Nachdem die Reboot-Rabauken von Mortal Kombat schon die zweite Runde hinter sich haben, kämpfen sich auch die Street Fighter zurück auf die große Leinwand. Ist der Tag, an dem Bison und Konsorten die Kinos wieder mit ihrer Anwesenheit zieren, der wichtigste Tag unseres Lebens oder doch nur ein ganz normaler Donnerstag?
Street Fighter – Die Handlung der Kino-Kabbelei
Angesiedelt im Jahr 1993, werden die entfremdeten Street Fighter Ryu (Andrew Koji) und Ken Masters (Noah Centineo) wieder in den Kampf getrieben, als die mysteriöse Chun-Li (Callina Liang) sie für das nächste World Warrior Tournament rekrutiert – ein brutales Aufeinandertreffen von Fäusten, Schicksal und Wut. Doch hinter diesem Battle Royale verbirgt sich eine tödliche Verschwörung, die sie zwingt, nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit anzutreten. Und wenn sie’s nicht tun, heißt es: GAME OVER!

Choose Your Fighter!
Wer sich virtuell prügeln möchte, braucht einen würdigen Gegner. Damit dieser am Ende mit blutender Nase und blauem Auge in der Gosse liegt, muss im Vorfeld eine schwerwiegende Entscheidung getroffen werden: Welche der vielen auswählbaren Straßenkämpfer:innen passt perfekt zu meinem Spielstil? Einige von ihnen eignen sich für den Fernkampf, andere wiederum agieren lieber nah am Gegenüber. Manche der Prügelknaben bzw. -damen sind für Einsteiger konzipiert, andere für Profis. Für Unentschlossene gibt es den Allrounder, einen goldenen Mittelweg, der für ein ausgewogenes Spielerlebnis sorgt.
Letzteren wählt Capcom für die dritte Realverfilmung des bekannten Street-Fighter-Franchise. Das Ergebnis an den Kinokassen soll schließlich die Produzenten – möglichst ohne kritische Tiefschläge – umhauen. Beim Neustart von Resident Evil ist ihnen das halbwegs gelungen. Die Kritik lobte Zach Creggers humoristischen Ansatz, der mit vielen Referenzen auf die Spiele aufwarten konnte. Das Einspielergebnis konnte sich ebenfalls sehen lassen, nur das Fehlen bekannter Charaktere wurde von Fans bemängelt. Eine klare Vision und ein gradliniges Leveldesign täte Capcoms zweiter Adaption in diesem Jahr ebenfalls gut. Street Fighter schmeißt im Gegensatz zur Resident Evil einfach alles in den Ring und sorgt so für ein unausgewogenes Spielgefühl.
Die entscheidende Schlacht
Einen großen Einfluss hat die misslungene Verfilmung von 1994. Der Megaerfolg Street Fighter II sollte mit einem gezielten Hadouken die Grenzen des Mediums sprengen. Als erster Endgegner stellte sich dabei der für die Hauptrolle auserkorene Jean-Claude Van Damme heraus. Der verkörperte auf dem Papier einen spielbaren Charakter, entzog sich allerdings jeglicher Kontrolle. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms war er mehr an Sex und Drogen interessiert als am Dreh. Weitere Schwierigkeiten ergaben sich durch die Wahl des Drehortes, die ständige Einmischung seitens der Produzenten und das geringe Budget.
Dass Street Fighter – Die entscheidende Schlacht dennoch Gewinn einfuhr und im Nachhinein zum Kult erklärt wurde, ist für Capcom wohl Grund genug, der Verfilmung mehr Tribut zu zollen als dem eigentlichen Spiel. Was als Hommage an den trashigen Charme der Vorlage daherkommt, entpuppt schnell als Schlag ins Gesicht. Wer mit viel Geld unter Laborbedingungen absichtlich Schund produziert, erschafft kein Guilty Pleasure.
