allerdings wenig. Immer wieder begegnet man denselben Menschen und Schauplätzen, ohne dass sich daraus ein stimmiges Gesamtbild entwickelt. Von wirklichem Worldbuilding oder einer spürbaren Kleinstadtatmosphäre kann also kaum die Rede sein. So entsteht zunächst mutlos zusammengeklaubtes Genrekino, das seine Erzählung wahllos mit Themen und Versatzstücken auflädt, ohne ihnen wirklich nachzugehen. Die Darsteller begegnen dem Geschehen zwar mit der nötiger Ernsthaftigkeit, doch den Film hält das lange Zeit nur mühselig über Wasser. Denn all diese Elemente dienen letztlich vor allem als Aufhänger. Als lose Bausteine für ein Werk, das nach knapp 40 Minuten überhaupt erst richtig zu beginnen scheint.

    Entsetzen. © Splendid Films

    Das Erwachen des Filmes

    Mit Beginn des zweiten Akts zeigt der Thriller, was in ihm steckt. Nach dem bisherigen Schaustehen vor schönen Kulissen traut sich Pål Øie nun weiter aufs offene Gewässer hinaus und damit automatisch tiefer in die Lachsfarm hinein. Plötzlich wird aus dem müden Aufbau ein charmanter Aliens-Verschnitt. Øie setzt auf parasitäre Lebensformen, die zunächst untersucht werden müssen, sich schließlich als Bedrohung entpuppen und dabei ähnlich wie Facehugger agieren. Die Anwesenden des Labors geraten dadurch spürbar in Aufruhr oder werden kurzerhand um die Ecke gebracht. Diese Ebene nutzt Øie als funktionale dramaturgische Brücke, um die Handlung endlich in Bewegung zu bringen.

    Auf einmal löst Kraken – Das Erwachen der Tiefe doch noch sein Versprechen ein. Der Thriller liefert ein reizvolles Creature-Feature, das als Bindeglied zwischen der finalen Kraken-Konfrontation und dem Menschenwirrwarr an Land problemlos unterhält. Wirklich eklig, schleimig oder trashig wird es zwar nie, dafür reizt der norwegische Streifen seine Altersfreigabe ordentlich aus und überzeugt umso mehr durch eine stimmungsvolle Inszenierung. So lässt Øie sein begrenztes Budget geschickt nach mehr aussehen und zögert das Auftauchen des titelgebenden Tieres mithilfe kleinerer Actionszenen sinnvoll bis zum finalen Höhepunkt hinaus, ohne dabei an Tempo, Qualität oder Spannung einzubüßen. Seine Monster-Gehilfen setzt Kraken – Das Erwachen der Tiefe dabei an genau jener Stelle der Eskalationsspirale ein, an der man als Zuschauer gerade zur Fernbedienung greifen wollte.

    Es lauert in der Tiefe… © Splendid Films

    Norwegische Natur trifft kosmischen Kraken

    Auch die wunderschönen Naturaufnahmen weiß der Monsterfilm letztlich gekonnt auszuspielen. Zahlreiche praktische Effekte und eine solide Setgestaltung werten die erstaunlich beliebige Kulisse des Forschungslabors auf, die einen wundervollen Kontrast zur malerischen norwegischen Kleinstadt, den umliegenden Bergen und Fjorden bildet. Inmitten dieser Landschaften entfaltet sich schließlich auch das große Finale. Sobald der Kraken zum Einsatz kommt, erweist sich vor allem die Effektarbeit als Schlüssel zum Erfolg. Pål Øie versteht sein Handwerk und setzt die Tentakeln des Monsters eindrucksvoll in Szene. Sie krachen auf das Labor, schlängeln sich durch Räumlichkeiten, pressen sich durch enge Schächte und treiben die Figuren immer weiter in die Flucht. Kraken – Das Erwachen der Tiefe feiert damit einen turbulenten, atmosphärischen und visuell mehr als ansehnlichen Auftritt seines Antagonisten, der besonders in voller Größe reizvolle Assoziationen an den Cthulhu-Mythos weckt und Genrefans dank seines erinnerungswürdigen Erscheinens bestens unterhalten dürfte. Dass bei einigen Effekten – genauer: bei springenden und umherschwimmenden Fischen oder Unterwasseraufnahmen – sichtbar mit KI nachgeholfen wurde, trübt den Gesamteindruck allerdings und sollte nicht unerwähnt bleiben.

    © Splendid Films

    Unser Fazit zu Kraken – Das Erwachen der Tiefe

    3.0 Okay

     

    Zu behaupten, der norwegische Genrefilm sei rundum gelungen, wäre schlichtweg gelogen. Dafür weist der Beitrag sowohl inhaltlich als auch formal zu viele Baustellen auf. Auch der Auftakt, der sich nie entscheiden kann, was er eigentlich sein und wen er ansprechen möchte, und der sichtbare Einsatz von KI spielen dem nicht gerade in die Karten. Dennoch gelingt es Pål Øie, die verschiedenen Elemente zufriedenstellend zusammenzuführen: Während die ersten Minuten noch zum geistigen Abschalten verleiten, entfalten die beeindruckenden Naturaufnahmen eine beinahe meditative Wirkung, ehe Kraken – Das Erwachen der Tiefe diese Ruhe mit genügend Horror und Action aufbricht. Zumindest verleiht die Alien-Anspielung dem Thriller nötigen Anschub, während das Grande Finale in einer bildstarken Auseinandersetzung zwischen Mensch und Monster mündet. Einen Kraken hat man jedenfalls selten eindrucksvoller inszeniert gesehen. Gerade deshalb dürften einige Einstellungen noch lange nachwirken, auch wenn der Film als Ganzes kaum in Erinnerung bleiben wird.

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    Louis Kiehl

    Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

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