Ab hier sind Tiefschläge erlaubt
Da Street Fighter seine Popularität in den 90ern erlangte, bekommen die jubelnden Zuschauer vor der Leinwand erst mal unnötigerweise eins mit der Nostalgiekeule übergebraten. Doch beim Einsatz von Retrowaffen sollte strengstens darauf geachtet werden, sie sinnvoll einzubauen, sonst erzielen sie nicht die gewünschte Wirkung. Niemand wird wehmütig auf seine Jugend zurückblicken, bloß weil Ken in schönster digitaler 4K-Optik betrunken den einzigen Hit der 4 Non Blondes grölt. Es macht sich keiner die Mühe das damalige Lebensgefühl einzufangen. Das Setdesign ist futuristisch, die Bild-Ästhetik will an John Wick erinnern, die Frisuren und Kostümen passen mehr in die 80er und die Songauswahl hat wenig mit dem Jahr 1993 zu tun. Für die Geschichte ist der Rückgriff auch völlig uninteressant. Nur beim Product Placement wurde peinlichst genau auf den Zeitgeist geachtet, um wenigstens nicht die Sponsoren zu verärgern. Die farbenfrohe Comicästhetik der Vorlage sucht man ebenfalls vergeblich. Vielleicht solte sich das Franchise besser in „Keller Kämpfer“ umbenennen, denn statt exotischer Schauplätze dominieren düstere Gassen, Verließe und Untergrund-Clubs.
Beef mit Drehbuch und Regie
Dass die Story nur Mittel zum Zweck ist, wäre noch verzeihbar, wenn sie zugunsten der ansehnlichen Kampfszenen in den Hintergrund rücken würde. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Nach einer halben Stunde ist das Turnier praktisch obsolet. Statt uns die Kämpfe zu liefern, die wir sehen wollen, zwingt uns das Drehbuch, einer wirren Handlung, mit deutlichen Anleihen an das Van-Damme-Debakel zu folgen. Die Dialoge sind miserabel, der Humor unterirdisch und die Figuren werden unnötig sexualisiert.
Damit keiner der zahlreichen Charaktere in Vergessenheit gerät, wird wahllos zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergeschnitten. Nicht einmal der Erzählton bleibt dabei konstant. Sämtliche Rückblenden werden im Anime-Stil erzählt und ergeben zusammengenommen einen gelungenen Kurzfilm. Mit ihrer düsteren Erzählweise und der epischen Geschichte passen sie allerdings überhaupt nicht zum restlichen Nonsens. Regisseur Kitao Sakura (Beef) gelingt es nicht, das erzählerische Chaos durch eine stimmige Inszenierung abzumildern. Mit einem gezielten Roundhousekick befördert er alles aus der Arena, was auch nur im Entferntesten an Spannung oder Spaß erinnert.
Wähle einen Dämpfer äh… Kämpfer
Raúl Julias Interpretation von M. Bison ist wohl der Hauptgrund, warum sich überhaupt noch jemand an die erste Street Fighter-Verfilmung erinnert. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war der Schauspieler unheilbar an Magenkrebs erkrankt. Er nahm die Rolle nur an, um seinen Kindern eine letzte Freude zu bereiten. Gezeichnet von der Krankheit, waren seine Kräfte so begrenzt, dass weitere Anpassungen am Drehbuch nötig wurden. Doch anders als Van Damme verweigerte er nicht die Arbeit, sondern holte aus dem Wenigen, wozu er körperlich noch in der Lage war, das Maximum heraus. David Dastmalchian (Late Night with the Devil) orientiert sich sichtlich an seinem Vorgänger, hat aber nicht annähernd so viel Charisma.
Ryu und Ken bekommen die meiste Spielzeit und funktionieren als Duo, auch wenn sich Ryu-Darsteller Andrew Koji (Boy Kills World) offenbar in einem Charakterdrama wähnt. Callina Liang hinterlässt als Chun-Li ebenso wenig Eindruck wie bei ihrem kurzen Auftritt im Mortal Kombat-Reboot.
Bei den restlichen, teils sehr prominenten Darstellern ist es eigentlich egal, wer unter der Verkleidung steckt. Sie treten entweder nur kurz auf, sind kaum zu erkennen oder bekommen schlicht nichts zu tun. Immerhin gehen sie uns nicht so sehr auf die Nerven wie Eric André, der als überdrehter Moderator den Bogen mehrfach überspannt. Wäre Gewalt doch bloß eine Lösung.
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Unser Fazit zu Street Fighter
Street Fighter II ist bis heute der Goldstandard des Prügelspiel-Genres, das filmische Reboot bildet dagegen den Bodensatz der Videospielverfilmungen. Die Grafik ist nicht bunt, das Zeitlimit wird nicht eingehalten und es wird viel zu wenig gekämpft. Stattdessen gibt es eine wirre Story und schauspielerische Leistungen, die einen erneuten Kultstatus mit aller Kraft erzwingen sollen. Wer nach dem geglückten Resident Evil-Neustart all seine Hoffnung auf eine weitere gelungene Verfilmung der Spieleschmiede gesetzt hat, sollte lieber zu Hause bleiben und eine Runde Tekken spielen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.
